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  • 18.07.2013           37      Teilen:   |

Meningitis: Berliner Schwule zur Impfung aufgefordert

Nach mehreren Infektionen soll sich die Szene vor der bakteriell übertragenen Hirnhautentzündung schützen.

Von Norbert Blech

Der Berliner Senat hat am Donnerstag eine offizielle Impfempfehlung für schwule Männer gegen Meningokokken-Erkrankungen bekannt gegeben: Ein entsprechender Entschluss des Berliner Impfbeirates soll am 27. Juli 2013 in Kraft treten.

Die Empfehlung ist zunächst zeitlich begrenzt bis zum 31. Januar 2014 und gilt nur für Berlin; der Senat will sich bei der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes für eine einheitliche Regelung stark machen, die auch für andere Bundesländer gilt. Nur mit ihr wären Krankenkassen verpflichtet, die Kosten zu übernehmen.

Es wird allerdings damit gerechnet, dass sich die Krankenkassen in den nächsten Wochen bereit erklären, die Kosten zu übernehmen bei Berliner "Männern, die Sex mit Männern haben" (so die Beschreibung von Schwulen und Bisexuellen im Gesundheitsbereich); die Deutsche Aids-Hilfe rät Personen, bei ihrer Krankenkasse nachzufragen. Das rät sie auch HIV-Positiven, die bereits bundesweit durch eine ständige Impfempfehlung des RKI abgedeckt sein sollten. Die einmalige Impfung kostet rund 50 Euro.

Noch ist unklar, ob und wie sich Gesundheitsämter und Aids-Hilfen an der Impfaktion beteiligen. Man stehe dafür bereit, heißt es bei der Aids-Hilfe. Anlass für die Sorge der Gesundheitsexperten waren Meldungen über eine Ausbreitung der Krankheit unter schwulen Männern, zunächst in New York und Los Angeles, danach in einigen europäischen Städten.

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Drei Todesfälle in Berlin

Alle Infektionen von schwulen Männern gingen offenbar auf die Meningokokken-Serogruppe C zurück, gegen die man sich impfen lassen kann - Quelle: Wiki Commons / Dr. Brodsky / PD US HHS CDC
Alle Infektionen von schwulen Männern gingen offenbar auf die Meningokokken-Serogruppe C zurück, gegen die man sich impfen lassen kann (Bild: Wiki Commons / Dr. Brodsky / PD US HHS CDC)

Erst Anfang Juli war offiziell bekannt geworden, dass sich in Berlin bislang mindestens fünf schwule Männer (alle zwischen 22 und 28 Jahre alt und HIV-negativ) mit Meningokokken infiziert hatten (queer.de berichtete). Über sie sind erst wenige Teildetails öffentlich bekannt: Ein Todesfall aus dem Oktober 2012 wurde von den Behörden nachrecherchiert; im Februar 2013 starb ein 22-Jähriger an einer Infektion, ein weiterer Mann infizierte sich im gleichen Zeitraum.

Im Mai hatten zwei 24-Jährige einen Club besucht und danach die Nacht zusammen verbracht. Einer der Männer erkrankte zwei Tage danach, kam auf die Intensivstation und liegt mit schweren Hirnschäden im Koma. Der andere Mann erkrankte einen Tag später und verstarb am folgenden Tag zu Hause. Derzeit wird noch untersucht, ob es in den letzten Monaten weitere Meningitis-Fälle unter schwulen Männern in Deutschland gegeben hat. Die Krankheit ist meldepflichtig, aber ohne das Merkmal sexuelle Orientierung.

In den letzten Wochen waren, neben einer Meningokokken-Infektion eines Schwulen in Belgien, drei Fälle aus Paris gemeldet worden; nach einer Impfempfehlung von Act-Up zogen inzwischen aus die Behörden nach (queer.de berichtete).

Grund für die Sorge der Gesundheitsämter ist vor allem eine Infektionswelle aus New York: Dort waren in den letzten drei Jahren mindestens 22 schwule Männer an Meningitis erkrankt, von denen sieben starben; in Los Angeles fielen der Meningitis seit Dezember 2012 zudem drei von mehreren Infizierten zum Opfer. Zunächst hatten die Gesundheitsbehörden nur auf Stadtteile begrenzte Impfempfehlungen für HIV-Positive Männer herausgegeben, inzwischen richten sie sich an alle schwulen Männer, die "unabhängig von ihrem HIV-Status regelmäßig intimen Kontakt mit anderen Männern durch eine Webseite, App oder in einer Bar beziehungsweise bei einer Party haben" (queer.de berichtete).

Inwieweit die Fälle in Amerika und Europa in Bezug zueinander stehen, ist noch nicht umfassend geklärt; allgemein wird vermutet, dass Reisen zu Großveranstaltungen eine Rolle spielen könnten. Bei allen Infektionen handelte es sich um die Meningokokken-Serogruppe C, gegen die wirksame Impfstoffe mit inaktiven Bakterienbestandteilen bereit stehen – sie führen zu keiner Erkrankung und können auch von HIV-Positiven problemlos genutzt werden.

Begrenzter Ausbruch

Die Deutsche Aids-Hilfe hat eine umfangreiche Broschüre zum Thema herausgegeben (s. Link zum PDF unten)
Die Deutsche Aids-Hilfe hat eine umfangreiche Broschüre zum Thema herausgegeben (s. Link zum PDF unten)

Meningitis ist hoch ansteckend, führt aber bei wenigen Personen zu einer Erkrankung. Von einigen Risikoländern abgesehen tritt sie vor allem bei Säuglingen und Jugendlichen auf, zudem bei gelegentlichen lokalen Ausbrüchen, etwa durch Kontakte zu einer Person, die sich anderswo infiziert hatte.

In gewissem Sinn kann man auch diese Ansteckungen in der schwulen Community als lokalen Ausbruch verstehen, was ein recht neues Phänomen ist. Die Bakterien übertragen sich zwar auch sexuell, es können unter anderem aber auch "Zungenküsse bzw. intensive Küsse als Begrüßungsritual" eine Rolle spielen, wie die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) schreibt.

Wie bei anderen lokalen Ausbrüchen setzen die Behörden daher vor allem auf Impfaktionen – zumal auch Personen, bei denen die Krankheit nicht ausbricht, die Bakterien übertragen können. Bei kleineren Ausbrüchen 2001 und 2003 in den Szenen von Toronto und Chicago, bei denen sich zwölf Schwule infizierten und fünf starben, führte das zu einem Erfolg. Allein in Chicago wurden dazu fast 15.000 Männer geimpft. In Brooklyn konnte so 2005 auch eine Ausbreitung unter Drogenabhängigen gestoppt werden.

Man solle aber nicht in Panik verfallen, findet Armin Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Es gebe kein "immens großes Risiko", sich anzustecken und zu erkranken, sondern die Impfung diene vor allem auch dazu, die Verbreitung zu verringern. Daher will er auf queer.de-Anfrage auch keine generelle Impfempfehlung für Berlin-Besucher abgeben (ebenso wenig wie für Lesben oder "Schwulenmuttchen"). "Wer allerdings häufig auf Szene-Events in Berlin oder Paris unterwegs ist, sollte sich eine Impfung überlegen", so Schafberger.

"Auch schwule Männer, die sich nur zeitweilig in Berlin aufhalten, zum Beispiel übers Wochenende, profitieren von der Impfung. Das gilt insbesondere dann, wenn man sich viel in der schwulen Szene aufhält und je mehr man intensiven Körperkontakt mit anderen Männern hat", heißt es dazu näher in einem aktualisierten Faltblatt der Aids-Hilfe. Die Berliner Impfempfehlung nennt bislang keine näheren Details; in Frankreich hatte man sich auf die Formulierung geeinigt, dass Pariser, die "Orte schwuler Geselligkeit" aufsuchen wollen, oder Franzosen, die an Großveranstaltungen mit vielen schwulen Teilnehmern in Frankreich oder Europa teilnehmen wollen, sich impfen lassen sollten.

Lebenswichtig: Auf Symptome achten

Wichtig sei vor allem, auf Symptome zu achten und damit sich und andere schnell zu schützen, so Schafberger. In der Regel treten diese zwei bis zehn Tage nach einer Infektion auf. Zunächst fühlt man sich schwer krank, hat Fieber und Schüttelfrost. Entwickelt man eine Hirnhautentzündung, kommen Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen sowie Reizbarkeit und eine Überempfindlichkeit gegen Licht und Ton hinzu.

In einem Drittel der Fälle dominieren hingegen die Symptome einer Sepsis, die sich durch bläulich-rote Hautflecken bemerkbar macht, die sich nicht wegdrücken lassen. Es folgen Zusammenbrüche von Organen.

Wer diese Symptome bemerkt, sollte sich sofort in ärztliche Behandlung begegen und dort sofort seinen Verdacht mitteilen. Kaum eine andere Krankheit verläuft so rasant und schwer wie eine invasive Meningokokken-Erkrankung. Deshalb werden schon bei wenigen Fällen umfangreiche Gegenmaßnahmen ergriffen.

"Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass wir hier am Beginn einer neuen Epidemie stehen, die sich jetzt rasant ausbreiten wird", sagt Dr. Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut im Blog der DAH. "Womöglich bliebe es bei einer überschaubaren Zahl von Fällen, selbst wenn wir jetzt gar nichts tun würden." Aber man sollte gewappnet sein.

Links zum Thema:
» Ausführliche und aktuelle Infos der Deutschen Aids-Hilfe zur Meningitis-Verbreitung, Symptomen, Behandlung und Impfung (PDF)
» Aktualisiertes Faltblatt der DAH
» Interview mit Dr. Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut im Blog der DAH
Mehr zum Thema:
» Sorge über Meningitis unter Berliner Schwulen (9.7.2013)
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Tags: meningitis, berlin
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Reaktionen zu "Meningitis: Berliner Schwule zur Impfung aufgefordert"


 37 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.07.2013
17:59:05


(+1, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Jeder sollte sich gegen Meningitis impfen lassen!


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#2
18.07.2013
18:10:00


(-2, 6 Votes)

Von chris
Aus Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 06.05.2008
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Ist das eine Forentroll Weisheit?


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#3
18.07.2013
18:25:51


(-5, 9 Votes)

Von Thorin
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Dann lass dich mal schön für die Pharma Lobby impfen. Die freuen sich dumme Schwule als Versuchskaninchen zu gewinnen!


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#4
18.07.2013
18:26:59


(-1, 9 Votes)

Von pharma biz


"allgemein wird vermutet, dass Reisen zu Großveranstaltungen eine Rolle spielen könnten."

aha. und dort setzen die meningokokken dann ihren gaydar ein, oder was?


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#5
18.07.2013
18:33:44


(+2, 6 Votes)

Von Blablablatt
Antwort zu Kommentar #4 von pharma biz


Ja klar, steht doch oben: Die erkennen sexuelle Orientierung und Geschlecht, von ganz allein.

"Das gilt insbesondere dann, wenn man sich viel in der schwulen Szene aufhält und je mehr man intensiven Körperkontakt mit anderen Männern hat"


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#6
18.07.2013
18:41:07


(-4, 14 Votes)

Von m123


"Schwule impfen", so lautet die Empfehlung.

Wie das sich mal wieder anhört... als würde Schwulsein eine Krankheitsgefahr darstellen, um nicht zu sagen, dass da im Unterton auch ein Hauch von "schwul = krank" mitschwingt.

Impfen sollten sich all diejenigen, egal ob heterosexuell, bisexuell oder homosexuell, die entsprechende Risikokontakte haben, die das Risiko an Meningitis zu erkranken erhöhen.

Es gibt schwule Männer, die haben keinen oder kaum Sex bzw. leben in einer monogamen Beziehung. Und es gibt heterosexuelle Männer, die jeden Tag mehrere verschiedene Sexual- oder Kusspartnerinnen haben.

Meiner Ansicht nach sollte die Impfaufforderung nicht so pauschal sein, weil das auch wieder zu pauschalen Denkweisen und somit zu Vorurteilen gegenüber Schwulen führt. Die Impfaufforderung sollte differenziert dargestellt sein, d. h. es sollten genau diejenigen aufgefordert werden sich impfen zu lassen, deren Verhalten ihr Risiko an Meningitis zu erkranken erhöht. Und dann sollte genau und präzise erklärt werden wie sich Meningitis überträgt und welche Verhaltensweisen somit das Übertragungsrisiko erhöhen.


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Anm. d. Red.: Es geht, wie im Artikel genau und präzise erklärt, nicht um ein ein sexuelles Verhalten; auch andere Übertragungswege spielen hier wohl eine Rolle. Es geht darum, dass diese Krankheit derzeit - und unter anderem - in einer bestimmten, eng vernetzten Community gehäuft auftritt. Und um die Leute in dieser Community geht es folglich bei der Impfung. Im Artikel ist von Schwulen die Rede, bei der Impfempfehlung selbst von "Männern, die Sex mit Männern haben"; eine ursprünglich von Gesundheitspolitikern eingeführte Bezeichnung, um Leute nach ihrem Verhalten und nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit zu kennzeichnen, und auch Bisexuelle und Personen, die sich nicht als homo-/bisexuell bezeichnen, mit einzufassen. Diese Formulierung wurde wiederum bei unserem letzten Artikel zur Meningitis missverstanden, als ginge es hier nur um eine sexuelle Übertragung.

 
#7
18.07.2013
18:41:22


(+4, 4 Votes)

Von Mitch
Aus Berlin
Mitglied seit 21.06.2010
Antwort zu Kommentar #3 von Thorin


Ich freue mich immer, wenn man in Foren wie diesen auf so hochkompetente und gut ausgebildete Mediziner mit fundiertem Hintergrundwissen wie Thorin trifft.

Woher stammen noch einmal deine Informationen? Ich muß die Quelle überlesen haben.

Naja egal. Die Tatsache, dass eben diese Impfung aufgrund einer STIKO-Empfehlung seit vielen Jahren bereits bei Kindern durchgeführt wird, habe ich mir wahrscheinlich auch nur eingebildet.


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#8
18.07.2013
18:53:58


(-8, 10 Votes)

Von Heide-Linde
Antwort zu Kommentar #6 von m123


"Impfen sollten sich all diejenigen, egal ob heterosexuell, bisexuell oder homosexuell, die entsprechende Risikokontakte haben, die das Risiko an Meningitis zu erkranken erhöhen."

also 95 % der Schwulen


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#9
18.07.2013
18:58:18


(+1, 7 Votes)

Von Marek


Gerade weil diese Krankheit so schnell und schwer verläuft und so ein Epidemie-Potential hat, muss man da sehr zeitig Gegenmaßnahmen ergreifen, ehe es eine Epidemie wird...


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#10
18.07.2013
19:08:14


(-1, 17 Votes)

Von Thorin
Antwort zu Kommentar #7 von Mitch


In der ganzen Pharmaindustrie gibt es eine riesige Kampagne Impfstoffe unter die Leute zu bringen und sie drücken diese Botschaft durch alle Kanäle. Warum ist das so? Gibt es eine Flut an epidemischen Krankheiten welche eine vorbeugende Impfung benötigen? Nein, sicher nicht. Warum tun sie es dann? Weil sie eine sprudelnde Geldquelle entdeckt haben um mehr Pharmaprodukte zu verkaufen. Es geht nur um Profit und sonst gar nichts.

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Warum die Pharmaindustrie das Impfen so puscht
Link:
alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/10/warum-di
e-pharmaindustrie-das-impfen-so.html


Grundsätzlich bezweifeln die Kritiker die wissenschaftliche Seriosität der gängigen Impfempfehlungen und sehen die Nähe zur Industrie als Widerspruch zu objektiven Aussagen.

Link zu www.focus.de


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