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  • 01.07.2013           18      Teilen:   |

Musical-Premiere in Köln

Und noch ein Käfig voller Narren

Artikelbild
Das kleine Theater in Rodenkirchen verwandelt sich in eine große Cabaret-Bühne. (Bild: www.actorsphotography.de)

Landauf, landab wird an den deutschen Bühnen "La Cage aux Folles" gespielt. Nur in Köln lief es bislang nicht. Die "Kammeroper Köln" feierte nun Premiere.

Von Christian Scheuß

Seit der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals 1985 im Berliner "Theater des Westens" wird das Stück immer und immer wieder auf den Großstadtbühnen und den Provinztheatern gezeigt. Coburg, Heilbronn, Aachen, Darmstadt, Frankfurt, Coburg, …. Der kleine Travestie- und Cabaret-Club aus dem französischen Urlaubsort Saint Tropez, betrieben von George und seinem langjährigen Partner Albin, der dort allabendlich als Zaza zu bewundern ist, er war schon überall zu Gast. Nur in der schwulen Hochburg Köln, da gab es bislang einen Federboa-weißen Fleck. Seit Ende Juni ist die Versorgungslücke geschlossen. Die Kammeroper Köln im Vorort Rodenkirchen feierte am 28. Juni die Premiere der rheinischen Inszenierung des international so erfolgreichen Musicals.

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Harvey Fiersteins Musical-Fassung wurde ein weltweiter Hit

Zaza, der Star des Clubs "La Cage aux Folles", gespielt von Guido Kleineidam - Quelle: www.actorsphotography.de
Zaza, der Star des Clubs "La Cage aux Folles", gespielt von Guido Kleineidam (Bild: www.actorsphotography.de)

Das Stück, um mal kurz die historischen Fakten abzuhaken, beruht auf einem nicht minder erfolgreichen Theaterstück. 1973 wurde das vom Schauspieler und Autor Jean Poiret geschriebene Theaterstück "La Cage aux Folles" in Paris uraufgeführt. Sieben Jahre lang lief das Boulevardwerk in der französischen Hauptstadt, weltweit wurde es adaptiert, bereits 1978 gab es eine erste Kinoversion. Edouard Molinos Filmfassung von "Ein Käfig voller Narren" mit Michel Serrault und Ugo Tognazzi in den Hauptrollen war nicht nur in Europa ein Hit, der mit zwei Sequels belohnt wurde. Selbst in den USA wurde die Kinoversion zu einem der größten Erfolge einer nicht-amerikanischen Produktion.

Der schwule Drehbuchautor und Schauspieler Harvey Fierstein stand unter großem Stress in den Jahren 1982/1983. Gerade mal 28 Jahre alt, hatte er bereits zwei Tony Awards für sein allererstes Theaterstück in der Tasche. Sein Auftrag direkt nach "Torch Song Trilogy" ("Das Kuckucksei"): Er sollte die Broadway-reife Musical-Adaption des Theaterstücks von Jean Poiret abliefern. Das tat er dann auch, erhielt dafür kurz darauf den dritten Tony Award, und legte – gemeinsam mit dem Komponisten Jerry Herman – den Grundstein für den bis heute andauernden Erfolg, von dem sogar Discoqueen Gloria Gaynor profitierte. Mit ihrer Version des Musical-Hits "I am what i am" schuf sie eine der ganz großen Homohymnen-Evergreens.

"Ich bin, was ich bin", das ist eine der zentralen Botschaften von "La Cage aux Folles". Sie gilt bis heute, ungebrochen aktuell. Albin / Zaza singt das Lied am Ende des ersten Akts, um sich seiner Selbst zu vergewissern. Gerade eben hat ihm George mitgeteilt, dass er besser nicht beim ersten Kennenlernen mit den streng konservativen Schwiegereltern in spe dabei sein soll. Deren Tochter will Jean-Michel, den Ziehsohn von George und Albin ehelichen. Die homosexuelle Veranlagung und die Perücken müssen für einen Abend im Wandschrank verschwinden. Das Ende ist bekannt: Es siegt das stolze Bekenntnis zum Anderssein. Der konservative Politiker, der am liebsten alle verruchten Clubs der Region schließen würde, muss selbst in den Frauenfummel steigen, um nicht sein Gesicht zu verlieren.

Youtube | Ausschnitt aus der Inszenierung der Kammeroper Köln

Wackelndes Etagenbett, blinkende Showtreppe

Die Fassung von Regisseur Bernd Schaarmann, die am Freitag als die bislang größte Musicalproduktion der Kammeroper Köln erstmals zu sehen war, machte in der ersten halben Stunde den Eindruck, als ob man sich ein wenig verhoben habe an dem Stück, dass bereits so viele großartige Aufführungen hinter sich hat. Das vierköpfige Musikensemble wurde – platzsparend, mit einer Art Etagenbett – an der linken Bühnenseite gestapelt. Die Konstruktion wackelte bedenklich, wenn sich die Musiker und Musikerinnen so sehr ins Zeug legten, dass schon mal ein paar schiefe Töne entfleuchten. Auch bei Spiel und Gesang einzelner Darsteller müssen noch ein paar Justier-Schrauben festgezogen werden. Pascal Jounais (Jean-Michel) und Guido Kleineidam (Albin / Zaza) waren stimmlich wackelig oder gar zu leise. Wolf H. Latzel als George ragte da sangessicher über alle Kollegen hinaus. Das knappe Budget des kleinen Spielorts machte sich in einer kargen Ausstattung bemerkbar, was aber durch einen steten fliegenden Umbau und die bunt blinkende Showtreppe wettgemacht wurde.

Die Unsicherheiten des Premieren-Lampenfiebers waren zum Ende des ersten Teils verflogen. Kleineidam lieferte mit seiner Interpretation des gebrochenen Albin, der sich mit "I am, what i am" neuen Mut macht, den Auftakt zu einem munteren zweiten Akt. Egal, welche Fassung man bislang von "La Cage aux Folles" gesehen haben mag: Der heimliche Star hinter den Hauptdarstellern ist stets Diener Jacob. In der Kölner Version ist es nicht anders. Der argentinische Tänzer und Schauspieler Claudio Romero gibt mit großer Wonne die kleine lustige Tucke im Käfig voller Narren. Besonders schön sein Auftritt im trashigen Bananenröckchen samt Ananas-Blattschopf-Haube. Wie auch immer diese quietschig grüne Kopfbedeckung sonst heißen mag…

Schaarmanns werksgetreue Inszenierung hätten ein paar Bezüge zur Jetztzeit gut getan. Der CSD steht vor der Tür, die rechtliche Gleichstellung wird auf allen Kanälen heiß diskutiert; genug Anlässe, mit denen man hätte spielen können. Viel mehr als ein Foto von Papst Benedetto und einen Merkel-Witz zwischendurch werden dem Publikum nicht gegönnt. Beschenkt werden die Zuschauer dagegen durch die Tanzszenen, in denen das Ensemble das kleine Theater in einem Rodenkirchener Hinterhof in eine ganz große Cabaret-Bühne verwandelt. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen.

Youtube | Harvey Fierstein im Interview über das Musical, zu dem er das Skript lieferte
Links zum Thema:
» Website zum Stück mit allen Terminen im Juli
» "Ein Käfig voller Narren" (F, 1978) auf DVD
» "Noch ein Käfig voller Narren" (F, 1980)
» "Birdcage", Remake von 1995, mit Robin Williams
» Soundtrack mit Original Broadway-Cast von 1988
Galerie
La Cage aux Folles, 2013

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Tags: ein käfig voller narren, la cage aux folles, kammeroper köln
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Reaktionen zu "Und noch ein Käfig voller Narren"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
01.07.2013
15:40:07


(-2, 4 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Schrecklich, diese blecherne Singstimme von "Zaza".

Außerdem ist Zaza im Stück wohl als Grande Dame angelegt und nicht als Kölner Trümmertunte aus einem Ralf-König-Comic.

Unterirdisch.


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#2
01.07.2013
16:26:39


(+2, 4 Votes)

Von Tobi Cologne


La Cage aux folles ist ein ganz großes Musical, das schillernde Revue, überbordenden Humor und echte Tragik vereint.

Gerade kleine Theater verheben sich oft daran und meinen, mit ein paar Federboas und Pailletten könnte man da eine lustige kleine Travestie-Show mit ein paar plumpen Gags machen.

Ich habe das Stück letzten Winter in Aachen gesehen und dort war es trotz kleiner Besetzung grandios. Ich werde mir auf jeden Fall auch mal die Kölner Version ansehen und hoffe, die wird dem Stück gerecht.


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#3
01.07.2013
16:37:42


(+4, 4 Votes)

Von Sebi


Leider verrät das Theater auf seiner Homepage nicht, wie Ortsunkundige mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Hbf da hin kommen.

Und wie groß ist das Theater? Muss man da vorher reservieren oder bekommt man auch an der Abendkasse noch gut Karten?


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#4
01.07.2013
17:30:22


(-6, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Filmreihe "La cage aux folles" ist Kult und das Musical kann dem nicht das Wasser reichen!


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#5
01.07.2013
18:16:48


(+4, 4 Votes)

Von La Cage in Köln
Antwort zu Kommentar #3 von Sebi


Hallo Sebi,
danke für den Hinweis, die Anfahrtsbeschreibung ist nun direkt eingefügt worden (siehe www.la-cage.de unter Tickets / Termine).

Das Theater hat 160 Plätze, eine Reservierung ist sinnvoll, vor allem für die Vorstellungen Freitags und Samstags, diese sind bereits sehr gut ausgebucht.

Freuen uns über einen Besuch!
Herzliche Grüße
Das La-Cage-aux-Folles-in-Köln Team


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#6
01.07.2013
22:03:30


(-2, 6 Votes)

Von Karls Ruhe


Die Zeit, in der stockhomosexuelle Männer sich wie Frauen benehmen sollte vorbei sein, oder?!


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#7
02.07.2013
08:44:15


(+3, 3 Votes)

Von vonTuluc
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 02.07.2013


Ich war am Freitag in der Premiere und es war grandios!
Was dieses kleine Theater dort geboten hat, muss sich vor keiner der großen deutschen Bühnen verstecken.
Und ich war in JEDER der La Cage-Inszenierungen der letzten Jahre, die in Deutschland liefen.

Hier ist eine Spielfreude auf der Bühne, das ist unglaublich schön zu sehen. Kostüme sind toll, Bühnenbild klasse und vor allem funktional. Showtreppe inklusive.
Ja klar, ist das Theater klein, aber was die dort auf die Bühne gebracht haben, ist grandios!
Musikalisch auf höchstem Niveau (die kleine Band von 4 Leuten war spritzig und auf den Punkt).

Habe hinterher noch lange mit denen gesprochen, die fahren mit dem Stück auch auf Tournee auf große Bühnen und da wird ein großen 35-köpfiges ORchester dabei sein => das schaue ich mir definitiv nochmal an!!
Kostüme waren der Wahnsinn, alleine das schwarze Kleid von Zaza am Ende des ersten Aktes (I am, what I am) ist atemberaubend.

Premierenpublikum hat getobt, standing ovations, die absolut gerechtfertigt sind.

Meine Empfehlung: Unbedingt hingehen!!!!!


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#8
02.07.2013
08:46:09


(+3, 3 Votes)

Von vonTuluc
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 02.07.2013
Antwort zu Kommentar #6 von Karls Ruhe


Warum?
Außerdem, was hat das mit dem Musical zu tun?


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#9
02.07.2013
08:48:33


(+3, 3 Votes)

Von vonTuluc
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 02.07.2013
Antwort zu Kommentar #1 von userer


Moin,
hast Du denn die Vorstellung gesehen?
Ich fand den Hauptdarsteller grandios.
Gefühlsecht und nicht so ein anfgesetzter Mist wie an manch einem der deutschen Stadttheater.
Ich habe ihm jede Sekunde seine Rolle abgenommen. Sowohl darstellerisch, wie auch gesanglich.


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#10
02.07.2013
08:52:59


(+3, 3 Votes)

Von vonTuluc
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 02.07.2013
Antwort zu Kommentar #2 von Tobi Cologne


Hi Tobi,
nach der Vorstellung bin ich überzeugt, dass die genau wissen, was sie auf die Bühne bringen und dem Stück bestens gerecht werden.
Ich fands in Aachen nicht so prickelnd. Da kam keine Showatmosphäre auf und die "Tänzer" waren unterirdisch. (Besonders die nicht gekonnten Step-Einlagen......)
Hier gab es einfach eine richtige Showtreppe, ein excellentes Enemble, das aus tatsächlichen Musicalprofis besteht und einfach sowohl singen als auch tanzen kann.
Ein Abend, der nicht nur mich, sondern alle rundum begeistert hat!
Da sind nicht nur ein paar Federboas auf der Bühne.
Die Kostümbildnerin hat frühe für Marry&Gordy gearbeitet, die versteht ihr Handwerk. Schau Dir mal die Bilder an.....
Bin gespannt, wie es DIr gefallen hat.


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