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  • 13.06.2013           115      Teilen:   |

TV-Kritik

Anne Wills normaler Talk

Artikelbild
Anne Will leitete die Sendung, als hätte sie nur ein ignorantes Wissen über homosexuelle Themen. Dann hatte sie aber mit dem Sohn eines lesbischen Paares einen Trumpf im Ärmel.

Die lesbische Moderatin gibt in der Show zu Homo-Ehe und Adoptionsrecht ein armseliges Bild ab – wie die Gegner der Gleichstellung. Der Sohn eines lesbischen Paares lässt die Frage aufkommen, warum hier eigentlich noch über Normalität debattiert werden muss.

Von Norbert Blech

Die Spannung war groß: Wie würde die erste Talkshow zur Homo-Ehe nach Veröffentlichung des Waldschlösschen-Appells ausfallen? Nach schlechten Erfahrungen mit einigen Sendungen hatten schwule und lesbische Journalisten den Appell aufgesetzt und gefordert, dass homophobe, diffamierende Thesen von Journalisten und Moderatoren wie rassistische Äußerungen zurückgewiesen werden müssen (queer.de berichtete).

Würde das bei einer lesbischen Moderatorin besser, trotz des von der Redaktion gesetzen sehr negativen Titels "Gleiche Rechte für Homosexuelle – ist die Ehe nicht mehr heilig?", fragten wir uns. Leider musste man schnell feststellen: Natürlich nicht. Ein Kernsatz aus dem Appell: Homosexuelle seien "nicht länger in die Situation zu bringen, sich für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen zu müssen".

Michael Kauch musste sich gestern für sein Leben verteidigen, für sein Leben mit Mann und Kind. Niemand griff ein, als Hedwig von Beverfoerde von der "Initiative Familienschutz" auf Vorlage von Will Kauch ins Gesicht sagte, der FDP-Politiker lebe in keiner "normalen Familie". Kauch immerhin verteidigte sich galant. Und dann fragte Anne Will, was er seiner Tochter eigentlich damit "zumutet". CDU-Urgestein Erika Steinbach, auch Gast der Sendung, hätte das nicht ungalanter formulieren können.

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Das "normale Modell"

Erika Steinbach forderte mehr Kinderproduktion
Erika Steinbach forderte mehr Kinderproduktion

Später sollte Will zweimal selbst von einer "normalen Familie", von einem "normalem Modell" sprechen – ein erniedrigender, ausgrenzender Begriff, den jeder Schwuler, jede Lesbe im Coming-out zu Hassen lernt und im übrigen von keinerlei politischer Relevanz ist. Es gibt die These, Will hätte einige Fragen bewusst so gestellt, um gute Antworten zu bekommen. Aber kann dass der Maßstab sein, wenn die Fragen im Zuschauerkopf hängen bleiben können? Und: Hätte Markus Lanz sich so verhalten, dürfte man ihn dann jetzt keine Homophobie mehr vorwerfen?

Natürlich hat sich eine Moderatorin bei einer Diskussion neutral zu verhalten. Aber was Will an diskriminierenden Aussagen von Steinbach und Hedwig von Beverfoerde, die aus dem Publikum zurecht mit Buhrufen quittiert wurden, alles durchgehen ließ, war zu viel – ebenso wie das, was sie auch neutral kritisch hinterfragen hätte können und müssen, aber unterließ. Es war Kauch, der in Wills Rolle schlüfte und wirklich alle Argumente der Gleichstellungsgegner schnell und sachlich zerpflückte, wie es Journalisten und Moderatoren gut zu Gesicht stünde.

Denn das ist das Problem bei all diesen Talkshows: In den "Tagesthemen" wird kaum mal ein hochrangiger Politiker zur diskriminierenden Haltung seiner Partei vors Mikrofon gezerrt und kritisch befragt. Wo bleibt eine sachlich in die Ecke gedrängte Angela Merkel? Und in den Talkshows sitzen dann Hinterbänkler, die jeden Müll von sich geben können, ohne von den Moderatoren kritisch befragt zu werden, weil das die Gäste tun sollen. So drängt sich beim Zuschauer der Gedanke auf, das öffentlich-rechtliche Fernsehen habe zur Diskriminierung von Schwulen und Lesben keine Meinung, keine Haltung.

Dass sich die Redaktion letztlich doch von diesem Vorwurf freisprechen kann und dass die Sendung doch einen positiven Eindruck hinterlässt, liegt an der Auswahl der Gäste. Womit nicht das CDU-Mitglied Hedwig von Beverfoerde gemeint ist, eine dieser Personen wie auch Gabriele Kuby, bei denen man sich fragt, mit welcher Berechtigung außer einer erwünschten Krawall-Beförderung sie eigentlich auf einem gleichberechtigten "Experten"-Sessel in einer Talkshow sitzen – die "Initiative Familienschutz" hat nicht mal einen Wikipedia-Eintrag.

Auch ein Oppositionspolitiker fehlte, der Michael Kauch seine Koalition mit Steinbach & Co hätte vorwerfen können. Während David Berger schwächelte, war Kauch immerhin, wir wiederholen das hier gerne, als Redner gegen den reaktionären Hass perfekt: Ohne ihn hätte die Sendung ein Desaster werden können. Das hätte auch passieren können, wenn ein zusätzlicher Gast gefehlt hätte, der von der Redaktion ohne Zweifel bewusst als sanfter, aber effektiver Wink mit dem Zaunpfahl eingeladen wurde.

Haltlose Argumente

Malte und sein Zwillingsbruder im Hintergrund waren das überzeugende Highlight der Sendung
Malte und sein Zwillingsbruder im Hintergrund waren das überzeugende Highlight der Sendung

Denn gegen Ende der Sendung stellte Will nicht nur ein schwules Pflegeelternpaar in den Zuschauerrängen vor, sondern auch den 18-jährigen Sohn eines lesbischen Paares, der sich zur Runde gesellen durfte. In seiner unaufgeregten wie trotz Schüchternheit selbstbewussten Art entlarvte Malte all das Gerede der beiden erzkatholischen Gleichstellungsgegnerinnen (und nebenbei das von Will, die ernsthaft fragte, mit wem er denn "Sportschau" geschaut und Auto-Quartett gespielt habe). Er war der Beweis, dass Regenbogenfamilien eben doch "normal" sind, als hätte es wirklich eines Beweises bedurft.

Später stellte sich Will immerhin teilweise schützend vor den jungen Gast, als Steinbach und von Beverfoerde anfingen, von oben herab über ihn zu urteilen; allerdings nicht, als ihm ein Besuch beim Psychiater angeraten wurde. Malte sah man eine gewisse Empörung an, er blieb aber ruhig. Sein simples, hängen bleibendes Schlusswort: Er fand einige Argumente schlicht unplausibel und haltlos.

Von diesen Argumenten gab es einige: Der Staat solle nur fördern, was der Zukunft diene, sagte Steinbach in Katherina-Reiche-Ton; Homo-Paare seien ein extremes "Minderheitenproblem" und so "unpraktisch" für den Staat wie ihr Gemüsegarten und ohnehin nicht das gleiche wie eine Ehe, sie "produzieren" schließlich keine Kinder. Hedwig von Beverfoerde erregte sich über die "Lobbyarbeit" der Homos und brachte zwischen den Zeilen den Vorwurf, Homosexuelle seien untreu. Und: "Ein normales Kind hat einen Vater und eine Mutter".

Gebracht haben die Reaktionären ihrer Sache wenig: Von Spiegel über Welt und FAZ bis gar hin zur Bild herrscht Einigkeit, dass sie nicht überzeugten. Im Gegensatz zum von allen Seiten gelobten Malte.

Der 18-Jährige war übrigens einer der fünf Kinder aus Regenbogenfamilien, die das "Süddeutsche Magazin" Anfang des Jahres in einem Gruppengespräch vorstellte. Wie toll und aufklärend wäre es gewesen, die Redaktion von Anne Will hätte diese Konstellation zur Vorlage für ihre Sendung genommen.

Links zum Thema:
» Die Sendung online ansehen
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Tags: anne will, erika steinbach, david berger, hedwig von beverfoerde, michael kauch
Schwerpunkte:
 Homo-Ehe in Deutschland
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Reaktionen zu "Anne Wills normaler Talk"


 115 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.06.2013
10:41:20


(+6, 12 Votes)

Von Denis


Wie hieß es an anderer Stelle: Homosexuelle sollten solche Sendungen meiden, da es so wäre als würden Rassisten eingeladen und Schwarze müssten sich vor ihnen rechtfertigen, Schwarz sein zu dürfen.


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#2
13.06.2013
10:58:42


(+6, 12 Votes)

Von gatopardo
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Bleibt mir nur zu sagen, dass ich solche Sendungen gar nicht mehr sehe. Mir hängen Reaktionäre wie diese unerträgliche Steinbach dermassen zum Halse raus, dass ich hinterher vor Wut nicht mehr einschlafen kann. Leute wie diese Frau haben uns bereits in den 50er und 60er Jahren den Tod gewünscht und laufen immer noch frei herum. Schwule Freunde von mir haben dagegen Konzentrationslager und Nachkriegsgefängnisse überstanden, in denen sie als 175er schmachten mussten.


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#3
13.06.2013
11:01:18


(+9, 9 Votes)

Von Norisette
Aus Nürnberg (Bayern)
Mitglied seit 26.04.2013


Wieso "schwächelte" David Berger? Er ging kompromisslos dazwischen, als die beiden Dino-Tanten den Malte angriffen und als unnatürlich bezeichneten. Den Kauch braucht er wohl nicht zu verteidigen, das kann der selbst. Und zudem darf man nicht vergessen, dass dessen Partei Steigbügelhalter einer homophoben Regierungspolitik ist. Oder warum liegt Deutschland so weit hinten und muss vom BVerfG dauernd korrigiert werden?


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#4
13.06.2013
11:12:00


(+3, 15 Votes)

Von Timm Johannes


Der 19jährige Malte war in seiner Schilderung sehr gut; er entlarvte regelrecht Frau Steinbach in ihrer haltlosen Argumentation.

Auch Kauch war wirklich gut und argumentierte sachlich und freundlich und ließ Äußerungen der beiden Damen nicht "stehen", sondern er hebelte diese beiden Frauen aus.

Berger war demgegenüber ein wenig zurückhaltend: vielleicht lag es an der Tatsache, dass in dieser Runde das Thema Religion nicht angesprochen wurde, was aber auch gut und richtig ist.

Was Anne Will angeht: ja sie hätte vielleicht stärker eingreifen müssen, in bestimmten Äußerungen der beiden Damen.

Andererseits ist es für Moderatoren generell sehr schwierig die Balance zu finden, denn schliesslich ist es nicht ihre Aufgabe einseitig auf einer Seite Stellung zu beziehen. Würde sie sich in jeder Talkshow nur auf eine Seite stellen und nicht mehr moderieren, dann wäre sie wohl sehr schnell entlassen.

Daher Fazit ist: Malte und Kauch haben die Sendung gerettet.

Und es wäre in der Tat sehr interessant, wenn einmal Frau Merkel in einer solchen Runde Stellung beziehen müßte. Aber wie immer läßt sie sich bei solchen Gesellschaftsthemen nicht blicken.


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#5
13.06.2013
11:15:43


(+14, 14 Votes)

Von CarstenFfm
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Ich hab mich mal durch Presseecho geklickt:
Ausschließlich negative Beurteilungen der beiden reaktionäten CDU Frauen Steibach und Beverfoerde - auch in der konservativen Presse, wie WELT oder FAZ.

BILD macht sogar das Statement der irren Freifrau "Homsexellle könen nicht treu sein" zur Überschrischrift, um drüber herzuziehen ("skurril")


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#6
13.06.2013
11:26:33


(+11, 17 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Ich fand die Sendung gut und gut moderiert. Es ging auch darum, die Homo-Gegner sanft zu entlarven und ihnen ihre absurden Argumente vortragen zu lassen. Anne Wills hat es gut gemacht, ohne penetrant zu werden. Die Befürworter der Homo-Ehe haben gepunktet, ohne arrogant und besserwisserisch zu wirken.


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#7
13.06.2013
11:27:06


(+8, 12 Votes)

Von CarstenFfm
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Noch eine Beobachtung: beim gelegentlichen Schwenk übers Publikum konnte man sehen, dass diese fast nur aus Schwulen und Lesben bestand - dazwischen nur einige ältere Männer in Lodenjacken, die wohl für die Gegenseite da waren.

Und als der hübsche Malte sagte, dass er selber höchstwahrschelich hetero ist spürte man förmlich das leichte Seufzen im Publikum.


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#8
13.06.2013
11:33:13
Via Handy


(-10, 16 Votes)

Von Nurmalso


Tschuldigung, aber 'normal' ist laut defenition das, was 'die meisten' machen, ohne Wertung. Wenn die meisten ihr Kind rot anmalen würden, wäre eben das 'normal'. Ob einem das jetzt passt oder nicht, homofamilien können ungewohnt oder gewohnt sein, aber 'normal' werden sie wohl nie.


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#9
13.06.2013
11:33:35


(-5, 13 Votes)

Von splattergay


Man darf nicht vergessen, daß Schwule bis 1969 bzw. 1994 noch unter dem § 175 standen, das die Partnerschaft erst seit 10 Jahren besteht und das Diskriminierungsverbot "sexuelle Identität" ziemlich neu ist.

Homohasser wie es Herr Berger propagiert, sind Leute die Schwulen u. Lesben die Bürgerrechte absprechen oder sie wieder unter das Strafrecht stellen wollen (siehe Russland)
Auch eine Frau Steinbach findet empörend , was zur Zeit in Moskau geschieht. Es ist ja nun mal so, daß es kaum ein Thema gibt, über das es nicht unterschiedliche Meinungen gibt und sei es das Knöllchen für falsches parken.

Ich glaube in der jetzigen Situation, muß man auch etwas Geduld haben. die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften ist noch nicht überall angekommen, eine Differenzierung zwischen wirklicher Homophobie und konservativen Wertvorstellungen finde ich aber angebracht.

Das gefährliche an Leuten wie Frau Kuby ist auch nicht das was sie sich trauen zu sagen in der Öffentlichkeit, sondern das was sie sich wahrscheinlich nicht trauen zu sagen, weil die Öffentlichkeit das nicht zulassen würde. Eine Unterdrückung radikaler Meinungen führt aber dazu, das man nie genau weiß, was der Gegner wirklich denkt.

Also etwas mehr Gelassenheit finde ich schon für geboten.


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#10
13.06.2013
11:38:00


(+6, 16 Votes)

Von Tim78


Ich habe die Sendung auch gesehen und kann die Ansichten des Autors hier nicht teilen. Was erreichen wir, wenn wir sagen wir wollen uns nicht mehr rechtfertigen müssen? Wollen wir etwa so tun, als sei das Thema keines mehr und alle einer Meinung? Wollen wir jede Diskussion mit dem Hinweis "Diskriminierung" im Keim ersticken? Das ist gleichbedeutend mit dem Rückzug aus jeglicher ernsthaften Diskussion zum Thema.
Die Gegner haben sich zum Teil selbst entlarvt und zum Teil wurden sie durch die aggressiv-intelligente Gesprächsführung der Moderatorin entlarvt. Klar ist Will ihrer Moderatorenpflicht nachgekommen und hat Fragen gestellt in die eine, sowie in die andere Richtung. Manchmal habe ich das Gefühl, auch schwulen Journalisten täte solch eine Blickwinkelveränderung ganz gut, sofern sie überhaupt außerhalb der Szene ernst genommen werden wollen. Wer Toleranz und Akzeptanz will, der muss sich erklären. Sich als Minderheit der Mehrheit verständlich zu machen. Das haben Kauch, der Junge und etwas schwächer David Berger getan. Die Sendung ging aus Homosicht voll okay. Eine noch homofreundlichere Diskussionsrunde hätte man ja selbst als Schwuler nicht mehr ernst nehmen können


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