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  • 03.08.2013           31      Teilen:   |

Sommerloch-Interviews

Corny Littmann: So erkennt man schwule Fußballer

Artikelbild
Corny Littmann war von 2003 bis 2010 Präsident des Fußballbundesligisten FC St. Pauli. Er war der erste offen schwule Mann in dieser Funktion. (Bild: stero / flickr / cc by-nc-sa 2.0)

Der ehemalige St.-Pauli-Präsident hat "etliche" homosexuelle Spieler und Trainer in der Bundesliga ausgemacht und kritisiert die neue DFB-Broschüre zum Thema als "absurd und irreal".

Das Thema Homosexualität und Fußball bestimmt auch das Sommerloch in diesem Jahr. Ein beliebter Interviewpartner für die Medien ist dabei der schwule Besitzer des Hamburger Schmidt-Theaters und ehemalige Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann. In der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag erklärte der 60-Jährige nicht nur, dass es "etliche" homosexuelle Spieler und Trainer in der Bundesliga gebe, er gab auch einen Tipp, woran man diese erkennen könne. Littmanns gewagte These: "Wenn Sie nach schwulen Fußballern suchen, dann sehen Sie sich die Spieler an, die viele Gelbe Karten bekommen. Das sind die, die den harten Hund rauskehren und übertrieben männlich agieren."

Gleichzeitig riet der Hamburger Theaterchef jedoch homosexuellen Profispielern – wie zuvor bereits der Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga Reinhard Rauball (queer.de berichtete) -, besser weiterhin im Schrank zu bleiben: "Ich würde keinem Spieler zum Outing raten. Wer will schon sein Leben lang mit dem Etikett des ersten offen schwulen Fußballers rumlaufen", so Littmann gegenüber der "SZ". Er räumte jedoch ein, dass das Versteckspiel unglaublich belastend sei: "24 Stunden am Tag den Verdacht zu vermeiden, man sei schwul", das könne sich ein Heterosexueller gar nicht vorstellen.

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Littmann fordert Homo-Beauftragten bei allen 36 Profivereinen

Für Littmann zumindest "nicht schädlich": Broschüre des DFB zum Thema "Fußball und Homosexualität"
Für Littmann zumindest "nicht schädlich": Broschüre des DFB zum Thema "Fußball und Homosexualität"

Ähnlich hatte sich Corny Littmann bereits eine Woche zuvor in der "Welt am Sonntag" geäußert. In diesem Interview kritisierte er den kürzlich vorgestellten Leitfaden des Deutschen Fußball-Bunds zum Thema Homosexualität als "absurd und irreal". Wörtlich sagte der ehemalige St.-Pauli-Präsident: "Das Absurde an dieser Broschüre ist, dass sie sich an alle Mitglieder im DFB richtet. Das Heikle beim Thema Outing ist aber nicht der Amateurfußballer aus der sechsten Spielklasse, der nebenbei am Wochenende kickt und schwul ist. Tabu sind die, die in einem der 36 Profivereine spielen."

An diesem Punkt werde es in der neuen DFB-Broschüre "völlig obskur", so Littmann: "Wenn ein Spieler sich outen will, soll er sich an die Vereinsverantwortlichen und Sponsoren wenden, ehe er überhaupt an die Öffentlichkeit geht? Das ist fern jeder Realität. Es gibt im Profifußball keine Geheimnisse, der man sich sicher sein kann."

Littmann schlug stattdessen die Einstellung eines hauptamtlichen, professionellen Vertrauten bei allen Bundesligavereinen vor: "So eine Mischung aus Psychologe, Sozialarbeiter und Ombudsmann. Bei dem klar ist, dass das, was ich ihm erzähle, keinen Vereinsfunktionär erreicht, so lange ich das nicht will. Ähnlich einer ärztlichen Schweigepflicht. Das kostet Geld, ganz klar. Und das Vertrauen muss man sich auch erst mal erwerben."

Über die Hälfte der Bundesligatrainer sei homophob

Nimmt in seinen Interviews kein Blatt vor den Mund: Corny Littmann
Nimmt in seinen Interviews kein Blatt vor den Mund: Corny Littmann (Bild: Wiki Commons / Udo Grimberg / CC-BY-SA-3.0)

Als Gründe, warum sich bislang kein schwuler Profi-Fußballer geoutet hat, nannte Littmann u.a. die Angst vor dem Ende der Karriere und vor Repressionen durch ausländische Mitspieler. Auch die Trainer hätten einen entscheidenden Anteil an der unbefriedigenden Situation. Nach einer Schätzung des Theaterbesitzers sei "mindestens die Hälfte der deutschen Bundesligatrainer" homophob eingestellt: "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass der Fußball eine Zwangs-Männergemeinschaft ist, in der gewisse eigene Moralvorstellungen vorherrschen, die eigentlich gar nicht mehr zeitgemäß sind. Das wird sich mit einer jüngeren Trainergeneration ändern, aber es gibt noch genug von der alten Sorte."

Ein weiteres Problem sei, dass ein schwuler Fußballer im Laufe seiner Karriere gar keine Chance habe, wie andere schwule Männer eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit seiner Homosexualität und seiner Identität zu entwickeln, sagte Littmann: "Der Spieler ist ja schon mit 15, 16 Jahren voll in diesem Männerklüngel gefangen." (cw)

Links zum Thema:
» Das Littmann-Interview in der "Welt am Sonntag"
» Die Broschüre des DFB als PDF zum Download
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Tags: corny littmann, schwule fußballer, fußball und homosexualität
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Reaktionen zu "Corny Littmann: So erkennt man schwule Fußballer"


 31 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
03.08.2013
14:47:03


(+1, 3 Votes)
 
#2
03.08.2013
15:00:39


(+3, 5 Votes)
 
#3
03.08.2013
15:06:49


(+6, 12 Votes)

Von Felix


"Ich würde keinem Spieler zum Outing raten. Wer will schon sein Leben lang mit dem Etikett des ersten offen schwulen Fußballers rumlaufen"

1.
Das Etikett haben schon andere, z.B. in Deutschland Marcus Urban.

2.
Außerdem wäre das sicher nicht der erste schwule Spieler, sondern der erste, der dazu steht und sich nicht mehr selbst verleugnet. Und das ist ja etwas durchaus positives.

3.
Außerdem tun die das ja auch für sich selbst, weil dieses Versteckspiel und die andauernde Selbstverleugnung langfristig psychische Schäden hervorruft. Herr Urban hat z.B. mal in einem Interview gesagt, dass er erst seit seinem Outing richtig glücklich ist und erst seitdem weiß, wie er vorher gelitten hat, dieses Leid aber unterdrückt hat.

4.
Am besten wäre, mehrere outen sich gleichzeitig. Dann wäre das viel unproblematischer als wenn das nur einer alleine tut.

5.
Ich hätte als Spieler wahnsinnige Angst, dass es doch mal rauskommt oder von jemandem verraten wird. Man macht sich ja auch erpressbar. Diese ständige Angst muss einen doch fertig machen...

6.
Wenn die ersten angefangen haben und andere folgen, ist das alles sehr schnell kein Thema mehr. War doch in der Politik genauso: bei den ersten offen schwulen Politikern war das noch ein Thema, mittlerweile haben wir Wowereit, Westerwelle, von Beust & Co und das interessiert keinen mehr. Wenn sich ein Politiker outet, ist das heute allenfalls noch eine Randnotiz, aber ansonsten kein Thema mehr...

7.
Sportler sind auch Vorbilder und sollten mit dieser Vorbildfunktion verantwortlich umgehen und ihre Fans nicht belügen und betrügen. Die meisten Fans wären sicher wütender, wenn sie irgendwann erfahren, dass sie jahrelang belogen wurden als wenn sie erfahren, dass ein Spieler schwul ist.

Fazit:
Die Probleme bei Fußballer-Outings gibt es höchstens, weil sie immer wieder herbeigeredet werden. Die Spieler sollten endlich zu sich selbst stehen und diese unwürdige Schmierenkomödie beenden!

Am besten mehrere zusammen, dann gibt das kein Problem. Und die Solidarität der wahren Fans wäre ihnen sicher! Und was irgendwelche Arschlöcher sagen, sollte ihnen eh egal sein, da stehen andere Schwule doch auch drüber. Das sollte genauso irrelevant wie Rassismus unter Fans sein.


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#4
03.08.2013
15:07:42


(+8, 10 Votes)

Von Fennek


"Über die Hälfte der Bundesligatrainer sei homophob"

Homohasser und Rassisten haben im Sport nichts zu suchen!

Dann müssen die eben ersetzt werden...


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#5
03.08.2013
15:24:11


(+11, 11 Votes)

Von Robin


Herr Littmann,

auch für andere Schwule ist ein Outing oft nicht leicht oder gar gefährlich. Aber sie machen es dennoch, weil es sinnvoll für sie selbst und auch für die ganze Gesellschaft ist!!

Und da sind Leute dabei, die verdienen nicht das, was ein Profispieler verdient. Die leben in Gegenden und in Nachbarschaften, wo das ein Spießrutenlauf ist. Wenn die das können, müssen Fußballer das doch erst recht können.

Ehrlich gesagt machen mich ihre Äußerungen spätestens dann wütend, wenn ich z.B. an Russland, einige afrikanische und einige arabische Staaten denke:
da outen sich Leute, obwohl das für sie das Ende ihres Einkommens, ihrer Familie, ihres Freundeskreises, etc. bedeuten kann. Und nicht nur der soziale Ruin droht, sondern sogar Gewalt, Verhaftung, Internierung, Folter bis hin zum Tod.

Und dennoch outen sich da Leute um zu sich selbst zu stehen und für das richtige einzustehen.

Und dann kommen Sie und raten deutschen Fußballspielern, sich nicht zu outen, um nicht das Etikett "des ersten" zu haben.

Ganz ehrlich:
da könnte ich KOTZEN!

Anderswo sterben Schwule für ihre Rechte und ihre einzige Sorge ist ein "Etikett", was sowieso bald vergessen ist und was man durch ein Gruppenouting verhindern könnte.

Vielleicht ist ja auch die Solidarität viel größer als Sie denken... Und auf die paar homphoben Schwachmaten kann man dann gut verzichten.

"Es ist besser, für das was man ist, gehasst zu werden, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden." (Denn letzteres wäre eine gefakte Liebe.)

Dass sie als schwuler Mann anderen Schwulen raten, sich zu verstecken und damit schwerste psychische Schäden zu riskieren, ist wirklich traurig und erbärmlich.


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#6
03.08.2013
15:34:16


(+8, 8 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Ein nach wie vor heikles Thema und er hat auch nicht unrecht. Der gewöhnliche Homosexuelle macht sich vermutlich zu wenig Gedanken um die Probleme prominenter Schwuler und ganz sicher ist es für Schwule, die von kleinauf in so eine Männergesellschaft integriert sind, besonders schwer, zu sich selbst zu stehen.
Man bedenke nur die ganzen Vereine, die durch Männlichkeitsrituale auffallen ...Schützenvereine oder auch Sportklubs...was auch immer.

Ich selbst bin auch so gedankenlos, weil ich wahnsinniges Glück hatte. Ich bin weitgehend ohne soziale Bindungen zu Vereinen und dergleichen aufgewachsen und auch die Kirche spielte keine Rolle.
Einzig die Mitschüler waren eine Hürde, die sich dann aber doch nicht stellte.
Da fällte dann auch nicht sonderlich schwer, sich zu outen und ganz selbstverständlich von seiner Umwelt einen respektvollen und höflichen Umgangston einzufordern.

Aber wie lange kann man sich selbst verleugnen, sich selbst unterdrücken, Kerkermeister und hilfloser Gefangener zugleich. Das ist so bizarr, daß der innere Konflikt doch irgendwann zu groß werden muss, oder?
Irgendwer muss doch der erste schwule Promifußballer sein, der erste schwule Gewichtheber oder Skispringer, was weiss ich...

Sonst wird das doch niemals selbstverständlich und noch eine Generation von jungen Männern wird dazu verurteilt, dieselben Qualen durchzumachen, die man selbst einst durchmachen musste oder noch durchmacht.

Ich kann hier nur den Dorfhomo geben, der es sich ganz frech erlaubt, zu leben, wie es ihm gefällt. Als Promi hat man doch ungleich größere Chancen, Gleichheit einzufordern.
Kann sich da nicht mal der Beraterstab von nem schwulen Fußballer drum kümmern?
Der Mann soll ja nicht gleich mit Regenbogenfahne und Tatzentattoo über das Spielfeld kreischen. Es würde schon eine Homestory reichen, die ganz unaufgeregt klarstellt, daß sich da ein Mensch entschieden hat, sein Leben zu leben und sich von niemandem mehr hineinreden zu lassen. So schwer ist das doch nun auch nicht.


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#7
03.08.2013
16:33:06


(+9, 9 Votes)

Von sanscapote
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Selbst schwul sein und anderen dazu raten, ihre Identitaet zu verleugnen ist Schwachsinn.

Herr Littmann, sie selbst sagen, dass Schwulsein etwas Unnormales ist, sonst wuerden sie keinen solchen Brimborium daraus machen, dass 10-15% der Spieler schwul sind.

Fuer sie selbst ist Schwulsein nicht normal, denn sie rufen geradezu dazu auf, ein verlogenes Leben zu fuehren.
Das heisst im Klartext: Die Hetensportler sind normal und fuehren ein normale Leben. Pfui ! Ticken sie selbst noch richtig?

Sie loben diejenigen, die sich selbst verleugnen.

Bedenken sie die psychischen Schaeden, die bei Fussballern hervorgerufen werden. Ja ! hervorgerufen werden ausser vielleicht bei Asexuellen.

Wenn Fussballer sich eines Tages outen, wird klar wie lange sie den Fans etwas vorgelogen haben. Und wie lange sie sich selbst belogen haben.

Sport soll Jugend anlocken.
Sportler sollen Vorbild fuer die Jugend sein.

Doch Schrankschwestern sind keine Vorbilder, sondern armselige Ar....... .
Das was die Jugend lernt ist, dass jemand der nicht zu sich steht, in Ordnung ist.

Sie Herr Littmann fordern die Spieler sogar auf, ihre Lebensluege noch zu zementieren.

Sportspiele werd i.d.R. in den Medien verbreitet. Wenn er eine Vorbildfunktion haben soll, dann durch ehrliche Menschen.

Der Sport leidet unter den Unehrlichen und Angsthasen.

Mir kommt das Konfirmationsessen hoch, wenn ich einen solchen Schwachsinn lese, der dazu fuehrt dass er usus werden koennte.


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#8
03.08.2013
18:22:59


(0, 4 Votes)

Von Gerhard


Ach, das mit den Fouls und den gelben Karten ist doch veraltet. Heute is ein Fußballer wahrscheinlich dann homosexuell, wenn er sich nicht so krass aufzubrezeln traut :D


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#9
03.08.2013
21:27:02


(+6, 8 Votes)

Von Recht


Solche rassistischen Aussagen, die die Aufrechterhaltung der sexuellen Apartheid fordern, gehören aufs schärfste verurteilt und bestraft.


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#10
03.08.2013
21:27:06


(0, 8 Votes)

Von Alexandre


Na ja, die üblichen weltfremden Kommentare hier... Outing ist keine religiöse Handlung und auch nicht immer angebracht im Sinne einer Kosten/Nutzen-Rechnung. Ich rede nicht von Verleugnung, aber diese Schwulen, die gleich als erstes immer damit rausrücken, als mache sonst ihre Persönlichkeit nichts aus, die definieren sich ja *nur* über ihre (Homo-)Sexualität. Es gibt Wichtigeres im Leben, außer halt, man ist in der Szene gefangen.


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