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Reaktion auf Franziskus-Äußerung

Homo-Aktivisten verlangen vom Papst "mehr Mut"


Leitet Papst Franziskus einen Paradigmenwechsel ein oder betreibt er einfach nur gute PR? (Bild: paolonuti95 / flickr / by-nd 2.0)

Schwul-lesbische Aktivisten haben weltweit die versöhnlichen Äußerungen des Papstes begrüßt, sehen sie aber höchstens als ersten Schritt an.

Homo-Gruppen haben auf Kommentare des Papstes zu Homosexualität positiv reagiert, mahnten aber grundlegende Veränderungen an. Franziskus hatte am Montag bei seinem Rückflug von Brasilien nach Rom vor Journalisten erklärt, dass Homosexualität für die Kirche "kein Problem" sei und dass Schwule und Lesben in die Gesellschaft integriert werden müssten (queer.de berichtete).

Allerdings kritisierten die Aktivisten, dass sich an der Haltung der Kirche zum Thema Sexualität nichts geändert habe und sie jetzt weitere Schritte vom Anführer der 1,2 Milliarden Katholiken erwarteten. Die deutsche Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begrüßte etwa die "erfrischende Offenheit", mit der Papst Franziskus über Homosexualität gesprochen habe. "Stagnation und kirchenpolitischer Rückschritt der letzten 35 Jahre brechen langsam auf", erklärte HuK-Sprecher Markus Gutfleisch am Dienstag.

Er forderte aber auch "mehr Mut" vom Oberhaupt der katholischen Kirche und stellte fest, dass "das Kirchenoberhaupt immer noch Lesben, Schwule und Bisexuelle ausgrenzt, die ihre Sexualität in Verantwortung vor Gott leben". Der Haken sei, dass der Papst "gelebte Homosexualität" nicht anerkenne. Daher mahnte Gutfleisch eine "Neuausrichtung der gesamten katholischen Sexualmoral" an.

Kirche hat "ihre Politik nicht geändert"


Der britische Aktivist Peter Tatchell setzt sich seit Jahrzehnten für Homo-Rechte ein

Auch international sorgten die Äußerungen für Aufsehen. So erklärte die Human Rights Campaign, die größte LGBT-Organisation der USA, dass die katholische Kirche zwar "ihre Politik nicht geändert hat, aber immerhin jetzt einen anderen Ton wählt". Der Papst müsse aber anerkennen, dass die Kirche nach wie vor eine "schädliche Botschaft" aussende, wenn gelebte Homosexualität weiterhin verurteilt werde.

Die philippinische Gruppe ProGay nannte die Äußerungen von Franziskus einen "Fortschritt im Vergleich zu den gehässigen Äußerungen" seines Vorgängers Benedikt. Die Organisation erklärte, wenn der Papst in den nächsten Jahren die Philippinen besuchen werde, solle er auch die "arbeitslosen LGBT in urbanen Gegenden" aufsuchen, die einer Mehrfachdiskriminierung ausgesetzt seien.

Der britische Homo-Aktivst Peter Tatchell erklärte, dass die Äußerungen des Papstes die Haltung der Kirche "nicht im Wesentlichen geändert" habe: "Die unbarmherzige Haltung der Kirche bei Fragen der Gleichstellung ist immer noch gültig: Die Kirche lehnt die Ehe-Öffnung ab. Und der Katechismus verdammt homosexuelle Liebe mit schriller, agitatorischer und homophober Sprache."

"Überfällige Äußerung" des Papstes


Patrick Meinhardt (FDP) wünscht sich eine Kirche, in der sich auch Homosexuelle geborgen fühlen können (Bild: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)

Auch aus der deutschen Politik gab es Reaktionen: So begrüßte es der Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, als ermutigendes Zeichen, "wenn Franziskus einen offeneren Umgang mit Homosexuellen predige. "Ich wäre froh, wenn sich endlich im 21. Jahrhundert Christen in ihrer katholischen Kirche unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung geborgen fühlen könnten", so Meinhardt nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen".

Die SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament sprachen via Twitter von einer "überfälligen Äußerung" des Papstes, dass Homosexuelle nicht an den Rand gedrängt werden sollten.

Konservative innerhalb der Kirche stellten hingegen sofort klar, dass sich die Position der Kirche nach den Äußerungen des Papstes keinen Millimeter geändert hätten. So sagte der amerikanische Kardinal Timothy Dolan, dass "homosexuelle Handlungen" nach wie vor sündhaft seien. "Genauso ist Heterosexualität außerhalb der Ehe eine Sünde", so Dolan gegenüber dem Fernsehsender CBS.

Auf der US-Nachrichtenseite Foxnews.com, die insbesondere unter rechtsgerichteten Christen populär ist, stellte ein Pfarrer in einem Kommentar klar, dass die Kirche Homosexualität nie als Sünde angesehen habe, aber gleichgeschlechtlicher Sex grundsätzlich gegen das göttliche Naturgesetz verstoßen würde. Nichts anderes habe Franziskus in dem Pressegespräch gesagt, auch wenn Medien mehr in die Geschichte hineininterpretierten. (dk)



#1 anomeAnonym
  • 30.07.2013, 17:56h
  • Wer erwartet, dass sich der Papst jetzt an die Spitze der Schwulenbewegung stellt, hat sie nicht mehr alle.

    Franziskus ist liberaler als sein Vorgänger und das sollten wir begrüßen. Mehr können wir (traurigerweise) auch erstmal nicht erwarten.

    Ist aber auch kein Weltuntergang, denn der Einfluss der katholischen Kirche im Westen ist sowieso enorm gering geworden. Die Eheöffnung kriegen wir auch ohne die durch.
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#2 stephan
  • 30.07.2013, 17:59h
  • "... stellte ein Pfarrer klar, dass die Kirche Homosexualität nie als Sünde angesehen habe, aber gleichgeschlechtlicher Sex grundsätzlich gegen das göttliche Naturgesetz verstoßen würde."

    Sag ich doch! Immer der gleiche Mist in anderem Gewand!

    Solange die RKK keine vollkommenen Abkehr von ihrer widerlichen Auffassung zur menschlichen Sexualität hinbekommt, sollte man sich / sollten wir uns von derlei Reden nicht täuschen lassen.

    Es müsste viel mehr passieren, bevor ich einen Kurswechsel der RKK ernst nehmen könnte!

    www.queer.de/detail.php?article_id=19734&antwort_zeigen=
    ja#c79
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#3 sperlingAnonym
#4 Aus Bad HomburgAnonym
  • 30.07.2013, 18:00h
  • In der Tat, ein "guter Anfang", nicht weniger und nicht mehr. Denn genauso viel Mut brauchte auch die Entscheidung, endlich die manchmal wirklich unerträgliche Hetze gegen die katholische Kirche und den Papst in Person zu beenden. Wären alle in der schwullesbischen Comunity dazu bereit, auch in diesem Forum ? Ich bezweifle das.
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#5 GerdBerlinAnonym
  • 30.07.2013, 18:00h
  • "Und der Katechismus verdammt homosexuelle Liebe mit schriller, agitatorischer und homophober Sprache."

    Das ist nicht ganz richtig. Der Text im Katechismus lautet:

    "Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfaßtheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen."

    KKK 2358: 1997 (lat.) / 2003 (dt.)
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#6 stephan
  • 30.07.2013, 18:04h
  • Antwort auf #1 von anome
  • "Wer erwartet, dass sich der Papst jetzt an die Spitze der Schwulenbewegung stellt, hat sie nicht mehr alle."

    Ich erwarte einfach nur, dass jeder anständige Mensch - insbesondere wenn er/sie seinen 'Gut-Menschen' vor sich her trägt - ohne wenn und aber für die Menschenrechte steht, insbesondere für die Rechte der Minderheiten!

    Wenn das zuviel verlangt ist, zeigt das nur, wie weit die RKK von Anstand und Vernunft entfernt ist!
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#7 VietcongAnonym
#8 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 30.07.2013, 18:10h
  • Die Kirche hat ihren Ton nicht geändert. Es lächelt nur hübscher. Guter Kommentar in taz übrigens, der es auf den Punkt bringt, dass Heteros, um es mal im Slang auszudrücken, von der katholischen Kirche genauso in den Arsch gefickt sind wie Homos. Aber: Schwule wollen ja neuerdings monogam in einer Ehe leben, diese Sorte Gays wird allerdings in der Tat irgendwie benachteiligt, aber spätestens, wenn es möglich ist, sich einen künstlichen Uterus einpflanzen zu lassen, um vom aktiven Part ordentlich zwecks Reproduktion durchgevögelt zu werden, ach, lassen wir das... ;-) Zurück zur taz: "Angesichts solch kruder Aussagen in Begeisterung auszubrechen ist ungefähr so sinnvoll wie ein Wutausbruch angesichts des neuesten Bushido-Videos. Warum soll man sich darüber aufregen, wenn der Herr reimt, dass Schwule in den Arsch gefickt werden? Diese Praxis gehört ganz normal zum Alltag vieler schwuler Männer. Als Erwachsener kann man der Realität entspannt ins Auge sehen."

    www.taz.de/Kolumne-Erwachsen/!120926/

    Doch noch was: Kein Papst, kein Priester, kein gläubiger Katholik geht davon aus, das gemischt geschlechtliche Eheleute immer brav ins richtige Loch und bare pimpern. Sie verteufeln auch keine Schwulen, die ihre Sexualität leben. Nur Reklame machen dafür, das tut man nicht. In dieser Angelegenheit sind die Evangelischen und Katholischen einer Glaubensmeinung und weniger liberal wie der Salafist Pierre Vogel. Vorteil am Katholischsein gegenüber ist jedoch: Wir dürfen beichten - bätsch!
    www.youtube.com/watch?v=V5A_B6hhZto
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#9 LudgerrAnonym
  • 30.07.2013, 18:11h
  • -Daher mahnte Gutfleisch eine "Neuausrichtung der gesamten katholischen Sexualmoral" an.-

    Wenn Markus Gutfleisch dies anmahnt, wird die katholische Kirche sicher nicht lange zögern...
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#10 barshaiAnonym
  • 30.07.2013, 18:17h
  • Antwort auf #4 von Aus Bad Homburg
  • "(...) endlich die manchmal wirklich unerträgliche Hetze gegen die katholische Kirche und den Papst in Person zu beenden. Wären alle in der schwullesbischen Comunity dazu bereit, auch in diesem Forum? ..."

    Der "Kommentar des Tages" kommt heute 'mal wieder aus Bad Homburg (woher auch sonst? )

    Junger Mann, verwechseln Sie da nicht wieder einmal Ursache und Wirkung oder auch "wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es daraus zurück"?

    Wieviele hundert Quellen darf ich Ihnen verlinken, in denen die unerträgliche Hetze der RKK gegen homosexuelle Menschen (besonders Männer) dokumentiert ist?

    Und noch etwas:
    Wenn der gegenwärtige Papst plötzlich behauptet "nichts gegen Homosexualität" zu haben, dann meint er damit jedoch nicht die "praktizierte Homosexualität", sondern er meint die armen Wichte, die ihre Sexualität ängstlich unterdrücken, da sie sie für etwas ganz, ganz Böses halten, mit dem sie nicht verantwortungsvoll umzugehen gelernt haben.

    Da diese Klemmies "es" auch nicht aus den Rippen schwitzen können und ihnen, als Katholiken sogar die Masturbation verboten ist, können die nur noch beten, dass ihre Libido auf Null sinkt, damit sie nicht ständig an Sex denken müssen, wie all' die anderen "Sünder"?



    P.S.
    @Aus Bad Homburg ist eine "Zierde" der schwul-lesbischen Community ... aus Sicht von kreuz.net, kath.net, kreuzgang.org und PI allerdings nur. Bei uns anderen setzt regelmäßig Fremdschämen ein, wenn wir dieses reaktionäre Zeugs hier lesen müssen.
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