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  • 20.07.2013           18      Teilen:   |

"Mein Freund Dahmer"

Der schwule nekrophile Serienkiller

Artikelbild
Seinen ersten Mord beging Jeffrey Dahmer im Alter von 18 Jahren an einem Anhalter (Bild: Derf Backderf/Metrolit Verlag)

Mindestens 17 junge Männer tötete Jeffrey Dahmer zwischen 1978 und 1991. Sein ehemaliger Klassenkamerad Derf Backderf verarbeitete die Biografie des Täters zu einer Graphic Novel.

Von Angelo Algieri

"Für die Öffentlichkeit war Dahmer ein perverses Monster. Für mich war er ein Junge, der im Klassenzimmer neben mir gesessen und mit mir im Musikzimmer gehangen hatte." Das schreibt der Journalist und Zeichner Derf Backderf im Vorwort seiner Graphic Novel "Mein Freund Dahmer", die vor kurzem im Berliner Verlag Walde+Graf bei Metrolit erschienen ist.

Das "perverse Monster" Jeffrey Dahmer war ein Serienkiller in den Vereinigten Staaten, der zwischen 1978 und 1991 17 Jungs und Kerle umbrachte. Er begehrte tote Männer. Genauer: Er war schwul und nekrophil. Er gabelte sie teils in Schwulenbars auf, brachte sie um, hatte mit den Leichen Sex, kastrierte sie und – damit nicht genug – aß einige von ihnen auf. Nach der Festnahme war er geständig und gab einige Interviews. Er bekam lebenslänglich. Allerdings wurde er von einem Mithäftling 1994 umgebracht.

Soweit kurz die in der Öffentlichkeit bekannten Fakten. Autor Backderf hat die Festnahme und Identifikation seines ehemaligen Klassenkameraden geschockt. Hatte Dahmer eventuell ihn selbst in der High School im Visier gehabt? Wie konnte es so weit kommen? Welche Faktoren haben ihn zum "Monster" gemacht? Diese und andere Fragen versucht Backderf durch seine Erinnerungen, auch jene von ehemaligen Kameraden, in dieser Graphic Novel zu beantworten. Eine unausgegorene Version hat er bereits 2002 im Eigenverlag herausgebracht. Die neue Fassung sei umfangreicher und anspruchsvoller gezeichnet, wie Backderf stolz hinweist.

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Dahmer sammelt tote Tiere und löst sie in Säure auf

Nichts für schwache Nerven: Dahmer verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil
Nichts für schwache Nerven: Dahmer verstümmelte die Leichen, löste sie in Säure auf, verspeiste sie zum Teil

Doch nun zum Inhalt: Derf Backderf beschreibt Dahmer als unscheinbaren Jungen, der nicht aufgefallen sei. Bis eines Tages Dahmer in der Bibliothek einen spastischen Anfall mimt. Die Backderf-Clique findet ihn seitdem zwar sonderbar, aber auch ein wenig cool. Immer wenn sie sich begegnen, äfft er spastische, unkontrollierte Bewegungen samt Sprachstörungen nach. Dahmer gibt an, den Innenarchitekten nachzuahmen. Doch stattdessen ist das Vorbild tragischerweise seine Mutter, die an Depressionen, epileptischen Anfällen und Medikamentensucht leidet. Dahmer scheint damit nur schwer klarzukommen. Auch die ständigen Streitereien zwischen den Eltern machen ihn fertig. Sie werden sich bis zum Ende seiner High-School-Zeit scheiden lassen.

Autor Backderf gibt auch einen Einblick, welche absonderlichen Hobbys Dahmer hat. So sammelt er tote Tiere, die er auf dem Straßenrand oder im Wald findet, und löst sie in Säure auf oder häutet sie. Seine "Experimente" führt er in einem Versteck im Wald durch. Auch beim Angeln offenbart Dahmer seine Brutalität: Als er einen kleinen Fisch fängt, massakriert er ihn darauf regelrecht mit einem Messer… Befremden auch, als Dahmer über ein Unglück eines Mitschülers herzlos loslacht. Anzeichen eines Jugendlichen mit sozialgestörtem Verhalten?

Leichen und Eingeweide erregten und ekelten ihn zugleich

Dahmer hat sich vor allem im letzten Jahr der High School abgesondert: Er trinkt Alkohol und ist schon in der Frühe dicht. Er betäubt sich. Denn "der permanente Gedanke an Leichen und Eingeweide erregte ihn, ekelte ihn aber genauso an und schürte Angst in ihm", erklärt Backderf im "Off". Dahmer kann sich niemandem mitteilen, wie er später nach der Festnahme offenbart. Der Schulpsychologe informiert später, dass er keine Besonderheiten bei Dahmer gesehen habe… Ein verlorener Junge direkt in die "Hölle"?

Nicht direkt. Denn es gibt ein Ereignis, dass Dahmer in einem anderen, "normalen" Licht darstellt: Die Klassenfahrt nach Washington D.C. Er schafft es tatsächlich, mit einem charmanten und selbstbewussten Spontananruf eine Tour durch das Büro des damaligen Vizepräsidenten Walter Mondale (unter Präsident Jimmy Carter) zu organisieren. Bemerkenswert und eigenartig zugleich: Der Vizepräsident trifft auf den zukünftigen Serienmörder, wie Backderf spitz bemerkt.

Außenseiter und alleingelassen mit seinen Problemen, wird Dahmer von seinen Stimmen und Trieben bestimmt: Am 18. Juni 1978 fährt er mit dem Auto durch die Gegend und sieht zufällig den 19-jährigen Steven Hicks, der von einem Konzert kam und auf dem Nachhauseweg ist. Dahmer nimmt den gutaussehenden Tramper mit. Er wird sein erstes Opfer…

Backderfs grau-weiße Bilder sprechen oft für sich

War Dahmer nur eine "kranker Bastard" oder hat Homophobie seine Taten zumindest begünstigt?
War Dahmer nur eine "kranker Bastard" oder hat Homophobie seine Taten zumindest begünstigt? (Bild: Derf Backderf/Metrolit Verlag)

Zeichner und Autor Backderf, Jahrgang 1959, bietet den Leser mögliche Faktoren an, warum Dahmer so geworden ist oder was ihn zum Serienkiller gemacht haben könnte. Dabei schildert er die "wahre" Geschichte, die er in den Anmerkungen gewissenhaft mit Quellen belegt und durch ergänzende Informationen aufbereitet. In eindrucksvollen, grau-weißen Bildern bedient er sich filmischer Stilmittel. Dabei gibt er den Figuren viele Details etwa in Grimassen oder damaliger Mode. Zudem sprechen einige Bilder ohne Text brillanterweise für sich.

Löblich auch, dass Backderf nicht den Anschein erweckt, dass Schwulsein und Nekrophilie zwangsläufig Hand in Hand gehen müssen. Dabei lässt er einen Mitschüler auftreten, der später schwuler Aktivist wurde. Kurz: der böse, mörderische versus der gute, engagierte Schwule…

Etwas ärgerlich dagegen das Nachwort: Lutz Göllner, Kulturredakteur für das Hauptstadtmagazin "Zitty", lotet darin das ambivalente Verhältnis zu realen und fiktiven Serienmördern aus – zwischen Faszination und Ekel. Stets in einer angemessenen Sprache. Bis auf den letzten Absatz, wo er leider sprachlich völlig daneben tritt. Er erklärt: "Serienmörder sind eben meist keine hochintelligenten Supermänner wie Dr. Lecter oder Dexter. Meist sind sie inzestuöse, triebgesteuerte Knalldeppen mit einem Intelligenzquotienten, der sich knapp über Raumtemperatur bewegt."

Ein Nachwort auf Stammtischniveau

Mit Verlaub, aber hier rutscht Göllner auf Stammtischniveau. Zudem ist die Behauptung, dass Serienmörder aus einer Inzestverbindung stammen, überhaupt nicht belegt – auch bei Dahmer nicht! Und im Übrigen hat der IQ-Wert nichts mit Empathie-Empfindung oder psychischer Erkrankung zu tun. Das ist purer, unangemessener und ärgerlicher Populismus! Um es aber klar zu stellen: Was Dahmer getan hat, ist äußerst grausam und dafür hat die US-Justiz ihn hinreichend verurteilt. Und auch klar ist: Dahmer hätte sich spätestens nach dem ersten Mord stellen müssen – immerhin hatte er acht Jahre Zeit, bis er 1987 sein nächstes Opfer fand! Soviel Verstand hätte er haben müssen, wie Backderf in seinem Vorwort richtigerweise hinweist.

Doch es muss auch die Frage gestellt werden, inwiefern er durch die Stimmen im Kopf und seiner nekrophilen Neigung auch selbst Opfer war. Und inwiefern Dahmers (familäre) Umwelt und Umstände solche Taten zumindest begünstigt haben. Wobei der Zeichner seine eigene Verantwortung damals eher von sich weist. Stattdessen fragt er: "Wo waren die Erwachsenen?"

Entgegen Backderfs Meinung muss über diesen Fall auch im gesellschaftlichem Kontext diskutiert werden: Ihn lediglich als "kranken Bastard" (Backderf im Vorwort) darzustellen, greift zu kurz. Die damalige Gesellschaftsmentalität sollte hinterfragt werden und ebenso, welche Konsequenzen zu ziehen sind – über das Pathologische hinaus.

Fazit: "Mein Freund Dahmer" ist zu Recht vom "Time Magazine" zu den fünf besten Sachbüchern des Jahres 2012 ernannt worden. Es ist ein beeindruckendes, aufschlussreiches Buch über eine tragische Figur, bevor sie zum brutalen Serienmörder wurde. Tolle Bilder, gut erzählte Reportage als Comic-Strip! Ein Must-Read!

  Infos zum Buch
Derf Backderf: Mein Freund Dahmer. Graphic Novel. Aus dem Amerikanischen von Stefan Pannor. Mit einem Nachwort von Lutz Göllner. Gebunden. Walde+Graf bei Metrolit Verlag, Berlin 2013. 224 Seiten. 22,99 €. ISBN: 978-3-8493-0048-7.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Derf Backderf
» Derf Backderf auf Twitter
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Mein Freund Dahmer

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Tags: jeffrey dahmer, derf backderf, serienmörder, graphic novel
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Reaktionen zu "Der schwule nekrophile Serienkiller"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
20.07.2013
15:49:26


(+3, 5 Votes)

Von Linu86
Aus Aachen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 20.09.2008


"Löblich auch, dass Backderf nicht den Anschein erweckt, dass Schwulsein und Nekrophilie zwangsläufig Hand in Hand gehen müssen."

WTF?! Sowas ist "löblich"???


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#2
20.07.2013
16:58:49
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Nekrophilie kommt häufiger vor als man glaubt. Betroffene suchen sich vielfach entsprechende Jobs, bringen in der Regel also keine Menschen um, sondern vergehen sich wenn sich die Gelegenheit bietet an Toten.

Im Schwul, Hetero- oder Bi hat das nichts zu tun, wirklich nicht. Es ist für mein Empfinden einfach nur eklig und zutiefst krank!

" So sammelt er tote Tiere, die er auf dem Straßenrand oder im Wald findet, und löst sie in Säure auf oder häutet sie. Seine "Experimente" führt er in einem Versteck im Wald durch. Auch beim Angeln offenbart Dahmer seine Brutalität: Als er einen kleinen Fisch fängt, massakriert er ihn darauf regelrecht mit einem Messer Befremden auch, als Dahmer über ein Unglück eines Mitschülers herzlos loslacht."

Wer Tieren gegenüber kein Mitgefühl und Zuneigung entgegenbringen kann, kann das auch gegenüber Menschen nicht. Wer brutal gegenüber Tieren ist, kann das problemlos auch gegenüber Menschen sein!


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#3
20.07.2013
17:04:00
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Linu86


"zwangsläufig"

Mich stört dieses Wort hier enorm.

Als würde es häufig so sein dass Schwule nekrophil sind, jedoch nicht zwangsläufig.

Es kommt aber nicht häufig vor, sondern praktisch nie!


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#4
20.07.2013
20:34:18
Via Handy


(-3, 5 Votes)

Von Martin28a
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Da wird man auch wieder schlauer
Ich wusste bislang garnicht das es keine Heterosexuellen Nekrophile gibt

Es sind also Nekrophile immer schwul


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#5
20.07.2013
21:31:24
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Martin28a


????

Machst du das mit Absicht?


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#6
20.07.2013
22:41:23


(+5, 7 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von daVinci6667


"Wer brutal gegenüber Tieren ist, kann das problemlos auch gegenüber Menschen sein!"

Man kann allerdings auch Tiere lieben und problemlos - stolz und voller 'fun' ['ein Stahlbad'] - seine menschlichen Geschwister abschlachten:

Must-read:

Link zu www.amazon.de

@Linu86: Selbstverständlich nicht. Abgesehen davon, dass 'löblich' ein echtes Idiotenwort ist.


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#7
21.07.2013
00:04:58


(0, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #4 von Martin28a


Nein, sind sie nicht! Nekorphilie ist UNABHÄNGIG der sexuellen Orientierung! Allerdings gibt es so gut wie keiner zu, daß er/sie diese NBeigung hat!


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#8
21.07.2013
00:20:13


(+1, 3 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Martin28a


Wie kommst Du jetzt auf das schmale Brett ?

Du hast ganz offenbar ein tief verwurzeltes Sprachverständnis-Problem, denn im Artikel steht davon nichts..

Nekrophilie kommt bei allen Spielarten der Sexualität vor, bei Heten ebenso wie bei Schwulen..
Manchmal ist sie mit Zoophilie gepaart..


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#9
21.07.2013
01:23:56
Via Handy


(+6, 8 Votes)

Von ehemaligem User DavidJacob
Antwort zu Kommentar #1 von Linu86


Lol!! Gleiches dachte ich auch.

Generell ist der Artikel sehr schlecht geschrieben. Grammatik, Rechtschreibung und Ausdrucksweise sind teilweise echt grausig.


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#10
21.07.2013
12:18:36


(+2, 4 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #2 von daVinci6667


>"Wer brutal gegenüber Tieren ist, kann das problemlos auch gegenüber Menschen sein!"

das ist sicher wahr.

vielleicht führt es vom thema zu weit weg, aber es gibt natürlich eine brutalität gegenüber tieren, an der wir fast alle teilhaben - sofern wir nicht vegan leben. wer fleisch isst, verantwortet mit, dass tiere auf oft brutale weise gehalten und geschlachtet werden. wer eier isst, verantwortet mit, dass männliche küken ein paar minuten nach ihrer geburt lebendig geschreddert werden. usw. bio oder nicht.

der (selbstverständlich sehr wichtige) unterschied ist, dass wir diese form der brutalität nicht selber durchführen und meist nicht einmal um sie wissen. weil wir es nicht wissen WOLLEN, und weil sie von den entsprechenden industrien auch gezielt unsichtbar gemacht wird.

fakt bleibt leider: wir sind alle teil einer gesellschaft, die brutalität gegenüber tieren völlig normal findet.

das kann mord an menschen natürlich nicht relativieren. aber ich finde es nicht verkehrt, sich das einmal bewusst zu machen.


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