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  • 13.06.2013           3      Teilen:   |

Drama der kleinen Gesten

Kinostart: Oben ist es still

Artikelbild
Der Vater stirbt, der Sohn kommt aus dem Wandschrank (Bild: Salzgeber Medien)

Helmer interessiert sich nicht für Frauen. Er hat das vor allen verschwiegen, auch vor sich selbst. Als sein Vater im Sterben liegt, wird alles anders.

"Oben ist es still" ist die Verfilmung des gleichnamigen internationalen Bestseller-Romans von Gerbrand Bakker, der in Deutschland bei Suhrkamp verlegt wird. Zum ersten Mal verfasste Nanouk Leopold (Brownian Movement) das Drehbuch zu einem ihrer Filme nach einer fremden Vorlage. Christoph Schröder hielt nach der Filmpremiere im Tagesspiegel fest: "Der Film steht der Romanverlage an Lakonie nicht nach", und beschrieb ihn als ein "Drama mit großer Wucht." Der Hauptdarsteller Jeroen Willems, der überraschend nach den Dreharbeiten verstarb, spielt in "Oben ist es still" eine seiner letzten Rollen. Uraufgeführt wurde die niederländisch-deutsche Koproduktion im Panorama der 63. Internationalen Berliner Filmfestspiele 2013; sie eröffnete die Reihe "Panorama Special".

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Die Story

Zarte Liebesbande zwischen Männern - Quelle: Salzgeber Medien
Zarte Liebesbande zwischen Männern (Bild: Salzgeber Medien)

Helmer ist Mitte fünfzig. Er sieht die Anzeichen des Alters an seinem Körper. Es ist beinahe vorbei. Sein Vater ist in den Achtzigern, ein kleiner, verschrumpelter Vogel, so gut wie tot. So sieht die Zukunft aus. Wenn Helmer etwas an seinem Leben verändern will, dann muss er es jetzt tun. "Oben ist es still" ist eine Geschichte über einen Mann, der sich selbst befreit. Er befreit sich von seinem inneren Selbstbild. Wie sein Vater ihn sieht, wie die Welt ihn sieht, wie er sich selbst sieht – all das wird sich verändern. Helmer muss sich neu erfinden, um zu erkennen, wer er schon immer war. Helmer bringt seinen Vater 'nach oben'. Sein Vater wird sterben. Damit Helmer sich der Welt so zeigen kann, wie er wirklich ist. Helmer interessiert sich nicht für Frauen. Er hat das vor allen verschwiegen, auch vor sich selbst. Helmer weiß, dass sein Vater sterben muss, so wie auch sein toter Zwillingsbruder noch einmal sterben muss, um Helmer von seiner erdrückenden Last zu befreien. Von der Last des Zwillingsbruders, der tüchtig und in allem besser war als Helmer. Ein besserer Mann. Ein richtiger Mann.

Das Verhältnis zwischen Helmer und seinem Vater ist bitter und kalt. Zwischen ihnen entwickelt sich im Laufe der Geschichte ein gegenseitiger Respekt. Nach dem Tod ist endlich Raum für Liebe da. Helmer spürt eine Spannung zwischen sich und dem Milchfahrer. Einem Mann in seinem Alter, einem schönen Mann. Helmer weiß nicht, was er fühlt, es macht ihn unruhig. Aber er muss ihn ansehen, durch den Flur der Milchkammer. Helmer weiß nicht, wie er sich dem Milchfahrer nähern soll. Er weiß nicht einmal, ob es das ist, was er tun soll. Ob eine Annäherung richtig wäre. Und dann kommt Henk. Die gedankenlose Jugendlichkeit von Henk, der naive, offene Charakter des Jungen zwingen Helmer dazu, einen Standpunkt einzunehmen. Henk sucht Wärme, irgendwas bei Helmer, er weiß nicht was, aber er handelt. Henk legt sein Handtuch ab, als er aus der Dusche kommt und lässt sich von Helmer anschauen. Henk steigt im Dunkel der Nacht in Helmers Bett. Helmer wird mitgerissen von Henks Tatkraft. So entdeckt Helmer die Liebe zwischen zwei Männern. Aber Henk ist ein Kind. Er geht fort. Er hat das Leben noch vor sich. Nach dem Tod seines Vaters, nach der brütenden Spannung mit dem Milchfahrer und der unschuldigen Liebe zu Henk hat Helmer seine Entdeckungsreise vollendet. Er ist bereit, in die Welt zu schauen und zu wissen, wer er ist.

Der Regisseur über den Film:

Bevor ich mit dem Drehbuch anfangen konnte, musste ich den Roman erst mal sechs Monate lang liegen lassen. Ich hatte ihn gelesen und fand ihn wunderschön. Aber mir war klar: Sollte daraus ein Film entstehen, müsste ich vieles rausnehmen. Das wagte ich zunächst nicht. Aber Gerbrand Bakker gab mir komplette Freiheit, sein Buch zu adaptieren. Für ihn war der Roman geschrieben und alles Weitere meine Sache. Er las so nebenher meine vielen Drehbuchentwürfe und wir missverstanden uns ständig. Viele Erzählstränge aus dem Roman verschwanden. Ich wollte, dass man vollständiger in ihn, in die Welt seiner Hauptfigur eintaucht. So nah wie möglich an Helmer herankommt, die Welt aus seinen Augen sieht. Ich glaube, dass man im Film weniger erzählen kann als im Roman – jedenfalls, wenn man es so macht wie ich. Aber dass man das Wenige, was man erzählt, greifbarer machen kann, mit Bildern und Tönen. Ein Vorhang, der sich bewegt; eine Hand auf einem Daunenbett; ein Waschmaschine, deren Trommel sich dreht; das ist für mich Helmers Welt.

Es war eine Ehre für mich, einen Film aus diesem Roman heraus zu entwerfen. Und alles zu lernen über Kälber, Düngemittelfabriken, Milchtanks und Männer. Sie sind so schön. Die letzten Filme von mir, Guernsey, Wolfsbergen und Brownian Movement, haben einen ziemlich ähnlichen Stil. Nach Brownian Movement hatte ich das Gefühl, etwas vollendet zu haben. Eine visuelle Suche nach festen Kameraeinstellungen, Totalen und Weitwinkelaufnahmen hatten mein Storytelling dominiert. Nun hatte ich Lust auf eine neue Herausforderung. "Oben ist es still" ist komplett frei aus der Hand gedreht. Geprobt haben wir kaum, auch das war neu in meiner Arbeit. Zwar war das durch die Zeitlimitierungen begründet, die wir hatten, ich freundete mich aber schnell mit der Idee an, darin eine eigene Qualität zu sehen.

Die Schauspieler waren neu. Weder mit Jeroen Willems, noch mit Henri Garcin, Wim Opbrouck, Martijn Lakemeier oder Lies Visschedijk hatte ich bisher zusammen gearbeitet. Unglaublich gute Schauspieler. Die man ja auch braucht, wenn man sich so stark auf das Prinzip der Improvisation verlässt. Ich brauchte nur sehr wenige Wörter, um meine Vorstellungen zu erklären. Alle brachten eigene Interpretationen ihrer Figuren ins Spiel. Bewegungen, Kleidungsstile, Backstories. Jeroen Willems gab eine unglaubliche Vorstellung. Unglaublich inspirierend und talentiert. Ein schreckliches Gefühl für mich, das so spät erst entdeckt zu haben – ich hätte so gerne noch viele Filme mit ihm gemacht.

Youtube | Ofiizieller Trailer
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Oben ist es still (Drama, 2013)

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Tags: homosexualität, sterben
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Reaktionen zu "Kinostart: Oben ist es still"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
13.06.2013
15:31:23


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Berührend!


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#2
15.06.2013
05:31:33


(-2, 2 Votes)

Von Alte Tunte


"Helmer ist Mitte fünfzig. Er sieht die Anzeichen des Alters an seinem Körper. Es ist beinahe vorbei."

Brillant! Man erzählt uns, wir hätten demnächst gefälligst bis 75 zu arbeiten, um in den Genuß einer (Mini-) Rente zu kommen, aber mit Mitte fünfzig ist das Leben "beinahe vorbei". Denn die letzten zirka dreißig Jahre - bis manch einer mit Mitte achtzig überraschenderweise sterben muß - entwickelt man sich offenbar zum "kleinen, verschrumpelten Vogel", und wenn der Körper nicht mehr knackig ist, ist das Weiterleben eigentlich ohne Sinn.

Hm. Ja. Wie wäre es, wenn jeder am Tag nach seinem fünfzigsten Geburtstag getötet würde? Zumindest jeder Schwule?


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#3
15.06.2013
09:22:52


(+2, 2 Votes)

Von Werner
Antwort zu Kommentar #2 von Alte Tunte


Komm, jetzt projizier dein Altern-Problem nicht darauf! Deal with it!


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