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Zwangssterilisierung

Transsexuelle verklagen Schweden


Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt lehnt derzeit eine Entschuldigung für die Zwangssterilisierung ab (Bild: Alliansen / flickr / by 2.0)

Bis vor kurzem mussten sich Transsexuelle in Schweden zwangsweise sterilisieren lassen, um von Staat anerkannt zu werden – jetzt klagen über 100 Betroffene auf Entschädigung.

142 Transsexuelle haben beim schwedischen Justizministerium Klage gegen die Zwangssterlisierung eingereicht, die von 1972 bis 2012 gesetzlich vorgeschrieben war. Wie die LGBT-Gruppe RFSL mitteilte, verlangen die Kläger eine Entschädigung in Höhe von je 300.000 Kronen (34.000 Euro). Die Gesamtsumme würde sich damit auf 4,8 Millionen Euro belaufen.

Außerdem fordern die Kläger, dass sich der Staat offiziell für die Zwangsmaßnahme entschuldigt. Der konservative Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hatte das aber erst vor rund zwei Wochen in einem Zeitungsinterview abgelehnt.

Das schwedische Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1972 verlangte, dass Transpersonen nur anerkannt werden, wenn sie fortpflanzungsunfähig sind. Es gab bereits seit Jahren eine Debatte darum, diese Regelung abzuschaffen. Allerdings verhinderte eine kleine christdemokratische Partei in der Vierparteienkoalition von Ministerpräsident Reinfeldt die Reform.

Im Dezember 2012 erklärte schließlich ein Gericht in Stockholm, dass diese Sterilisierungspflicht sowohl gegen garantierte Grundrechte in der schwedischen Verfassung als auch gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt. Daraufhin hat die Regierung die Praxis wenige Wochen später verboten.

500 Transsexuelle wurden zur Operation gezwungen

Nach Angaben der RFSL mussten sich in 30 Jahren gut 500 Transsexuelle der Zwangssterilisierung unterziehen. Zuvor hatte es in Schweden bereits zwischen 1934 und 1976 ein Gesetz zur eugenischen Zwangssterilisierung gegeben. Demnach durfte der Staat etwa Menschen mit Erbfehlern oder Kriminelle zwangsweise sterilisieren, aber auch jugendliche Mädchen, die sich nach Meinung der Behörden antisozial verhalten haben, weil sie beispielsweise zu oft Discos besucht hatten. Insgesamt soll es im Rahmen dieses Programms zu 63.000 Sterilisierungen gekommen sein. 1999 hat die Regierung den Opfern eine Kompensation in Höhe von je 175.000 Kronen zugesprochen.

Viele europäische Länder hatten ähnliche Gesetze, haben diese aber in den letzten Jahren aufgehoben. In Deutschland hat 2011 das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die im deutschen Transsexuellengesetz geforderte zwangsweise Geschlechtsanpassung gegen das Grundgesetz verstößt (queer.de berichtete). (dk)



#1 SebiAnonym
  • 24.06.2013, 19:36h
  • Und sowas im ansonsten so liberalen Schweden...

    Ich hoffe, sie bekommen recht und bekommen riesige Entschädigungen für diesen Zwang...
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#2 TheDad
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.06.2013, 21:45h
  • Die Klagen werden erfolgreich sein, ABER noch so viel monetäre Entschädigung kann solches Unrecht nicht wiedergutmachen! Diese Menschen sind für den Rest ihres Lebens mit der Zwangssterilisation stigmatisiert!
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#4 Kurt-FLAnonym
  • 25.06.2013, 15:52h
  • Von einem Freund weiß ich dass in Deutschland die dauerhafte Fortpflanzungsunfähigkeit noch immer Pflicht für die Personenstandsänderung ist. d.h. Transfrauen müssen sich kastrieren und Transmänner Gebärmutter und Eierstöcke entfernen lassen.
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#6 AngryInchAnonym