Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?1963

Zum Auftakt der Fassenacht: Transsexueller wehrt sich gegen Ausschluss aus der Mombacher Prinzengarde

Von Jürgen Friedenberg

Mainz, traditionell Hochburg einer "Fassenacht", die angeblich allen wohl und keinem weh tun will, erlebt diesmal einen traurigen Saisonauftakt: Vor dem Mainzer Amtsgericht muss sich ein Transsexueller gegen seinen Ausschluss aus der Mombacher Prinzengarde wehren. Für ihn und seine Eltern, allesamt langjährige Fastnachter in der populären närrischen Korporation, steht fest: Der Vorstand dulde keine Transsexuellen in seinem Verein. Einem Dutzend Sympathisanten erging es ebenso.

Die Vorgeschichte: Solange Justin D. (20) noch Stephanie hieß und im Trommlercorps der Prinzengarde brav die Trommelstöcke rührte, war die närrische Welt in Mainz noch in Ordnung. Als das Mädchen jedoch seine Geschlechtsumwandlung betrieb und im Januar 2003 den Wunsch äußerte, nur noch in Männeruniform aufzutreten, war der Spaß aus. Der Vereinsvorstand lehnte das ab – "wir sind schließlich kein Lesben- und Schwulenverein", wurde Stephanies Mutter bedeutet - und ließ sich die Rechtmäßigkeit seines Verbots sogar gerichtlich bestätigen. Daraufhin wurde er von dem frustrierten Mitglied brieflich hart angegangen und nahm dies nun offiziell zum Anlass, um Stephanie "wegen vereinsschädigenden Verhaltens" und "Lähmung der Kampagnenfähigkeit" aus der Prinzengarde auszuschließen.

Während der Fastnachtskampagne 2004 gab es dann bei einer "Amazonen-Sitzung" eine heftige Auseinandersetzung mit dem Vorstand, während der Stephanie einem Vorstandsmitglied ein Glas Bier über die Hose gegossen haben soll. Seither kam es wiederholt zu Äußerungen, die von beiden Seiten jeweils als beleidigend empfunden wurden. Am Rosenmontag 2004 soll der damals noch amtierende zweite Vereinsvorsitzende dem inzwischen rechtsgültig Justin heißenden jungen Mann sogar ins Gesicht gesagt haben: "So etwas wie Du, das ist doch kein Mensch."

Trotz alledem wollen Justin und seine Eltern ihrer Prinzengarde treu bleiben: "Das ist mein Zuhause, da habe ich meine Freunde." Ob der junge Transsexuelle das darf, wird das Gericht wahrscheinlich noch im Dezember entscheiden. Möglich, dass die traurige Mainzer Narrenposse auch politisch Wellen schlägt. Immerhin wählt die rheinland-pfälzische Metropole am 21. November den Oberbürgermeister, und der Amtsinhaber und aussichtsreichste Kandidat Jens Beutel (SPD), früher selber Richter, dürfte die Brisanz dieser Auseinandersetzung im Mainzer Arbeiterbezirk Mombach und darüber hinaus wohl einzuschätzen wissen.

11. November 2004, 11:11 Uhr



#1 StefanAnonym
  • 11.11.2004, 14:31h
  • In Köln war ja mal so etwas ähnliches! leider ist es ja so ,nichts ist so ernst wie die fassenacht! ich als mainzer kann mich erinnern das es beim mainzer rosenmontagszug eine schwule fussgruppe gab sie durften nur mitlaufen mit der auflage das sie keine stöckelschuhe tragen! schwule fassenachter haben in mainz keine lobby,liegt aber auch evtl.daran das sich schwule in mainz mehr im hintergrund aufhalten.was in köln ja etwas anders ist ! also mainzer zeigt das auch schule fassenacht feiern können ! und nicht versteckt in der großen langgasse am rand stehen und umzug gucken!
    HELAU
  • Antworten » | Direktlink »
#2 skydiverProfil
  • 11.11.2004, 14:50hStuttgart
  • Ein wirklich gut geschriebener Artikel von Jürgen Friedenberg !!! Hier werden auch mal "beide" Seiten beleuchtet !!! Am Anfang als ich den Artikel las, hab ich auch gedacht so eine "Ungerechtigkeit" und "Diskriminierung" !!! Das darf doch nicht wahr sein !!! Ich habe grossen Respekt davor, wenn sich jemand tatsächlich aus innerer Überzeugung zu einer Geschlechtsumwandlung entschliest !!! Jedoch bin ich auch der Meinung, das sich Justin vor und nach seiner Geschlechtsumwandlung darüber im Klaren sein musste, das er als "Transsexueller" nicht überall und sofort offene
    Türen einrennen wird und es ein harter und vor allen Dingen langer Kampf werden wird !!! Beide Seiten haben laut dem Bericht bedauerlicher Weise "falsch" gehandelt !!! Und irgendwie kann ich die Reaktion der Vereinsleitung auch verstehen !!! Ich find´s bloss immer schade, das Man(n) dann gleich Vergleiche zieht mit Schwulen und Lesben und derartigen Banalitäten das zerstört wird, was wir versuchen seit Jahren in die Köpfe der Heten zu kriegen !!! Das schwul sein etwas völlig NORMALES ist !!!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MatteoAnonym
  • 13.11.2004, 14:57h
  • Und scheinbar haben die Narren nicht mal genug Mumm in den Knochen, zu ihren Entscheidungen auch zu stehen. Das Gästebuch der Homepage ist von jedem Hinweis auf Justin gesäubert worden...

    Matteo
  • Antworten » | Direktlink »
#4 telemenschAnonym
  • 26.12.2004, 02:42h
  • dazu kann ich nur sagen: es wird alles nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird! sicherlich haben beide parteien genug zu diesem streit beigetan, warum muss sowas vor gericht enden? bisher bin ich mit menschen immer ganz gut ausgekommen als schwuler mann!

    gruss aus mainz
  • Antworten » | Direktlink »
#5 leomzAnonym