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  • 09.07.2013           34      Teilen:   |

Veranstaltung im Konrad-Adenauer-Haus

Schwule und Lesben in der CDU: Eine Liebe mit Bauchschmerzen

Artikelbild
Als Stärkung in der Auseinandersetzung mit den Konservativen bekam Julia Klöckner zum Abschluss von Moderator Thomas Steins (li.) und LSU-Chef Alexander Vogt einen Eimer Gummibärchen überreicht (Bild: Rainer Schadow)

"Die CDU auf dem Weg zur bunten Volkspartei?", fragte die LSU am Montagabend bei einer Diskussion mit der rheinland-pfälzischen Oppositionsführerin Julia Klöckner.

Von Stefan Mey

Das Berliner Konrad-Adenauer-Haus, Zentrum der christdemokratischen Macht. Die LSU hat zu einer Diskussion eingeladen. Das provokante Motto lautet: "Die CDU auf dem Weg zur bunten Volkspartei?".

Mit einer Mischung aus inhaltlicher Neugier und Sensationslust gehe ich hin. Bei politischen Veranstaltungen zu Homo-Themen geht es normalerweise hoch her. Bei den letzten beiden wurde den CDU-Vertretern das homo-politische Versagen ihrer Partei um die Ohren gehauen. Sie hatten es wirklich nicht leicht. Und anders als zuvor kommt dieses Mal eine hochrangige Vertreterin, die tatsächlich Zugang zu den Macht-Gremien der Partei hat.

Zum Showdown kommt es aber nicht. Etwa 40 Leute sitzen im Publikum, die meisten von ihnen sind LSU- oder wenigstens CDU-Mitglieder. Der Moderator des Abends, Thomas Steins, erklärt sich die geringe Beteiligung mit dem guten Wetter. Zudem sei die Einladung nur über den zugegebenermaßen nicht sehr ausführlichen LSU-Verteiler gegangen. Statt einer öffentlichen Diskussion wirkt der Abend wie eine LSU-interne Veranstaltung, zu der sie eingeladen wurde, der Stargast des Abends.

Die neue schwul-lesbische Sympathieträgerin der Union

Julia Klöckner ist Oppositionsführerin der CDU in Rheinland-Pfalz und damit womöglich zukünftige Ministerpräsidentin des südwestdeutschen Bundeslandes. Sie ist eine von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der CDU und Mitglied im mächtigen Präsidium der Partei. Vor einigen Monaten tauchte sie plötzlich als schwul-lesbische Sympathieträgerin in der Öffentlichkeit auf, wie aus dem Nichts. Unter anderem in Interviews mit den konservativen Boulevardblättern "Bild" und "BZ" hat sie sich offen für eine weitergehende Gleichstellung ausgesprochen.

Anders als bei vielen anderen homo-politischen Veranstaltungen muss dem Publikum nicht erklärt werden, wieso es die CDU gut finden sollte. Das Ganze ist eher ein spannendes Selbstgespräch der Partei. Es erlaubt einen Einblick in den emotionalen Spagat vieler schwuler und lesbischer CDU-Mitglieder: wie eine Partei ihre politische Heimat ist, während sie sie in einem entscheidenden Punkt doch immer wieder vor den Kopf stößt. Es ist eine Liebe mit Bauchschmerzen.

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Homosexuelle CDU-Mitglieder machen ihrem Ärger Luft

Die LSU will in der Union für frischen Wind sorgen - Quelle: Rainer Schadow
Die LSU will in der Union für frischen Wind sorgen (Bild: Rainer Schadow)

Der LSU-Vorsitzende Alexander Vogt leitet ein. Er redet über die Enttäuschung in den letzten Monaten. Im Dezember 2012 hatte der CDU-Parteitag gegen einen Antrag auf die steuerliche Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften gestimmt, dem Votum ist das CDU-Präsidium im März 2013 gefolgt. Nach einem Kurzvortrag von Klöckner beginnt dann die Selbstverständigung der Partei.

Zuerst stellt der Moderator und stellvertretende LSU-Vorsitzende Thomas Steins Fragen, dann kann das Publikum loswerden, was ihm auf den Nägeln brennt. Die meisten Fragesteller kennt Moderator Steins und redet sie mit dem Vornamen an. Sie machen ihrem Ärger über die Partei Luft, die eigentlich ihre eigene ist: der Parteitags- und Präsidiumsbeschluss gegen die steuerliche Gleichstellung, die hetzenden öffentlichen Worte einzelner CDU-Vertreter und das Ärgernis, dass die CDU erst durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts gezwungen werden muss, eingetragene Lebenspartnerschaften nicht mehr zu diskriminieren.

Klöckner erklärt ihre Partei. Das Hauptargument lautet: die CDU ist nun mal eine Volkspartei mit großem Meinungsspektrum. Fortschritte ließen sich deswegen nur langsam erreichen. Sie fänden aber definitiv statt, und die gemächliche Geschwindigkeit ließe sich nicht einfach so anziehen: "Die Union hat es über Jahrzehnte hingekriegt, die gesamte innerparteiliche Bandbreite mitzunehmen und keinen politischen Flügel zu verlieren, auch nicht den eher rechten. Hinter diesen Anspruch sollten wir nicht zurückfallen." Das innerparteiliche Meinungsspektrum sollten auch die Schwulen und Lesben in der Union akzeptieren, so wie sie ihrerseits Toleranz erwarten: "Ich finde, wenn wir von bunt reden, dann kann es nicht nur eine Farbe geben, auch wenn das nicht meine Farbe ist."

Das C in CDU kein Hindernis für eine homo-freundliche Politik?

Nun rund 40 Teilnehmer kamen am Montagabend zur Podiumsdiskussion ins Konrad-Adenauer-Haus
Nun rund 40 Teilnehmer kamen am Montagabend zur Podiumsdiskussion ins Konrad-Adenauer-Haus (Bild: Rainer Schadow)

Klöckners Engagement für Schwule und Lesben gehe auf einen langjährigen Freund aus dem Studium zurück. Sie hat unter anderem katholische Theologie auf Lehramt studiert und dort einen Priesteranwärter kennengelernt, der seitdem ihr mit Abstand engster Freund sei. Deswegen könne sie es einfach nicht ertragen, wenn Schwule und Lesben diskriminiert werden.

Der Freund ist aus der Kirche ausgetreten, was sie schade findet. Sie hingegen könne das alles wunderbar miteinander vereinbaren: das C in der CDU sei einfach eine generelle Aufforderung zu Mitmenschlichkeit und Solidarität. Zudem passe die Übernahme von Verantwortung in gleichgeschlechtlichen Beziehungen eh zu den grundlegenden Werten ihrer Partei.

Immer wieder versucht sie dem Publikum klarzumachen, dass die LSU und alle Schwulen und Lesben im Land in ihr eine wichtige Fürsprecherin haben. Sie sei eine, die im entscheidenden Moment auch mal die Stimme erhebt und von der Linie abweicht. Stolz erzählt sie, dass sie auf dem Parteitag Ende Dezember neben Familienministerin Kristina Schröder die einzige im Präsidium war, die für den Gleichstellungsantrag gestimmt hat. Wenn sich LSU-Vertreter aus einzelnen Bundesländern über Schwierigkeiten vor Ort beklagen, sagt sie: "Schickt mir einfach eine Mail. Ich werde das dann mal direkt im Präsidium ansprechen."

Julia Klöckner, das Energiebündel aus Rheinland-Pfalz

Julia Klöckner strahlt den ganzen Abend über, ist gut gelaunt und schlagfertig. Sie hat den Charme einer Freundin, mit der man Pferde stehlen kann. Anders als bei vielen Politikerkollegen ist ihre Sprache nicht glatt gebügelt. Immer wieder ist sie wohltuend politisch inkorrekt und haut verbal Sachen raus, die sich konservative Kollegen nicht im Traum erlauben würden: "Im katholischen Theologiestudium trifft man natürlich einige Schwule." Das Publikum lacht, sie auch, dann relativiert sie ein wenig: "Naja, man trifft auch Schwule."

Am Ende der Veranstaltung ist es kaum vorstellbar, dass dieses Energiebündel in der Partei nicht noch weiterhin Karriere machen wird. Der Moderator Thomas Steins überreicht ihr zum Abschluss eine große Box mit Gummibärchen, als Stärkung für die zukünftigen Auseinandersetzungen mit den Konservativen der Partei.

Die halböffentliche Selbstverständigung der CDU ist damit für diesen Abend beendet. Ich habe das Gefühl, dass sie die Bauchschmerzen des Publikums zumindest ein bisschen gelindert hat.

Links zum Thema:
» Homepage der LSU
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Tags: julia klöckner, lsu, konrad-adenauer-haus, schwarz und bunt
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Reaktionen zu "Schwule und Lesben in der CDU: Eine Liebe mit Bauchschmerzen"


 34 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
09.07.2013
13:09:03


(+6, 10 Votes)

Von priesteranwärter


"Ich finde, wenn wir von bunt reden, dann kann es nicht nur eine Farbe geben, auch wenn das nicht meine Farbe ist."

Link:
twitter.com/Volker_Beck/status/251425968542072837


Link zu www.wahlrecht.de


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#2
09.07.2013
13:12:58


(+8, 14 Votes)

Von Interessenlagen


Was soll diese plumpe Wahlwerbung für eine Partei, die Millionen Schwule und Lesben und Millionen Kinder, die nicht in die bürgerliche Familienideologie passen, weiterhin als Untermenschen behandelt?

Wer sich dort als Schwuler oder Lesbe "mit Bauchschmerzen" oder wie auch immer beteiligt, hat offenbar sehr gute klassen-/schichtenbedingte Gründe, dies gegen die Interessen (und die minimale menschliche Würde) der breiten Masse lohnabhängiger Schwuler und Lesben zu tun.


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#3
09.07.2013
13:22:19


(+5, 9 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar


so wichtig, wie BAUCHWEH!!!


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#4
09.07.2013
13:30:56


(+3, 7 Votes)

Von sperling


>"Das innerparteiliche Meinungsspektrum sollten auch die Schwulen und Lesben in der Union akzeptieren, so wie sie ihrerseits Toleranz erwarten"

was leider auch vom autoren nicht klargestellt wird: wir reden hier nicht von einem meinungsspektrum, das verschiedene ansichten zu politischen detailproblemen umfasst. hier geht es um ein "meinungsspektrum", das sich über den rand der verfassung hinaus erstreckt. ob der gleichheitsgrundsatz unseres grundgesetzes gültigkeit für alle bürger_innen haben soll oder nicht, das ist keine frage, bei der man toleranz für diejenigen einfordern darf, die diesen grundsatz einfach ignorieren wollen. schon gar nicht VON denjenigen, die opfer dieser grundrechtsverletzung sind.

ich empfinde diese kackfreche argumentation, bei der den diskrimierten unterstellt wird, ihre gegner_innen zu unterdrücken, wenn sie sie nicht weiterdiskriminieren lassen wollen, als einen schlag ins gesicht aller diskriminierten menschen. diese argumentation zeigt, wessen perspektive frau klöckner wirklich vertritt. die deutungshoheit sollen bloß nicht die diskriminierten übernehmen. sie muss bei den täter_innen bleiben.

dazu kommt, dass von einer wirklich inhaltlichen diskussion wieder einmal gar nicht die rede ist. welche "argumente" haben denn die gleichstellungsgegner_innen in der union, mit denen man sich auseinandersetzen müsste? welche wurden denn dort besprochen?

sollen wir ernsthaft akzeptieren, dass "ungute gefühle" bei dem thema auf eine stufe mit politischen argumenten gestellt werden? sollen wir ernsthaft auf unsere rechte verzichten, weil irgendwelche seppel_innen sich irgendwie nicht so recht wohl fühlen würden, wenn wir diese rechte bekämen? ohne dass darüber auch nur eine diskussion stattfindet?

der artikel mag ja die atmosphärische situation der union ganz gut widerspiegeln. eine politische kritik oder auch nur einordnung leistet er leider nicht, sondern ermuntert stattdessen zu einer komplett entpolitisierten kindlichen freude darüber, dass die frau klöckner doch irgendwie ganz nett zu den homos ist.

das reicht aber nicht. von einem queeren medium erwarte ich mehr.


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#5
09.07.2013
13:40:56


(+3, 5 Votes)

Von neomuttismus


"Am Ende der Veranstaltung ist es kaum vorstellbar, dass dieses Energiebündel in der Partei nicht noch weiterhin Karriere machen wird."

Mit den Grünen oder mit der FDP? Erst in Rheinland-Pfalz oder bundesweit?

Link zu www.sueddeutsche.de


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#6
09.07.2013
13:50:17


(+5, 7 Votes)

Von m123


Die Klöckner ist genauso schlimm wie alle anderen von der CDU. Das habe ich durch direktes Nachfragen bei ihr per Mail herausgefunden. Sie ist gegen die volle Gleichstellung ohne einen Grund dafür nennen zu können. Irgendwann hat sie sich dann entschieden in der Öffentlichkeit für die Gleichstellung beim Ehegattensplitting zu sein, aber erst Ende 2012/Anfang 2013 und wo ohnehin schon längst klar war, dass das Bundesverfassungsgericht das bald erzwingen würde.

Wenn Julia Klöckner sagt

"Die Union hat es über Jahrzehnte hingekriegt, die gesamte innerparteiliche Bandbreite mitzunehmen und keinen politischen Flügel zu verlieren, auch nicht den eher rechten. Hinter diesen Anspruch sollten wir nicht zurückfallen."

dann könnte ich kotzen. Offenbar ist es der Partei wichtiger die mittelalterlichen extrem rechten ruhigzustellen, als den Millionen Schwulen und Lesben in diesem Land das Grundrecht und Menschenrecht auf Gleichbehandlung zu geben. Und dann ruft Julia Klöckner auch noch dazu auf tolerant gegenüber dem Diskriminierungswillen in der Union zu sein. Den Priesteranwärter mit dem sie angeblich zusammen studiert hat, hat sie wahrscheinlich nur erfunden. Katholische Theologie hat die Klöckner studiert. Das sagt doch schon alles. Das C ist der Union doch egal. Wenn es um Schwule und Lesben geht, dann wird verbal draufgehaun was das Zeug hält und diskriminiert was das Bundesverfassungsgericht noch erlaubt.

Ich sag es hier nochmal für alle zum Nachlesen und Verstehen: Auf meine Nachfrage bei Frau Klöckner nach dem Grund für die Aufrechterhaltung der bestehenden Diskriminierung hat sie mir nicht geantwortet. Die Frau ist verlogen!!! Glaubt der kein Wort!!!!! Die ist nur geil auf die Macht und versucht sich deswegen jetzt schon als "progressiv" in ihrer Partei darzustellen, was sie aber in Wahrheit nicht ist. Ihr einziges Ziel ist, mit ihrem jetzigen Verhalten die Schwulen und Lesben zu blenden um später vielleicht die ein oder andere Stimme von Schwulen und Lesben zu bekommen, weil es dann später so aussehen soll als sei sie schon länger schwulen- und lesbenfreundlich gewesen. Reden kann die Frau Klöckner viel, aber sie ist immer noch gegen die volle Gleichstellung und sie nennt keine Gründe und sie setzt sich in ihrer Partei auch nicht für die volle Gleichstellung ein. Die Frau kalkuliert kühl und will später nur an die Macht. Das merkt man der Frau aus jeder Pore an!!!!

FALLT NICHT AUF JULIA KLÖCKNER REIN!!!


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#7
09.07.2013
13:55:03


(+2, 6 Votes)

Von m123


Dass queer.de jetzt auch noch derart unterwandert wird, dass hier eine Politikerin der CDU positiv dargestellt wird, die gegen die volle Gleichstellung ist, das finde ich nicht in Ordnung.

Will queer.de der CDU/CSU im September zur absoluten Mehrheit verhelfen?????


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#8
09.07.2013
13:57:14


(+3, 5 Votes)

Von fachärztlich
Antwort zu Kommentar #4 von sperling


"Ich habe das Gefühl, dass sie die Bauchschmerzen des Publikums zumindest ein bisschen gelindert hat."

Von Bauchschmerzspezialisten erwarte ich nichts anderes.

Link zu www.google.de

Link zu www.google.de


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#9
09.07.2013
14:02:50


(+2, 4 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #7 von m123


Ganz bestimmt nicht!


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#10
09.07.2013
14:11:59


(-6, 10 Votes)

Von Aus Bad Homburg


Sollte man diesen sonst echt tollen Artikel als indirekte Entschuldigung für gestrige boshafte und zugespitzte Reinterpretierung der Meinung von Herrn Lammert verstehen oder als bemerkenswerten Versuch, ein gewisses politisches Gleichgewicht zehn Wochen vor den Wahlen zu bewahren: gestern hatte der leichthysterische Beck seine "Sendungszeit", heute eben die bunte CDU (und, ja, sie ist bunt, anders als die Grünen oder die SPD). Nach so einer Logik sollten auch die braunen irgendwann ihre Ecke bekommen. Egal: Entschuldigung angenommen !


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