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  • 03. November 2004, noch kein Kommentar

Die Pop-Ikone der 60er Jahre erlebt ein sensationelles Comeback. Morrissey und Musiker von Pulp und U2 sind auf "Nancy Sinatra" dabei.

Von Jan Gebauer

Die Liste der Gast-Sänger ist lang und erlesen: Musiker von U2, Calexico und Ex-Smiths-Sänger Morrissey standen Nancy Sinatra bei der Aufnahme zu ihrem brillanten Comeback-Album zur Seite. "Nancy Sinatra" heißt es schlicht, als wenn sie ihr Debüt geben würde. Dieses liegt allerdings schon über 40 Jahre zurück. In den späten 60er Jahren zählte die Tochter von Frank Sinatra zu den absoluten Superstars und betörte auch unzählige schwule Fans. Ihr größter Hit "These Boots are Made For Walkin'" hatte je nach Vorliebe und Interpretation einen Leder- und Stiefel-Touch. Der Song war im Jahre 1966 Nummer eins in Deutschland, Großbritannien und den USA – eine Seltenheit, die sonst nur die Beatles oder Elvis Presley schafften.

Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern hat Nancy Sinatra vor vier Jahrzehnten zum Weltstar gemacht. Ihre Arbeiten mit dem exzentrischen Singer/Songwriter Lee Hazlewood gehören zu legendärsten Aufnahmen der 60er Jahren – komplex, launisch und sexy gaben sich die Kompositionen, die nicht selten von beiden im Duett gesungen wurden. Die illustren Paarungen auf dem neuen Album schlug ihre Tochter AJ Azzarto vor. Insbesondere Britpoper Morrissey war es ein Herzensbedürfnis, Nancy Sinatra künstlerisch unter die Arme zu greifen. Die Songs auf "Nancy Sinatra" schwingen zwischem unglaublich pfiffigem 60s Feeling (das an Lee Hazlewood erinnernde "Burnin' Down The Sparks"), schmissigem Country-Pop ("Don't Mean Nothing") und alternativen Rock-Mustern (das beklemmende "Momma's Boy", das rotzige "Baby Please Don't Go"). Auch das nach Kalifornien klingende "Baby's Coming Back To Me", geschrieben von Pulp-Frontmann Jarvis Cocker, sollte an dieser Stelle Erwähnung finden. Die Harmonien verzaubern einfach. Über allem steht die immer etwas distanziert und lasziv wirkende Mädchen-Stimme von Nancy Sinatra, die mit den Jahren feine raue Noten hinzu gewonnen hat, ohne dass sie sich wie ihre eigene Großmutter anhört. Umso überraschender, dass das Album von ihrer Tochter AJ, deren Mann Matt Azzarto und Don Fleming (arbeitete mit Sonic Youth) produziert wurde. Das ganze Album klingt erfrischend natürlich und macht neugierig, ob die Sinatra trotz ihrer 64 Lenze weiter am musikalischen Ball bleibt.

Portrait

Nancy Sinatra wurde am 8. Juni 1940 in Jersey City in den USA geboren. Als Tochter des legendären und unerreichbaren Frank Sinatra hatte sie es nicht leicht, Kritiker und Publikum von sich zu überzeugen. Sie hatte nicht die phänomenale Stimme ihres Vaters und konnte daher auch nicht dessen anspruchsvolles Genre singen. 1957 war sie erstmals im Fernsehen neben ihrem Vater in einer seiner Shows zu sehen. Ab Mitte der 60er Jahre nahm sie Platten auf und landete zwischen 1965 und 1969 über 20 Hits in den US-amerikanischen Charts. Ihre größten Hits "These Boots Are Made For Walkin'", "How Does That Grab You, Darlin'", "Sugar Town" (1966) und das legendäre Duett mit Frank "Somethin' Stupid" (1967) waren weltweit in den Top-Ten zu finden. 1968 sang sie den Titel-Song zum James-Bond-Film "You Only Live Twice". Auch ihre Arbeiten mit Lee Hazlewood ("Jackson", "Summer Wine", "Some Velvet Morning") verkauften sich ausgezeichnet und machten beide Interpreten zu Easy-Listening-Legenden. Schließlich drehte sie noch eine handvoll erfolgreicher Filme, beispielsweise "Speedway" (1968) mit Elvis Presley. Nach 1969 verlor nicht nur das Publikum das Interesse an Nancy Sinatra, auch die Künstlerin zog sich immer mehr aus dem Showgeschäft zurück. 1985 schrieb sie die Biografie "Frank Sinatra: My Father" und posierte in den 90er Jahren nackt für den "Playboy". Ab 1995 veröffentlichte sie wieder regelmäßig Alben - mal mit neuem und unveröffentlichtem Material, mal mit den alten Hits. Auch als Konzert-Attraktion konnte sie viele Lorbeeren ernten.

3. November 2004