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  • 14. November 2004, noch kein Kommentar

Seit 1991 ist "Verzaubert" das wichtigste Event für homophile Cineasten. München macht in diesem Jahr den Anfang.

Von Christian Scheuß

Mit dem Verzaubert Filmfestival ist es ein bisschen so, wie mit den Dominosteinen und Spekulatius. Die Weihnachts-Süssigkeiten stehen bereits seit Ende August in den Regalen. Doch richtig genossen werden sie erst in der Adventszeit. Und die Organisatoren des schwul-lesbischen Filmfestivals stehen seit Wochen bis zum Hals in der Arbeit, deren Ergebnisse von den Zuschauern erst Ende November besichtigt und goutiert werden können. Derzeit werden noch fleißig Filme gesichtet, Rechts- und Transportfragen geklärt, Verträge gemacht, ein bunter Prospekt gedruckt und eine Webseite aktualisiert. Das Räderwerk beim Münchener Veranstalter Rosebud Entertainment knirscht und knarzt zum Start, aber es gerät in Fahrt, damit im November und Dezember in vier Großstädten eine Woche lang schwul-lesbisches Kino satt zu sehen sein wird.

Seit 1991 gibt es das Festival, das als einziges schwul-lesbisches Event in Deutschland durch mehrere Städte tourt. Im vergangenen Jahr konnte man die Zuschauerzahl um 25 Prozent erhöhen, sprich: 40.000 Besucherinnen und Besucher strömten in die Kinosäle. Das ist eine beachtliche Menge, aber immer noch nicht ganz so viel, wie beim bekannteren Fantasy Filmfest, das ebenfalls von Rosebud Entertainment alljährlich auf Rundreise geschickt wird. "Es ist weiterhin ein Nischenangebot, das aber über die Szene hinaus strahlt", freut sich Pressesprecherin Vera Rockel. "Es ist immer noch ein bisschen Steckenpferd, in dem viel Herzblut steckt, aber keine Förderung." Wie auch, die finanzielle Unterstützung von Filmkultur funktioniert immer nur für ein Bundesland oder eine Stadt. "Verzaubert" tourt aber durch München, Frankfurt, Köln und Berlin.

In Stuttgart und Hamburg war man in den vergangenen Jahren ebenfalls zu Gast. Doch in der schwäbischen Metropole kamen zuwenig Zuschauer, während in Hamburg nordische Kälte im Verhältnis zwischen Festivalveranstaltern und Medien wie Gruppen vor Ort herrschte. Die angestammten "Lesbisch Schwulen Filmtage", die dieses Jahr zum 15. Mal an den Start gingen, sahen bedrohliche Konkurrenz heranrollen. Deshalb hatte sich "Verzaubert" nach zwei Versuchen auch wieder aus Hamburg zurückgezogen. Nordlichter, die nun verzaubert werden wollen, müssen nach Berlin reisen, den Stuttgartern bleibt München.

Wie viele Filme es denn nun genau sind, das spielt keine Rolle. Wichtig ist aber, dass ein großer Teil der gezeigten Produktionen deutsche Erstaufführungen sind und dass sie aus den USA stammen. "In Nordamerika und Kanada war man in den vergangenen zwei Jahren sehr produktiv", nennt Vera Rockel den Grund für diese Ballung. Schiebt aber gleich hinterher, dass die wichtigsten thematischen Impulse von den europäischen Produktionen ausgingen. So sei die BBC-Serie "Cambridge Spies" eines der Highlights, ebenso wie der Eröffnungsfilm "Three Dancing Slaves" aus Frankreich. Aber es gibt noch weitere Perlen im Programm: Dazu gehört sicherlich "De-Lovely", eine US-englische Koproduktion über das Leben des berühmten Komponisten Cole Porter. Der US-Streifen "Make A Wish" ist ein lesbischer Horrorfilm. Und "Latter Days" erzählt die Geschichte eines jungen schwulen Mormonen. Wenig gibt es in diesem Jahr aus Asien zu sehen. Dafür haben die Filmsichter viele pornografische Werke zusammen getragen. "The Hole" beispielsweise ist eine Porno-Parodie auf den erfolgreichen Independent-Horrorfilm "The Ring", der die Zuschauer vor zwei Jahren zum Gruseln brachte. Die beliebten Kurzfilmnächte bei "Verzaubert" sind zudem traditionell sehr lustvoll.

Wenn das Festival am 12. Dezember mit einer großen Party in Berlin endet, werden wir auch wieder wissen, wie das Publikum entschieden hat. Alljährlich stimmen alle Kinogänger über ihre Lieblingsfilme ab. Die nicht dotierten Preise gehen jeweils an einen Spiel- und einen Kurzfilm. Wer leer ausgeht, dem bleiben zum Trost vielleicht ein paar Spekulatius und Dominosteine. Die schmecken - wie gesagt - in dieser Zeit am Besten.

17.11 – 24.11. München
24.11. – 01.12 Frankfurt
25.11. – 02.12. Köln
01.12. – 12.12. Berlin


13. November 2004