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  • 14.05.2013           13      Teilen:   |

Streit um Finanzen

Corny Littmann verlässt CSD im Streit

Artikelbild
Corny Littmann ist der Chef des "Schmidt-Theaters" und war Vereinspräsident für den Fußballclub FC St. Pauli (Bild: Wiki Commons / Udo Grimberg / CC-BY-SA-3.0)

Weil der Vorsitzende des Hamburger CSDs und der ausrichtende Verein finanziell von der Veranstaltung profitieren, hat der Besitzer des Schmidt-Theaters seine CSD-Mitgliedschaft gekündigt.

Wie die "Welt" am Dienstag berichtete, hat Corny Littmann via E-Mail seinen sofortigen Austritt aus dem CSD-Verein der Hansestadt erklärt: "Ich möchte nicht mehr Mitglied in einem Verein sein, der als Feigenblatt dazu genutzt wird, dass einige wenige, auch der erste Vorsitzende, ihre privaten, finanziellen Interessen realisieren können". Das sei ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht zu vermitteln, schrieb er an den Vorstand.

Stein des Anstoßes waren die Verbindungen des Vereins mit der Ahoi Events GmbH & Co. KG, die neben dem CSD auch das Stadtfest in St. Georg und den Winter Pride organisiert. CSD-Vereinsvorsitzender Lars Peters ist an diesem Unternehmen persönlich mit 25 Prozent beteiligt, weitere 20 Prozent gehören dem Verein. Ahoi Events soll zwischen 2005 und 2012 laut "Welt" rund 93.000 Euro Gewinn erwirtschaftet haben.

Peters erklärte, dass er für die aufwändige Vereinsarbeit keine Vergütung erhalten und der Gewinn aus dem Unternehmen nach Steuern in einem guten Jahr "im nicht nennenswerten vierstelligen Bereich" liege. Die Veranstaltungsagentur sei außerdem 2005 aus der Not heraus gegründet worden, weil niemand mehr den defizitären CSD ausrichten wollte.

Im kommenden Jahr wird Peters nicht mehr CSD-Vorstand und Miteigentümer von Ahoi Events sein dürfen: Bei einer außerordentlichen CSD-Mitgliederversammlung im April hatte die Mehrheit beschlossen, dass künftig kein Vorstandsmitglied mehr Anteile an einer mit dem Hamburg Pride verbundenen Veranstaltungsagentur halten darf.

Fortsetzung nach Anzeige


Keine öffentliche Ausschreibung

Littmann kritisierte auch die Vereinbarungen zwischen Ahoi Events und dem CSD. Demnach erbringt das Unternehmen Dienstleistungen in Höhe von 25.000 Euro und zahlt jährlich 5.000 Euro an den Verein. "Es kann nicht sein, dass sich der Verein mit 5.000 Euro jährlich abspeisen lässt, obwohl allein der Winter Pride ein Vielfaches dieser Summe erwirtschaftet", so Littmann. Sein Vorschlag, die Organisation des CSDs ab 2014 öffentlich ausschreiben zu lassen, fand bei der Mitgliederversammlung aber keine Mehrheit.

Kritik kommt auch von der Hamburger Politik. So erklärte Farid Müller, der grüne Sprecher für schwul-lesbische Politik in der Bürgerschaft: "Eine intransparente Verquickung von wirtschaftlichen Interessen mit Jungfernstieg-Straßenfest und Partys darf es nicht geben." Die Linksfraktion fordert "mehr Politik, weniger Kommerz": "Die zunehmende Kommerzialisierung des CSD droht, die politischen Gründe für die Feierlichkeiten in den Hintergrund zu drängen", erklärte Kersten Artus, gleichstellungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. "Daher schlage ich vor, die Vergabe der CSD-Festivitäten künftig durch die Freie und Hansestadt Hamburg sicherzustellen."

Die CSD-Parade findet dieses Jahr in Hamburg am 3. August statt. Das Motto im Wahljahr lautet: "Mehrheit für Vielfalt: Du hast die Wahl!" (queer.de berichtete). (dk)

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Tags: csd, hamburg, corny littmann
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Reaktionen zu "Corny Littmann verlässt CSD im Streit"


 13 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
14.05.2013
13:28:08


(+8, 10 Votes)

Von Lars3110
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Bravo.
Es kann nicht sein, dass geldgeile Tunten das mit dem Arsch einreißen, was politisch engagierte Leute jahrelang erkämpft haben.
Solange nicht wie in Spanien alle politischen Forderungen umgesetzt sind, gibt es keinen Grund, mit der CSD-Parade Geld verdienen zu wollen.
Das konterkariert die Forderungen.


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#2
14.05.2013
13:41:28


(-8, 12 Votes)

Von Gina


Ach Gottchen, der CSD...
Gerade zur aktuellen Debatte um Gleichstellung täte eine ECHTE Demonstration von Massen von Homosexuellen gut. Aber nein, nichts passiert.
Die CSDs sind doch nur große Parties geworden, in denen die privaten Fetische exponiert werden. Um ernst genommen zu werden, muss man sich in den Dienst einer Sache stellen, seriös, professionell und nicht so stark an der Libido gebunden.
Der CSD ist die Entgleisung wovor die Heteros immer gewarnt haben.


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#3
14.05.2013
14:06:29


(+7, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Kann Littmanns Entscheidung gut nachvollziehen!


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#4
14.05.2013
15:16:53


(-4, 8 Votes)

Von DanielHRO


Ich verstehe die Aufregung nicht. Aus jahrelanger eigener Erfahrung weiß ich, dass ein CSD immer auch ein finanzielles Risiko ist. So wie ich den Artikel verstehe, wollte 2005 als es finanziell schlecht um den CSD in HH stand keiner den CSD ausrichten, so dass der Verein selbst und Einzelpersonen das Risiko einging eine Agentur zu Gründen. Wenn nun, da ein paar fettere Jahre laufen auch der ein oder andere Euro für dieses Risiko abfallen (es ist von einem vierstelligen Betrag die Rede, also wirklich nicht viel), dann ist es nur gerecht, dass diejenigen, die damals das Risiko gewagt haben auch belohnt werden. Wo war denn Herr Littmann 2005? Warum ist er da nicht mit seiner Agentur dem CSD zuhilfe gekommen?


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#5
14.05.2013
18:46:12


(+3, 5 Votes)

Von Sven


Leider fehlen in diesem Beitrag einige nicht ganz unwichtige Details: Corny Littmann verfolgt beim CSD Hamburg nämlich durchaus sehr eigennützige Interessen. Er hatte nämlich gehofft, sich das Filetstück des CSD herauspicken zu können - nämlich als Veranstalter der Gala. Weil dieser Plan nicht aufging, inszenierte Littmann den medienwirksamen Abgang.
Nix gegen Geschäftstüchtigkeit, gerade unter hanseatischen Geschäftsmännern. Aber ganz so uneigennützig wie Littmann seine Szene-Aktivitäten gerne verkauft, ist er wahrlich nicht. Man muss nur mal schauen, was aus "Hinnerk" geworden ist, einst eines der besten schwulen Stadtmagazine des Landes. Heute ist es nur noch ein Werbeblättchen, das der PR Littmanns und seiner diversen Geschäftsaktivitäten dient, freilich ohne dass die entsprechenden Beiträge als "Werbung" gekennzeichnet wären... Eigentlich könnte man über diese Verwahrlosung der Sitten und Vetternwirtschaft herzhaft lachen - wenn das alles nicht nur nicht so traurig wäre.


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#6
14.05.2013
22:32:38


(0, 6 Votes)

Von Gay Europe
Antwort zu Kommentar #1 von Lars3110


"Solange nicht wie in Spanien alle politischen Forderungen umgesetzt sind"

Dort geht es für Schwule und Lesben jetzt um die
weiter gehenden politischen Forderungen.

Link zu www.heise.de

Link zu www.heise.de


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#7
15.05.2013
03:03:23


(+3, 3 Votes)

Von bertodil
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Lars3110


BRAVO Corny Littmann!
...kann auch ich da nur ausrufen.

Es gibt ÜBERHAUPT keinen Grund, mit dem CSD Geld zu verdienen, weder vor, noch nach Umsetzung aller politischen Forderungen (Welcher Forderungen denn überhaupt, ist heiraten wirklich alles was wir je wollten?)!

Ein CSD ist auch keine PARADE, sonern eine DEMO.

Stonewall was a RIOT!


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#8
15.05.2013
06:18:28


(0, 4 Votes)

Von eumel
Antwort zu Kommentar #2 von Gina


Man kann ob man will oder nicht Gina nur recht geben. Ich mag dieses "Tuntengehabe" auch nicht. Demonstratioen für etwas sehen anders aus.


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#9
15.05.2013
12:30:23


(+2, 4 Votes)

Von eMANcipation*


Die meisten Teilnehmer der CSDs wissen wahrscheinlich noch nicht einmal worum es beim CSD ursprünglich überhaupt ging. Nein: Nicht um Ficken.


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#10
15.05.2013
12:38:37


(+3, 3 Votes)

Von Christian Knuth
Antwort zu Kommentar #5 von Sven


Soweit ich das übersehe, wollte Littmann nicht die Gala, sondern die Abschlussparty vom Stadtrand auf den Kiez holen. Dies übrigens nicht erst seit diesem Jahr. Dieser Streit schwelt seit über drei Jahren und immer steht auf der einen Seite der Verein, der ohne öffentliche Ausschreibung entscheidet und auf der anderen Seite die sonst in der Szene aktiven Veranstalter und Gastronomen, die mit ihren Konzepten um eventuell mehr Menschen/Gäste einzubinden auf verschlossene Türen stoßen. Ein weites Feld sicher nicht in ein zwei Kommentaren mit einer Verurteilung der einen oder anderen Seite abgefrühstückt, denn sowohl bei den Machern von Ahoi (ehemals Hamburg Pride Marketing) als auch auf der Seite der kommerziellen Veranstalter geht es um Geld. Der Verein sollte so entscheiden, dass von letzterem am meisten in seinen gemeinnützigen Kassen landet.


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