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Das Buch soll am 2. September herauskommen, jetzt aber unter neuem Titel

Wäre Homophobie doch immer so leicht zu bekämpfen: Nach einer Anfrage von queer.de und einigen weiteren Beschwerden ändert der Rowohlt-Verlag den Titel eines Buches.

Für seine Taschenbuchreihe hatte der Rowohlt-Verlag vorgestern das Buch "Schutzkleidung ist voll schwul" in einer Pressemitteilung angekündigt. Darin beschreibt Autor Nicholas Grünke auf 224 Seiten den Alltag einer Großbaustelle in Berlin. Im Pressetext wird klar, wie das Wort "schwul" im Titel verwendet wird – nämlich als reines Schimpfwort: Der Autor, heißt es darin, müsse sich durch die Welt der Bauarbeiter schlagen, die "Schutzkleidung für eine unverzeihliche Schwäche halten".

Bei queer.de haben wir uns über diesen Titel gewundert. Immerhin wird derzeit oft genug darüber berichtet, dass das Wort "schwul" gerne negativ besetzt wird und so das Leben insbesondere von jungen Homosexuellen erschwert (queer.de berichtete). Will da der traditionsreiche Verlag wirklich ein Buch unkommentiert bewerben, indem er "schwul" mit dem Wort "scheiße" gleichsetzt?

Wir haben an den Verlag einen Fragenkatalog geschickt – zwei Tage später kam die Antwort der Pressereferentin. Der Verlag hatte sich offenbar zu wenig Gedanken über den Titel gemacht und ändert ihn nun noch vor Erscheinen des Buches.

Hier die gesamte Antwort:

Nach Rücksprache mit der Programmleitung kann ich Ihnen sagen, dass der Titel ein Zitat eines Bauarbeiters ist, mit dem Herr Grünke zusammen gearbeitet hat. Und darum geht es auch in dem Buch: Herr Grünke schildert den Arbeitsalltag auf einer Berliner Baustelle, so, wie er ihn dort erlebt hat.

Eine Relation zwischen "schwul" und "unverzeihliche Schwäche" herzustellen, war niemals unsere Intention. Aus unserer Sicht wäre eine solche Gleichsetzung auch absurd. Da die Formulierung offensichtlich missverstanden werden kann, haben wir sie geändert. Der Titel heißt nun "Schutzkleidung is nich".

Der Fall zeigt, dass noch viel Sensibilisierungsarbeit nötig ist. Das Ziel: "Schwul" sollte genauso wenig als abwertender Begriff benutzt werden wie Worte, die beispielsweise ethnische Minderheiten beschreiben. (dk)



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 FelixAnonym
  • 28.06.2013, 16:05h
  • Das zeigt wieder mal, dass das Problem oft mangelnde Sensibilisierung für das Problem ist.
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#3 DankeAnonym
  • 28.06.2013, 16:06h
  • Sehr gut!

    Und auf den Punkt:

    "Das Ziel: "Schwul" sollte genauso wenig als abwertender Begriff benutzt werden wie Worte, die beispielsweise ethnische Minderheiten beschreiben."
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#4 DankeAnonym
  • 28.06.2013, 16:11h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Das "Danke" gebührt denen, die homophobe Sprache überall bloßstellen, wo sie auftritt.

    Das Ziel wurde oben klar benannt und muss einklagbare Selbstverständlichkeit werden, immer und überall und vor allem im Alltag - nichts, wofür man betteln und sich bedanken muss.
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#5 SmileyEhemaliges Profil
#6 TheDad
  • 28.06.2013, 16:57h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • ""Nach einer Anfrage von queer.de und einigen weiteren Beschwerden ändert der Rowohlt-Verlag den Titel eines Buches.""..

    Das war jetzt ein schwerer Satz, zugegeben..

    Aber auch nicht schwerer als das Urteil des BVG zum Steuersplitting..

    Deshalb gilt hier der Dank den Beschwerdeführern und nicht den Gescholtenen, die Mann auf die Unverschämtheit erst hinweisen muß !
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#7 stromboliProfil
  • 28.06.2013, 17:36hberlin
  • tja einerseits..
    nun ist uns schutz zu gute gekommen..

    Kenne den inhalt des buches nicht, und aus der kurzbeschreibung lässt sich nicht viel herauslesen..

    Aber: gibt es homophobie in irgendeiner weise auf baustellen, insgesamt in der arbeitswelt, und wie lässt sich die medial widerspiegeln?
    Und fließt eine solche betrachtung auch kritisch in das buch ein, wird vom autor die diskriminierung erfasst oder nur unreflektiert weiter transportiert.., beschäftigen wir uns also auch mit dem vorgestellten thema ausser in eigenbertoffener empörung.

    Wenn ja, haben wir uns mit der "erzwungenen" titeländerung eher einen bärendienst erwiesen!
    Gerade mit der hervorhebung solcher als abwertenden gewollten situationsbeschreibung, wird uns die möglichkeit gegeben, genau präzise in die alltagssprache einzutauchen, ihre alltäglichkeit beim verwenden von diskrminierenden begriffen zu illustrieren.

    DEm verwöhnten political correct geschuldet:
    Man hätte dem titel ja die anführungsstriche geändert beifügen können...
    > Schutzkleidung ist "voll schwul" < ,
    um die inhaltliche distanz zu einer diskriminierung auszudrücken.

    Wie soll der titel nun lauten: Schutzkleidung ist voll ätzend...
    Gibt es da verätzte, die ebenfalls anspruch auf schutz vor diskrimination haben...leicht kopfschüttel.
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#8 MiroAnonym
  • 28.06.2013, 20:53h
  • Wenn "schwul" von manchen/einigen/vielen als Schimpfwort bzw. abwertend benutzt wird, müsste doch eigentlich das Wort "schwul" verboten werden, oder?

    Das wäre zumindest die richtige Analogie zum Schicksal des Wortes "Neger". Da wurde ja auch nicht die negative gemeinte Verwendung ausgelöscht, sondern das Wort überhaupt.
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#9 seb1983
  • 28.06.2013, 21:09h
  • Antwort auf #7 von stromboli
  • Problem ist dass darüber nicht nachgedacht wird, du würdest wohl reflextiert sagen, wie es zur Verwendung von schwul als schlecht und schwach gekommen ist. Es wird eben einfach so benutzt.

    Zu meiner Schulzeit gab es das so noch nicht. Steigerung ist hier noch: du schwules Opfer.
    Die Öffentlichkeit was Schwule angeht ist da, nur leider nicht so wie man sich das gewünscht hat. Vielleicht wurden da Fehler bei der Selbst- und Außendarstellung der "Community" gemacht?
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#10 paren57Ehemaliges Profil
  • 28.06.2013, 23:05h
  • Vielleicht sollten wir uns eher mal darüber Gedanken machen, wie man erreichen kann, dass "schwul" zu einem positiv besetzten Wort wird. Dazu gehört natürlich auch, dass wir zu unserer Identität stehen und ganz selbstverständlich mit dem Wort umgehen. Selbst in Gesprächen unter Schwulen ist doch zu bemerken, dass viele versuchen, das Wort zu vermeiden. Ich denke da an Wendungen, der ist auch einer von uns oder der gehört zur Familie. Oder das Rumgeeiere in Talk-Shows, wenn dann jemand dem eigenen Geschlecht zugetan ist oder mehr auf Männer steht. Nur um das S-Wort nicht zu benutzen. Schwuler Sex ist geil, also muss doch Schwulsein etwas Schönes sein. Schwul ist cool. Voll cool sogar.
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