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Schwul-lesbische Aktivisten klären bei den Protesten über die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten auf (Bild: Kaos GL)

Auch Schwule und Lesben sind über den zunehmend autoritär agierende Erdogan-Regierung und die Beschneidung der Grundrechte empört. Deshalb beteiligen sich Homo-Aktivisten an den Protesten in Istanbul.

Bei den seit drei Wochen andauernden Protesten gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird vermehrt auch die harte Hand gegenüber sexuellen Minderheiten kritisiert. In dem am Wochenende zum zweiten Mal von Sicherheitskräften geräumten Gezi-Park klärte auch ein "LGBT Blok" über Diskriminierung in der Türkei auf.

Die türkische Homo-Gruppe Kaos GL beklagte, dass vier Aktivisten festgenommen und von Polizeibeamten homophob beschimpft wurden. Ihr Anwalt Türker Vatansever erklärte, dass sich die Staatsanwaltschaft geweigert habe, gegen die Polizisten zu ermitteln. Zudem wurde der Aktivist Hasan Yavuz vergangene Woche nach Angaben von Kaos GL auf seinem Weg zum Gezi-Park von Polizisten gestoppt und zusammengeschlagen. Anschließend wurde er mehrere Stunden festgehalten. Dabei sei ihm medizinische Hilfe verweigert worden.

Proteste auch beim CSD Berlin


Der Aktivist Hasan Yavuz wurde von Polizisten ohne Provokation angegriffen, weil er medizinische Ausrüstung zum Gezi-Park bringen wollte

Die deutsche Gruppe Gay and Lesbians aus der Türkei (GLADT) will beim CSD in Berlin auf die Lage in dem Land aufmerksam machen: "Der Widerstand und die Solidarität, die gerade stattfinden, sind schwer in Worten zu beschreiben. Es ist eine unglaublich schöne Erfahrung, die uns alle in unseren Herzen und unseren Köpfen verändert und sehr prägt", erklärte die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite, auf der sie auch zu Spenden aufruft.

Im amerikanischen Portal Towleroad erklärte der Filmemacher Mehmet Binay, der vergangenes Jahr eine Dokumentation über den "Ehren"-Mord am schwulen Aktivisten Ahmet Yildiz gedreht hatte, dass zirka fünf bis zehn Prozent der Protestierenden aus der LGBT-Community kommen. Sexuelle Minderheiten seien besonderen "sozialen, rechtlichen und politischen Problemen" ausgesetzt. "Eine demokratischere Regierung könnte LGBTs helfen, vor homophober Rhetorik und Gewalt geschützt zu werden", so Binay. Er warf Ministerpräsident Erdogan vor, trotz anderslautender Versprechen vor Beginn seiner Regierungszeit weiterhin an der Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen festzuhalten.

Erdogan-Partei gibt sich homofeindlich


Ministerpräsident Erdogan ist Proteste nicht gewohnt und geht mit äußerster Härte gegen Abweichler vor

Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP, so der Vorwurf, hat insbesondere in den letzten Monaten mit homosexuellenfeindlicherer Rhetorik auf sich aufmerksam gemacht. So erklärte Ministerpräsident Erdogan im März diesen Jahres, dass Homosexualität der "Kultur des Islam" widersprechen würde (queer.de berichtete). Zudem startete die Regierung eine Kampagne gegen die Niederlande und Belgien, weil die Länder Homo-Paare beim Adoptionsrecht gleichgestellt haben (queer.de berichtete).

Die Proteste, die sich am Bau eines Einkaufszentrums in Istanbul entzündeten, haben Ende Mai die seit über einem Jahrzehnt regierende Erdogan-Regierung überrascht. Der Ministerpräsident hat die Demonstranten als "Terroristen" bezeichnet und ließ die Polizei mit Gewalt gegen sie vorgehen. Trotzdem demonstrieren weiterhin Hunderte am Taksim-Platz in einem stillen Protest.

Inzwischen gibt es international immer mehr Kritik am harten Vorgehen der türkischen Polizei. So verurteilte UN-Generalsekretär Ban ki-Moon am Dienstag die Gewalt gegen die Demonstranten. Er sei "betrübt" wegen der Nachrichten von Todesopfern und Verletzten. Die türkischen Behörden haben allerdings am gleichen Tag dutzende Menschen festgenommen, denen vorgeworfen wird, die Demonstrationen unterstützt zu haben. (dk)



#1 MarekAnonym
  • 19.06.2013, 17:12h
  • Finde ich sehr richtig, dass die nicht tatenlos zusehen, wie ihr Land immer mehr zu einem brutalen Polizeistaat und einer Diktatur wird.

    Wenn man sieht, wie die türkische Regierung gegen homofreundliche EU-Staaten hetzt und selbst von außerhalb der EU diesen Staaten in ihre Gesetzgebung reinreden will, weiß man, wie die nach einer EU-Aufnahme abgehen würden... Und dann hätten sie sogar die Macht, für alle EU-Staaten viel anzurichten...

    Nein, die Türkei gehört nicht in die EU!!
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#2 SebiAnonym
  • 19.06.2013, 17:22h
  • Antwort auf #1 von Marek
  • Wenn man sieht, wie in der Türkei in den letzten Jahren Homo-Vereine und Homo-Kneipen verboten wurden, die Justiz bei Hassverbrechen wegsieht, Schwule ins Gefängnis kamen, wo sie teilweise sogar gefoltert wurden, etc. etc. etc. wird klar, dass die Türkei auch ohne die aktuellen Vorgänge NICHTS in der EU zu suchen hat.

    Homosexuelle nicht gleichzustellen ist schon schlimm genug, sie aber auch noch zu verfolgen und ihnen ihre Freiheit und Sicherheit zu nehmen, zeigt, dass die nicht in die EU gehören.

    (Zumal ich mich eh frage, was ein Staat, der zu mehr als 97% in Asien liegt und nur zu weniger als 3% in Europa in der Europäischen (!) Union zu suchen hat...)
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#3 kulturhinweisAnonym
  • 19.06.2013, 17:27h
  • "Nun stehen die Informationen zu der Großkundgebung der Alevitischen Gemeinde Deutschland gegen das autokratische AKM-Regime in der Türkei weitgehend fest:

    Samstag, 22.06.2013
    KÖLN
    Beginn: 12.00 Uhr Köln-Ebertplatz, Kundgebung von 12.00 - 14.00 Uhr;
    14.00 Uhr, Demonstrationszug vom Ebertplatz zum Köln-Neumarkt;
    16.00-18.00 Uhr, Kundgebung am Köln-Neumarkt"

    www.facebook.com/events/478394925580996/
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#4 AlexAnonym
#5 KlärchenAnonym
  • 19.06.2013, 17:46h
  • "... dass zirka fünf bis zehn Prozent der Protestierenden aus der LGBT-Community kommen"

    Bei 1 Millionen Demonstranten auf dem Taksimplatz wären das also 100.000 Schwule und Lesben!

    Was werden hier schon wieder für Märchen erzählt?
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#6 reiserobbyEhemaliges Profil
#8 history channelAnonym
  • 19.06.2013, 18:08h
  • Antwort auf #7 von alevi
  • Die Aleviten kennen den Mob....

    Schade, dass das Aziz Nesin nicht mehr erleben kann.

    "Bei einem alevitischen Kulturfestival zu Ehren des Dichters Pir Sultan Abdal im Sommer 1993 in Sivas erklärte der türkische Schriftsteller Aziz Nesin öffentlich, er halte einen Großteil der türkischen Bevölkerung für feige und dumm, da sie nicht den Mut hätten, für die Demokratie einzutreten.

    Dies und die Übersetzung und teilweise Veröffentlichung des für Muslime ketzerischen Romans Die satanischen Verse von Salman Rushdie führten dazu, dass sich vor allem konservative sunnitische Kreise provoziert fühlten. Am 2. Juli versammelte sich eine aufgebrachte Menschenmasse (die Anzahl der Personen wird auf 20.000 geschätzt) nach dem Freitagsgebet vor dem Madmak-Hotel, in dem Aziz Nesin, aber auch alevitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten. Mitten aus der wütend protestierenden Menschenmenge wurden schließlich Brandsätze gegen das Hotel geworfen. Da das Hotel aus Holz gebaut war, breitete sich das Feuer schnell aus. Dabei verbrannten 35 Menschen; der Autor Aziz Nesin, dem laut einigen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte, überlebte jedoch leicht verletzt. Wegen der wütenden Menschenmenge draußen vor dem Hotel konnten die Bewohner des Hotels nicht ins Freie, bis sie schließlich vom Feuer eingeschlossen waren.

    Mehr:

    de.wikipedia.org/wiki/Brandanschlag_von_Sivas
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#9 reiserobbyEhemaliges Profil