Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 16.07.2013           13      Teilen:   |

Ratgeber für Journalisten

"Schöner schreiben über Lesben und Schwule"



Die Akademie Waldschlösschen und der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) geben in einer Broschüre kollegiale Tipps für die schreibende Zunft.

Man sieht es in unserer Rubrik Anderswo: Noch nie wurde in den Medien so viel über Lesben und Schwule berichtet wie in den letzten Monaten. Mit der Quantität der Berichterstattung hat die Qualität aber nicht unbedingt zugenommen. Im Gegenteil: Viele Fettnäpfchen sind über die Jahre die gleichen geblieben. Regelmäßig gebe es Schlagzeilen über das "Homosexuellen-Milieu", "bekennende Schwule" oder "überzeugte Lesben", stöhnt Martin Munz, Vorstandsmitglied des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ). "Daran sieht man, dass es in vielen Redaktionen noch nicht so unverkrampft zugeht, wie mancher annimmt."

Um den verkrampften oder vielleicht einfach nur unsicheren Kollegen unter die Arme zu greifen, hat der BLSJ zusammen mit der Akademie Waldschlösschen im Juni die Broschüre Schöner schreiben über Lesben und Schwule herausgegeben und mittlerweile an rund 100 Redaktionen in ganz Deutschland verschickt. Das Autorenteam appelliert in der 24-seitigen Anleitung für den Journalistenalltag: "Schreiben Sie über Lesben und Schwule – aber denken Sie dabei auch an die Wirkung Ihrer Texte!"

Die gelungene Broschüre nennt zahlreiche Beispiele missglückter Formulierungen und bietet gleichzeitig Alternativvorschläge an. Statt "Anne ist bekennend lesbisch" schlägt sie beispielsweise "Anne ist offen lesbisch" vor. Der Grund: "Man bekennt sich zu einer Straftat, zu einer Sünde oder einem Glauben. Homosexualität ist nichts davon, die Zeiten des § 175 sind vorbei." Und zum immer wieder durch die Medien geisternden "Homosexuellen-Milieu" heißt es in dem Heft: "Solche Phrasen verunglimpfen Homosexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Kaum jemand würde über eine 'Gewalttat im Lehrermilieu' oder einen 'Doppelmord im Hetero-Milieu' berichten."

Nicht immer ist es einfach, eine allgemeingültige, gute und "korrekte" Formulierung zu finden. Die Broschüre unterscheidet beispielsweise nicht zwischen dem Gebrauch in "Hetero"- und in Szenemedien (letztere waren auch nicht die Zielgruppe), der unserer Meinung nach aber gemacht werden muss. Auf queer.de finden wir das Präfix "Homo-" überhaupt nicht despektierlich, sondern neutral. Um Doppelungen zu vermeiden und um griffige Überschriften zu formulieren, kommen wir gar nicht umhin, es als Synonym für "schwul-lesbisch" oder "LGBT" zu verwenden.

Ein anderes Beispiel ist die Bezeichnung "Homo-Ehe": Während das Autorenteam den Begriff nur dann für zulässig erklärt, "wenn darunter nicht die Lebenspartnerschaft, sondern die völlige Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Ehen verstanden wird", haben wir "Homo-Ehe" bislang bewusst als Synonym für die Ehe zweiter Klasse benutzt – und schreiben ansonsten von der Öffnung der Ehe. Die Broschüre rät auch dazu, Begriffe wie "Ehefrau", "Ehemann" oder "sind verheiratet" bei verpartnerten schwul-lesbischen Paaren nicht zu verwenden, um einerseits journalistisch korrekt zu sein und anderseits die Diskriminierung gegenüber Heteros deutlich zu machen. Hier sind wir weitgehend d'accord! Andererseits finden wir es auch wichtig, gerade in einem queeren Medium den Anspruch auf Gleichbehandlung deutlich zu machen und zumindest in nicht-nachrichtlichen Texten von "meinem Mann" oder "ihrer Frau" zu schreiben.

Den Nutzwert und den Verdienst der Broschüre von BLSJ und Akademie Waldschlösschen schmälern diese offenen Fragen keinesfalls – im Gegenteil. Während unseren Kollegen in den "Heteromedien" nun ein wirklich praktischer Leitfaden inklusive Glossar mit Szenebegriffen zur Verfügung steht, hat in den Szenemedien die Diskussion über einen bewussteren Umgang mit Sprache begonnen. Davon kann die Qualität auf allen Seiten nur profitieren! (mize)

Links zum Thema:
» Die Broschüre als PDF downloaden
» Homepage des BLSJ
» Homepage der Akademie Waldschlösschen
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 13 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 60             2     
Service: | pdf | mailen
Tags: blsj, akademie waldschösschen, journalismus
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu ""Schöner schreiben über Lesben und Schwule""


 13 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
16.07.2013
13:01:37


(-8, 16 Votes)

Von m123


Korrekt wäre, den Begriff "Homo-Ehe" überhaupt nicht zu verwenden, denn er ist nur ein künstliches Produkt der Medien, die geil auf reißerische Schlagworte sind.

Es gibt die Ehe und es gibt die eingetragene Lebenspartnerschaft. Und wir wollen das Recht auf Eheschließung. Punkt.

Eigentlich doch einfach, oder?

Das Präfix "Homo-" ist schlecht, weil es sprachlich serpariert und ausgrenzt und es im allgemeinen Sprachgebrauch den Beiklang "Zweitklassen-" hat. Das versteht man aber nur, wenn man sich mal in die heterosexuellen Menschen hineinversetzt, die keine homosexuellen Menschen persönlich kennen und dann abends auf der Couch vorm Fernseher sitzen, Nachrichten sehen und Dinge wie "Homo-Ehe" oder "Homo-Hochzeit" oder "Homo-Blutspende" hören. Wir werden erst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, wenn auch sprachlich nur noch von Ehe, Hochzeit und Blutspende die Rede ist, d. h. auch wenn gleichgeschlechtliche Paare bzw. Homosexuelle gemeint sind.

So ich werd jetzt mal ins Fitnessstudio gehn und mein Training absolvieren, und nicht mein Homo-Training. Alles klar?

Vielleicht kommt queer.de ja auch irgendwann aus der emanzipatorischen Pubertät heraus und verwendet das Präfix "Homo-" nicht mehr. Es wäre schon wenn queer.de das ab sofort nicht mehr tun würde. Aber von queer.de wird man häufig enttäuscht, nicht nur wenn queer.de weiterhin "Homo-" verwendet, sondern z. B. auch wenn queer.de in eigenartiger Weise bestimmte CDU-Politiker und damit auch die CDU positiv darstellt. Dafür habe ich absolut kein Verständnis und das ist ziemlich dumm, denn Politiker und politische Parteien muss man allein an ihren Handlungen messen, und da haben alle CDU-Politiker sowie die CDU stets das genaue Gegenteil von dem getan was wir uns wünschen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
16.07.2013
14:23:27


(+11, 11 Votes)

Von fachärztlich


Gute Sache, sehr gut Sache, lädt auch Leser ein, die inneren Brillen ab und an zu überprüfen.

" die Diskussion über einen bewussteren Umgang mit Sprache begonnen. Davon kann die Qualität auf allen Seiten nur profitieren!"


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
16.07.2013
14:57:32


(-1, 9 Votes)

Von Sveni Maus
Antwort zu Kommentar #1 von m123


Zustimmung!!!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
16.07.2013
18:56:57


(+3, 5 Votes)

Von dem litfaßsäule


Hier ist aktuell eine gelungene Aufarbeitung von Film-, Text- und Sprachmüll am Beispiel einer der großen Lügengeschichten zur Erhaltung der (u.a. auch homophoben) ideologischen Hegemonie.

Link:
mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reporta
ge-dokumentation/15880804_unser-wirtschaftswunder-
die-wahre-geschichte


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
17.07.2013
00:11:45


(-3, 5 Votes)

Von Alte Tunte


Alles weitere regelt die Gedankenpolizei.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
17.07.2013
10:13:49


(+6, 6 Votes)

Von Sebi


Vor allem für Heteromedien kann das ein wichtiger Leitfaden sein, der Beachtung finden sollte.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
21.07.2013
20:40:26


(-2, 2 Votes)

Von Gayreporter


Und das von einem Verein, der für Zwangsouting ist und damit zu einem Verstoß gegen die Allgemeinen Persönlichkeitsrechte Rät. Wie grotesk.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
21.07.2013
21:06:07


(-4, 4 Votes)

Von Alexandre


Hm, na ja. Also, ich bin sicher nicht "der Mann" meines Lebensgefährten, denn er ist nicht "meine Frau". Und überhaupt schreiben doch Schwule selbst so viel Bockmist zusammen, da sind die genannten "schlimmen" Phrasen ja noch harmlos dagegen. ZB bist du gleich "homophob", nur weil du die Meinung eines anderen nicht teilst. Das ist schlimm!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
21.07.2013
22:56:01


(0, 2 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von Alexandre


""Also, ich bin sicher nicht "der Mann" meines Lebensgefährten""..

Als solcher sollte es Dir durchaus möglich sein die Heteronormativität in Deinem Sprachgebrauch abzulegen, und die Tatsache das eine Lebenspartnerschaft und auch eine Ehe nicht zwangsläufig nur aus Mann und Frau besteht, sondern auch aus Mann & Mann, Frau & Frau, oder am Bestem aus Mensch & Mensch besteht, in Deine Sprache einfließen lassen..

Deine Weigerung dies zu tun bestätigt nur die Sichtweise der normierenden Heten die die Ehe für Gottgemacht halten..

Ehe ist tausende Jahre älter als die monotheistischen Religionen, und schon damals gab es Menschen die sich über die Regeln und Beschränkungen hinwegsetzten..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
23.07.2013
14:45:56


(-4, 4 Votes)

Von Alexandre
Antwort zu Kommentar #9 von TheDad


Vielleicht solltest du die Homonormativität deines Sprachgebrauchs ablegen, aber die ist ja im Homosexuellenmilieu (manchmal leider wirklich ein passender Begriff) verbreitet...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12  vor »


 Queer.de-Blog

Top-Links (Werbung)

 MEINUNG



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Gayromeo-Räuber "Marcus" festgenommen Magdeburg: Einstimmiger Beschluss für Hirschfeld-Gedenktafel "Tapetenwechsel 2.0" im Schwulen Museum* Studie: Intimrasur erhöht Krankheitsrisiko
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt