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Homo-Gegner stellten bei der Demonstration am Sonntag Schwule und Lesben als Gefahr für Kinder dar (Bild: ScS)

Drei Tage vor den ersten gleichgeschlechtlichen Eheschließungen sind zehntausende Gegner der Gleichbehandlung von Homosexuellen in Paris auf die Straße gegangen. Am Abend kam es zu Gewalt.

Nach einer Demonstration gegen die Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben haben sich am Sonntag hunderte meist jugendliche Randalierer in Paris eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert. Sie warfen dabei mit Bierflaschen, Steinen und Rauchbomben. Vereinzelt gab es Berichte von Übergriffen auf Journalisten. Die teils vermummten Randalierer skandierten unter anderem "Frankreich den Franzosen" und bezeichneten in Sprechhören die sozialistische Regierung als "Diktatur".

Laut AFP-Angaben wurden 36 Menschen verletzt, darunter 34 Polizisten, ein Demonstrant und ein Fotojournalist. Rund 300 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei war mit einem Aufgebot von 4.500 Beamten im Einsatz. Der französische Innenminister Manuel Valls machte am Montagmorgen für die Ausschreitungen rechtsradikale Gruppen verantwortlich.

Zuvor hatten am Sonntag nach Polizeiangaben 150.000 Menschen gegen Homo-Rechte demonstriert. Die Organisatoren von der Gruppe Manif Pour Tous sprachen sogar von einer Million Teilnehmer. Es beteiligten sich auch viele Politiker der konservativen Opositionspartei UMP und des rechtsextremistischen Front National. Sie wollten damit Druck auf die sozialistische Regierung ausüben, das vor einem Monat vom Parlament beschlossene Gesetz wieder aufzuheben.

Laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage sind die Demonstranten aber eine Minderheit innerhalb der französischen Gesellschaft: Demnach unterstützen 72 Prozent der Bevölkerung die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht.

Youtube | Bilder von den Protesten

Weitere Verhaftungen am Samstag


Am Sonntagabend kam es zu Krawallen

Bereits am Samstagabend war es zu Protestaktionen der Homo-Gegner gekommen. Einige dutzend Demonstranten ketteten sich am Champs-Elysées an Metallabsperrungen an, die sie mitten auf der Straße errichtet hatten. 50 Menschen wurden von der französischen Polizei verhaftet, nachdem erste Rauchbomben von den Demonstranten abgefeuert wurden.

Letzte Woche hatte sich ein 78-jähriger Rechtsextremist in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame offenbar aus Protest gegen die Ehe-Öffnung erschossen (queer.de berichtete). Der Selbstmord wurde von mehreren rechten Politikern begrüßt. So lobte Front-National-Chefin Marine LePen per Twitter die "hochpolitische Tat".

Am Mittwoch sollen die ersten gleichgeschlechtlichen Eheschließungen stattfinden. Den Anfang werden Vincent Autin und Bruno Boileau in Montepellier machen (queer.de berichtete). Homo-Aktivisten hoffen, dass dann die Proteste abklingen werden. Sie haben beklagt, dass seit Beginn der Debatte um die Ehe-Öffnung wegen der aufgeheizten Atmosphäre die Zahl der aus Homophobie motivierten Übergriffe auf Schwule und Lesben um 30 Prozent gestiegen sei. (dk)



#1 SilverclawEhemaliges Profil
  • 27.05.2013, 11:21h
  • Schon erschreckend wenn man die ganzen Hasser mal in der Masse sieht....dann sieht man ziemlich gut welche Ausmaße das ganze hat. Gruselig....
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#2 schlimmAnonym
  • 27.05.2013, 11:34h
  • "Die teils vermummten Randalierer skandierten unter anderem "Frankreich den Franzosen""

    Das letzte Mal das in meiner Erinnerung in Deutschland massenhaft "Deutschland den Deutschen" gerufen wurde, war als in den 90er Jahren Asylantenheime brannten.
    Ich weiß noch wie ich damals im Urlaub war und in Spanien die Zeitungsbilder davon in der spanischen Presse gesehen habe.
    Ich hatte mich so geschämt, obwohl ich da ja nix zu konnte.

    Ich hoffe, dass die ausländischen Medien jetzt Frankreich kritisch beobachten werden, so wie damals die europäischen Medien über Deutschland berichtet haben.
    Dann werden die auch sehen was für einen gesellschaftlichen Image- Schaden sie im Ausland erzeugen.
    Auch wenn es nur die Minderheit ist die so homophob und nationalistisch denkt, der Rest der französischen Bevölkerung ist jetzt moralisch verpflichtet mit noch größeren Gegendemos FÜR die Gleichberechtigung von Homosexuellen auf die Strasse zu gehen!
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#3 medienzarAnonym
#4 lucdfProfil
  • 27.05.2013, 12:11hköln
  • Die réac-pride ist vorbei. An den Hass der frustrierten und bornierten Kleinbürger werden wir uns lange erinnern. Aber sie hatten nicht das letzte Wort. Viel Glück wünsche ich an alle, die bald heiraten werden, ob es der Frigide, der Kirche, den Konservativen, den Rechtsradikalen gefällt oder nicht.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 27.05.2013, 12:22h
  • Antwort auf #3 von medienzar
  • Ja, damals waren auch Akteure aus der bis heute unbewältigten faschistischen Vergangenheit Frankreichs als amtliche Wiederholungstäter beim Morden beteiligt.

    Immer, wenn von rechts Blut fließt (Barjot), gibt es fließende Übergänge in die Mitte. Bei uns ist die mittige Freude eher klammheimlich (Verbindung zwischen dem Pogrom von Rostock und der Verschärfung des Asylrechts), in Frankreich ist man lockerer drauf, weil alle sich auf der guten Seite wähnen ("La France moderne et humaniste" - Slogan des homophoben UMP-Politikers Mariton).

    Hier wie dort gibt es ein Medien-Verschweigungskartell, das rechte Figuren pusht. Die Barjot wird wie eine Volksheldin inszeniert, obwohl 60% der Franzosen sie unsympathisch finden. Aber für die Herrschenden hat sie die Sündenböcke der Krise gefunden.
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#6 LorenProfil
  • 27.05.2013, 12:29hGreifswald
  • Interessant und wichtig wäre es, in einem Folgeartikel -wenn möglich- zu identifizieren, aus welchen Quellen sich die mehreren Hundert gewaltbereiten Jugendlichen speisen (Front National?, Bloc Identitaire? ...). Da die Vernetzung zwischen Frankreich und Deutschland auf dieser Seite des (extremen) politischen Spektrums dichter wird, könnte dies Hinweise geben auf das, was auch in Deutschland im Zuge einer Eheöffnung zu erwarten sein könnte.
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#7 Mister_Jackpot
  • 27.05.2013, 12:36h
  • Tja ..es gibt ja auch hier im Forum einige Blinde, die denken in unserer christlich geprägten Gesellschaft wären Schwule/Lesben akzeptiert und nur Muslime wären ein (oder das größte) Problem für uns Schwule/Lesben! Hier wird wieder einmal eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Ich seh da jedenfalls keine Muslime die gegen die Homo Ehe demonstrieren! Der konservative Roll back unter jungen westlichen Menschen mit christlicher Prägung ist in vollem Gange. Von den ganzen rechtsnationalen will ich hier erst gar nicht anfangen. Und alles schlummert unter einer sehr dünnen Schicht einer aufgesetzten Political correctness, die uns scheinbar in Sicherheit wiegen soll. Ich sag nur: Wehret den Anfängen!
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#8 MyzeleAnonym
  • 27.05.2013, 13:06h
  • Antwort auf #6 von Loren
  • Nochmal zu den logistischen, materiellen und ideologischen Taktgebern:

    Seit Beginn seines Bestehens wurde das Civitas Institut (CI) von Admiral Francis Penfentenyo geleitet. Er gehört zu einer alten Adelsfamilie in der Bretagne. CI wurde 1999 als Nachfolge von Cité catholique gegründet.

    fr.wikipedia.org/wiki/ICHTUS

    Alain Escada ist der derzeitige Präsident des Civitas-Institut, ist ein ehemaliges Mitglied der Nationalen Front in Belgien (ETFs).

    Die Nr. 2 im Civitas Institut ist Jean-Claude Philipot, ehem. Generaldirektor der Militärverwaltung.

    Das Umfeld des ehem. Generalsekretärs von Civitas, Dominique Chrissement, ehemaliger Stabschef der Verteidigung Bereich der Ile-de-France, machte Abbe Denis Puga (Ex-Militär, seit 1977 Pius-Bruderschaft) zum Abt von Saint-Nicolas du Chardonnet in Paris.

    Marine Le Pen, die Vorsitzende des Front National und Präsidentschaftskandidatin 2012, ließ dort ihre drei Kinder taufen.

    Abbe Denise Pugas Bruder Benoit Puga sichert gerade als hochrangiger Militär Mali.

    Benoit Puga war der Kopf des persönlichen Stabes des Präsidenten (ernannt von Nicolas Sarkozy und François Hollande nicht verlängert), das heißt, er war der Adjutant des Präsidenten der Republik. Eine Position, die bisher logisch zur Position des Stabschefs der Streitkräfte führte (Führer der Französisch Armee).

    Benoit Puga war zuvor der Leiter der Direktion des militärischen Geheimdienstes und war auch Oberbefehlshaber spezieller Operationen, also der Leiter des Elite-Korps französischen Armee.

    Rückblick: Dieser Haufen (ICHTUS/CI) gründete sich historisch kurz nach dem Massaker 1961(s.o.)

    Aus dieser Ecke kamen, von französischen staatlichen Quellen belegt, übrigens ca. fünf Dutzend Attentate und Attentatsversuche gegen den ehemaligen konservativen Staatspräsidenten De Gaulle.

    Nur nebenbei, einer schaffte es zum Film:

    Das Attentat von Petit-Clarmart diente Frederick Forsyth als Vorlage für seinen 1971 erschienenen Roman Der Schakal. Der Stoff wurde 1973 verfilmt.

    de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Gaulle#Attentat_von_Petit-C
    lamart
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#9 NickAnonym
  • 27.05.2013, 13:08h
  • Antwort auf #6 von Loren
  • Ist der Blog Identitaire verbunden mit den in Deutschland noch lose verbundenen " Die Identitären" oder nicht? (Die bezeichnen sich als weder links noch rechts...haben als Ziel aber den Erhalt der "ethnokulturellen Identität").
    Geben also nicht mal zu das sie rechts sind.

    Halten die sich was Homophobie betrifft ( noch) zurück? Offizielle, schriftliche Ausagen über deren Ansichten zur Homosexualität habe ich bisher nicht gefunden.
    Oder kann es sein das die Rechten in Frankeich die Homosexuellen weiter als Feindbild haben während die Rechten in Deutschland eine andere Strategie fahren?
    Das rechte Gruppierungen wie Pro Köln offen für homosexuelle Wähler werben, würde jedenfalls dafür sprechen.


    Mal gucken ob und wann das noch umschlägt.
    Aber erstmal müsste man rausfinden wie weit die Rechtspopulisten und Rechtsradikalen in Deutshcland und Frankreich miteinander vernetzt sind und wie du schon fragst, aus welchem rechten Spektrum die Randalierer genau kommen.
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#10 fake watchAnonym
  • 27.05.2013, 13:20h
  • Antwort auf #7 von Mister_Jackpot
  • Wobei es ja umtriebige Versuche gab, durch eine von einem ehemaligen Front National Funktionär
    gegründete Sekte, mit überdurchschnittlichen Anteil an Menschen mit Eltern aus den ehemaligen französischen Kolonialgebieten, eine breite "kulturelle" Front zu inszenieren. Der Versuch mit dem Muslime-und-Ex-Muslime-Ding gegen die Homo-Ehe scheiterte aber kläglich.
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