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Am Rande der Parade protestierte der Berliner Pride gegen die Diskriminierungspraxis der CDU (Bild: Norbert Blech)

Beim 35. Berliner Christopher Street Day dominierten die politischen Themen – und die Vernetzung der zahlreichen ausländischen Gäste.

Bis zu 700.000 Besucher machten den Berliner CSD am Samstag zu einem wichtigen Zeichen für die Rechte von Schwulen und Lesben in Deutschland wie auf der ganzen Welt. Bei strahlendem Sonnenschein stolzierten die LGBT-Massen vom Ku'damm zum Brandenburger Tor, an dem bei der Abschlusskundgebung unter anderem Vertreter der politischen Parteien befragt wurden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Bundes-SPD, wirkte dabei leicht angenervt von Fragen nach seinem diplomatischen Engagement, wenn es um Schwule und Lesben im Ausland geht. Dabei war Osteuropa eines der beherrschenden Themen dieses vergleichsweise politischen Prides.

Vor allem Russland mit dem frisch verabschiedeten Gesetz gegen "Homo-Propaganda" war bei der Parade präsent: Viele Teilnehmer griffen das Thema auf und kritisierten auf Plakaten den russischen Präsidenten Wladimir Putin oder machten sich über ihn lustig. Auf dem Wagen der russisch-deutschen Gruppe Quarteera waren viele Teilnehmer aus Moskau und Russland vor Ort, auch dank finanzieller Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des CSD-Sponsors Lufthansa und des Berliner CSD, der ihnen auch Redezeit auf der Bühne einräumte. Auch die Party "GMF" hatte Russen eingeladen und "Homo-Propaganda" zum Thema gemacht.

Bindeglied zwischen Ost und West


Während draußen die Boote des CSD auf der Spree vorbei fuhren, sprachen am Donnerstag in der niederländischen Botschaft LGBT-Aktivisten aus Russland und Moldawien über ihre Erfahrungen (Bild: Norbert Blech)

Ohnehin entwickelt sich der Berliner CSD zum vielleicht wichtigsten europäischen Pride, da er als Bindeglied zwischen West- und Osteuropa fungiert. Während tausende Schwule und Lesben aus Osteuropa nach Berlin reisen, um unbeschwert zu feiern, und diese Eindrücke mit nach Hause nehmen, organisieren Stiftungen und Botschaften Talks über LGBT-Rechte. So hatte die niederländische Botschaft Aktivisten aus Russland und Moldawien eingeladen und zu einer Vernetzung unter anderem mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), und der internationalen Gruppe Human Rights Watch beigetragen, deren LGBT-Sprecher Boris Dittrich inzwischen von Berlin aus arbeitet.

Bei diesem Botschafts-Talk am Donnerstag wünschte sich Artiom Zavadovsky von der moldawischen Gruppe Genderdoc-M mehr Einsatz von Klaus Wowereit, wenn er seinen Amtskollegen aus Kischinau trifft. Und Olga Lenkowa von "Coming Out" in St. Petersburg berichtete, dass weniger das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" als das Gesetz über "ausländische Agenten" die Arbeit der Aktivisten bedroht (mehr Infos und Spendenmöglichkeiten). Während Moderatorin und taz-Chefin Ines Pohl einen Publikumshinweis aufgriff und meinte, der Wunsch nach einem besseren Asylrecht für Schwule und Lesben ließe sich zum Wahlkampfthema machen, forderte Lenkowa die deutschen Schwulen und Lesben auf, für die völlige Gleichstellung im eigenen Land zu kämpfen: "Jeder größere Sieg in einem Land inspiriert uns".

Kampf für "Ehe für alle" geht weiter


Deutsche und französische Paare protestierten bei der Parade für ihre Rechte (Bild: Norbert Blech)

In der Tat ist auch in Westeuropa nicht alles erkämpft, und die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft bzw. Öffnung der Ehe in Deutschland und Frankreich war das andere große Thema der CSD-Parade. So bot der LSVD ein Hochzeitscabrio mit Paaren, die heiraten wollen – und französische Aktivisten der Gruppe Bleublancrose, die die "Ehe für alle" feierten.

Eine zusätzliche Protestaktion des Berliner CSD fand an der Bundesparteizentrale der CDU statt, während die Parade an ihr vorbeizog. Vor der Gebäude standen zwei als Bundesverfassungsrichter verkleidete Personen, die eine Angela-Merkel-Darstellerin zur Gleichstellung ermahnten. Im Vorfeld hatte der CSD die CDU von der Parade ausgeschlossen; ein Wagen der Lesben und Schwulen in der Union mit sichtbarem Logo der CDU in Berlin durfte allerdings teilnehmen – mit dem T-Shirt-Spruch "Muttis gayle Truppe" sorgte man allerdings für Erheiterung und Kopfschütteln bei den Zuschauern, auch vereinzelte Buhrufe waren wie bei der FDP (und Wowereits Bühnenauftritt) zu hören. Die Grünen verteilten derweil Aufkleber mit dem Spruch "Tschüss Mutti / Diskriminierung abwählen".

Bis hin zu den Piraten waren alle größeren Parteien bei der Parade vertreten. Ebenfalls anwesend waren mehrere Botschaften, darunter die von Großbritannien, der USA und der Niederlande. Die Amerikaner erinnerten an Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor, in der er auch LGBT-Rechte erwähnte. Die Niederlande boten schwule, lesbische und transsexuelle Armeeangehörige in Uniform.

Für den Einsatz für Transsexuelle durch das Gesetz zur Geschlechtsidentität wurde Argentinien mit dem Zivilcouragepreis des CSD bedacht, ebenso wie der Anwalt Dirk Siegfried, der viele Paare in Karlsruhe vertreten hat, und Kasha Jacqueline Nabagesera von der Organisation Freedom and Roam Uganda.

Das CSD-Wochenende bot weitere Demonstrationen: Zum ersten Dyke March kamen am Freitag bis zu 2.000 Frauen und auch ein paar Männer nach Kreuzberg, wo am nächsten Tag auch der Transgeniale CSD mit mehreren tausend Besuchern stattfand. Das Straßenfest auf der Oranienstraße war zuvor abgesagt worden. (nb)

Wöchentliche Umfrage

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Petition gegen "Propaganda"-Gesetz in Moldawien

Der CSD Stuttgart hat gemeinsam mit der MCC-Kirche Stuttgart eine Petition gegen ein Verbot von Homo-"Propaganda" in Moldawien gestartet.
Hamburg: Weitere homo- und transphobe Übergriffe

In der Hansestadt erschüttern mehrere Gewalt-Attacken die Szene: Eine Transfrau und zwei heterosexuelle Männer, die offenbar für schwul gehalten wurden, sind Opfer brutaler Schläger geworden.
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Zwischenfall beim Hamburg Pride am Samstag: Bekannte Politiker aus dem In- und Ausland blockierten den Start der CSD-Parade in der Langen Reihe.
#1 Aus Bad HomburgAnonym
  • 24.06.2013, 16:45h
  • Wenn ich die CSD-Bilder irgendwo sehe, mein erster Gedanke immer ist: wieviele von ihnen werden sich noch heute abend, also gleich "nach dem Party", mit HIV infizieren ? Denn sicherer Sex und Alkohol passen bekanntlich nicht besonders zusammen.
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#2 GerdBerlinAnonym
  • 24.06.2013, 16:56h
  • Einer der besten CSDs seit Jahren! Berlin ist jetzt die unumstrittene Schwulen- und Lesbenhauptstadt Europas und lässt damit Amsterdam, London und Paris hinter sich.
    Berlin ist zur Drehscheibe der schwulen und lesbischen Emanzipation geworden, von wo Impulse gerade auch für die Staaten Osteuropas ausgehen. Ein amerikanisches Lesbenpaar sagte mir, dass Berlin auch aus lesbischem Gebiet inzwischen weit vor New York liege.
    Arbeiten wir dran, dass Berlin zur Welthauptstadt der LGBTI-Leute wird!
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#3 KlärchenAnonym
#4 WestenAnonym
  • 24.06.2013, 17:08h

  • Wissen die meisten, dass Angela das
    Regieren beenden sollte? Zeit für SPD. Alle Schwule und Lesben der BRD wählen nur SPD mit Grünen. Schon jetzt denken an rot grüne. Es sei denn nächste 4 Jahre Ignorieren auch französische oder englische Ehen. Also alle ob klein oder groß, alt oder jung, dick oder doof wählen SPD.
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#5 m-w-nAnonym
  • 24.06.2013, 17:12h
  • Bei allem Respekt, aber diese Art der CSDs sind inzwischen weniger bedeutsam, als etwa der CSD in Oldenburg - denn in Berlin muss man wohl kaum noch jemand auf Schwule und Lesben hinweisen.

    Gepflegte Langeweile in Bunt an der Siegessäule, uninteressant für die Entwicklung der Schwulen und Lesben in der Welt - das wäre der richtige Kommentar zu diesen von Tourismusämtern geförderten Umzügen in Deutschland, wo es um nichts mehr geht (oder nur, ob nun konservative und ganz rechte Schwule mitlaufen oder nicht).

    Istanbul, Belgrad, Moskau - das sind die Brennpunkte unserer Bewegung. Und was den reien Spaßfaktor angeht - fahrt mal nach Madrid oder Sao Paulo ... da tanzt die Musik 2013.
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#6 userer
  • 24.06.2013, 18:39h
  • Antwort auf #5 von m-w-n
  • Pardon, Sie reden Unsinn! Können Sie ermessen, welche Strahlkraft ein riesiger CSD wie der Berliner hat? Und zwar sowohl in die deutsche Provinz wie Altötting als auch in Aufklärungs-Vorhöllen wie Moskau?
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#7 alexander
#8 Gero LingenAnonym
  • 24.06.2013, 19:06h
  • Antwort auf #6 von userer
  • Ich kann ermessen welche Strahlkraft der Berliner CSD in Altötting hat, denn ich stamme von da. Die Strahlkraft liegt bei Null. Eine Randnotiz in der allabendlichen Tagesschau. Das wars. Es interessiert einfach keine Sau!
    Sehr nett fand ich dieses Jahr die vielfältige Solidarität mit den russischen Schwulen - in Osteuropa dürfte tatsächlich eine große Strahlkraft vorhanden sein. Im Westen schert sich keiner um den Berliner CSD. Mein Vorredner hat Recht: Madrid und Sao Paulo sind in span./port. sprechenden Welt state of the art. London und New York in der englischsprachigen. Es passt aber absolut zum Berliner Komplex, sich als Nabel der Welt zu sehen. Ich lebe nun über 10 Jahre in Berlin und erkranke langsam selbst daran
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#9 germancanadian
  • 24.06.2013, 19:13h

  • Sie haben eine merkwürdige Logik? Wenn ich feiern gehe und Spass habe, dann bin ich nicht Zwangsläufig besoffen und habe ungeschützten Sex! Nur nebenbei, selbst wenn ich mir ein paar OxyCotton und nen sixpack Bier gönne, käme ich niemals auf die Idee Sex mit fremden zu haben o_O.

    Schade das ich dieses Jahr keine Zeit hatte den CSD in Berlin zu besuchen. Ich finde es gut, dass die Veranstaltung sich mehr mit der Politik auseinandersetzt.

    Traurig das die meisten Kommentare hier immer negativ sind. Es kann doch nur gut sein, wenn eine Stadt mehr Veranstaltungen, Farbe und Touristen mit Geld anzieht.

    Wir feiern Pride Toronto für 10 Tage und haben drei Verschieden Paraden an unterschiedl. Tagen und niemand beschwert sich (auch nicht die älteren, welche den Lärm ertragen müssen).

    Da der CSD 2013 so kurz war und bereits der Vergangenheit angehört wünsch einfach mal allen "Happy Pride 2013"!

    PS: 2014 sind wir Gastgeber für World Pride B-).
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#10 SebiAnonym
  • 24.06.2013, 19:34h
  • Der Berliner CSD ist wenigstens noch politisch. Das kann man leider nicht von jedem CSD sagen.

    Natürlich soll man ruhig auch Spaß haben. Man muss nicht sauertöpfisch-miesepetrig demonstrieren, sondern kann das auch mit Freude tun. Aber halt immer auch mit politischer Botschaft...
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