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  • 15.06.2013           33      Teilen:   |

BLSJ lud zur Diskussion

Darf man Peter Altmaier outen?

Artikelbild
Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Stefan Niggemeier, Gudrun Fertig, Jan Feddersen, Martin Munz, Ines Pohl und Lutz Tillmanns (Bild: Kendra Eckhorst)

Auf der Podiumsdiskussion "Homosexuelle Promis, schweigende Medien?" am Freitag in Hamburg sollten Grenzen und Umstände eines (Zwangs-)Bekenntnisses von Politikern ausgelotet werden. Es blieb bei zwei konträren Positionen.

Von Kendra Eckhorst

"Eigentlich gab es keinen Anlass darüber zu schreiben", resümiert Jan Feddersen, der schwule "taz"-Redakteur für besondere Aufgaben. Und doch stellte die Homestory über Peter Altmaier aus dem Juli letzten Jahres mehr Fragen als dass sie Antworten gab. Die "Bild am Sonntag" interviewte ihn zu seinem Privatleben, seinen Kochgewohnheiten und kulinarischen Vorlieben, lichtete ihn mit Bratkartoffelpfanne, Schürze und Schweißtuch am Kopf ab und hielt folgendes Statement fest: "Doch der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe" (queer.de berichtete).

Für Feddersen eine mögliche Umschreibung für ein eventuelles schwules Begehren des Bundesumweltministers, das unglaublich "verschwurbelt" daher kam. Warum, fragte er sich in seinem analytischen Text, den die Chefredakteurin der "taz" wiederum am kommenden Tag von der Webseite nehmen ließ (queer.de berichtete). Auch der Presserat sah einen Verstoß gegen den Kodex, wenn über die sexuelle Vorliebe eines Ministers spekuliert wird (queer.de berichtete).

Fortsetzung nach Anzeige


Privatheit versus Diskriminierung

Bundesumweltminister Peter Altmaier sagte seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion nach mehrwöchiger Bedenkzeit ab - Quelle: energieagentur-nrw / flickr / cc by 2.0
Bundesumweltminister Peter Altmaier sagte seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion nach mehrwöchiger Bedenkzeit ab (Bild: energieagentur-nrw / flickr / cc by 2.0)

Soweit zur Vorgeschichte eines "Outings", das ein knappes Jahr später auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche unter dem Motto "Schlechte Zeiten! Gute Zeiten! Aufbruch im Umbruch" seine Fortsetzung fand. Ein Großteil der MitspielerInnen fand sich auf Initiative des Bundes lesbischer und schwuler JournalistInnen (BLSJ) zur Podiumsdiskussion in einem überfüllten, kleinen Raum auf dem Gelände des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Hamburg ein und diskutierte am Freitag, unter welchen Umständen JournalistInnen PolitikerInnen outen dürfen.

Schon die Sitzordnung verdeutlichte den Bruch in den zwei dominanten Positionen. So fanden sich links die BefürworterInnen der klaren Nachfrage mit Jan Feddersen, dem freischaffenden Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Gudrun Fertig, eine der Geschäftsführerinnen von "Siegessäule" und "L-Mag", laut ironischer Selbstbezeichnung den "schmuddeligen Homomedien". Mittendrin Martin Munz vom BLSJ, der die Moderation übernahm und gegenüber der rechten Seite vermitteln wollte – und musste. Hier saßen "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl und Lutz Tillmanns vom deutschen Presserat, der den Artikel nach Ziffer acht des Pressekodexes, der "bloßes Sensationsinteresse" verurteilt, als unzulässig titulierte. Die Person des Anstoßes, Peter Altmaier, war übrigens auch angefragt, er sagte allerdings nach mehrwöchiger Bedenkzeit ab.

"Eine Quelle ist zerbröselt, die zweite hat sich aufgelöst", fasste Pohl einen Strang ihrer journalistischen Argumente für die Notbremse zusammen. Eine zweite Linie zog sie an dem Recht auf Privatheit auf, das jedem Menschen zugesteht, selbst zu entscheiden, mit welchen Informationen er oder sie an die Öffentlichkeit gehen möchte. Im Umkehrschluss bedeute dies auch, dass es niemanden zusteht, eine zweite, andere Person zu outen, so das Fazit der "taz"-Chefin.

Eine Position, die auf der anderen Seite sofort Unmut und Augenrollen erzeugte und Diskriminierung von Schwulen und Lesben am Werk sah. Dergestalt, dass Homosexuelle entgegen aller Schönschreiberei noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien, wenn Fragen nach den Beziehungen ausgeklammert werden müssen, die bei Heterosexuellen ganz normal gestellt werden würden. Und eben da wolle man hin, erklärte Feddersen, einfach festzuhalten, dass Bürgermeister "xy" mit seinem Mann zur Veranstaltung vorfuhr. Punkt. Kein weiterer Kommentar. Wo ist denn die Schande, fragte Feddersen, wenn unterstellt wird, dass Peter Altmaier schwul ist?

Jan Feddersen gegen "betreutes Wohlfühl-Rolatorschreiben"

Als Zwangsouting und Denunziation wollte die andere Seite den Text verstanden wissen, der über das Ziel hinausgeschossen sei und sich "eine Definitionshoheit über einen anderen Menschen anmaße", so Pohl, die auch unerheblich sei, wenn ein Stimmungsbild der CDU zur Frage der Gleichstellung schwul-lesbischer Paare eingeholt würde. Hier dürften Menschen nicht vorgeführt werden, unterstützte Tillmanns die Argumentation. Auf dieses "betreute Wohlfühl-Rolatorschreiben" sprang Feddersen an, der sich gegen Denunziation verwehrte und nochmals den Blick auf das angebliche Problem der Spekulation lenkte. Auch Niggemeier fragte, wie und wo die Chancen für Homosexuelle liegen, "normal" zu werden, wenn sie nicht sichtbar seien. "Hier von Denunziation zu sprechen, funktioniert nur, wenn Homosexualität als etwas Schlechtes wahrgenommen wird", fasste Niggermeier den Konflikt zusammen und spitzte die Linie Privatheit versus Diskriminierung zu.

Diesem Bild mochte Ines Pohl nicht folgen und befragte die Form des Textes auf seine Aussagekräftigkeit. Auch hier konnte die Gegenseite nur eine Form der Tabuisierung sehen, wenn eine Kolumne nachträglich gelöscht wird. Dass der Presserat diese Zensur in seine Entscheidung affirmiert hatte, saß für Gudrun Fertig tief, denn sie mochte nicht die Strahlkraft einer Entscheidung dieses Gremiums unterschätzt wissen. "Hier wurde Diskriminierung legitimiert und so die Form, wie über Sexualität spekuliert werden darf", übersetzte Fertig.

Einem Konsens oder einer Antwort auf die Frage, wann und wie geoutet werden darf, kam das Podium nicht näher. Dennoch blickten alle gespannt auf den kommenden Sonntag: Am 23. Juni wird Bundesumweltminister Peter Altmaier ein Grußwort auf der Gedenkveranstaltung für die homosexuellen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald im Deutschen National-Theater in Weimar halten (queer.de berichtete). Gudrun Fertig stellte die Frage in den Raum, ob dies die ersten Schritte zu seinem Coming-out seien…

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Reaktionen zu "Darf man Peter Altmaier outen?"


 33 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
15.06.2013
20:37:22


(-1, 15 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Coming Out ist Privatsache!


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#2
15.06.2013
20:42:43


(-1, 11 Votes)

Von Harry


Für alle Anderssexuellen ein Schlag ins Gesicht, dass er automatisch als homosexuell gehandelt wird, nur weil er keine Frau an seiner Seite hat.
Oder mit Butler im Geiste: entweder hetero oder homo..
Da kann man mal sehen, wie langsam das menschliche Hirn lernt, bzw. wie schwer es ist, die Moral zu verändern.
Hallooo! Es gibt auch Asexuelle! Die jetzt, wo das Homosexullen-Ding rechtlich fast durch ist, vielleicht auch mal an der Reihe wären, sichtbar gemacht zu werden, indem man sie versprachlicht.

Die Frage sollte also nicht lauten: "Darf man Peter Altmaier outen?" sondern "Muss Altmaier zwangsläufig homosexuell sein?"


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#3
15.06.2013
20:51:09


(+6, 16 Votes)

Von GerdBerlin


Nein! Outen darf und soll man nur einen heimlichen Homosexuellen, der seine Homosexualität verleugnet UND(!) anderen Schwulen massiv schadet!
Darüber hinaus darf Outing nicht auf Schwulentratsch beruhen, sondern es müssen handfeste, vor Gericht haltbare Beweise vorliegen. Dies setzt voraus, dass mindestens zwei Zeugen mit diesem Schwulen, der geoutet werden soll, Sex gehabt haben und auch bereit sind, dies öffentlich zu machen.
Peter Altmaier hat den Schwulen nicht wirklich und willentlich geschadet und keiner hat das Recht, in seinem Privatleben herum zu schnüffeln.


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#4
15.06.2013
21:07:58


(+1, 3 Votes)

Von Gerhard
Antwort zu Kommentar #3 von GerdBerlin


Und beide sollten Samen-DNA nachweisen können :D


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#5
15.06.2013
21:56:48


(-2, 8 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #3 von GerdBerlin


Natürlich ist ein Coming Out privat..

Bis zu dem Zeitpunkt an dem ein schwuler Bundesminister gegen die Gleichstellung im Bundestag stimmt !

Wenn Altmaier schwul ist, dann darf er auch geoutet werden, denn er hat konsequent dagegen gestimmt !

Das Märchen der A-Sexualität hält sich hartnäckig, und ist auch wohl nicht so einfach aus der Welt zu schaffen..

Fakt ist das es Menschen gibt die keinerlei sexuelle Kontakte mit anderen Menschen haben..

Diese dann als A-Sexuell zu bezeichnen kommt dem Wort in seiner Bedeutung nicht nahe..

Derjenige kann Selbstbefriedigung als allein selig machende Betätigung auserkoren haben, oder er ist schlicht zu schüchtern um mal jemanden nach einem Fick zu fragen..
Gleichwohl ist er deshalb NICHT A-sexuell !

Trotz allem muß nach Wegen gesucht werden die es Menschen wie Altmaier möglich macht sich zu outen, und in einer selbstverständlichen "Randnotiz" öffentlich zu erklären welchem "sexuellem Lager" er zugehörig ist, egal ob als Schwuler oder Hetero..

Die Äußerung "Doch der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe" ist dazu jedenfalls gänzlich ungeeignet..


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#6
15.06.2013
22:04:05


(+3, 9 Votes)

Von Timm Johannes
Antwort zu Kommentar #3 von GerdBerlin


@GerdBerlin
Das sehe ich genauso wie Du und da hast Du 100 Prozent Recht.


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#7
15.06.2013
22:23:03


(+2, 6 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Die Frage, die sich mir stellt, lautet einfach: was würde das eigentlich bringen? Spielen wir das Ganze doch mal hypothetisch durch: irgend ein Medium outet jetzt Peter Altmaier, dieser bestätigt vielleicht noch eine homosexuelle Orientierung, ja, und dann? Glaubt jemand ernsthaft, dass sich dadurch irgend etwas ändern würde?

Was haben denn seinerzeit Rosa von Praunheims Wald- und Wiesenoutings gebracht? Hatte jemand wirklich etwas davon, dass jetzt ein Patrick Lindner offen schwul auftritt oder dass eine Inge Meysel sexuelle Kontakte zu Frauen eingeräumt hat? Eindeutig nein.

Das Problem ist einfach, dass Outing nur dann funzt, wenn der Geoutete sich vorab als explizit bekennende/r Schwulen- bzw. LesbenhasserIn produziert hat. Und auch dann bedarf es hieb- und stichfester Beweise und nicht nur Vermutungen. Anderenfalls ist Outing einfach witzlos.


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#8
15.06.2013
22:32:05
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von Heteronormes
Antwort zu Kommentar #2 von Harry


Warum outet er sich dann weder als schwul noch als asexuell?
Jeder gilt von Geburt an automatisch als Hetero. Alle anderen müssen sich outen, wenn sie zu sich stehen wollen.


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#9
15.06.2013
22:58:53


(+3, 5 Votes)

Von Foxie
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Es ist eines jedem Privatsache, wann und wem gegenüber man sich outet!
Egal, ob Pförtner oder Minister.

Sieht natürlich ganz anders aus, wenn einer bei jeder Gelegenheit Homosexualität verdammt und verachtet, und sich zum Bsp. diskrete Escorts bestellt.
Solche Heuchler gehören enttarnt.

Aber wie schon im Artikel gesagt, Homosexualität wird noch lange nicht als normale menschliche Eigenschaft wahrgenommen. Und da kann ich den Herrn Altmaier überhaupt nicht verstehen, dass er sich ausgerechnet "BLÖD" an den Küchentisch holt.
(Und wären die ungefragt zum Frühstück erschienen, gar nicht erst ´reinlassen)
Die sind doch nicht gerade für sachliche, oder gar sensible Berichterstattung bekannt.

Wiederum kann ich mir vorstellen, dass BLÖD
auf ganz andere Art Druck macht:
"Erzähl mir was, oder ich denk mir was aus!"


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#10
15.06.2013
23:04:31


(+5, 5 Votes)

Von m123


Es ist eigentlich ziemlich eindeutig was richtig ist.

Solange man nicht 100%ig weiß, ob jemand schwul ist, macht es keinen Sinn diesen jemand zu outen, weil es ja sein kann, dass er nicht schwul ist.

Wenn man 100%ig weiß, dass jemand nachweislich schwul ist, und dieser jemand sexuelle Minderheiten nicht benachteiligt, dann ist es unmoralisch ihn zu outen.

Wenn man 100%ig weiß, dass jemand nachweislich schwul ist, und dieser jemand sexuelle Minderheiten benachteiligt, dann ist es legitim ihn zu outen. Denn wenn er sexuelle Minderheiten diskriminiert, dann schadet er ihnen, und dann darf man durchaus aufdecken, dass dieser jemand sexuelle Minderheiten diskriminiert, obwohl er selbst dieser sexuellen Minderheit angehört, was dann seine Glaubwürdigkeit ZURECHT erschüttert! Es ist dann die gerechte "Strafe" (wenn es überhaupt eine Strafe ist).

Peter Altmaier hat stets gegen gleiche Rechte für Homosexuelle gestimmt. Wenn jemand 100%ig nachweisen kann, dass Peter Altmaier homosexuell ist, dann finde ich es nur gerecht wenn er geoutet wird.

Unabhängig von der sexuellen Identität einer Person, ist es legitim diese Person zu ächten, wenn sie sexuelle Minderheiten diskriminiert. Da dies bei Peter Altmaier der Fall ist, ist es legitim ihn zu ächten, unabhängig davon ob er jetzt heterosexuell oder homosexuell ist.


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