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  • 07.07.2013           3      Teilen:   |

Neuerscheinung im Himmelstürmer Verlag

Ein schwuler Roma will nach oben

Packend-unterhaltsam und emanzipatorisch zugleich: S.A. Urbans neuer Roman "Erwarte mich in Paris" erzählt die Geschichte einer fast perfekten Liebe.

Von Angelo Algieri

Wie schafft sein sexy Kumpel Piero eigentlich Geld für den Clan an?, fragt sich der jugendliche Roma Nikola. Und warum ist er die ganze Nacht unterwegs? Nikola selbst muss stattdessen tagsüber durch geschicktes Geldbeutel-Stehlen für den Clan arbeiten. Aus Neugierde fährt Nikola eines Abends Piero in die Münchner Innenstadt hinterher. Er entdeckt, dass sein Kumpel Sex mit Männern hat. Zunächst versteht er nicht, dass Piero es für Geld macht. Erst als Nikola in den darauffolgenden Tagen Geld angeboten wird, fällt der Groschen – im wahrsten Sinne des Wortes. Nikola eifert Piero nach, um ihn ebenbürtig zu sein und viel Sex-Erfahrung zu sammeln. Und so bumst er sich durch die Nächte. Bis der Clan seinem Treiben ein jähes Ende setzt…

So der spannende Beginn des Romans "Erwarte mich in Paris" von S.A. Urban. Er ist im Frühjahr im Hamburger Himmelstürmer Verlag erschienen. Urban legt somit nach "Einmal Sinti und zurück" den zweiten Roman vor, in dem es um queere Sinti und Roma geht.

Fortsetzung nach Anzeige


Zur Strafe ein Pflock in den Arsch gerammt

Zurück zur Story: Nikola bekommt zu seinem Entsetzen vom Clan eine heftige Strafe. Erst werden ihm die Augen verbunden, dann wird er mit seinen Händen an einem Baum hochgebunden, nackt ausgezogen und aufgefordert, das katholische Schuldbekenntnis "Mea culpa" mehrfach hintereinander aufzusagen. Denn ihm wird ein Pflock in den Arsch gerammt, damit er von "teuflischen Abartigkeiten" befreit wird. Nikola ist geschockt, gedemütigt und schämt sich unendlich. Eine krasse Szene, die auch beim Leser mehr als ein Gefühl des Unwohlseins erzeugt.

Doch im Morgengrauen hilft ihm Piero zur Flucht. Er kommt beim Model Tom, einem Freier von Piero, unter. Nikola weiß, dass er nicht mehr zum Clan zurückkehren kann. Bald nimmt ihn Tom mit nach Paris. Dort erweist sich das Mannequin als bitterböser Tyrann, da Nikola sich weigert, mit ihm Sex zu haben. Allerdings tröstet sich Nikola, dass Piero bald auftauchen und sie zusammen kommen würden – ihr beidseitiges Versprechen, dass sie sich in Paris wiedersehen würden.

Das Schicksal meint es gut mit Nikola. Denn als er für Tom ein paar Kleidungsstücke bei einem Modelabel abliefert, wird der Top-Designer auf ihn aufmerksam. Kurzerhand wird er der Star der Mode-Show, zum Neid des intriganten Tom. Designer Alain findet den jungen Roma attraktiv, bleibt allerdings lange auf Distanz – auch als Nikola bei ihm wohnt. Schließlich kommen sie sich doch körperlich näher. Die Öffentlichkeit fragt sich erst, woher dieser schöne Engel aus heiterem Himmel aufgetaucht sei. Doch ob in der Oper oder im Moulin Rouge, sie inszenieren sich als Paar für die Presse. Alles scheint so glücklich und vollkommen zu sein. Bis eines Tages Tom Nikola mitteilt, dass Piero zurück sei und ihn in Toms Wohnung erwarte: Eine verhängnisvolle Falle, bei der es zum erschütternden Showdown kommt…

Verschmelzung zwischen Emanzipation und "Zigeuner"-Leben

Nach "Einmal Sinti und zurück" ist "Erwarte mich in Paris" Urbans zweiter Roman, in dem es um queere Sinti und Roma geht
Nach "Einmal Sinti und zurück" ist "Erwarte mich in Paris" Urbans zweiter Roman, in dem es um queere Sinti und Roma geht

Autor S.A. Urban hat einen spannenden und unterhaltsamen Roman geschrieben, der auch dramaturgisch gut komponiert ist. Das Besondere ist das Setting, das im Roma-Milieu spielt. Dabei beschreibt Urban schonungslos die Verhältnisse – weder verklärend noch klischeehaft. Keine "Zigeuner"-Romantik à la Oper "Carmen" oder Lieder wie "Zigeunerjunge" von Alexandra. Einerseits weist der Text auf Homo-Hass, ritualisierte Homo-Austreibung (Ex-Gay-Bewegung lässt grüßen!) und religiöse Heuchelei hin. Andererseits zeigt Urban, wie subtile und harte Vorurteile gegenüber Sinti und Roma geschürt werden und wie sich etwa Tom entwürdigend gegenüber Nikola äußert.

Ein weiterer Aspekt, den der Autor aufzeigt, ist der hohe Analphabeten-Anteil bei den Roma. Nikola bekommt von seiner besten Freundin und im Hause des Top-Designers Nachhilfestunden. Ein typischer Bildungs- und Entwicklungsroman? Nicht ganz. Denn der überraschend anarchische Schluss bietet eine Verschmelzung zwischen Emanzipation und "Zigeuner"-Leben. Und er wird garantiert nicht jedem schmecken!

Natürlich wird auch die Mode-Welt, in die Nikola hineingerät, ambivalent beobachtet. Nikola verfällt immer mehr in Medikamenten- und Alkoholsucht, die er selbst nicht wahrhaben möchte, sich aber immer wieder absichtlich betäubt. Denn sein "Homo-Heilungs"-Trauma spukt ihn seinem Kopf gewaltig.

Kleiner Wermutstropfen: Die Story wird aus der Ich-Perspektive von Nikola erzählt. Sie ist teils unglaubwürdig, da das Sprachniveau mit der Sprachentwicklung des Jugendlichen leider nicht immer einhergeht. Auch einige Hinweise, um die Handlung logischer zu gestalten, wirken teils sehr bemüht. Ein Allwissender Erzähler oder wechselnde Erzählperspektiven wären hier besser gewesen.

Fazit: "Erwarte mich in Paris" ist ein emanzipatorischer und packend-unterhaltsamer Liebesroman – gerade weil er symbolisch und verdienstvoll schwulen Roma eine faire Stimme in der queeren Literatur gibt!

  Infos zum Buch
S.A. Urban: Erwarte mich in Paris. Roman. Taschenbuch. 240 Seiten. Himmelstürmer Verlag. Hamburg 2013. 14,90 €. ISBN: 9-783863-612788.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Leseprobe auf der Verlags-Homepage
» Facebook-Profil von S.A. Urban
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Tags: s.a. urban. sinti und roma, himmelstürmer verlag
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Reaktionen zu "Ein schwuler Roma will nach oben"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
08.07.2013
01:21:55


(0, 2 Votes)

Von MeineFresse


Haltet ihr es für eine gute Idee, 90% der Handlung bereits in der Buchvorstellung zu spoilern?


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#2
08.07.2013
11:29:07


(+1, 1 Vote)

Von Sveni Maus
Antwort zu Kommentar #1 von MeineFresse


Kann Dir nur recht geben.


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#3
08.07.2013
11:58:36


(+1, 1 Vote)

Von sub urban


Keine "Zigeuner"-Romantik à la Oper "Carmen" oder Lieder wie "Zigeunerjunge" von Alexandra:

-gyps vs blond roman geremy-


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