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Gargoyles sind drachenartige Fabelwesen mit menschenähnlicher Statur, die oft Brunnen oder Gebäude zieren. Dieser hier grinst vom Magdalen College in Oxford (Bild: Wiki Commons / Chris Creagh / CC-BY-SA-3.0)

In Inka Loreen Mindens unterhaltsamen Roman "Beim ersten Sonnenstrahl" kommen sich ein Halbmagier und ein Fabelwesen näher.

Von Frank Hebenstreit

Wer will alles wissen, was der Gargoyle unterm Lendenschurz hat? So wenige nur? Ach so, ein Gargoyle… Ein Gargoyle ist ein drachenartiges Fabelwesen mit menschenähnlicher Statur, Flügeln sowie Krallen an Händen und Füßen und ordentlichen Fangzähnen. Aus Stein gehauene Gargoyle-Figuren wurden gerade im Mittelalter und der Gotik als Wasserspeier an Kirchen eingesetzt, wie z. B. am Ulmer Münster oder auch an der berühmten Notre Dame in Paris.

Glaubt man allerdings den Schilderungen von Inka Loreen Minden, dann kann so ein Gargoyle aber auch wie ein griechischer Gott geformt sein, lediglich mit Flügeln, Hörnern, Reißzähnen und Krallen. So, und wer möchte jetzt wissen, was der Gargoyle unterm Lendenschurz hat? Dachte ich's mir doch.

Dann kann ich Mindens Roman "Beim ersten Sonnenstrahl" nur wärmstens empfehlen. Und warm kann einem dabei auch werden, sogar heiß. Die Kurzbeschreibung "Eine romantische Geschichte über einen Halbmagier, einen Gargoyle und das Rätsel des Steinfluchs" trifft es schon recht gut, wird aber der Geschichte noch lange nicht gerecht.

Ein Unbekannter rettet David das Leben


Nur eine harte Probe für die zarte Liebe: Tagsüber verwandelt sich der Gargoyle in eine Steinfigur

Im Jahr 1862 begleitet der 15-jährige David seine Eltern zur Weltausstellung in London. Der Vater möchte dort einigen Gelehrten seine Erfindung, den ersten ammoniakfreien Kühlschrank, vorstellen. Auf dem Rückweg von dort werden sein Vater und seine Mutter Opfer eines heimtückischen Anschlages. David überlebt nur knapp, weil ihm jemand das Leben rettet. Er weiß aber nicht wer.

In den kommenden Jahren kommt sich David immer wieder beobachtet vor. Er lebt inzwischen mit seiner Großmutter in einem großen Haus in London und hat sich im Laufe der Zeit als junger Schriftsteller einen Namen gemacht. Eines Abends im Jahr 1867 fühlt er sich wieder so beobachtet. Er schafft es fast, einen Unbekannten zu stellen, den er für den Beobachter hält. Er folgt diesem Unbekannten bis in eine alte Kirche, wo sich dessen Spur allerdings verliert. Nun ist jedoch sein Jagdinstinkt geweckt…

Zarte Liebe zwischen Mensch und Fabelwesen

Lange muss der Leser nicht warten. David schafft es, seinen Verfolger zu enttarnen: einen Gargoyle. Fasziniert von diesem wunderschönen Fabelwesen mit Namen Zahar, löchert es David mit Fragen. Zahar leistet immer wieder schwachen Widerstand, lässt sich aber vom tief ehrlichen Wissensdurst des jungen David erweichen. So kommt dieser schnell an den Punkt, an dem er erkennt, dass Zahar derjenige war, der ihn bei dem Anschlag rettete.

Zahar gilt in seinem Klan als ausgeschlossen. Nicht nur, weil er sich bereits bei der Rettung in David verliebt hat, aber es ist ein Grund. Es beginnt eine zarte Liebesgeschichte, in der sowohl Mensch als auch Fabelwesen sich etwas trauen, sich zurückziehen, wieder annähern, zweifeln und zu erobern versuchen.

Beide beschließen, den Tod von Davids Eltern aufzuklären und nach Paris zur neuen Weltausstellung zu fahren. Dort soll der erste ammoniakfreie Kühlschrank als neueste Errungenschaft der Technik vorgestellt werden – die gestohlene Erfindung des getöteten Vaters. Dieser ersten Spur folgen die beiden ungleichen Liebenden mit Zug und Schiff. Das wäre grundsätzlich kein Problem, wäre da nicht noch eine unangenehme Begleiterscheinung: der Steinfluch. Tagsüber wird der Gargoyle zu einer Steinfigur. Nur in diesem Steinschlaf kann er sich regenerieren.

Geheimnisse lüften mit Jules Verne in Paris


Inka Loreen Minden ist eine bekannte deutsche Autorin (homo-)erotischer Literatur. Von ihr sind bereits 26 Bücher, 6 Hörbücher und zahlreiche E-Books erschienen

In Paris angekommen, beginnt nun auch die Magie eine immer größere Rolle zu spielen. David lernt dort außerdem Jules Verne kennen und lüftet mit ihm zusammen auch das ein oder andere Geheimnis, um schlussendlich dem Mörder seiner Eltern gegenüber zu treten. Wird er Rache fordern? Kann es sein, dass der verstorbene Vater mehr mit all dem zu tun hat, als es den ersten Anschein hat? Wird die Liebe zwischen Fabelwesen und Halbmagier Bestand haben? Die Antworten darauf gibt Inka Loreen Minden in ihrem Buch.

Mit einfachen, aber deutlichen Worten erzählt die Autorin ihre Geschichte. Sie gibt Gargoyle und Mensch ein klar vorstellbares Gesicht, wahrnehmbare Hände, Füße, Körper, ja sogar Flügel … und ja, hüstel… auch das unter dem Lendenschurz.

Jedes Mal, wenn man dieses Buch wieder zur Hand nimmt, um weiter zu lesen, ist man nach ein, zwei Zeilen sofort wieder in London oder Paris irgendwo im 19. Jahrhundert. Atmosphärisch dicht und doch frei genug für die eigene Phantasie, beschreibt Inka Loreen Minde ihre Szenen und verleitet den abendlichen Leser, durchaus auch mal die ein oder andere Seite mehr zu lesen und das Licht wesentlich später auszumachen als geplant. Das macht Spaß und bietet gute Unterhaltung.

Feines Gespür für die männliche Erotik

Der Preis von 11,99 Euro ist für das Buch aus dem dead soft Verlag weder übertrieben noch abgehoben. In der dort üblichen Hochglanzaufmachung mit griffig gestalteten 196 Seiten, die sich zügig weglesen lassen, bekommt man genau das, was man nach der Gesamtgestaltung erwarten darf. "Beim ersten Sonnenstrahl" ist ein Buch, das klar zu dem steht, was es möchte. Unterhalten, ablenken, vielleicht auch ein klein wenig verführen. Und das tut es. Mit feinem Gespür für die männliche Erotik bekommt die Geschichte immer dann, wenn Zahar und David sich und ihre Lust gegenseitig erforschen, noch ein Sahnehäubchen. Dabei ist die Story nicht gerade tiefschürfend und hat auch nicht versucht, diesen Eindruck zu erwecken. Man merkt aber in vielen Kleinigkeiten, dass die Autorin ihre Hausaufgaben bezüglich der Recherche für ein historisch angelegtes Buch gemacht hat.

Diese Liebe zum Detail zahlt sich für den Leser aus und macht dieses Buch jeden Cent wert. Am Schluss bleibt dann auch eigentlich nur eine Frage offen: Wann bitte gibt es mehr von David und Zahar?

Infos zum Buch

Inka Loreen Minden: Beim ersten Sonnenstrahl. Roman. 196 Seiten. Dead Soft Verlag. Mettingen. 2012. 11,99 €. ISBN 978-3943678352


#1 MeineFresseAnonym
  • 07.05.2013, 18:30h
  • Ich kann von dieser Autorin nur abraten.
    Finde ihre Werke sehr schlecht, jedenfalls die die ich kenne. Da gibt es bessere Autoren für schwule Themen.
    Leider schreiben die meisten auf Englisch.

    wer es trotzdem probieren will,sollte sich einen Kindle anschaffen. E-Books sind billiger als echte und man ärgert sich nicht so sehr wenn man das falsche gekauft hat.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 keyjahn
  • 08.05.2013, 01:47h
  • Nun die Idee um Gargoyles ist nicht wirklich neu. Ich erinnere mich zu gut an die Serie "Gargoyles Auf den Schwingen der Gerechtigkeit" aus den Neunzigern. Da war es ja genauso, tagsüber Stein, Nachts lebendig.

    Und Verbrechen aufklären + Liebesgeschichte zu einem Menschen gab es auch.

    Das Setting ist ein anderes und ja, es geht um eine Beziehung zwischen 2 männlichen Wesen, aber allein von der Zusammenfassung sind einige Parallelen zu erkennen. Ich werde mir die Leseprobe mal angucken...
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#4 stromboliProfil
  • 08.05.2013, 08:48hberlin
  • ich hab in den 90zigern mal einen kanadischen (?) porno gesehen der sich dem thema annahm..
    der aufwendig und ästhetisch sehr gekonnte film, beginnt mit einem späten frühstück in einer turmklause incl. erstem sex.., fährt fort mit einer ausfahrt auf eine rauschende party mit wirklich tollen männern und endet im dreier wieder im turm..
    wenn dann die sonne aufgeht, sieht man den gast alleine am tisch sitzend und seine beiden gastgeber als steinerne figuren das turmfenster einrahmend...
    Was da unterm lendenschurz getragen wurde, blieb kein geheimniss.. und war durchwegs ansprechend.
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#5 finkAnonym
  • 08.05.2013, 12:12h
  • >"und ja, hüstel..."

    ein argument für die notwendigkeit einer schwulen subkultur war es für mich schon immer, dass wir damit räume haben, in denen man entspannt und selbstverständlich über (schwule) sexualität reden kann, ohne dabei die absurd verengten schamgrenzen der mehrheitsgesellschaft einhalten zu müssen.

    offenbar brauchen wir solche räume immer noch.
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