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  • 28.07.2013           61      Teilen:   |

Interview mit Regina Elsner

Russland am Abgrund – Was tun?

Artikelbild
Von der Polizei unbehelligt greifen Neonazis Teilnehmer des CSD in St. Petersburg an. Nur eines der schockierenden Bilder aus Russland in diesem Jahr.

Ein Gespräch über Boykotte, Städtepartnerschaften und die Lage von Schwulen, Lesben und Transgendern vor Ort mit Regina Elsner von Quarteera e.V.

Verbote und Verhaftungen wegen Homo-"Propaganda", Gewalt beim CSD, Verurteilungen von LGBT-Organisationen als "ausländische Agenten", soziale Netzwerke, in denen schwule Jugendliche vorgeführt werden – die Nachrichten aus Russland werden von Tag zu Tag düsterer. Was kann man dagegen machen, was ist sinnvoll? Norbert Blech sprach mit Regina Elsner von Quarteera e.V., einer Vereinigung russischsprachiger LGBT in Deutschland.

Regina Elsner (r.) mit Mitstreiterin Zlata beim Berliner CSD - Quelle: Olgerta Ostrov
Regina Elsner (r.) mit Mitstreiterin Zlata beim Berliner CSD (Bild: Olgerta Ostrov)
All die Berichte aus Russland haben die Menschen in anderen Ländern entsetzt. Viele haben das Thema auf den CSDs in diesem Sommer aufgegriffen. Nun gibt es, verstärkt durch soziale Netzwerke, diverse Boykottaufrufe. Ist ein Boykott von russischem Wodka sinnvoll?

Ich glaube, dass Boykott-Aufrufe in dem jeweiligen Land selbst sinnvoll sein können, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken, um Unternehmen und die Politik oder den Sport auf ihre internationale Verantwortung hinzuweisen. Das zeigt auch die Antwort des Wodka-Herstellers Stolichnaya auf einen Boykottaufruf.

Den Menschen vor Ort bringen diese Boykotte aber nichts, und die russische Politik treffen sie wirtschaftlich nicht. Im schlimmsten Fall lenken sie noch mehr Aggressionen auf die ohnehin diskriminierten Menschen, nach dem Motto: Ihr seid schuld, dass unsere Wirtschaft beeinträchtigt wird oder unsere internationalen Kontakte leiden.

Auch ein Boykott der olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und deren Sponsoren wird in Online-Petitionen gefordert. Sollte man in Russland noch Sportereignisse besuchen – 2018 folgt die Fußball-WM – oder Urlaub machen?

Ja, man sollte dort Urlaub machen, weil es ein schönes Land ist und dort interessante und gastfreundliche Menschen leben. Die Leute dort wünschen sich einen Austausch, Interesse an ihrem Leben und ihrer Geschichte. Und das Land hat viel zu bieten. Aber man darf keinen Erholungsurlaub erwarten, man muss mit Pöbeleien rechnen, wenn man seine Homosexualität zeigt.

Zu den bevorstehenden Sportereignissen müssen die deutschen und internationalen Gremien und die Fanclubs eindeutig Position beziehen – und am besten zu allen Menschenrechtsverletzungen, die gerade in dem Land passieren. Einzelpersonen sind da sicher überfordert und vor allem weniger geschützt. Aber IOC und NOK sowie der DFB müssten buchstäblich Flagge zeigen und Menschenrechte zu einem Thema machen. Die Hauptsponsoren wie Volkswagen sollten auf ihren Bannern Solidarität zeigen. Sport und Kultur sind immer auch Politik.

Mit mündlichen Zusicherungen, dass die Sportler nicht von den homophoben Gesetzen betroffen sein werden, wie es jetzt vom IOC verkündet wurde, darf man sich nicht zufrieden geben – es geht um Millionen Menschen in dem Land selbst, die nicht nach dem Großereignis wieder ins sichere Ausland reisen können.

In Deutschland gibt es viele Partnerstädte zu russischen Metropolen. Sollten diese Beziehung beendet werden, wie auch teilweise gefordert wird?

Auch hier halte ich einen Boykott für wenig konstruktiv. Man sollte vielmehr die partnerschaftlichen Beziehungen intensiv nutzen, um über Menschenrechte zu sprechen. Die Städte sollten ihre Partner im Rahmen der Austauschprogramme und Besuche verpflichten, über Rechte von Schwulen, Lesben und Transgendern zu sprechen und LGBTI-Organisationen zu besuchen. Bei Schüleraustausch-Programmen sollte das Thema auf der Tagesordnung stehen, Wirtschaftsbesuche sollten nach LGBTI-Inklusion fragen und ihre eigenen Diversity-Konzepte vorstellen. Ich glaube, dass man nur durch das unablässige Reden mit konkreten Menschen und durch lebendige Beispiele eine wirkliche Veränderung schafft.

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Der Wagen von Quarteera beim diesjährigen Berliner CSD - Quelle: Norbert Blech
Der Wagen von Quarteera beim diesjährigen Berliner CSD (Bild: Norbert Blech)

Macht die internationale Politik, speziell die deutsche Bundesregierung genug?

Wie beim Kontakt mit anderen wirtschaftlich starken Ländern, in denen es mit Menschenrechten schlecht aussieht, tut sich die Politik schwer, wirklich aktiv zu werden. Die Kanzlerin und der Außenminister haben inzwischen immerhin ihre Missbilligung der homophoben Gesetze geäußert, das ist viel wert. Auch die europäischen und internationalen Gremien haben sich deutlich kritisch geäußert. Das ist eine Unterstützung für die Menschen dort, aber es juckt die russischen Politiker ziemlich wenig.

Wirklich effektiv gegen eine zunehmend totalitäre Regierung können nur wirtschaftliche Konsequenzen sein, und vor denen hat man offensichtlich Angst. Und es ist dringend notwendig, die Einreisebestimmungen und das Asylrecht für Menschen aus Russland zu überdenken, damit die Zusagen von Unterstützung nicht nur heiße Luft bleiben.

Es gibt Länder, in denen die Lage viel schlimmer ist für Schwule und Lesben. Trotzdem empören sich die Leute gerade hauptsächlich über Russland. Wie erklärst du dir das?

Es liegt vermutlich vor allem daran, dass Russland viel näher ist als z.B. Nigeria oder Uganda, geographisch und psychologisch. Unsere Geschichte ist eng verwoben, Deutsche sind fasziniert von diesem großen und auch mächtigen Land, und haben immer ein bisschen Angst vor ihm. Das, was in Russland passierte, hatte immer auch Auswirkungen auf Deutschland. Und ich denke, dass es hier eine hart erkämpfte Sensibilität für undemokratische Systeme gibt – dass Russland sich als Demokratie deklariert und gleichzeitig offen diskriminierende Gesetze erlässt, sorgt für Empörung und erinnert an die dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit.

Kommt die jetzige Aufregung zu spät?

Es ist nie zu spät, wenn man anfängt konsequent zu handeln und sich nicht nur aufzuregen.

Was kann man von Deutschland aus tun?

In erster Linie sich und andere informieren, das Thema präsent halten. Die Politik darauf verpflichten, Menschenrechte international zu schützen und sie nicht gegen Wirtschaftsinteressen auszuspielen. Und man kann finanziell die Organisationen unterstützen, die ab jetzt mit hohen Strafen für ihre Arbeit belegt werden.

Die Petersburger Organisationen "Coming Out" und "Side by Side" sind bereits verurteilt worden, sich als "ausländische Agenten" zu registrieren, ihre Arbeit wurde als politische Tätigkeit, die vom Ausland finanziert wird, eingestuft. Dieses "Agentengesetz" stigmatisiert Menschenrechtsorganisationen, fordert sehr hohe Geldstrafen und bringt die Organisationen an den Existenzrand. Dabei leisten sie dringend notwendige psychologische und juristische Hilfe für russische LGBTI. Ihre öffentlichen Veranstaltungen wie Info-Broschüren oder Demonstrationen mussten sie bereits einstellen. Sie brauchen dringend finanzielle Unterstützung.

In Deutschland haben einige CSDs, auch mit Hilfe von Sponsoren, der LSVD, Botschaften und Parteistiftungen immer wieder Aktivisten aus Russland eingeladen. Sollte man auch als Privatmensch den Leuten Möglichkeiten zum Besuch bieten? Wer vermittelt so etwas?

Ja, Austausch ist sehr wichtig, und gerade LGBTI, die nicht aus Petersburg und Moskau kommen, brauchen den Blick über den Tellerrand, um zu sehen und selbst zu erleben, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Da können auch private Initiativen sehr hilfreich sein, die mal Flugtickets oder Übernachtungen übernehmen. Bei der Vermittlung können deutsche Organisationen helfen, die direkten Kontakt mit LGBTI-Organisationen in Russland oder anderen Ex-Sowjet-Ländern haben, z.B. der LSVD Hamburg, der CSD München oder auch wir von Quarteera e.V.

Wie wirken sich die Gesetze und die Stimmungsmache auf die Schwulen, Lesben und Transsexuellen in Russland, auf die Szene aus?

Die Gesetze verändern in erster Linie die gesellschaftliche Stimmung, die Schwule und Lesben umgibt. Die Szene hat ja schon existiert, als es noch Haftstrafen gab, es wird sie auch jetzt weiter geben. Aber die Menschen sind verängstigt, mehrfach wurden Clubs überfallen, man kann auf der Straße angepöbelt werden, es gibt keinerlei Schutz vor Gewalt oder Rechtsschutz bei der Strafverfolgung.

Ich befürchte, dass es wieder eine geschlossene Subkultur wird, ohne gesellschaftliche Sichtbarkeit. Es gibt jetzt schon eine große Zahl von LGBTI, die gegen einen vermeintlich "provozierenden" politischen Aktivismus sind und nur in Ruhe in ihren vier Wänden leben wollen, wie seit vielen Jahren.

Die neueste Entwicklung: Neonazis locken schwule Jugendliche in eine Falle und demütigen sie in Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden - Quelle:
Die neueste Entwicklung: Neonazis locken schwule Jugendliche in eine Falle und demütigen sie in Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden

Wenigstens gibt es das Internet mit seinen Möglichkeiten zur Information und zum Kennenlernen von Freunden und Dates. Doch ausgerechnet das wird jetzt von Nationalisten ausgenutzt, um schwule Jugendliche in Fallen zu locken und an den Pranger zu stellen. Wie reagieren Behörden, Medien und Öffentlichkeit auf diese widerlichen Vorfälle?

Bisher reagieren die russische Öffentlichkeit und erst Recht die Behörden fast gar nicht auf diese Gewalt. Bei Facebook und VKontakte.ru werden die Vorfälle verbreitet, aber das ist eine recht eingeschränkte Öffentlichkeit in Russland selbst. Einige Gruppen wurden geschlossen, andere wurden neu geöffnet. Einige eher liberale Medien haben darüber berichtet. Leider gibt es aber auch viel Unterstützung für dieses Vorgehen, gerade in der Provinz. Und der Ombudsmann für Kinderrechte ist der Meinung, dass die Gesellschaft das Recht hat, sich selbst zu schützen, wenn niemand anderes sie vor "sexuellen Perversionen" schützt…

Mein Eindruck ist, dass zugleich immer mehr Schwule und Lesben auf die Straße gehen.

Das ist wirklich eine sehr erfreuliche Entwicklung, bei aller Tragik. Gerade jüngere Menschen wollen die Diskriminierung nicht einfach hinnehmen, sie wollen für ihre Rechte kämpfen, und sie wissen, dass nur Sichtbarkeit wirklich etwas verändern kann. Es gibt auch immer mehr Heterosexuelle, die sie dabei unterstützen. Es ist beeindruckend, wie wenig sie sich von Verhaftungen und Gewalt einschüchtern lassen – sie ahnen, dass es nicht mehr viel zu verlieren gibt.

Prognosen sind schwierig. Aber wird es die nächsten Jahre noch schlimmer – was kann noch folgen? Oder ist jetzt erstmal der Tiefpunkt erreicht?

Die Entwicklung ist schon ziemlich weit unten, aber ich befürchte, dass es noch tiefer geht. Einige Gesetzesprojekte stehen noch aus, z.B. über den möglichen Entzug von adoptierten Kindern aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und über eine noch stärkere Zensur im Internet. Das "Propaganda-Gesetz" nimmt gerade erst Fahrt auf, mit den ersten Anklagen und Einreiseverboten für Ausländer.

Es gibt neue politische Schauprozesse, eine andauernde Unterdrückung von NGOs – das Vorgehen gegen LGBT ist ja nur ein Teil der Probleme. Aber die gesellschaftliche Unzufriedenheit wächst auch, und die Bereitschaft, auf die Straße zu gehen für die eigenen Rechte. Schwer zu sagen wovon es abhängen wird, welche Tendenz stärker sein wird.

Quarteera gibt es erst seit wenigen Jahren, wurde aber mit spektakulären Aktionen zum Berliner CSD bekannt – ein Bild des Aktivisten Wanja Kilber, das Putin und Medwedew in Pierre-et-Gilles-Art zeigte, wird seitdem überall auf der Welt zur Berichterstattung genutzt. In der Hauptstadt gibt es ein regelmäßiges Treffen in den Räumen des LSVD. Die Aktivitäten, darunter Austausch und Aufklärungsarbeit, weiten sich immer mehr aus. Quarteera bittet dazu auf der Vereins-Homepage um Spenden. Beim CSD in Hamburg am nächsten Wochenende ist Quarteera mit einer Fußgruppe vertreten.

Links zum Thema:
» Webseite von Quarteera
» Quarteera bei Facebook
» Spendenaufruf Coming Out St. Petersburg
» Spendenaufruf Side by Side St. Petersburg
Wochen-Umfrage: Sollten die Olympischen Winterspiele in Sotschi wegen des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" boykottiert werden? (Ergebnis)

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Tags: quarteera, russland, boykott, städtepartnerschaft
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Reaktionen zu "Russland am Abgrund – Was tun?"


 61 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.07.2013
11:55:55


(+14, 16 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Ich habe den Artikel nur so weit gelesen, bis mir klar war, daß es auch nur Propaganda ist.
Besuchen Sie Russland! Trinken Sie russischen Vodka!

Das ist eine Form der Meinungsmache, die ich ablehne. Angeblich schaden Boykotte der russischen Wirtschaft nicht und man solle eh die Fresse halten, weil es am Ende ja nur wieder heisst, daß die Schwulen an allem schuld sind und da sollte man lieber kriechen und Stiefel lecken.

Wird es denn gehen?

Die Russen sind stolz und stark und das gilt auch für die russischen LGBT-Gemeinschaft.
Es ist gut, daß Vertreter der weltweiten LGBT Community nach Russland reisen und dort helfen aber bewirken können nur die Russen selbst etwas.
Eine einzelne Firma zu boykottieren, ist purer Aktionismus. Es wäre viel interessanter, ganz deutlich und mit großer Aufmachung zu verbreiten, welche deutschen Firmen die russische Politik maßgeblich mittragen.
Kann sowas mal bitte recherchiert werden und könnten wir dann bitte in Deutschland Druck ausüben, statt verkausalisiert über Probleme zu sprechen, die wir gar nicht richtig erfassen können?


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#2
28.07.2013
12:10:19


(+5, 7 Votes)

Von Dennis
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"All die Berichte aus Russland haben die Menschen in anderen Ländern entsetzt. Viele haben das Thema auf den CSDs in diesem Sommer aufgegriffen."

Welchen Menschen? Um den Begriff zu verwenden, "derjenigen die man der LGBT Community zuordnet". Aus der Gesellschaft kam wenig bis gar nichts. Möglich das es "Vielen" aufgefallen ist, die Reaktionen die aus der Gesellschaft bzw der Politik kamen waren "Keine bis Wenige".

"Ich glaube, dass Boykott-Aufrufe in dem jeweiligen Land selbst sinnvoll sein können, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken, um Unternehmen und die Politik oder den Sport auf ihre internationale Verantwortung hinzuweisen."

Im Prinzip stimmt das natürlich. Doch wie sieht es in der Realität aus. Es gibt FB Aufrufe zum Boykott . . und die sind gemessen an der Bevölkerung eines Landes eher als "marginal" zu zu bezeichnen. Das Thema Verletzung der Menschenrechte im Kontext zu Menschen aus der LGBT Community ist der Gesellschaft wie auch Politik nicht nur nicht wichtig sondern die Haltung des Groß der Gesellschaft/Politik uns gegenüber "der LGBT Community" ist eher negativ. Da muß man sich die Kommentare in den Medien mal durchlesen wenn es um das Thema Schwul/lesbisch/Transgender geht. Schlicht und einfach beschämend.

"Zu den bevorstehenden Sportereignissen müssen die deutschen und internationalen Gremien . . . eindeutig Position beziehen"

Alle Sportler werden im Vorfeld vom IOC mit Bestimmtheit darüber informiert das "die Olympischen Spiele eine Sportveranstaltung und keine Politische Veranstaltung ist". Wer gegegen dieses Prinzip verstößt - zuwiederhandelt z.b. die Regenbogenflagge hißt oder zum Fenster seiner Unterkunft raushängt wird stande pede von der Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen. Spätestens hier werden sich Viele überlegen ob es sich lohnt das sie wenn Sie "Standpunkt beziehen" das Risiko eingehen und sich damit ihre "finanzielle" Zukunft verbauen. Das ist das Prinzip das das IOC bislang immer angewendet hat. Zuletzt bei den Spielen in Peking als bei vielen SportlerInnen die Frage einer "Bekundung gegen die Verletzung der Menschenrechte im Kontext zu dem Massaker auf dem Tian'anmen Platz" Thema war.

Das IOC hat dem Verhalten was die Absicht gegen Verletzung der Menschenrechte zu den Spielen in Peking zu demonstrieren sehr eng ausgelegt. Man kann darauf wetten das z.b. die RegenbogenFahne als ein politisches Statement im Kontext zu den bestehenden Gesetzen in Russland ausgelegt wird. Zudem so dumm sind die Leute vom IOC nicht das sie nicht wissen das der CSD wie auch die Fahne auch eine politische Willensäußerung darstellt. Abgesehen davon selbst wenn das Verbot abstruß sein sollte, das IOC bestimmt die Regeln. Wenn das IOC sagt das mit dem Mittelfinger in der Nase zu bohren ein Ausdruck vom Leck mich am Arsch wäre - wegen des Weges des ausgestreckten Mittelfinger´s bis in das Nasenloch = Stinkefinger dann ist das einfach so. Das IOC hat aus der gestreckten Faust "Black Power" 1968 in Mexico anläßlich der Siegerehrung gelernt . . . .

In erster Linie sind hier die Politker der Demokratien gefordert. In Europa gibt es ja Einige. Aber da ist bis jetzt nichts gekommen. Warum weil die Menschenrechte im Zweifelsfall den wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden.


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#3
28.07.2013
12:16:24


(+15, 15 Votes)

Von bengt


"Zu den bevorstehenden Sportereignissen müssen die deutschen und internationalen Gremien und die Fanclubs eindeutig Position beziehen."

"Man sollte vielmehr die [städte]partnerschaftlichen Beziehungen intensiv nutzen, um über Menschenrechte zu sprechen. Die Städte sollten ihre Partner im Rahmen der Austauschprogramme und Besuche verpflichten, über Rechte von Schwulen, Lesben und Transgendern zu sprechen und LGBTI-Organisationen zu besuchen. Bei Schüleraustausch-Programmen sollte das Thema auf der Tagesordnung stehen, Wirtschaftsbesuche sollten nach LGBTI-Inklusion fragen und ihre eigenen Diversity-Konzepte vorstellen. Ich glaube, dass man nur durch das unablässige Reden mit konkreten Menschen und durch lebendige Beispiele eine wirkliche Veränderung schafft."

Beim zweiten Zitat ist auch "müssen" dringend angebracht und nicht "sollte".
Es wurden ja Oberbürgermeister gewählt und nicht lupenreine Solltemeister. (wobei...)


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#4
28.07.2013
12:17:22


(+8, 12 Votes)

Von Marek


"Den Menschen vor Ort bringen diese Boykotte aber nichts, und die russische Politik treffen sie wirtschaftlich nicht. Im schlimmsten Fall lenken sie noch mehr Aggressionen auf die ohnehin diskriminierten Menschen, nach dem Motto: Ihr seid schuld, dass unsere Wirtschaft beeinträchtigt wird oder unsere internationalen Kontakte leiden."

---------------

Was für eine sonderbare Theorie.

1.
Boykotte bringen immer etwas. Die Frage ist nur, ob sie genug wirtschaftlichen Schaden anrichten. Wenn nicht, ist das nur ein Zeichen, dass sie noch verstärkt werden müssen.

2.
Dass alleine schon Boykott-Aufrufe erste Wirkungen zeigen, beweisen ja die fast panischen Reaktionen zu den Boykott-Aufrufen gegen die Olympischen Spiele.

3.
Selbst wenn Boykotte keine Wirkung zeigen würden, will man vielleicht dennoch nicht so ein Regime auch noch wirtschaftlich stützen.

4.
Wieso sollen ausländische Boykotte die Homohasser noch mehr gegen die Schwulen und Lesben aufbringen, inländische Boykotte aber nicht?!

5.
Selbst wenn Boykotte die Homohasser noch mehr aufbringen ist das kein Argument. Sonst müsste man auch z.B. Anti-Nazi-Demos in Deutschland verbieten, weil sie die Nazis nur noch mehr gegen Migranten, Farbige, etc. aufbringt, die offenbar die Mehrheit der Menschen auf ihre Seite ziehen.

6.
Außerdem zeigen alle Erfahrungen, dass die Sprache des Geldes international verstanden wird - auch von den größten Faschisten. Diese ganzen Befürchtungen, die es bei Boykottaufrufen immer gibt, treten in der Praxis nie ein. Im Gegenteil: Boykotte zeigen immer sehr schnell Wirkung, wenn es wirklich ans Geld geht.

Das haben wir doch auch in Afrika gesehen, wo auch manche Leute befürchteten Boykotte würden die Situation vor Ort noch verschärfen. Ganz im Gegenteil: sie haben das schlimmste verhindert... Alleine schon das Drohen mit Sanktionen hat die schlimmsten Gesetzesvorhaben verhindern können.

7.
Was soll bitteschön noch schlimmer als jetzt werden, wo Schwule verschwinden, in Arbeits-Lager gesteckt werden, gefoltert werden, etc.

8.
Wozu solche Appeasement-Strategien führen, hat die Geschichte gezeigt.

Zu all den anderen Punkten des Interviews könnte man ähnlich viel schreiben, was aber hier zu weit führen würde.

Das Interview zeigt das typische Gutmenschentum. Das ehrt diese Leute ja auch, dass sie an das Gute im Menschen glauben und hoffen, dass sich die Welt ändert, wenn wir uns alle an die Hände nehmen und "Kum ba yah" singen. Aber Fakt ist nun mal: es gibt Faschisten, die sich mit Fakten, Argumenten und Verständnis nie ändern werden. Da helfen leider nur Boykotte, Sanktionen, etc.


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#5
28.07.2013
12:24:12


(+10, 12 Votes)

Von Hinnerk
Antwort zu Kommentar #4 von Marek


Ich sehe das ähnlich wie Marek.

Dieses Interview zeugt von ziemlich viel Blauäugigkeit. Man solle z.B. statt Städtepartnerschaften zu kündigen lieber bei gegenseitigen Besuchen das Thema auf die Tagesordnung setzen.

Wie denn bitteschön, wenn man in Russland nur schon durch Erwähnen des Themas in den Knast kommt - auch als Ausländer...

Und was soll das bitteschön bringen, wenn alle guten Worte bisher auch nichts gebracht haben und die Leute einfach nicht zuhören wollen!

Man soll es ja ruhig erst mal mit Argumenten und Reden versuchen. Aber wenn das nichts bringt und alles trotzdem nur noch immer schlimmer wird, dann müssen den Worten irgendwann auch Taten folgen. Z.B. Boykotte und andere Sanktionen.


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#6
28.07.2013
12:25:49


(+15, 17 Votes)
 
#7
28.07.2013
12:28:06


(+9, 11 Votes)

Von Luca
Antwort zu Kommentar #4 von Marek


Volle Zustimmung!

Boykotte bringen immer etwas! Selbst wenn sie nichts verhindern können, sind sie zumindest ein Zeichen! Und da alle anderen Bemühungen bisher leider nichts brachten, bleibt halt auch nicht mehr viel anderes übrig als Boykotte, Kündigen von Städtepartnerschaften, etc.

Und selbst wenn das alles nichts bringen würde:
Ich will nicht mit meinem Geld auch noch solche faschistischen Diktaturen unterstützen. Und ich will auch nicht, dass Städte demokratischer Staaten mit Städten aus faschistischen Diktaturen Partnerschaften pflegen.

Selbst wenn man dort nichts ändern kann, heißt das nicht, dass man das dann auch noch unterstützen muss.


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#8
28.07.2013
12:29:23


(+7, 9 Votes)

Von mx5972
Aus Kerpen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.02.2013


Klar, WIR müssen etwas tun...nur was!!!??

Online-Petitionen...da bin ich dabei! Aber Putin interessiert das nicht!!

Ich sage zwar immer Sport und Politik sind verschiedene Paar Schuhe,aber in diesem Fall würde es hoffentlich etwas nutzen!!

Ich bin gespannt wie viele sich dem Boykott der Winterspiele anschließen würden!!!!

Niemand!!! ( nur meine Vermutung!!) Hoffe ich habe unrecht!!!


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#9
28.07.2013
12:31:59


(+13, 13 Votes)

Von Uljanow


Die hohe und schwere -aber leistbare- Kunst besteht darin, scheinbar widersprüchliche Protest- und Aktionsformen in einen halbwegs sinnvollen Einklang zu bringen.


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#10
28.07.2013
12:32:28


(+12, 14 Votes)

Von Simon H


Liebe Frau Elsner,

Sie lehnen Boykotte, das Kündigen von Städtepartnerschaften, etc. ab!

Ist Wegsehen denn besser?

Ist es sinnvoll, mit dem Fortbestehen von Städtepartnerschaften den Anschein zu erwecken, man würde die menschenverachtenden, undemokratischen Zustände dort tolerieren?

Und ist es sinnvoll, dieses Regime auch noch wirtschaftlich zu unterstützen, statt mit Boykotten wenigstens ein kleines Zeichen zu setzen?


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