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Geschichtsprofessor Johannes Kunisch hat eine monumentale Biographie über Friedrich II. verfasst. Seiner Meinung nach war er ein großer Staatsmann, aber kein Homosexueller.

Von Dirk Jung

Johannes Kunisch ist erimitierter Professor für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln. Er ist Vorsitzender der Preußischen Historischen Kommission in Berlin, deren Aufgabe die geschichtliche Erforschung des gesamtpreußischen Staates ist. "Friedrich der Große. Der König und seine Zeit" wählte der Wissenschaftler als Titel.

Sei es "Die Zeit", die "Frankfurter Allgemeine" oder die "Süddeutsche Zeitung" - die Biographie wird gelobt. Man liest, es sei hervorragend recherchiert und "nüchtern formuliert", dem Autor wird "unendliche Bildung" unterstellt. Beste Attribute für eine Biographie und dessen Schreiber, besonders, wenn es um eine historisch komplexe Figur wie Friedrich II. geht. Die Betrachtung eines solchen Mannes kann nicht in zwei bis drei Sätzen zusammengefasst werden und so glänzt Kunischs Wälzer mit 624 Seiten.

"Die Welt" vom 26. Oktober tituliert ein Interview mit dem Autor: "Weder mit Männern noch mit Frauen" – das macht neugierig auf die sexuellen Präferenzen des Preußenkönigs. Ganz im Gegensatz zu Friedrichs Bruder Heinrich wagt Kunisch Zweifel an den homosexuellen Neigungen des Monarchen zu hegen.

Friedrich Wilhelm I, Friedrichs Vater, war als Tyrann bekannt. Seinem Sohn wollte er die "weibische" Liebe zur Musik austreiben, beizeiten auch durch öffentliche Züchtigungen. Als Friedrich, unterstützt von seinem Intimfreund Hans Hermann von Katte, am 5. August 1730 vor dem Vater fliehen will, wird er in der Festung Küstrin eingekerkert. Am 6. November d.J. im jungen Alter von 18 muss er der Enthauptung seines Freundes beiwohnen. Friedrich stimmt einer Zwangsverlobung zu, wird aus der Haft entlassen und heiratet am 12. Juni 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Als der Hohenzollern mit 28 Jahren den Thron besteigt, verbannt er seine Frau. Er lebt seine künstlerische Ader aus und widmet sich neben dem Flötenspiel auch dem Komponieren.

Dass der Kartoffelkönig kein Gefallen am weiblichen Geschlecht findet, erklärt Kunisch mit einer Operation nach einer Geschlechtskrankheit, die ihn wohl gehemmt haben muss, Sex zu haben. Es zeuge von einem offenen Umgang mit Sexualität, dass er den "betenden Knaben", der den Lustknaben Kaiser Hadrians darstellen soll, im Schlosspark von Sanssouci aufstellen ließ. Das sei eine "Finte" des toleranten Königs gewesen.
Explizit gegenüber Glaubensflüchtlingen zeigte Friedrich diese Toleranz, die er mit seinem vielzitierten Wort "...hier muss ein jeder nach seiner Fasson selig werden" unterstrich. Diese Phrase wird heute international genutzt, um Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen Akzeptanz zu zollen. Für den Biografen ist es verständlich, wenn der Monarch seine Armee mit gutaussehenden Männern bestückte – warum solle er hässliche um sich haben wollen?

Sowohl ein oben beschriebener Umgang mit Sexualität, als auch derartige Auswahlkriterien für eine Armee wären heute wie damals Indiz für Homosexualität. Von einer "Finte" kann keine Rede sein. Die Beziehung zu von Katte soll nicht rein platonisch gewesen sein - ebenso wenig wahrscheinlich die zu seinem Sekretär Claude Etienne Darget. Mit Voltaire pflegte er regen Kontakt. Dieser beschrieb, dass Friedrich sich immer wieder männliche Angestellte zur sexuellen Befriedigung bestellte. Zudem ist es überliefert, dass Friedrich eifersüchtig auf die Liäson Heinrichs mit einem Pagen war.
Ein weiterer Page soll bei der misslungenen Flucht geholfen haben – auch mit diesem gleichaltrigen Mann soll Friedrich "etwas gehabt" haben.

Johannes Kunisch, Friedrich der Große - Der König und seine Zeit, 2. Aufl., 2004, 624 Seiten, Leinen, ISBN 3-406-52209-2, EUR 29.90



16 Kommentare

#1 karlAnonym
  • 08.11.2004, 18:28h
  • da kann ich nur sagen, der gute herr kunisch scheibt nach dem motto: "was nicht sein darf, das nicht sein kann!". es gibt immer ewig gestrige......
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#2 gerdAnonym
  • 08.11.2004, 21:23h
  • Interessant...

    Da wird dann wohl viel verschwiegen in dem Buch; empfehlenswert ist hierzu "Mann für Mann" von Bernd-Ulrich Hergemöller, wo man dann die verheimlichte Seite des alten Fritz erzählt bekommt.
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#3 Martin in PhiladelphiaAnonym
  • 09.11.2004, 16:09h
  • Lieber Kollege Kunisch,
    Ihr neues Buch ueber Friedrich den Grossen passt ausgezeichnet in das Bild Amerikas. Auch Hitler haette sich gefreut. Also, warum packen Sie nicht Ihre Sachen und kommen zu uns in die Vereinigten Staaten wo Geschichtsverfaelschung grosse Mode ist und wo Ihr sittenreines Buch bestens aufgehoben waere.
    Endlich mal einer, der den Mut hat den Leuten so richtig in's Gesicht zu luegen wie Sie, lieber Kollege Kunisch.
    Meiner Meinung nach ist Deutschland viel zu offen und ehrlich, um Sie mit Ihrer wunderschoenen Geschichtsverfaelschung zu unterstuetzen, aber kommen Sie doch ueber den Atlantik und unsere neo-konservativen Amis werden Sie mit offenen Armen empfangen. Vielleicht schreiben Sie auch noch ein paar Buecher ueber Socrates, Platon, Alexander den Grossen, und natuerlich auch Oscar Wilde--alles heterosexuelle Maenner, nicht wahr, Kollege?!
    Ich werde meinen Studenten hier in Philadelphia von Ihrer wunderbaren Geschichtsverfaelschung erzaehlen und dann zeigen, dass Geschichte immer von den Siegern geschrieben wird. Sicherlich wird es rege Diskussionen geben, bis dann in ein paar Jahren solche Diskussionen hier in den USA einfach nicht mehr zugelassen werden. Schon jetzt koennen die amerik. Geheimdieste unsere Bibliotheken zwingen, Angaben ueber jeden Leser und seine Lesegewohnheiten abzugeben.
    Also, wenn ich mir Ihr Buch ueber Friedrich den Grossen ausleihe, werde ich wahrscheinlich Pluspunkte bekommen weil ich doch dann endlich auf der richtigen Linie liege, Kollege Kunisch in Koeln.
    Aber ganz zwischen uns: Mir liegt doch der gute alte Heinrich Heine schwer im Magen, Sie wissen schon: Denk ich an Kunisch und Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.
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#4 ChristianAnonym
  • 24.12.2006, 11:32h
  • Merkwürdiger Artikel. Erst wird ellenlang plausibel erklärt, dass er nicht schwul war - auch die Überschrift deutet dieses unmissverständlich an. Dann wird im letzten Absatz erklärt, er "soll" aber doch etwas mit Kerlen gehabt haben, ohne seriöse Quellen zu nennen. Lediglich Voltaire wird herangezogen - wieder ohne genaue Quellenangabe (insbesondere das Wann wäre interessant, da die beiden ja auch mal zerstritten waren --> könnte ein für damalige Zeiten desavouierendes Gerücht von Voltaire sein).
    Fazit: Pros und Cons sind alles nur Indizien, es gibt keine Beweise für einen schwulen Preußenkönig. Vor diesem Hintergrund wäre es vermessen zu sagen, dieser sein Leben lang allein lebende wäre hetero / homo.
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#5 Martin SchwarzwälderAnonym
  • 30.12.2006, 20:31h
  • Ein Wort zu Kollege Martin aus Philadelphia : Polemik hat noch nie zur Wahrheitsfindung beigetragen. Es gibt zwar ziemlich gesicherte Quellen über F2 Affären mit Damen (Gräfin Orczelska, Doris Ritter u.a.) aber keine Gesicherten über eventuelle Affären mit Männer. Allenthalben wiederlegbare Indizien. Selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
    Auf Grund eines Glaubens den Anderen als Lügner und Geschichtfälscher zu denunzieren hätte Hitler wahrscheinlich noch mehr gefreut (wenn man schon diese unselige Person in so einem unzusammenhängenden Zusammenhang bemühen will).
    Abgesehen davon. Was solls ob bi oder schwul oder hetero, der Grösse dieses Mannes tut das nicht den geringsten Abbruch.
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#6 WernerAnonym
  • 13.01.2007, 01:10h
  • Belege, Belege.......angeblich soll es keine geben für seine Orientierung. Dann sollte man sie - nach allen Seiten - wenigstens offen lassen und sich nicht dezidiert gegen eine Homosexualität aussprechen.
    Im Zusammenhang mit einem Besuch in Rheinsberg bin ich aber auf ein Zitat über seine Haltung gegenüber dem Verhältnis Heinrichs zu einem Pagen gestossen........ die pure Eifersucht sprach da! Das würde mir schon reichen, um sein Schwulsein anzunehmen, ganz abgesehen von anderen Hinweisen. Dieses Zitat muss doch belegt sein.......beim Durchblättern der dort erhältlichen Literatur ist es mir aufgefallen.
    Aber wahrscheinlich will der Autor eben die Leserschaft ansprechen, bei der nicht
    sein kann , was nicht sein darf!
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#7 andiAnonym
  • 12.02.2007, 17:37h
  • Hier wird ja fast mehr über Herrn Kunisch als über Friedrich II. geschrieben...
    Evtl. hab ich es überlesen, aber wo schreibt denn der Herr Kunisch explizit, dass Friedrich nicht schwul war? Schweigt er nicht (mangels Quellen) über dieses Thema?
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#8 Christoph JachimowiczAnonym
  • 25.04.2007, 14:19h
  • Fridericus Rex,unser groesste Held war nicht schwul.Er war zwar ein Zyniker und Menschenhasser,doch nicht ein Homosexueller.Seine ganze Energie galt dem Vaterlande dem er bis in den Tod zu dienen bereit war.Er schrieb auch Musik und war ein hinreissender Philosoph.Wer so etwas ausserordentlich Grosses und Ewiges schaffen will,wie Er es getan,der muss auf etwas verzichten.Er hat auf das Familienglueck verzichtet.Warum wollen manche das nicht verstehen?
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#9 Stephanie ThieleAnonym
#10 StepahnieAnonym