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Queer.de stellt Strafanzeige

Christliche Mitte: "Homosex ist keine Liebe"


Kämpft für einen Gottesstaat: Plakat der Christlichen Mitte zur Europawahl 2009

Der Bundeswahlausschuss hat mit der "Christlichen Mitte" eine Partei zur Bundestagswahl zugelassen, die in ihrer Hetze gegen Lesben und Schwule den Straftatbestand der Volksverhetzung überschritten hat.

Von Micha Schulze

Der Bundeswahlausschuss hat am vergangenen Donnerstag insgesamt 18 "nicht etablierte" Parteien den Antritt bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 erlaubt – eine davon ist die "Christliche Mitte" (CM). Von einer am rechten Rand des Katholizismus agierenden Mini-Partei, die "für ein Deutschland nach Gottes Geboten" kämpft, haben wir von vornherein kein Engagement für LGBT-Rechte erwartet – dennoch überrascht die Schärfe ihrer Hetze gegen Schwule und Lesben.

"Homos haben mehr als sechs Millionen Aids-Tote zu verantworten, die sie ihrer widernatürlichen Lustbefriedigung geopfert haben", heißt es etwa in einem Flyer mit dem Titel "Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Homosexualität", dem man auf der Homepage der Christlichen Mitte als PDF downloaden kann. Laut Zähler ist er mit über 13.000 Downloads die mit Abstand beliebteste Veröffentlichung der Partei.

Die "pathologische Sex-Sucht" der Homosexuellen


Neben Homosexualität bekämpft die Christliche Mitte Abtreibung und den Islam

"Homosex ist keine Liebe", behauptet das Flugblatt, weil er die "Aufgabe der Arterhaltung" nicht erfüllen könne. Lesben und Schwule litten laut CM an einer "naturwidrigen Trieb-Verirrung". Wörtlich heißt es in der Veröffentlichung: "Homosexuelle spüren, dass ihr gleichgeschlechtliches Begehren unvereinbar ist mit moralischer Reinheit. Viele sprechen es nach sexuellen Kontakten aus: Sie empfinden Abscheu vor sich selber. Sexuelle Lust, die für sich selbst gesucht wird, löst negative Gefühle aus. Homos sind deshalb unglückliche und ruhelose Menschen, denen die Einsicht aber oft fehlt. Bei der sog. homosexuellen Liebe handelt es sich um einen egozentrischen Missbrauch des Partners, um Selbstbefriedigung am Partner." Weiter heißt es in dem Flyer: "Es entwickelt sich in der Regel eine pathologische Sex-Sucht, eine Hypersexualität in der ständigen Suche nach neuen Partnern und damit eine Versklavung an den naturwidrigen Sex-Trieb."

Die Antwort der Christlichen Mitte sind so genannte Umpolungs-Therapien: "Homosexualität ist heilbar", heißt es in dem Flyer. "Homosexualität als unheilbar zu proklamieren, ist gezielte Desinformation und zutiefst unchristlich, da jedem Menschen von Gott die notwendigen Gnaden geschenkt werden, sündhafte Neigungen zu überwinden, wenn er darum bittet."

Parteiprogramm fordert "Strafrechtsschutz vor der Homosexualität"


Verantwortlich für das Hetz-Flugblatt: CM-Bundesvorsitzende Adelgunde Mertensacker

Auch in ihrem 2005 verabschiedeten Parteiprogramm, das eine Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche "unter dem christlichen Sittengesetz nach Gottes Geboten" fordert und gegen eine angeblich "fortschreitende Islamisierung Deutschlands" wettert, verurteilt die Partei Homosexualität gleich an mehreren Stellen. Tonfall und Wortwahl fallen hier etwas moderater aus als in dem Flugblatt: "Die Christliche Mitte stellt sich ideologischen Strömungen entgegen, welche die Familie als Institution aufzulösen versuchen, wie z.B. der 'Ehe ohne Trauschein', der sog. 'Homo-Ehe' und Adoption von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften." Darüber hinaus will die Kleinpartei mit ihrer Forderung nach einem "Strafrechtsschutz vor der Homosexualität" einvernehmlichen Sex zwischen Menschen des gleichen Geschlechts offensichtlich (wieder) unter Strafe stellen.

Eine Gefahr für die Demokratie ist die 1988 gegründete Christliche Mitte mit Sicherheit nicht. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren machten lediglich 6.826 Bundesbürger ihrer Kreuzchen bei der Fundamentalistentruppe – das entspricht einem Stimmenanteil von 0,02 Prozent. Ihr bestes Wahlergebnis erzielte die Christliche Mitte 1994 bei der Europawahl, als sie 66.755 Stimmen (0,2 Prozent) auf sich vereinen konnte.

Dennoch haben wir heute Strafanzeige gegen die CM-Bundesvorsitzende Adelgunde Mertensacker erstattet, die auf dem Flugblatt als persönlich Verantwortliche genannt ist. Wer Homosexuelle pauschal für sechs Millionen Aids-Tote verantwortlich macht, Lesben und Schwule als kranke, egozentrische, sexsüchtige und unglückliche Menschen verunglimpft, erfüllt unserer Meinung nach den Straftatbestand der Volksverhetzung und muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn es sich "nur" um die Vorsitzende einer umbedeutenden Splitterpartei handelt.

Volksverhetzung wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.

Youtube | Wahlwerbespot der Christlichen Mitte zur Bundestagswahl 2009: "Nein zu Homo-Partnerschaften"
Wöchentliche Umfrage

» Machen Anzeigen gegen homophobe Hetzer Sinn?
    Ergebnis der Umfrage vom 08.07.2013 bis 15.07.2013


#1 Aus Bad HomburgAnonym
  • 07.07.2013, 16:17h
  • Ein Argument mehr, warum die CDU, eine traditionsreiche und moderate christdemokratische Partei in der "politischen Mitte" unserer Bundesrepublik alternativlos ist und bleibt. Auch und gerade für die gläubigen Schwule und Lesben.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 TimmoAnonym
  • 07.07.2013, 16:24h
  • Könntet ihr eure Strafanzeige vielleicht als Mustervorlage zur Verfügung stellen, damit man sich dem anschließen kann?
  • Antworten » | Direktlink »
  • Anm. d. Red.: Eine Strafanzeige gegen Frau Mertensacker kann formlos per Email an anzeige@polizei.nrw.de gestellt werden. Da beim ViSdP eine Adresse in Lippstadt angegeben ist, ist die Polizei in NRW zuständig. Mehr Infos: www.polizei.nrw.de/artikel__61.html
#3 DorothyAnonym
#4 timpa354Ehemaliges Profil
  • 07.07.2013, 16:37h
  • Adelgunde ist eine Frau??? Aber sie sieht doch aus wie ein waschechter Kerl! Ja, ja, die im Schrank hetzen am schlimmsten, trotzdem gut und angebracht die Anzeige.
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#5 KaddiAnonym
#6 m123Anonym
  • 07.07.2013, 16:41h
  • Antwort auf #2 von Timmo
  • Ich würde auch gerne wissen wie man sich der Anzeige anschließen kann.

    Bei der Polizei kann man meines Wissens nach auch online eine Strafanzeige stellen.

    Ich habe selbst schonmal jemanden per Online-Strafanzeige bei der Polizei angezeigt, der ein Video auf youtube hochgeladen hatte, in dem er die schlimmsten Sachen über Schwule gesagt hat und Schwulen das Recht auf Leben abgesprochen hatte. Ich hatte dann ein paar Wochen später auch Antwort von der Staatsanwaltschaft bekommen, die sich seitdem darum kümmert.

    Bei der Polizei online Strafanzeige stellen funktioniert, geht schnell in wenigen Minuten und ist absolut legitim. Von diesem Recht solltet ihr Gebrauch machen, wenn ihr den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt seht! Die die Homosexuelle hassen sollen endlich das Fürchten lernen. Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Schlagen wir zurück! Zeigen wir die Homo-Hasser an!
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 Frau SchmidtAnonym
  • 07.07.2013, 16:45h
  • Antwort auf #1 von Aus Bad Homburg
  • Lieber Bad Homburg, ich wiederhole mich gerne NICHTS ist alternativlos.
    Ihre Beiträge amüsieren und entsetzen mich gleichermaßen. Aus Ihren Worten spricht nur angepaßtes Duckmäusertum. Ihnen scheint Gehorsam (wie von der Obrigkeit gefordert) über ein selbstbestimmtes und selbstbewußtes Leben zu gehen. Ich habe größtes Mitgefühl für Sie.

    Der Anzeige wünsche ich viel Erfolg.
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#9 reiserobbyEhemaliges Profil
#10 mx5972Profil
  • 07.07.2013, 17:37hKerpen
  • Ich bin unglücklich und ruhelos?? Und Ich empfinde Abscheu vor mir selbst????

    Hey Alte...ist dir die Sonne nicht bekommen???

    Gibt es das eigentlich in Deutschland So eine "Sammelanzeige" wo jeder mit seinem Namen registriert wird und nach einer Frist von??? bei der Polizei eingeht??? ( Sorry kenne mich da nicht aus)

    Eine Frechheit jedenfalls so etwas zuzulassen!!!!
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