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Fabulous? Patsy Stone mit "Stoli" in der russischen Version (Bild: BBC)

Ausgerechnet der in den USA umkämpfte "Stoli" wird nicht in Russland, sondern in Riga hergestellt.

Erst hatten einige Szenebars russischen Wodka von der Getränkekarte genommen, zuletzt hatten "Act Up"-Aktivisten in New York eine von der Marke Stolichnaya gesponserte Party gestürmt und auf der Straße Wodka in den Gulli geschüttet (queer.de berichtete). Doch trifft der lautstarke Wodka-Boykott in den USA von vor allem "Stoli" die Falschen?

Bereits vorab gab es Diskussionen, ob der Wodka-Boykott nicht hauptsächlich die kleinen Leute treffe und ansonsten vor Ort keine Auswirkungen habe – russische LGBT-Aktivisten sprachen sich gegen den Boykott aus. Auch hatte der Hersteller, die Spirits International Gruppe (SPI), auf sein Engagment für Schwule und Lesben in Amerika hingewiesen, wo man CSDs und Szenemedien unterstützt (queer.de berichtete).

Nun hat sich eine LGBT-Organisation aus Lettland gemeldet und darauf hingewiesen, dass man mit einem Stoli-Boykott vor allem ihr Land und nicht Russland schädige.

Russian Vodka, Premium Vodka


Die lettische Version, "Premium Vodka", wird international von SPI vertrieben und wurde nun zur Zielscheibe des Boykotts

Der Grund: Es gibt seit dem Zerfall der Sowjetunion zwei Firmen, die Stolichnaya ("Stoli") herstellen: Eine russische, die den Wodka mit dem Zusatz "Russian Vodka" vertreibt, und die in Luxemburg beheimatete SPI-Gruppe.

Deren Getränk trägt den Titel "Premium Vodka" und enthält zwar Zutaten aus Russland, wird aber wie schon zu Sowjet-Zeiten größtenteils in Riga hergestellt: Ein EU-Land, in dem 2015 gar der Europride stattfinden wird (queer.de berichtete).

"Diese Kampagne wird nur Letten treffen, Lettlands Wirtschaft und Angestellte der Firma Latvijas Balzams", kritisierte jetzt Kaspars Zalitis von der lettischen LGBT-Gruppe Mozaika.

"Die Kampagne könnte sich auch kontraproduktiv auswirken und zu unbeabsichtigten, negativen Konsequenzen für die extrem zerbrechliche LGBT-Community in Lettland führen." Nach 50 Jahren unter sowjetischer Herrschaft werde man teilweise noch immer als Russland wahrgenommen, dabei sei man ein "stolzes Mitglied der Europäischen Union" und strebe danach, "ein offenes, demokratisches Land" zu sein.

CSD dank Gericht


CSD 2009 in Riga. Am gleichen Tag fand auch in Moskau ein CSD statt (wie das Finale des Grand Prix), anders als in Riga wurden dort Teilnehmer verhaftet und verprügelt (Bild: UK Gay News)

Wie in Moskau hatte es in Riga zwar mehrere Verbote eines CSDs gegeben, anders als in Russland kamen den Organisatoren aber die Gerichte rechtzeitig zur Hilfe. Beim ersten CSD kam es 2006 zu Gewalt und Gegendemonstrationen, seitdem schützte die Polizei die Demonstrationen – anders als in Russland.

Während ein Großteil der Letten sich mit dem Thema Homosexualität noch schwer tut und es seit 2005 ein Homo-Ehen-Verbot in der Verfassung gibt, werden Schwule und Lesben zumindest im Arbeitsrecht durch ein Antidiskriminierungsgesetz geschützt.

Wirtschaftskrimi

Dass der Wodka gar nicht aus Russland stammt, hatte bereits der Hersteller in seinem offenen Brief gegen die Boykott-Aufrufe erwähnt, wengleich wohl aus Marketinggründen nicht allzu deutlich.

Ohnehin ist um die zwei Wodkafirmen mit dem gleichnamigen Produkt ein schwer durchschaubarer Wirtschaftskrimi entstanden: SPI-Oligarch Juri Scheffler wird von der russischen Justiz verfolgt. Der Russe hatte sich in verantwortlicher Position für die Privatisierung von Staatsbetrieben die Rechte an der Marke 1997 selbst zugeschanzt – zu einem Spottpreis. Ein russisches Gericht nahm später die Privatisierung zurück. Daher kann er unter anderem nicht mehr in Russland produzieren, weil die Flaschen sofort beschlagnahmt würden.

Kaspars Zalitis von Mozaika rät, vor zukünftigen Boykotten eine "ausführliche Recherche" zu betreiben. (nb)



#1 Harry1972Profil
  • 02.08.2013, 12:00hBad Oeynhausen
  • Ein Boykott ist eigentlich ja ne gute Sache aber wenn das so unkoordiniert läuft, wird da natürlich nix draus.
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#2 HauchAnonym
#3 chillandAnonym
#4 FennekAnonym
  • 02.08.2013, 14:05h
  • "Ausgerechnet der in den USA umkämpfte "Stoli" wird nicht in Russland, sondern in Riga hergestellt."

    Jetzt ist Lettland ja auch nicht gerade als homofreundlich bekannt. Im Gegenteil: da wurden auch schon CSDs verboten, etc.
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 02.08.2013, 14:33h
  • Danke für die Aufklärung. Als Ausweichlösung gibt es ja auch noch polnischen Wodka (bei einer Sorte ist sogar ein Grashalm in der Flasche).
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#6 Julek89
#7 draganProfil
  • 02.08.2013, 15:24hDresden
  • Antwort auf #6 von Julek89
  • Der wurde im letzten Jahrhundert durch Totalaufkauf "boykottiert"(?).

    Beim Anblick der feuchten Fracht weiß der DDR-Zöllner dann auch gleich, daß in Halle und Umgebung das Lieblingsbier der Westler, "Wernesgrüner Pils" oder "Radeberger", mal wieder knapp geworden ist. [...] "Im Umkreis von 50 Kilometern um Halle war bald kein Krimsekt mehr aufzutreiben", klagte ein Arbeitsmann aus dem Ruhrgebiet. Dann, als mehr Bauarbeiter nach Schkopau kamen, ging schon mal "Wernesgrüner Pils" aus, wurde polnischer Wodka der Marke "Zubrówka" knapp, weil zu viele Wodkakenner "den mit dem Grashalm" verlangten.
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#8 timpa354Ehemaliges Profil
#9 mx5972Profil
  • 02.08.2013, 16:42hKerpen
  • Ich werde versuche ein Jahr keinen Beluga zu trinken!!!

    Das ist ein großes Opfer!!! :-) hoffe es hilft!!

    ( Aber die angebrochene Pulle trinke ich noch!!!)
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#10 GerhardAnonym