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Rechte Gefahr erkannt, aber wird sie vom KLuST-Vorstand auch konsequent gebannt? (Bild: Montage: queer, unter Verwendung von Motiven von: Michele M. F. / flickr / by-sa 2.0 | Wiki Commons / JarektUploadBot / CC-PD-MarkPD-Art (PD-old-100))

Die rechte Organisation hat mit der CSD-Anmeldung eine clevere List eigefädelt. Der KLuST agiert bislang erschreckend defensiv bis destruktiv. Eine Analyse von Christian Scheuß.

Ganz schön dumm waren sie, die Bewohner von Troja. Zehn Jahre lang hatten sie der Belagerung durch die Griechen getrotzt. Die dicken Mauern ihrer großartigen Stadt hielten allen Eroberungsversuchen stand, inzwischen waren die Kämpfer vor den Stadttoren müde und schwach. Doch dann ersannen diese eine List, die sie in die Geschichtsbücher hievte. Die Griechen täuschten den Abzug vor, hinterließen aber ein überdimensionales hölzernes Pferd, von dem die Trojaner annahmen, es sei ein Geschenk der Götter. Warum auch immer. Sie zogen es in die Stadt. Und in der Nacht krochen Soldaten, die sich im Bauch des Pferdes versteckt hielten, heraus, öffneten leise die Stadttore und ließen die zurückgekehrte Armee einmarschieren.

Die mythologische List der Griechen findet sich in der Moderne vor allem in der Geschäftswelt und der Politik wieder. Heute heißt sie: "Den Feind… pardon, den Mitbewerber umarmen." Man kuschelt mit den Konkurrenten, beteuert unentwegt, wie "unevil" man sei, um dann, wenn der andere sich eingelullt in die Arme schmiegt, zuzudrücken. Das genau ist die Strategie, die "Pro Köln" derzeit auf allen Ebenen fährt. "Hey, jeder Jeck ist doch irjendwie anders" rufen sie uns fröhlich lachend zu. "Lasst uns mitschunkeln, sonst seid ihr die Intoleranten!" schüchtern sie uns ein. "Der wahre Feind, dass seid doch nicht ihr warmen Brüder, das sind die Moslembrüder", machen sie uns Angst.

Für "Pro Köln" wäre ein Paradewagen in Form eines Trojanischen Pferdes der exakt passende Auftritt. Vielleicht finden sich dafür ja auch noch ein paar schwule Sklaven, die um des reinen schmerzvollen Vergnügens wegen die hölzerne Karre der Rechten durch die Gassen Kölns zerren?

"Da steht ein Pferd auf dem Flur, ein rechtes Pferd auf dem Flur..."


Anders als die Anderen? Oder auch "So oder so"? (Bild: Pro Köln)

Mit Sicherheit wird es Schwule und Lesben geben, die kein Problem damit haben, wenn eine Organisation mitziehen will, die ein programmatisch festgeschriebenes Problem mit der Vielfalt der Lebensweisen hat. Schwule und Lesben werden von "Pro Köln" nicht mehr direkt attackiert, damit gewinnt man in der Rhein-Metropole kaum noch Sympathien konservativer Bürger, die man aber braucht, weil der ganz rechte Rand nicht reicht, um politische Macht zu erlangen. Es sind rein taktische Gründe, die dazu führen, dass die Rechten sich gerade die Schafspelze rosa färben um sich zähneknirschend unter diese ganzen schrillen Tunten und hedonistischen Perversen zu mischen, denen öffentliche Förderungen und bürgerliche Rechte aus Parteisicht eigentlich gar nicht zustehen. Homosexualität ist ja schließlich reine Privatsache, argumentieren sie scheinheilig.

Es ist reine Instrumentalisierung mit einkalkuliertem Bumerangeffekt. Den zwangsläufig entstehenden Krawall wird "Pro Köln" dazu nutzen, sich als Opfer zu stilisieren. Den CSD-Veranstaltern ist sehr bewusst, dass da vor ihnen hinterlistig ein fettes braunes Ross vor die Tür gestellt wurde. Angesichts dessen ist es schwer erträglich, dass der neue KLuST-Vorstand erst einmal allein im stillen Kämmerlein sich der Frage widmen wollte, wie man damit umgeht, statt sofort die Community zu alarmieren und hinter sich zu versammeln.

In der Stellungnahme, zu der sich der Vorstand dann nach den Medienberichten gezwungen sah, wird nebulös über "Entscheidungsmöglichkeiten als Diskussionsgrundlage" gesprochen, statt kompromisslos Kante zu zeigen. Noch unglücklicher präsentiert sich CSD-Versammlungsleiter Jörg Kalitowitsch im Interview mit dem WDR, wo er zwar erklärt, warum das Versammlungsrecht selbst nicht greife, um unliebsame Gäste loszuwerden. Aber er beschreibt dann nicht, wie es mit Hilfe der Polizei dennoch sehr effektiv, präventiv, problemlos und vielfach erprobt, gelingen kann, rechte Kameraden beispielsweise von Antifa-Demos fernzuhalten. Stattdessen überlegt er in vorauseilender Verliererpose, wie sich denn die Community gegen die braunen Krieger, die aus dem Bauch des Pferdes kriechen, zur Wehr setzen könnte (Rücken zukehren, Trillerpfeifen benutzen, Transparent ausrollen, zu Hause bleiben). Toll…

Wollen mer se reinlasse? Nein! Müssen mir se reinlasse? Nö!


Die Farbe braun kommt in der Regenbogenfahne nicht vor. (Bild: Wiki Commons /)

Der KLuST scheint sogar bereit zu sein, den wesentlichen Kern der CSD-Parade, das es eben eine politische Versammlung einer sexuellen Minderheit ist, die dort öffentlich ihre Rechte einfordert und sich gegen Formen von Diskriminierung wehrt, zugunsten eines vermeintlich sichereren Hausrechts opfern zu wollen. Jörg Kalitowitschs Äußerungen legt diese Vermutung zumindest nahe. "Wir sammeln gerade die Vor- und Nachteile, um besser entscheiden zu können." Er erweckt zudem den Eindruck, als seien es eigentlich nur noch die höheren Kosten, die davon abhielten, aus der politischen Demo einen zweiten Karnevalsumzug mit "anderem Flair" zu machen.

Es ist ein schrecklicher Irrtum zu glauben, man könne allein mit Verwaltungsvorschriften für folkloristische Umzüge eine auf Randale frisierte politische Organisation am rechten Rand im Zaun halten. Dies ist vor allem eine politische Auseinandersetzung. Mit der Bekanntgabe des Mottos "Wir sind. So oder so" – nachdem man von der Anmeldung wusste – scheint man auch auf diesem Feld zu versagen.

Sollte sich diese verzagte wie unpolitische Haltung, die aus den bisherigen öffentlichen Äußerungen durchscheint, tatsächlich als neue Linie des CSD-Veranstalters erweisen, kann "Pro Köln" getrost die Federboa im Schrank lassen und daheim bleiben. Das trojanische Pferd, das sie uns so verlockend vor die Tür gestellt haben, hätte der KLuST damit bereits in unsere Hütte gezogen.

Wöchentliche Umfrage

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    Ergebnis der Umfrage vom 20.5.2013 bis 27.5.2013


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Der CSD Stuttgart hat gemeinsam mit der MCC-Kirche Stuttgart eine Petition gegen ein Verbot von Homo-"Propaganda" in Moldawien gestartet.
Hamburg: Weitere homo- und transphobe Übergriffe

In der Hansestadt erschüttern mehrere Gewalt-Attacken die Szene: Eine Transfrau und zwei heterosexuelle Männer, die offenbar für schwul gehalten wurden, sind Opfer brutaler Schläger geworden.
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Zwischenfall beim Hamburg Pride am Samstag: Bekannte Politiker aus dem In- und Ausland blockierten den Start der CSD-Parade in der Langen Reihe.
#1 SebiAnonym
  • 18.05.2013, 09:40h
  • "Wir sammeln gerade die Vor- und Nachteile, um besser entscheiden zu können."

    Ich sammle auch gerade die Vor- und Nachteile und komme zu dem Schluss, dass ich nie mehr am Kölner CSD teilnehmen werde, wenn die Kölner faschistischen Parteien wie Pro Köln und bald auch der NPD Raum geben...

    Mein Wunsch wäre ja, dass alle anderen Teilnehmer ihre Anmeldung zurückziehen! Dann können die Kölner CSD-Organisatoren mit ihren Faschisten einen Fackelzug durch das leere Köln machen.

    Dass da überhaupt noch überlegt wird, ob man sowas teilnehmen lässt, ist schon Skandal genug!!
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 RaffaelAnonym
  • 18.05.2013, 10:14h
  • Ich will nicht die Union generell mit Pro Köln gleichsetzen, aber was Schwule betrifft sind sich diese Parteien sehr ähnlich.

    Und jetzt rächt sich halt, dass man in Köln im Gegensatz zu Berlin keine klaren Regeln aufgestellt hat, wer teilnehmen darf und wer nicht.

    Ich fand es schon einen Skandal, dass man Parteien teilnehmen lässt, die uns weiterhin wie Menschen 2. Klasse behandeln (Union und FDP). Aber auch noch faschistische Parteien teilnehmen zu lassen, wäre ein Skandal!
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#4 JoonasAnonym
  • 18.05.2013, 10:19h
  • Und nicht zu vergessen:
    mit einer Teilnahme rassistischer Parteien wird man enorm viele Gegendemonstranten haben, die dann gegen den CSD als Ganzes und gegen die mit Rechten kollaborierenden Schwulen demonstrieren werden.

    Und vielleicht wird man sogar damit die Gewalt zum CSD bringen.

    Ich sehe schon die gewalttätigen Ausschreitungen von Nazis und Anti-Nazis, Polizei-Hundertschaften mit Wasserwerfern, Tränengas, etc.

    Tolle Schlagzeilen für einen CSD! Sehr nützlich für unsere Anliegen! Vielen Dank den Kölner CSD-Organisatoren, die offenbar völlig unfähig ist und komplett abgelöst werden müssen...
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#5 FennekAnonym
  • 18.05.2013, 10:29h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Sehe ich auch so.

    Es ist schon skandalös, dass überhaupt nachgedacht wird, ob man rechte Gruppen teilnehmen lässt.

    Wenn das dann auch noch zugelassen wird, hoffe ich nur, dass wir Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen genug Rückgrat haben, dann den Kölner CSD zu boykottieren.
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#6 Thom_ass1973
  • 18.05.2013, 10:29h
  • Denkfehler auf allen Seiten ! Egal ob KLuST-Vorstand, Berliner CSDe.V.-Vorstand oder jetzt Christian Scheuß

    FEINDE verbietet man nicht, man bekämpft Sie.
    Bestes Beispiel dafür ist die Diskusion zwischen Volker Beck und Katharina Reiche, sehr schnell wurde deutlich MdB Reiche ist komplett unterlegen - das ist der Weg !!

    VERBOTE sind was für SCHWACHE OPFER !!

    Lassen wir die braune Meschpoke doch einfach kommen, ich habe vollstes Vertrauen in Köln, in alle Kölner und Kölnerinnnen, zeigen wir ProKöln wo "Ihr" Platz ist, ausgegrenzt und alleine am Rand -

    WOVOR HABEN WIR EIGENTLICH ANGST ??!
    MACHEN WIR UNSEREN CSD WIEDER ZU EINER DEMONSTRATION UNSERER MACHT - NICHT NUR UNSERER NACKTER ÄRSCHE !!!
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#7 RowdyAnonym
  • 18.05.2013, 10:31h

  • Tja. Wie schön waren die Zeiten, als Schwulsein noch etwas Politisches war. Heute ist der CSD ja fast nur noch eine tolle Möglichkeit, um mit Schwulen viel Geld zu verdienen und um möglichst oberflächlich lustig zu sein. Köln, soll das so bleiben?! Es liegt an uns! Die Verantwortlichen sollten sich auf jeden Fall schämen. Alle, die Toleranz fördern dürfen beim CSD mitmachen. Alle anderen (natürlich!) nicht. So einfach ist das.
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#8 EulenspiegelAnonym
  • 18.05.2013, 10:43h
  • Antwort auf #7 von Rowdy
  • Das beste wäre, man könnte einen Wagen von einer Migrantengruppe (irgend ein Kulturverein, sonstwas) und dann noch eine Kirche, und wenn es die Altkatholiken sind auftreiben und deren Wagen damit einreihen. Dann haben sie so gar nichts mehr gegen das sie protestieren können.

    Verbieten sind sie wieder die Opfer, und der ganze Rummel geht weiter.
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#9 GayreporterAnonym
  • 18.05.2013, 10:48h
  • Warum schmeißt man die Parteien nicht aus dem CSD raus, was haben die da zu suchen? Es geht um Demonstrationen für unsere Rechte, ein ursprünglicherer CSD wär doch mal schön, es gibt genug Gruppen, die politisch sind und ihre Meinung kundtun können ohne professionelles Politmarketing... Mich nervt es an, dass die Parteien jedes Jahr die CSDs zur Bühne ihres Wahlkampfes machen. Genauso schräg ist der Hang zu totalem Kommerz, zum Beispiel Wagen wie der Bild-Zeitung fahren zu lassen, was haben die denn für uns getan?

    P.S.: Kommt mal zur Parade in Essen, das ist so toll. Im letzten Jahr das erste Mal gemacht und so ursprünglich, einfach toll... Chaotisch und kreativ.
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#10 KerouaclyAnonym
  • 18.05.2013, 10:59h
  • Ich finde es ja schon sehr anmaßend, wenn Vertreter von CDU/CSU und FDP dort sind, aber die schießen ja den Vogel ab, wenn die Pro Köln auf den CSD lassen.

    Wenn das passiert, dann werde ich ganz sicherlich nie wieder beim CSD in Köln dabei sein...
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