Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?19757

CSDs von Köln bis Moskau

Stonewall im Miniaturformat


Die New Yorker Christopher Street wurde zum weltweiten Symbol schwul-lesbischer Emanzipation (Bild: FRESH)

Der Krefelder Künstler Detlef Lehmann stellt internationale Pride-Umzüge mit Figuren nach. Seine Schaukästen werden am Samstag beim Ruhr-CSD in Essen gezeigt.

Beim WupperPride im Juni drückten sich die Besucher vor Erstaunen an den Glasboxen die Nasen platt: Solche Miniaturdarstellungen schwul-lesbischer Demonstrationen der letzten vier Jahrzehnte hat es vorher noch nie geben. In seinem Projekt "CSD around the world" zeigt der Krefelder Künstler Detlef Lehmann queere Geschichte in sechs Schaukästen. Am Samstag, den 3. August werden sie im Rahmen des Ruhr-CSDs auf dem Kennedyplatz in Essen ausgestellt.

Die erste Box führt zurück in das Jahr 1969. Nach jahrelangen Repressalien, Razzien und Verhaftungen in Szenebars setzten sich am Freitag, den 27. Juni zum ersten Mal Schwule, Lesben und Dragqueens in der New Yorker Christopher Street gegen die Polizei-Willkür zur Wehr. Als sich rund um die Bar "Stonewall Inn" eine lang anhaltende, äußerst blutige Schlägerei mit den Beamten entwickelte, ahnte wohl noch niemand, dass sich dieser Befreiungsschlag eines Tages rund um die ganze Welt fortsetzen würde. Nach Berichten von Augenzeugen schlugen die Besucher des "Stonewall Inn" die Polizisten windelweich und trieben sie mit den Trümmern des Mobiliars auf der Straße vor sich her. Schon am Tag danach gab eine weitere Demonstration – der jährliche "Gay Liberation Day" war geboren. Die Christopher Street wurde zum weltweiten Symbol schwul-lesbischer Emanzipation.

Aus dem Aufstand von damals hat sich ein Volksfest entwickelt


Künstler Detlef Lehmann: Wird er auch den Ruhr-CSD mit einer eigenen Box verewigen? (Bild: FRESH)

Mit der zweiten Box führt uns Detlef Lehmann in das heutige Köln. Beim Cologne-Pride zeigt die Domstadt Flagge. Aus dem New Yorker Aufstand von 1969 ist eine ausgelassene, fröhliche Parade geworden, bei der die ganze Stadt und auch viele Touristen unter dem Regenbogen mitfeiern. Dass der CSD sich längst auch in kleineren Städten etabliert hat, zeigt die dritte Box: Unter dem weit geschwungenen Bogen der Schwebebahn, direkt am Ufer der Wupper, wird der "WupperPride" zelebriert.

An ein ganz anderes gesellschaftliches Klima voller Repression erinnert die vierte Box: Moskau duldet keinen CSD, Jahr für Jahr werden schwul-lesbische Demonstrationen in der russischen Hauptstadt verboten. Dennoch versammelt sich eine kleine Gruppe von Aktivisten auf dem Roten Platz, wird jedoch umgehend von Polizisten eingekesselt und festgenommen.

Nicht viel anders schaut es in der fünften, diesmal fiktiven Box aus: Auch in China sind schwul-lesbische Demonstrationen nicht erwünscht. Detlef Lehmanns Idee, die offizielle chinesische Flagge auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking gegen die Regenbogenfahne auszutauschen, hat im wahren Leben (noch) keine Chance.

Die sechste Box führt wieder zurück in die USA – in die queere und liberale Metropole San Francisco. Ganz selbstverständlich wehen an den Straßenlaternen Regenbogenfahnen – und das nicht nur zum Gay Pride. Die halbe Stadt ist auf den Beinen, wenn sich der riesige Zug von Feiernden, Tanzenden, Demonstranten oder einfach nur fröhlichen Menschen durch die Straßen von San Francisco drängt.

Die Ausstellung ist nicht verkäuflich, aber für CSDs und Ausstellungen verfügbar. Einen Kontakt zum Künstler vermittelt die Redaktion. (dp/FRESH)

Ruhr-CSD Essen

Der Ruhr-CSD Essen findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Am Freitag, den 2. August beginnt er mit einem Warm Up auf dem Kennedyplatz mit "Karaoke total". Am Samstag ab 12 Uhr startet am selben Ort das große Straßenfest, bei dem die CSD-Miniaturkästen in Anwesenheit von Detlef Lehmann gezeigt werden. Um 13 Uhr beginnt am Willy-Brandt-Platz die Kumpelparade durch die Essener Innenstadt, die dann direkt zur Hauptbühne am Kennedyplatz führt. Der Ruhr-CSD steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Gleiche Rechte nur mit uns!".
Galerie:
CSD around the world
7 Bilder


Petition gegen "Propaganda"-Gesetz in Moldawien

Der CSD Stuttgart hat gemeinsam mit der MCC-Kirche Stuttgart eine Petition gegen ein Verbot von Homo-"Propaganda" in Moldawien gestartet.
Hamburg: Weitere homo- und transphobe Übergriffe

In der Hansestadt erschüttern mehrere Gewalt-Attacken die Szene: Eine Transfrau und zwei heterosexuelle Männer, die offenbar für schwul gehalten wurden, sind Opfer brutaler Schläger geworden.
Merkel, Putin und Mugabe beim Hamburg Pride

Zwischenfall beim Hamburg Pride am Samstag: Bekannte Politiker aus dem In- und Ausland blockierten den Start der CSD-Parade in der Langen Reihe.
#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 FelixAnonym
  • 02.08.2013, 10:11h
  • Toll!

    Sehr aufwändig und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt...

    Bitte mehr davon...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FOX-NewsAnonym
  • 02.08.2013, 10:48h
  • Früher war der CSD wirklich noch politisch geprägt; heute ist es eine inhaltslose Love-Parade für Schwule ohne Ziel. Schade.

    Das Krefelder Projekt ist schön.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RobinAnonym
  • 02.08.2013, 11:15h
  • Antwort auf #3 von FOX-News
  • Es gibt ganz viele Ziele von CSDs.

    Nicht nur für die Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen im Ausland, sondern auch für Deutschland selbst.

    Z.B.:

    - Art. 3 GG

    - Eheöffnung

    - Volladoption

    - Anti-Diskriminierungs-Gesetz ohne Ausnahmen

    - verpflichtende Behandlung in den Schulen; nicht nur in Sexualkunde, sondern auch in Erdkunde, Politik, Gesellschaftskunde, Geschichte, Ethik, etc. Und in den Sprachen entsprechende Lektüreauswahl. Und in Mathe Textaufgaben, wo nicht immer nur Vater und Mutter eine Torte in 7 Teile zerlegen müssen, etc.

    - neben den Schulen auch Aufklärungs- und Bildungsprojekte für Jugendeinrichtungen, Vereine, etc.

    - mehr Geld für die Erforschung und Bekämpfung von AIDS (inkl. AIDS-Hilfen, Präventionsarbeit, etc.)

    - mehr Medienberichterstattung

    - Und wie gesagt, die ganzen Sachen fürs Ausland, wie z.B. dieses Jahr das Thema Russland sehr stark auf den CSDs vertreten war.

    Also wieviele Ziele und Forderungen brauchst Du denn noch?

    Ja, auch mir könnte manchmal noch mehr Betonung auf den politischen und gesellschaftlichen Forderungen liegen. Aber es ist nicht so, dass es das nicht gäbe.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 sperlingAnonym
  • 02.08.2013, 12:27h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • ich hab noch ein paar...

    - infragestellung von paarprivilegien und der aktuellen familienpolitik

    - förderung einer politik, die bindungen jenseits von ehe-und-familie einbezieht

    - kritik an sexismus und heteronormativität inkl. des aktuellen rollbacks in sachen "normative geschlechterrollen"

    - radikale reform bzw. abschaffung des transsexuellengesetzes zugunsten identitärer und körperlicher selbstbestimmung

    - verbot von medizinisch nicht notwendigen operationen an säuglingen und kindern.

    - offenerer umgang mit verschiedenen sexuellen spielarten

    klingt z.t. nach den siebzigern, das geb ich zu. aber welche forderung der siebziger ist eigentlich heute wirklich erfüllt?
  • Antworten » | Direktlink »
#7 FOX-NewsAnonym
  • 02.08.2013, 13:19h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • Und du bist dir sicher, dass das Party-Volk beim CSD auch nur eines dieser Ziele benennen kann? Die meisten nehmen als CSD-Ziel doch lediglich die nächste Nummer für's Bett an ...
  • Antworten » | Direktlink »
#8 RobinAnonym
  • 02.08.2013, 14:07h
  • Antwort auf #7 von FOX-News
  • Ich glaube, da unterschätzt Du viele Teilnehmer.

    Es gibt sicher auch so Leute, denen es nur um Party und den nächsten Fick geht. Aber dafür kann man doch nicht die anderen in Sippenhaft nehmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 StretchingmasterProfil
  • 02.08.2013, 15:21hEssen / Holsterhausen
  • Der CSD ist halt eine Parade die einen Politischen Marsch mit einer Love-Parade ähnlichen verbindet.

    Wer sagt denn das ein Politisches Statement immer bierernst sein muss?

    Man kann auch innerhalb ausgelassener Stimmung und guter Laune seine politischen Vorderungen kundtun.

    Aber das ist typisch deutsch. Bei einer Parade mit politischen Themen haben alle schön in Reih und Glied zu laufen und bedröppelte Gesichter zu machen.
    Es scheint so als ob in der Politik Humor und Spaß nichts zu tun hat oder wie?

    Also nicht viel rumpalabern sondern am Samstag beim Ruhr-CSD in Essen erscheinen und unsere Politischen Vorderungen mit viel Spaß und viel Party unter das Volk bringen.

    Schönen Tag noch
  • Antworten » | Direktlink »
#10 walton74Anonym
  • 02.08.2013, 16:28h
  • Antwort auf #9 von Stretchingmaster
  • Wird man die schönen Schaukästen auch außerhalb des CSD-Termins bewundern können? Überlege noch nach Essen zu kommen, doch morgen lockt auch "leider" die Channel Pride Amsterdam, die so manchen besuchten CSD in den Schatten stellt - und das nicht nur in punkto Partyspaß und sexuellem Vergnügen, liebe CSD-Dauerkritiker. Mal sehen, wie morgen das Wetter im Westen wird.

    Livestream der Gaypride AMS ab 03.08.2013:

    www.youtube.com/user/avrogaypride
  • Antworten » | Direktlink »