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  • 27.05.2013           72      Teilen:   |

Vater bestreitet Schuld

Schwulen Sohn umgebracht: Türkischer Ehrenmord-Prozess beginnt

Artikelbild
Der Vater spricht zwar von einem "Unfall", macht aus seiner Homophobie aber keinen Hehl (Bild: Steven Isaacson / flickr / cc by-sa 2.0)

In der osttürkischen Provinz Diyarbakır wirft ein Gericht einem Vater vor, seinen 17-jährigen Sohn aus Homohass erschossen zu haben.

Ein Mann hat bei einer Gerichtsanhörung in der türkischen Region Diyarbakır am Freitag zugegeben, seinen schwulen Sohn Roşin C. im Streit erschossen zu haben. Zugleich erklärte er, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Der Junge ist im vergangenen September erschossen am Straßenrand nahe eines Krankenhauses aufgefunden worden (queer.de berichtete). Die zwei Brüder des Vaters wurden wegen Mordes ebenfalls angeklagt, weil sie bei der Tötung geholfen haben sollen.

Laut "Hürriyet" behauptete der Vater vor Gericht, dass seine Waffe aus Versehen losgegangen sei. Sein Sohn sei ausgerissen und er habe ihn nach zehn Tagen gesucht – nicht um ihn zu töten, wie die Staatsanwaltschaft erklärte, sondern lediglich um ihn von seiner Homosexualität zu "heilen": "Ich habe ihn gefragt, was sein Problem war. Er hat angefangen, mich zu beleidigen. Er hat mich gewürgt und geschlagen. Ich wollte ihn heilen. Als er mich angegriffen hat, habe ich ihn mit dem Kolben der Pistole geschlagen, woraufhin sich ein Schuss gelöst hat."

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Bruder des Getöteten sagt gegen Vater aus

Die Version des Vaters wurde jedoch von der Staatsanwaltschaft bezweifelt. So sei der 17-Jährige, bevor er erschossen wurde, schwer misshandelt worden. Außerdem sagte Roşins jüngerer Bruder aus, dass der Mord lange geplant gewesen sei: "Mein Onkel hat mir gesagt: 'Ich werde ihn töten und du musst die Schuld auf dich nehmen. Wir werden ihn am Straßenrand ablegen'. Ich habe mich geweigert." Am Abend vor dem Tod des Jugendlichen habe der Onkel dem Vater außerdem mit den Worten gedroht: "Wenn du ihn heute nicht kalt machst, mach ich dich morgen kalt".

Die Aussage des jüngeren Sohnes wurde von dessen Mutter unterbrochen. Sie warf ihm vor, nicht zu wissen, was er sage. Danach wendete sie sich an die Journalisten mit den Worten: "Wenn er wirklich ein Homosexueller war, hätte ich ihn mit meinen eigenen Händen getötet".

Die Staatsanwaltschaft hat lebenslange Haftstrafen für alle drei Angeklagten gefordert. Es wäre das erste Mal, dass in einem solchen Fall die Höchststrafe verhängt wird. Zuvor wurden Prozesse dieser Art immer wieder verschleppt. So ist der Mord am schwulen Aktivisten Ahmet Yildiz, der 2008 möglicherweise von seiner Familie umgebracht wurde (queer.de berichtete), noch immer nicht aufgearbeitet. Der Vater, dessen Handy am Tatort geortet wurde und der passende Patronenhülsen in seinem Auto hatte, ist seit Jahren für die türkischen Behörden "unauffindbar". (dk)

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Tags: türkei, ehrenmord
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Reaktionen zu "Schwulen Sohn umgebracht: Türkischer Ehrenmord-Prozess beginnt"


 72 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.05.2013
18:20:51
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von lollipop


Wie kann man im Kopf so verbohrt sein, dass man seinen eigenen Sohn tötet?

Sowas zu lesen stimmt mich traurig.


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#2
27.05.2013
18:21:23


(+9, 11 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Der Täter soll lebenslang ins Gefängnis!


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#3
27.05.2013
18:28:05


(+9, 11 Votes)

Von newroz


Neben LGBT- und Menschen- Bürgerrechtsorganisationen, beobachten die beiden größten kurdischen Parteien die Vorbereitungen zum Prozeß schon seit Wochen.
Im positiven Sinne.


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#4
27.05.2013
18:50:22


(-4, 28 Votes)

Von Hans-Murat


Die Türkei ist und bleibt so rückständig, dass sie nicht in die EU gehört! Würde sie doch MItglied, wäre dies für schwule Männer in der EU der Supergau.


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#5
27.05.2013
19:13:00


(+8, 12 Votes)
 
#6
27.05.2013
19:18:18


(+10, 12 Votes)

Von *****


Der Vater, dessen Handy am Tatort geortet wurde und der passende Patronenhülsen in seinem Auto hatte, ist seit Jahren für die türkischen Behörden "unauffindbar".

Wegen dieser "Unauffindbarkeit" wurde heute der Prozeß auf den 23. September 2013 verschoben.

Link zu www.facebook.com

Link zu www.kaosgl.com


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#7
27.05.2013
19:27:18


(+8, 14 Votes)

Von Mitch
Aus Berlin
Mitglied seit 21.06.2010


Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang endlich einmal aufhören, von "Ehremord" zu sprechen. Hier geht es mitnichten um Ehre, nicht einnmal um eine eventuell verletzte Ehre. Hier geht es schlicht und ergreifend um Haß. Eine nachträgliche Relativierung, jemand hätte sich in seiner Ehre verletzt gefühlt oder wolle irgendeine Ehre wieder herstellen, ist vollkommen unangebracht.


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#8
27.05.2013
20:50:06


(+9, 9 Votes)

Von Finn


Wenigstens gibt es einen Prozess. Viele ähnliche Fälle werden gar nicht verfolgt.

Jetzt muss man abwarten, ob er wirklich schuldig gesprochen wird.

Hoffentlich hält uns queer.de auf dem Laufenden, wie der Prozess ausgeht...


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#9
27.05.2013
20:55:11


(+4, 14 Votes)

Von MeineFresse
Antwort zu Kommentar #7 von Mitch


"Eine nachträgliche Relativierung, jemand hätte sich in seiner Ehre verletzt gefühlt oder wolle irgendeine Ehre wieder herstellen, ist vollkommen unangebracht."

Das ist keine Relativierung sondern eine Erklärung der Motivation dieser Tat.

Der Ehrenbegriff in der islamischen Welt nicht.
Der ist nicht so wie bei uns.

Dort ist es so, dass man seine Ehre verlieren kann, wenn man selbst oder die Familie etwas tut was als inakzeptabel und ehrlos gilt. Dazu gehört für viele Homosexualität.
Dadurch gibt es in vielen Fällen Sanktionen des Umfeldes für die gesamte Familie, die Töchter finden keine Männer, die Söhne finden keine Frauen aus Angst vor Vererbbarkeit, die Eltern gelten als schlecht weil sie ihre Kinder nicht im Griff haben sodass ein Kind sich so unmoralisch entwickelt hat, vielleicht will keiner mehr Geschäfte mit der Familie machen, der Vater verliert sein Gesicht und sein öffentliches Ansehen.
Wenn der Täter, der Schande über die Familie gebracht hat, tot ist, ist die Ehre wieder hergestellt.

Bei Mädchen die den falschen Freund haben oder nicht mehr Jungfrau sind, ist es das gleiche.


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#10
27.05.2013
21:00:16


(+5, 19 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Hans-Murat


Nach genau dieser Logik gehörten wir auch nicht in die EU..

Oder wahlweise Bayern aus der Bundesrepublik ausgeschlossen :

Link zu www.queer.de

Etwas detailierter :

Link zu www.mediendenk.de

Wer so eine Meinung vertritt kaschiert nur seine eigenen rassistischen Ideen..

Welchen Einfluß genau hätte ein EU-Beitritt auf schwule Männer die hier leben ?

Alles was uns hier einschränkt wird von unserer Regierung beschlossen die immer noch in Berlin sitzt, und noch nicht in Ankara !

Unfaßbar diese Dummheit -tze-


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