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  • 03.06.2013, Autor: Micha Schulze           18      Teilen:   |

Aus dem Alltag eines queeren Journalisten

Mit Peter Altmaier nach Weimar



Einige Notizen zum Staatsakt zu Ehren von Rudolf Brazda am 23. Juni im Deutschen Nationaltheater.

Man bekommt nicht alle Tage persönliche Post von einer Ministerpräsidentin. Christine Lieberknecht, CDU-Landesmutter von Thüringen, lädt mich am 23. Juni zum Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus ins Deutsche Nationaltheater ein. Da bin ich natürlich dabei! Denn das Datum steht für den 100. Geburtstag von Rudolf Brazda, dem letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, der wegen seiner Homosexualität verfolgt worden war. Er starb im August 2011.

Die Veranstaltung in Weimar ist ein historisches Ereignis! Noch nie zuvor wurde in Deutschland der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus mit einem Staatsakt gedacht! Initiiert von einer christlichen CDU-Politikerin! Respekt! Vielleicht ist das der Durchbruch auch für die überfällige Rehabilitierung der rund 50.000 Männer, die nach der Befreiung vom Faschismus nach dem Paragraf 175 verurteilt wurden! Schön wär's.

Der Zug nach Weimar ist gebucht, Abfahrt 12:26 Uhr ab Berlin-Hauptbahnhof. Leider ist der 23. Juni genau der Tag nach der CSD-Parade in der Hauptstadt. Interne Notiz: Aspirin und Sonnenbrille nicht vergessen! Die nächste Herausforderung: "Empfohlene Kleidung: Dunkler Anzug, kurzes Kleid", steht in der Einladung der Ministerpräsidentin. In den schwarzen Anzug, den ich zum letzten Mal vor sechs Jahren bei einer Beerdigung getragen habe, passe ich mittlerweile nicht mehr rein. Dann leihe ich mir wohl ein kurzes Kleid von einer Freundin in Berlin…

Beim Gedenkakt spielt gleich zweimal die Staatskapelle Weimar, außerdem gibt es Ansprachen von Christine Lieberknecht und von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Die offizielle Gedenkrede hält Prof. Dr. Volkhard Knigge, der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Rudolf Brazda persönlich kannte, spricht nicht. Auch nicht der Journalist Alexander Zinn, der Brazdas Lebensgeschichte als Buch veröffentlichte. Schade! Zu Wort kommen ebenso kein Vertreter des LSVD oder andere Aktivisten, die seit vielen Jahren in kleinerem Rahmen an die homosexuellen NS-Opfer erinnern.

Ich hoffe sehr, dass dieser wichtige Staatsakt nicht zu einer plumpen schwarz-gelben Wahlkampf-Show verkommt. Ein weiteres Indiz dafür ist leider das Grußwort von Peter Altmaier. Was, bitte schön, hat ausgerechnet der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit von Amts wegen zu den Verbrechen des Nationalsozialismus zu sagen? Zumal als Vertreterin der Bundesregierung bereits die Justizministerin ans Mikro darf. Auch einen persönlichen Bezug zum Schicksal der Rosa-Winkel-Häftlinge hat der "Single" Altmaier ja bislang ausgeschlossen. Oder will er den festlichen Rahmen etwa für eine überfällige Klarstellung nutzen?

Der 23. Juni wird also ein spannender Tag für einen queeren Journalisten. Noch am Abend werde ich dann berichten, vermutlich aus einem Weimarer Wirtshaus, mit Thüringer Klößen und Schwarzbier neben dem Notebook. Spätestens um 20:59 Uhr wird der Bericht online sein, denn dann geht der Zug zurück nach Berlin.

Apropos Altmaier. In der Woche vor dem Gedenkakt, am 14. Juni, lädt der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) zur Podiumsdiskussion "Homosexuelle Promis, schweigende Medien. Dürfen Journalisten Politiker outen?" nach Hamburg. Da wäre ich natürlich auch sehr gerne dabei, doch parallel läuft die große CSD-Gala in Berlin. Keine Sorge: Die freie Journalistin Kendra Eckhorst wird für queer.de von der spannend besetzten BLSJ-Veranstaltung berichten.

Ich dagegen werde stattdessen im Friedrichsstadt-Palast Ausschau halten, welcher Bundesminister sich wohl dort die Ehre gibt…

(Foto oben: Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater. Quelle: Barbara / flickr / cc by-nd 2.0)

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Tags: peter altmaier, christine lieberknecht, rudolf brazda, gedenkakt, deutsches nationaltheater
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Reaktionen zu "Mit Peter Altmaier nach Weimar"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
03.06.2013
17:30:15


(0, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ein Staatsakt auf geschichtsträchtigem Boden:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Nationalversammlung


Mal sehen, wer am 23. Juni so alles kommt!


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#2
03.06.2013
17:32:50


(+6, 10 Votes)

Von -hw-


Gilt das auch?

Mein Beitrag zu Dichter und Denker,
Richter und Henker.

Zehn Jahre nach seinem Tod

Link zu www.spiegel.de

hat mich das Internationale Buchenwald-Komitee in diesem Raum mit den drei Fenstern (untere Fensterreihe) auf dem Ettersberg eingeladen.

Bild-Link:
Hauptgebaeude-KZ-Buchenwald.jpg


Die Karl-Liebknecht-Straße in Weimar hat heute die Postleitzahl 99423.

Die Pablo-Neruda-Straße in Weimar hat heute die Postleitszahl 99425.

Nerudas Heimat

Youtube-Video:


In Ländern mit längst überwundenen Militärdiktaturen wie z.B. Argentinien, Brasilien, Paraguay gibt es die Homo-Ehe.

Wie lange nach der NS-Diktatur möchte die braungeburtige CDU die Homo-Ehe in Deutschland direkt und in anderen Ländern (s. Schwesterparteien, Osteuropa, Balkan) indirekt verhindern?


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#3
03.06.2013
17:44:43


(+6, 10 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #2 von -hw-


De facto & de jure

Am 14.05.2013 gab ein nationales Gericht in Brasilien bekannt, dass gleichgeschlechtlichen Paaren in ganz Brasilien das Recht auf Eheschließung mit sofortiger Wirkung zusteht.

Die Ämter wurden vom Gericht angewiesen gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht auf Eheschließung nicht mehr zu verweigern.

Obwohl das Parlament zum Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließung formal noch kein Gesetz verabschiedet hat, ist das Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließung aufgrund des bindenden Gerichtsurteils seit dem 14.05.2013 in Kraft.


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#4
03.06.2013
18:13:13


(+6, 8 Votes)

Von sister act
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Der beste Staatsakt: Generalstreik!

Im März 1920 fand der so genannte Kapp-Putsch statt. Die Reaktion der Reichsregierung ist die Flucht nach Weimar, woraufhin Kapp sich zum Reichskanzler ernennt.
Zwar weigerte sich die Reichswehrführung gegen den Putsch militärisch vorzugehen (Hans von Seeckt: Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr), durch den Aufruf zum Generalstreik durch SPD, USPD, KPD, DDP und den Gewerkschaften, konnte aber dennoch der Putsch niedergeschlagen werden. Am 17. März 1920 brach der Putsch zusammen, Kapp und Lüttwitz flohen ins Ausland.


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#5
03.06.2013
18:21:25


(+6, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von -hw-


Das Verhinderungspotenzial der Union ist immens. Es ist so und es ist furchtbar langweilig lebenslang denselben Feind zu haben.

Immerhin dämmert es den Pastorinnen unter denen, dass da in den KZs irgendwas war, was man betroffen betrauern kann. Und Betroffenheit über das längst in den Brunnen gefallene Kind ist urprotestantisch. Selbst wenn man es selbst reingeschubst hat.

Im Gegensatz dazu werden die Opfer im Land der Menschenrechte heute öffentlich diffamiert:

Youtube-Video:


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#6
03.06.2013
19:31:53


(-1, 3 Votes)

Von Aus Bad Homburg


"Was, bitte schön, hat ausgerechnet der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit von Amts wegen zu den Verbrechern des Nationalsozialismus zu sagen?" Wieso ? Hat gar niemand gedacht, daß diese Teilnahme an einer schwullesbischen Veranstaltung bzw. das Grußwort des Herrn Altmaier im Grunde nichts anderes als ein anständiges, geschmackvolles und trotz der Öffentlichkeit ziemlich diskretes "coming out" ist ? Oder wünscht jemand und wieder einmal ein Interview mit "Bild" ?


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#7
04.06.2013
07:33:47


(-1, 3 Votes)

Von chilland
Antwort zu Kommentar #6 von Aus Bad Homburg


Es gibt sicher gewisse Spekulationen, über die sexuelle Orientierung von Altmaier. Nur, was hat das jetzt mit seiner Rede, bzw seinem Grußwort, auf dieser Veranstaltung zu tun, auch wenn dort den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird. Ich bin nicht der Meinung, daß jeder Politiker, oder jede Politikerin, die auf solchen Veranstaltungen sprechen, gleich als schwul oder lesbisch gelten, bzw sich "durch die Hintertür" outen wollen. Wenn irgendein Kommunalpolitiker, ein Grußwort, auf einem CSD hält, ist der dann schwul? Und die sexuelle Orientierung von Altmaier interessiert mich auch überhaupt nicht. Seine Sache.


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#8
04.06.2013
09:22:39


(+4, 6 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #7 von chilland


homburg ist geradezu suchtartig fasziniert von jeder form von "diskretion", sprich schrankschwestertum. deshalb ist auch jeder zweite beitrag hier eine glorifizierung der unsichtbarkeit und des duckmäusertums.

wer mit seinem leben unglücklich ist und bleiben will, der feiert eben unglückliche vorbilder. schade, denn er bräuchte vorbilder in sachen mut und nicht in feigheit.


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#9
04.06.2013
09:35:20


(+4, 4 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #8 von fink


Ich kann mich auch benehmen, wenn ich will.

Wem man allerdings dient, wenn man seine Liebe verheimlicht, ist klar: Leuten, die der Bürgermeisterin von Montpellier Scheiße in Briefumschlägen schicken, weil sie sich getraut hat, ein schwules Paar zu trauen.

Ganz diskret.


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#10
04.06.2013
13:02:27


(+5, 5 Votes)

Von Mad_Len


Ein schöner Artikel. Für alle, die es interessiert, es wird auch am 23.6. um 13.30 auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald, wie in jedem Jahr, eine kleine Gedenkveranstaltung für die Rosa-Winkel-Häftlinge geben. Ausgerichtet wird diese Veranstaltung von der Aidshilfe Weimar und dort wird, anders als beim Festakt im Nationaltheater, Jean-Luc Schwab, der frz. Biograf von Rudolf, die Gedenkrede halten. Und für alle, die nach dem Staatsakt noch ein bisschen mehr über das Thema erfahren wollen, wird es ab 20.00 in der Galerie Markt 21 einen Vortrag von Jürgen Wenke, über den in Buchenwald zu Tode gekommenen, schwulen Plakatmaler Friedrich Wessel, geben.


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