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  • 26.06.2013           3      Teilen:   |

Aktivist will gleiche Rechte einklagen

Taiwan: Computer gegen Homo-Ehe

Artikelbild
Aktivist Chi Chia-wei auf der Meldestelle des Taipeher Stadtbezirks Wanhua

Ein Veteran der taiwanischen Gay-Bewegung wollte seine Beziehung amtlich eintragen lassen – doch dabei hat er die Rechnung ohne das Computersystem der Meldestelle gemacht. Nun will er klagen.

Von Martin Aldrovandi

"Entschuldigen Sie, wir können Ihre Beziehung leider nicht eintragen", sagt der Beamte im Einwohnermeldeamt des Taipeher Stadtbezirks Wanhua. Der Computer akzeptiere die Personalausweise von zwei Männern nicht.

Sie müssten sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten, sagt der Beamte, noch sei eine Ehe zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern nicht zugelassen. Verärgert fragt ihn Chi, ob er dann morgen wieder kommen solle, nächsten Monat oder erst im nächsten Jahrhundert.

"Es ist ein Menschenrecht, das wir schon seit 20, 30 Jahren haben sollten", sagt der Aktivist, der bereits in den achtziger Jahren eine gleichgeschlechtliche Ehe anmelden wollte – und schon damals von den Behörden abgewiesen wurde.

Fortsetzung nach Anzeige


In ganz Asien werden homosexuelle Paare rechtlich nicht anerkannt

Chi Chia-wei ist verärgert, wenn auch nicht überrascht. Wie in allen anderen Ländern Asiens, gibt es auch in Taiwan keine Ehe-Öffnung, nicht einmal eine eingetragene Partnerschaft. Noch nicht. Seit Jahren bemühen sich Aktivisten sowohl auf der politischen als auch auf der juristischen Ebene darum – bisher erfolglos.

Erst Anfang Jahr gab ein Männerpaar auf, das zuvor gegen die Stadt Taipeh geklagt hatte (queer.de berichtete). Die beiden Männer zeigten sich frustriert, nachdem das Gericht ein Urteil immer wieder hinausschob.

Chi Chia-wie hat keinen Gerichtstermin des Paares ausgelassen. Er habe gehofft, so Chi, dass die beiden die Klage bis zum Ende durchziehen würden. "Ich kann nur sagen, dass ich es sehr schade finde", nun müsse er selbst dafür sorgen, dass erneut eine Klage gegen die Stadt zustande komme.

Youtube | Martin Aldrovandi begleitete Chi Chia-wei auch mit der Kamera aufs Einwohnermeldeamt

Die taiwanesische Gesellschaft ist dennoch offener geworden

Er habe zwar erwartet, dass er seine Ehe nicht registrieren könne, jedoch nicht damit gerechnet, dass er bereits am Computersystem scheitern würde. Sobald er die offizielle Bestätigung der Behörde erhalte, sagt Chi, könne er seine Klage beim Verwaltungsgericht einreichen.

Trotz des Frusts mit den Behörden, sehe er auch die Fortschritte, die schon gemacht wurden: "Früher wurden in Taiwan alle Homosexuellen als pervers angesehen", erinnert sich Chi Chia-wei, der sich in den achtziger und neunziger Jahren für die HIV-Prävention in Taiwan stark machte.

Inzwischen sei die Gesellschaft schon so weit, sagt Chi, dass sie wenigstens Schwule und Lesben akzeptiere, die nicht zur eigenen Familie gehörten. Auch dies werde sich spätestens mit der nächsten Generation ändern. Chi Chia-wie ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Homosexuelle auch in Taiwan heiraten dürfen.

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Tags: chi chia-wei, taiwan, taipeh, ehe-öffnung
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Reaktionen zu "Taiwan: Computer gegen Homo-Ehe"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.06.2013
10:33:21


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Taiwan - das menschenrechspositive China - hat da noch einen langen Weg vor sich. Ich wünsche den dortigen LGBTII-Organisationen einen langen Atem und daß der bald Früchte trägt!


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#2
26.06.2013
15:17:31


(+5, 7 Votes)

Von -hw-


Ich finde es gut, dass Martin Aldrovandi es gut findet, dass Chi Chia-wei klagen will.

"Es ist ein Menschenrecht, das wir schon seit 20, 30 Jahren haben sollten",[...]Inzwischen sei die Gesellschaft schon so weit, sagt Chi, dass sie wenigstens Schwule und Lesben akzeptiere, die nicht zur eigenen Familie gehörten. Auch dies werde sich spätestens mit der nächsten Generation ändern."

Gesellschaft schon so weit.....

Die Rente, die Bürger über 65 auf Taiwan erhalten können betrug bis zu knapp 200 Euro,
seit 2008, nach mehr als 14 Jahren an Diskussionen, im taiwanischen Parlament ein Rentensystem eingeführt wurde.

1996 blieben noch 64% der alten Menschen bei den Kindern, und 1997 wurden 65% der Kinderbeteuerung von Familienangehörigen übernommen.

Die Nationale Krankenversicherung wurde erst im Jahr 1995 eingeführt, um jedem Menschen in Taiwan, unabhängig vom Einkommen, eine umfassende medizinische Versorgung zu bieten. Seit 1999 gibt es in Taiwan eine Arbeitslosenversicherung.

Im nicht industriell entwickelten Afrika sind die Kinder Sozialversicherung der Familie, des Dorfes, der ethnischen oder auch religiösen Gemeinschaft. Betrachtet man die Tradition in Ostasien, so hat auch Taiwan eine grundsätzliche Wohlfahrtsform, in der den Familien die zentrale Pflegerolle zukommt.

Auch heute noch schwächt -gefühlt oder mittlerweile zu kurz bedacht- im konfuzianistisch geprägten Asien jeder Nachkomme ohne Nachkommem, in den Augen der Mitglieder eines Familienverbandes, den bisher auch hier ehernen Mechanismus.

(Zu Formen der Angst vor den Folgen der Makroökonomie im Mutterland eines ehemaligen Kolonialreiches äußerte sich im Presseclub Tanja Dückers
Link zu www.queer.de

Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, dass homosexuelle Feudalherren und Beamte im alten China täglich mehrfach in Tempeln oder Schreinen zu höheren Geistern und Göttern flehten, dass sie Familien in ihrem Machtbereich mit möglichst vielen Lesben und Schwulen ohne Nachkommen beschenken.

Die von sozial abgesicherten und entsprechend gebildeten Schwulen mitunter hoch besungenen und gern beschriebenen kulturellen Hinterlassenschaften aus diesen Sphären der vollen Speicher und rot-güldenen Stützbalken belegen nur, dass es dort und bei jenen Eliten mitunter so war. Im Goldschrank gab es dargestellteFreizügigkeit. Über den erwünschten Toleranzlevel der nicht-christlichen Bevölkerungsmehrheit ist wahrscheinlich wenig überliefert. Aber das nur am Rande.

"Die Toleranz höre aber meist auf, wenn es sich um das eigene Kind handelt, so Cheng. In Taiwan werde Homosexualität zwar nicht wie im Christentum als Sünde gesehen, jedoch würden viele Schwulen und Lesben unter konfuzianischen Wertvorstellungen leiden. Gehorsamkeit gegenüber den Eltern ist ein zentraler Bestandteil des Konfuzianismus - dazu gehört auch, für Nachwuchs zu sorgen. [...] Viele der taiwanischen Eltern, die die Homosexualität ihrer Kinder nach einer bestimmten Zeit akzeptieren, bestehen deshalb darauf, dass diese geheim gehalten wird. Nelson Chen sagt, dass sein Vater am Anfang von ihm verlangt habe, dass er trotzdem eine Frau heirate. Der Vater habe nicht verstehen können, weshalb der Sohn nicht wenigstens so tun könne, als sei er heterosexuell."

Link zu www.queer.de

LGBTs in Taiwan brauchen den sozialen und demokratischen Rechtsstaat, wie LGBTs überall.

Geschichte, Traditionen und Besonderheiten der Konfliktfreudigkeit asiatischer und ost-asiatischer Gesellschaften für eine Art Sozialdemokratisierung der Gesellschaft führen hier jetzt aber zu weit.

Ich wünsche den Aktivisten viel Unterstützung bei dieser und anderen Klagen.


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#3
26.06.2013
22:46:48


(+4, 4 Votes)

Von Sebi


Toll, dass er das macht. Auch das ist ein Zeichen.


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