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Staatsakt für Rudolf Brazda

Weimars warmes Wochenende


Rudolf Brazda wäre am 26. Juni 100 Jahre alt geworden. Die thüringische Landesregierung ehrt den ehemaligen Rosa-Winkel-Häftling mit einem Gedenkakt im Deutschen Nationaltheater in Weimar

In der Kulturstadt finden am Sonntag nicht nur zwei Gedenkveranstaltungen für die homosexuellen NS-Opfer statt. Das Stadtmuseum zeigt homoerotische Werke von Sascha Schneider.
Aus der ganzen Republik fahren schwule Männer an diesem Wochenende nach Thüringen. Hauptanlass ist der historische Gedenkakt für den letzten überlebenden Rosa-Winkel-Häftling Rudolf Brazda am Sonntag um 17 Uhr um Deutschen Nationaltheater, zu dem Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) rund 1.000 ausgewählte Gäste eingeladen hat (queer.de berichtete). Es ist das erste Mal, dass auf höchster politischer Ebene an einen schwulen KZ-Insassen erinnert wird. Brazda, der 2011 verstarb, wäre am 26. Juni 100 Jahre alt geworden.

Neben dem offiziellen Gedenkakt, bei dem u.a. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprechen werden, laden am Sonntagmittag auch der CSD Thüringen und die regionale Aids-Hilfe traditionell zur einer Gedenkfeier für die Rosa-Winkel-Häftlinge des KZ Buchenwald. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr am Kino der Gedenkstätte. Von dort geht es gemeinsam ins ehemalige Lager zum Gedenkstein für die homosexuellen NS-Opfer. Eine der Gedenkreden wird der langjährige Wegbegleiter von Rudolf Brazda, Jean-Luc Schwab, halten. Nach einer Schweigeminute wird es die Möglichkeit der Kranzniederlegung geben.

Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte


Homoerotische Phantasien in der Weimarer Kunsthalle: Sascha Schneiders Gemälde "Werdende Kraft" aus dem Jahr 1904

Am Sonntagabend ab 20 Uhr wird zudem Jürgen Wenke von der "Rosa Strippe" in Bochum in der Galerie Markt 21 in Weimar über das Leben des schwulen und im KZ Buchenwald ermordeten Friedrich Wessel, referieren. Der aus dem Ruhrgebiet stammende Plakatmaler wurde weniger als drei Monate nach Beginn seiner Internierung am 7. Mai 1942 angeblich auf der Flucht erschossen (queer.de berichtete).

An Teilnehmern bei den Veranstaltungen wird es voraussichtlich nicht mangeln, denn auch der Fachverband Homosexualität und Geschichte e.V. hat seine diesjährige Jahrestagung genau auf das kommende Wochenende in Weimar gelegt.

Auf Interesse der homosexuellen Besucher dürfte nicht zuletzt die Ausstellung "Sascha Schneider – Ideenmaler & Körperbildner" stoßen, die das Stadtmuseum Weimar im Rahmen des van-de-Velde-Jahres in der Kunsthalle "Harry Graf Kessler" am Goetheplatz 9 zeigt. Schneider (1870-1927) gilt als schillernde Persönlichkeit der deutschen Kunst- und Kulturgeschichte. Die Plastiken des Künstlers veranschaulichen sein klassisch-antikes Körperideal wie seine homoerotischen Fantasien vom physisch schönen, nackten Mann. Entschieden hat Schneider zur "Befreiung" des männlichen Akts im frühen 20. Jahrhundert beigetragen. (cw)



#1 -hw-Anonym
  • 21.06.2013, 14:17h
  • "Die Plastiken des Künstlers veranschaulichen sein klassisch-antikes Körperideal wie seine homoerotischen Fantasien vom physisch schönen, nackten Mann. "

    ".....Als May Schneider zuredet, auch pragmatisch zu denken, einen Auftrag, der Geld und Aufstieg im Sinne von Karriere bringen könne, anzunehmen, antwortet dieser, er könne ihm dafür die Hände küssen (210), Sie sind ein Engel und ein Prachtkerl!. "Was die ungezählten Mordtaten, entsetzlichen Verbrechen und die mannigfachen Zuchthäuser anlangt, so habe ich da meine eigenen mehr als freien Ansichten darüber, so daß ich in dieser Hinsicht Ihne gegenüber ganz genau so herzlich gesinnt & gestimmt bin , wie nur je zuvor" und, wohl wahr: "Über das "Verbrechen" wechseln die Ansichten nach Zeit, Gegend, Race etc." (293); "mir es ganz gleichgiltig gewesen wäre, ob Karl May früher scalpierte und diesen u. jenen erwürgt hätte.

    Meine Meinung ist jetzt, nachdem ich im Kaukasus war und mit den prachtvollsten Menschen, die alles Bluträcher, notorische Pferdediebe und gelegentliche Strassenräuber sind, verkehren konnte, dass eigentlich jeder Mann erst mal im Leben einen andern, ihm nicht ganz sympathischen, erlegt haben sollte, es wird sich dann erst wirkliche Seelenruhe einfinden und das Basiliskengemüt wird sich erleichtert fühlen" (298). - Schneider hat May offenbar nicht nur gelesen, sondern auch verstanden (Auch Friede auf Erden habe ich nun gelesen. Der Schluss ist grandios, 120)...."

    Schneider: Mein Standpunkt ist außerhalb des Normalen; Sünde giebt es nicht für mich in diesem Sinne (S. 84); Kein bedeutender Mann ohne Kampf mit dem Leben u. mit sich selbst. Wir sind Fleisch (147); "Die Religion mit allen an ihr hängenden Interessen betrachte ich als Unheil für die Menschheit". (233) "Ich sehe die Trennung des menschlichen Organismus in Körper und Seele nicht ein, sondern im Gegenteil sehe ich immer mehr den Zusammenhang, die Synthese, die allein die Basis einer lebendigen und die Gesammtheit fördernden Cultur ist. Damit fällt für mich auch die Einteilung in Gewalt- & Edelmensch aus, denn ich sehe nicht, daß eins das andere ausschließt, im Gegenteil sehe ich erst in der Verbindung beider das Ideal". (294) "Dann giebt es doch kein absolut Böse & Gut; das ist ja doch auch nur relatif; und kommt auf den Standpunkt an. [...] Ich glaube der Mensch braucht so ein paar Giftdrüsen oder er stirbt wie die Kaninchen, denen man bakterienfreies Futter vorsetzt". (294)...."

    www.queer.de/kommentar.php?komm_id=19477
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 antos
  • 22.06.2013, 09:30h
  • Antwort auf #1 von -hw-
  • Rudolf Brazda:

    "Nach dem Krieg ging Brazda gemeinsam mit einem anderen Häftling in dessen Heimat ins Elsass. Anfang der 1950er lernte er seinen Lebensgefährten Edouard Mayer kennen. Als Eddi nach einem Arbeitsunfall auf einen Rollstuhl angewiesen war, pflegte ihn Rudolf bis zu dessen Tod 2003.[4] Brazda lebte zuletzt dort in einem kleinen Haus, das er zusammen mit seinem Freund gebaut hatte.[2]"

    de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Brazda

    Offensichtlich hat Rudolf Brazda es bis ins hohe Alter nicht vermocht, Schneiders höhnisches Ideal zu erreichen und sich 'in männlichen Akten zu befreien' [siehe Zitat hw]:

    "Damit fällt für mich auch die Einteilung in Gewalt- & Edelmensch aus, denn ich sehe nicht, daß eins das andere ausschließt, im Gegenteil sehe ich erst in der Verbindung beider das Ideal".

    Nach der Kremation wurde Brazdas Asche neben der seines Lebenspartners bestattet.

    4.bp.blogspot.com/-HGcxWTjr2n0/TZdrY6vEP-I/AAAAAAAAAAM/j6Pde
    dd7vQo/s1600/Bacon+Triptych+1972+all+3.jpg
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#5 -hw-Anonym
  • 22.06.2013, 09:53h
  • Antwort auf #4 von antos
  • "In [...] der Idee vom Übermenschen erblickte der Künstler ein Anzeichen für die Gesundung der deutschen Nation, "die seiner Meinung nach vor allem anderen berufen scheint, der Welt Licht und Klarheit zu bringen."(Ludwig Volkmann, "Sascha Schneider als Maler", in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd.5 (1899-1900), S.56)"

    Aus: 'Märtyrer' und 'Prophet': Studien Zum Nietzsche-Kult in Der Bildenden Kunst Der Jahrhundertwende

    Die Weltanschauungen der Malerei, Jena 1908

    de.wikipedia.org/wiki/Herman_Nohl

    "Über viele Jahre war Harry Graf Kessler eng mit Elisabeth Förster-Nietzsche befreundet, die auch auf seinen Rat hin Weimar als Sitz des 1903 von van de Velde neu gestalteten Nietzsche-Archivs gewählt hatte."
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#6 stromboliProfil
  • 22.06.2013, 10:44hberlin
  • gut zu wissen, dass auch andere den kitsch nicht einfach runter schlucken...
    das sind bilder für feuchte träume.
    Ein wenig ebophiles und mentorierender männlichkeit .. fertig unsere jugend hart wie kruppstahl.
    Ideenmaler & Körperbildner...???
    Als geschichtliche betrachtung unserer nähe zu faschistischen symbolismen, wichtig dies heraus zu arbeiten, als reinen kunstunterricht zu veranstalten, eher verantwortungslos!

    Für die damalige zeit, dem neo-hellenistischen zeitgeist verbunden, vieleicht erklärbar.. als heutige deutung der darstellung des nackten mannes mehr geschmäckle als geschmack.

    www.tlz.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Arbeiten-des-Kue
    nstlers-Sascha-Schneider-in-Weimars-Kunsthalle-1307995174



    Aber wer bisky liebt, muss seinen schneider kennen...
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 22.06.2013, 10:54h
  • Antwort auf #5 von -hw-
  • Es ist sehr gut, dass die ansprechenden Gemälde gezeigt werden, weil sie unsere Kulturgeschichte dokumentieren.

    Aaaber:

    Humane Realität und lebenreformerischer Schmu passen meist nicht zusammen. Der muss nicht unbedingt auf braune Abwege führen.

    Manchmal führt der auch in die Arbeiterbewegung (Grünes Kästchen bitte!).

    Manchmal leider in die Odenwaldschule.

    Emanzipation und Selbstbestimmung sehen anders aus.
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#9 antos
#10 goddamn liberalAnonym