Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?19207


Ausriss: So machte "Bild" die Meldung zur Story

Eine transsexuelle Frau ist aus der Justizvollzugsanstalt im rheinland-pfälzischen Diez ausgebüchst und wird nun gesucht – Zeit für manche Medien, sich über Transsexuelle lustig zu machen.

Für einen Redakteur bei der "Bild"-Zeitung war die Geschichte von Sandra Ortlepp offenbar ein gefundenes Fressen, um mal wieder Photoshop auszuprobieren. Nachdem die Behörden ein Männerbild der transsexuellen Insassin herausgegeben haben, verpassten die Journalisten dem Bild der Entflohenen ein paar lustige Perücken und klatschten ihr 80er-Jahre Make-up über die Augen.

Der Artikel beginnt dazu mit dem Worten: "Kein Witz!", als ob die Transsexuelle an sich nicht ernstzunehmen ist. Im Text erfährt man, dass Ortlepp als Mann zur Welt gekommen ist, laut Reisepass aber eine Frau ist. Weil die Justiz sie nach einer Einbruchsserie gedankenlos in einen Männerknast gesteckt hatte, wurde die Insassin offenbar gemobbt – und kehrte möglicherweise daher nach einem Freigang nicht mehr zurück.

Die "Rhein-Zeitung" war in ihrem Artikel noch transphober: So benutzt der Autor ein verdoppeltes Personalpronomen ("er (sie) hat vor Gericht betont…"), das für Transsexuelle beleidigend ist. Die Insassin wird als "Mann, der sich selbst 'Sandra' nennt" diffamiert, der sich im Männertrakt "vermutlich nicht wohlgefühlt" hat – die Verharmlosung von Mobbing ist erschreckend.

Diese Berichterstattung ist gefährlich, da sie generell Transsexuelle als Freaks erscheinen lässt, die man nicht ernst zu nehmen braucht. Dabei verlieren viele Transsexuelle nach ihrem Coming-out ohnehin schon die Akzeptanz in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis und müssen noch weit mehr um Anerkennung kämpfen als Homosexuelle.

Welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung hat, kann man in den sozialen Netzwerken sehen. Alleine auf der Facebook-Seite von RTL Aktuell haben sich viele typisch transphobe Kommentare unter dem Artikel eingefunden. So bezeichnet ein User die Flüchtige als "gruselige Gestalt", ein anderer schreibt ganz unverblümt: "der steht bestimmt irgendwo auf dem transenstrich". Auch Gewaltaufrufe sind gang und gäbe. Der deutlichste Satz: "Aufhängen diese Transe!!!!!". (dk)



#1 timpa354Ehemaliges Profil
  • 13.05.2013, 19:49h
  • "Aufhängen diese Transe" ist ja wohl das Gemeinste was ich seit langem gelesen haben. Na, da können BILD und Rheinzeitung( die sowieso keinen mehr interessiert) ja mächtig stolz sein, dass sie die niedersten Instinkte der geistig Minderbemittelten bedienen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FelixAnonym
  • 13.05.2013, 20:28h
  • Bild-Zeitung halt...

    Und andere Deppenmedien wie RTL oder die Rhein-Zeitung schließen sich daran an.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 chrischrischrisAnonym
  • 13.05.2013, 20:59h
  • Antwort auf #2 von Felix
  • Kann man in solchen Fällen keine Anzeige erstatten: Diffamierung und Aufhetzen zu Gewalttaten? - Oder ist mit Rechtsstaat nur die funktionierende Kooperation der Behörden mit der rechten Szene gemeint?!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Kim SchicklangAnonym
  • 13.05.2013, 21:01h

  • Es sind die Kleinigkeiten, an denen man sehen kann, wie ernst es Euch wirklich ist. Ihr schreibt "Im Text erfährt man, dass Ortlepp als Mann zur Welt gekommen ist," Richtig wäre aber, hier den Konjunktiv zu verwenden. Dieser heisst "sei". Da ihr aber ein "ist" verwendet habt, hängt ihr euch an den Artikel hintendran, tut so, als ob ihr hier einen anti-transphoben Artikel verfasst habt, behauptet aber dennoch, die Frau sei "als Mann geboren". Merkt ihr, wie unehrlich das ist?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 ThorinAnonym
  • 13.05.2013, 21:29h
  • Auch heftig solche Kommentare:

    "Vor 70 Jahren hätte man solche Leute er.........."

    "Furchtbar. Hoffentlich kriegen se den perversen schnell, bevor er sich ein kind greift, oder sonst was macht!!!"

    "es" liegt in der mülltonne, wurde versehentlich als schmutzige klobürste entsorgt...."

    (Alle von der RTL FB Seite)
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ThorinAnonym
#7 TheDad
  • 13.05.2013, 22:03h
  • Antwort auf #4 von Kim Schicklang
  • Konjunktiv in der Vergangenheitsform ?
    Ist ? "sei" ?

    Das die Frau als Mann zur Welt gekommen ist..

    Eine zwar in sich unglückliche Formulierung die Bezug auf einen anderen Artikel nimmt, aber dennnoch eine unbestreitbare Tatsache, die sich nicht durch Verwendung einer anderen Zeit oder Form verändert..

    Transidentität beginnt zuerst im Kopf..

    Die Tatsache das die Flüchtige laut Reisepass eine Frau ist kennzeichnet nur die bereits vorgenommene Personenstandsänderung, läßt aber ansosten keinerlei Rückschlüße auf bereits vorgenommene geschlechtsangleichende operative Maßnahmen zu..

    Die allgemeine Situation transidentischer Menschen im Strafvollzug ist durchweg schlecht..

    Mehrere transidentische Menschen mußten sich die "Erlaubnis zum Tragen gegengeschlechtlicher Bekleidung" erst in einem mühseligem Prozess erstreiten..
    Ein Fall ging sogar bis vor das Oberlandesgericht, das dann mehrere vorinstanzliche Entscheidungen aufhob, und die Gefängnisverwaltung dazu veruteilte dies zuzulassen..
    Nachdem sich die Inhaftierte bereit erklärte auf "eigene Kosten" für die Reinigung und Instandhaltung der Bekleidung zu sorgen, denn in der Anstalt wird im allgemeinen die Gefangenenbekleidung durch die Ansatalt gestellt, was nicht überall so ist..

    Im gleichem Prozess wurde das Begehren auf Verlegung in die Frauenabteilung des gleichen Gefängnisses abgelehnt, das sich die Gefangene noch im "Probejahr" befand, also ihr Geschlecht noch nicht operativ hatte anpassen lassen..
    Dazu gab es schon einmal einen Post von mir :

    www.queer.de/detail.php?article_id=18860&antwort_zeigen=
    ja#c15


    Das Vorgehen der anderen Zeitungen ist mehr als typisch, die Kommentare dazu ebenso..

    Ob sich in naher Zukunft für transidentische Menschen im Vollzug etwas ändert, ist zweifelhaft, in Deutschland gibt es aktuell keine Projekte dazu, die eine Förderung genießen..

    In Italien wird derzeit für transidentische Menschen ein eigener Knast gebaut, in dem dann alle Gefangenen aus ganz Italien zusammen gefaßt werden sollen..

    mobil.diestandard.at/1263706104011/Italien-Erstes-Gefaengnis
    -fuer-Transsexuelle
  • Antworten » | Direktlink »
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 EtienneZHAnonym
  • 14.05.2013, 07:15h
  • Antwort auf #8 von FoXXXyness
  • Stimmt. Auf welt.de wurde Richard Branson, bei der Aktion "AirAsia", vor 2 Tagen, als "Saftschubse"beschrieben. Fand ich auch diskriminierend. Ich glaube, davon gab es bei queer.de kein Wort dazu. Ich glaube, die Aktion fand man hier auch lustig.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 kiriAnonym
  • 14.05.2013, 08:19h
  • Antwort auf #6 von Thorin
  • SIE wurde vermutlich (wir habens ja nicht gesehen) mit männlichen Geschlechtsteilen geboren und so fälschlicherweise nach der Geburt für einen Jungen gehalten. Das macht einen großen Unterschied.
    Sie hat den Körper eines Mannes, biologisch, anatomisch gesehen. Doch korrekt ist das eben in ihrem Fall nicht.

    Und so lange die Leute, die Gesellschaft, die Bild und alle anderen Medien und du auch nicht verstehen wollen das für einige Menschen die Geschlechtszuschreibung nach der Geburt und ihre eigene geschlechtliche Wahrnehmung ihrer Identität eben nicht immer übereinstimmen müssen, so lange wir es dieses ganze Mobbing und diese ganzen transphoben Arschlöcher geben.

    Und ja, ich finde auch im obigen Artikel hätte der Konjunktiv stehen sollen!!! Da ist der Verfasser kaum besser als die Idioten die sich da auf Facebook profilieren wollen. Das ist doch echt arm.
  • Antworten » | Direktlink »