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  • 27.05.2013           26      Teilen:   |

Palme d'Or-Gewinner

"Keine Revolution ohne sexuelle Revolution"

Artikelbild
Ein 15-jähiges Mädchen verliebt sich in ihre Lehrerin. Ein preiswürdiger Stoff, befand die Cannes Film-Jury, und vergab die "Palme d'Or" an "Blie Is The Warmest Colour". (Bild: wildbunch.biz)

Der franko-tunesische Regisseur Abdellatif Kechiche hat sich in seinem jetzt preisgekrönten Spielfilm in vielschichtiger wie intelligenter Weise mit einem Grundthema beschäftigt, das häufig in Queer Cinema-Produktionen für konfliktreife 90 Minuten sorgt: Das Coming-out im Coming-of-Age-Prozess. Kechiche spitzt das Drama, das sich zwischen der 15-jährigen Adèle (Adèle Exarchopoulos) und der jungen Lehrerin Emma (Léa Seydoux) entwickelt, durch die soziale Klassenfrage noch zu.

Im Interview spricht er über seine Motivation, sich des Stoffs anzunehmen, seine Herangehensweise bei den lesbischen Liebesszenen und die möglichen Auswirkungen dieser Geschichte auf die Fortentwicklung der Revolution im Nahen Osten.

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Soziale Gerechtigkeit, ein Grundthema der Filme von Abdellatif Kechiche - Quelle: Rudy Waks / Cannes Filmfestival
Soziale Gerechtigkeit, ein Grundthema der Filme von Abdellatif Kechiche (Bild: Rudy Waks / Cannes Filmfestival)

Der Film enthält Motive einer Comicerzählung der Zeichnerin Julie Maroh, "Le bleu est une couleur chaude" (Blue Angel). Warum diese Geschichte für ihren fünften Film?

"Blue is the Warmest Colour" ist nicht nur die Adaption der Comicerzählung, es stecken auch Motive eines Filmprojekts darin, das ich schon seit langem im Kopf hatte: Die Geschichte einer Französisch-Lehrerin und ihrer Passion für das Theater. Ich wollte eine weibliche Figur entwickeln, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausübt. Die sich aber zur selben Zeit mit dem Lauf ihres privaten Lebens und deren Auswirkungen auf den Beruf auseinandersetzen muss. Ihre Lieben, Verluste und Zusammenbrüche.

Jeder von uns kennt sicher diesen besonderen Moment während unserer Schulzeit, in dem uns ein Lehrer aus Leidenschaft dazu ermutigt ein bestimmtes Buch zu lesen oder einen bestimmten Film zu sehen. Und hat damit womöglich die Saat zur Entwicklung eines besonderen Talents gelegt. Als ich auf den Comic stieß, in dem von der absoluten Lieben zweier Frauen erzählt wird und zugleich eine junge Frau Lehrerin wird, konnte ich diese beiden Stoffe verbinden.

Ihr Film ist in allererster Linie eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen…

Eine Lovestory zweier Frauen zu erzählen heißt mit den zwei Schauspielerinnen aufs engste zusammenzuarbeiten; Diese Art der Zusammenarbeit hat mich sehr bewegt und sie wird auch für mich und meine Filmkarriere immer wichtiger. Ich frage mich auch selbst, was es denn genau gewesen ist in dieser gezeichneten Vorlage, das mich inspiriert und gepackt hat? Waren es gar die Seiten, die nackte Körper zeigten. Möglich. Ich kenne eigentlich selbst nicht meine genaue Motivation.

(Soziale) Gerechtigkeit ist ein Leitmotiv all ihrer Filme. Drücken sie das in dieser Geschichte durch die Klassenunterschiede aus, die zwischen den beiden Hauptfiguren bestehen?

Oh ja, es ist eines der wiederkehrenden Themen meiner Filme und beinahe schon eine Obsession geworden: Wo liegen die sozialen Unterschiede? Vielleicht lege ich da so ein bisschen den Finger auf den Puls einer Welt, der ich mich zugehörig fühle, und der auch die Figur Adèle angehört – der Arbeiterklasse. Emma dagegen gehört zur Elite: intellektuell, künstlerisch. Beide Heldinnen definieren sich über den sozialen Stand. Die Schwierigkeiten, die sie in ihrer Beziehung haben, das was sie am Ende zur Trennung zwingt – und das ist exakt das, um was es in diesem Film geht – diese Blockaden in ihrer Partnerschaft, das sind die sozialen Unterschiede. Die erzeugen Unterschiede in ihren persönlichen Hoffnungen. Es ist nicht nur ihre Homosexualität, die wohl mehr oder weniger toleriert oder gar verstanden würde von der Welt um sie herum.

Youtube | Szene 1: Die beiden Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten lernen sich kennen
Der perfekte Moment für den perfekten Kuss...
Der perfekte Moment für den perfekten Kuss... (Bild: Cannes Filmfestival)

Sie erzählen die lesbische Liebesgeschichte ganz selbstverständlich, warum der Verzicht auf besondere Appelle an die Gesellschaft, die manchmal intolerant sein kann?

Ich hatte einfach nichts Aktivistisches über Homosexualität zu sagen. Ich habe nicht versucht, sie zu definieren und zu keinem Zeitpunkt während der Produktion musste ich zu mir sagen: Ja, aber das sind ja zwei Frauen… Ich hatte eigentlich nur das Gefühl, die Geschichte eines Paares zu erzählen. Ich sehe auch nicht, warum ich die Homosexualität spezifisch hätte thematisieren sollen. Besonders, da sicherlich der beste Weg wäre – hätte ich dieses Thema zur Diskussion stellen wollen – es wie jede andere Liebesgeschichte zu filmen, mit all der Schönheit, die darin liegt.

Aber es kann einen starken und auch positiven Effekt erzeugen, dass sie hier eine Französin mit arabischen Wurzeln in einer lesbischen Beziehung zeigen.

Als ich den Film fertig hatte, dachte ich: Das wird der Jugend in Tunesien gut tun. Eine Revolution ist nicht vollendet, bevor sie nicht auch eine sexuelle Revolution geworden ist.

Die Sex-Szenen sind essentiell um die machtvolle Liebe zwischen den beiden Heldinnen zu erklären. Wie haben sie sich dem angenähert?

Was ich versucht habe, als wir diese Szenen drehten, das war, sie in einer Weise zu filmen, die ich selbst als wunderschön empfinde. Wir haben sie wie ein Gemälde, wie eine Skulptur inszeniert. Lange Zeit verbrachten wir mit dem Einrichten des Lichts, um ganz sicher zu gehen, dass es wundervoll aussehen würde. Und danach erledigte die ureigene Choreographie sich liebender Körper auf ganz natürliche Weise den Rest. Sie sollten ästhetisch vollendet geformt sein und dabei ihre sexuellen Dimensionen behalten. Wir haben da wirklich viel ausprobiert und hart gearbeitet. Wir haben auch sehr ausführlich darüber diskutiert, aber das führte alles zu Nichts. Man redet eine Menge auf dem Set, aber letztlich spielt dass alles keine Rolle, weil es zu intellektualisiert ist; die Wirklichkeit ist viel intuitiver.

(Übersetzung aus dem Englischen: Christian Scheuß)

Youtube | Szene 2: Die neue Liebe wird von außen angefeindet
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Tags: blue is the warmest colour, abdellatif kechiche, cannes filmfestival
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Reaktionen zu ""Keine Revolution ohne sexuelle Revolution""


 26 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
27.05.2013
20:27:40


(+3, 7 Votes)

Von Und auch


Keine sexuelle Revolution ohne Revolution!

Sexuelle Unterdrückung hat eine gesellschaftliche (materielle) Basis:

die Produktions- und darauf fußenden Reproduktionsverhältnisse.


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#2
27.05.2013
20:59:05


(0, 4 Votes)

Von leiden schafft
Antwort zu Kommentar #1 von Und auch


ARABISCHER FRÜHLING
Welle von Selbstverbrennungen erschüttert Tunesien

Tunesien erfasst eine neue Welle von Selbstverbrennungen. Vor einem Jahr hatte ein Straßenhändler damit Massenproteste ausgelöst, die zum Sturz des Diktators führten. Die soziale Situation ist nach wie vor angespannt.

Link zu www.handelsblatt.com


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#3
27.05.2013
21:10:04


(+3, 5 Votes)

Von zweierleiMaß


"Ja, aber das sind ja zwei Frauen Ich hatte eigentlich nur das Gefühl, die Geschichte eines Paares zu erzählen....
Wir haben sie ( die Sexszenen) wie ein Gemälde, wie eine Skulptur inszeniert...Sie sollten ästhetisch vollendet geformt sein und dabei ihre sexuellen Dimensionen behalten."

Was man sich als Schwuler als erstes fragt:
Wäre dieser Erotikfilm, der lange und explizite Sexszenen enthält, mit zwei jungen Männern( einer davon Minderjährig) auch so hoch gelobt und als Meisterwerk mit der Haupt- Auszeichnung bedacht worden?

Immerhin sind es überwiegend schwule Jungs deren Erotik stigmatisiert wird, die mit "schwule Sau" beschimpft werden und sich in der Öffentlichkeit nicht trauen Zärtlichkeiten auszutauschen.
Ja, was die Liebe betrifft erfahren Schwule und Lesben ähnliche Diskriminierung, aber was Sexualität und Zärtlichkeit betrifft sind es eindeutig Schwule die stärker unter Diskriminierung leiden.

Deswegen kann der Regisseur erzählen was er will, aber "mutig" ist das nicht. Das wäre es, wenn er die Erotik- Geschichte mit zwei jungen Männern verfilmt hätte.


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#4
27.05.2013
21:24:22


(-1, 5 Votes)

Von Samuel
Antwort zu Kommentar #1 von Und auch


So ein Quatsch!


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#5
27.05.2013
23:33:22


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Der Film hat die Goldene Palme zurecht erhalten!


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#6
28.05.2013
04:41:25


(+3, 5 Votes)

Von Aus Bad Homburg


Und wieder hat die Homosexualität in der imaginären Welt der (Film)Kunst gewonnen - während die Heteronormativität auch weiter in der unromantischen Realität des Alltags oder der (Pariser) Straße triumphiert. Man möchte zwar, daß sich etwas auch in dieser Sicht ändert, aber da ändert sich offensichtlich gar nichts.


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#7
28.05.2013
10:32:26


(+3, 3 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Und auch


Unfug!

Länder wie die USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien haben noch vor 50 Jahren Schwule eingesperrt, wer den Sohn bei der Freundin übernachten ließ konnte wegen Kuppelei drankommen, dazu gabs für die entjungferte Dame Kranzgeld wenn nicht geheiratet wurde und der Gatte konnte seiner Frau den Arbeitsplatz kündigen, und und und...
Andererseits gaben und geben sich sogenannte sozialistische Staaten auf der ganzen Welt prüde und schwulenfeindlich ohne Ende.

Ein einheitliches Schema je nach Wirtschaftssystem ist weit und breit nicht erkennbar!


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#8
28.05.2013
11:21:15


(0, 2 Votes)

Von Timo
Antwort zu Kommentar #1 von Und auch


"die Produktions- und darauf fußenden Reproduktionsverhältnisse"

Soll das was schelchtes sein? Die DNA reproduziert sich auch.


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#9
28.05.2013
11:44:04


(0, 4 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #6 von Aus Bad Homburg


du solltest dir mal klarwerden, was du eigentlich willst.

die konservative katholische monarchie, von der du uns hier dauernd vorträumst, wird sich nicht als schwules schlaraffenland vor dir auftun.

als ob der metzger von einem veganen paradies halluziniert... ts...


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#10
28.05.2013
15:22:17


(+2, 4 Votes)

Von Aus Bad Homburg
Antwort zu Kommentar #9 von fink


Nun, "träumen" und "eigentlich wollen" sind etwas verschiedene Dinge. Natürlich wird die Bundesrepublik für immer bestehen - denn die Monarchie hat eine Chance auf die Restaurierung wohl nur dann, wenn es genügend Menschen gibt, die sich daran noch erinnern können (oder noch besser, wenn der letzte König noch am Leben ist), später nicht. Daß eine konstitutionelle Monarchie auf keiner Weise im Gegensatz zu den Homo-Rechten oder gar der Demokratie steht, da gibt es Beispiele zumindest hier in Europa mehr als genug; eigentlich eher umgekehrt: in einer Monarchie kann z.B. das Homoehe-Gesetz von dem Präsidenten der Republik als Staatsoberhaupt nicht vetiert werden, während die ultrakonservativen Kreise (und die gibt es überall, sogar in den Niederlanden) im Königshaus einen perfekten Selbstidentifikations- bzw. Beruhigungsraum finden. Hätte Frankreich von heute einen König, wäre es zu solchen Ausschreitungen nicht gekommen: wozu die Sorgen um die "Zukunft der Familie" machen, wenn die königliche Familie als bestes Garant der gesellschaftlichen Kontinuität auch weiter besteht ? (nicht sehr rationell, ich weiß - aber wer sagt, daß die Leute immer absolut rationell sind; zumindest die Franzosen bestimmt nicht) Letzlich, Liebchen, wäre Deutschland in der Tat wieder eine Monarchie, dann nur mit Georg Friedrich als neuem Kaiser im alt-neuen Berliner Stadtschloß. Und er ist weder katholisch noch konservativ.


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