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Unser Aufmacherbild stammt aus Lappland. Aber so ähnlich stellen wir uns Halland vor... (Bild: Ville Oksanen / flickr / by-sa 2.0)

In Sandra Buschs Roman "The Bride – Das Bündnis von Halland" werden zwei heterosexuelle Königssöhne miteinander zwangsverheiratet – und finden Gefallen daran.

Von Frank Hebenstreit

Wer in diesen Tagen der Hitze abkühlen möchte, kann das auch mit Lesen. "The Bride – Das Bündnis von Halland" aus dem dead soft Verlag entführt den Leser nach Halland. Dieses raue, schneebedeckte Land könnte eine Idylle sein, wenn sich nicht direkt nebenan in der Kargen Öde, knapp vor den Grenzen Hallands, die Orks zu einem großen Heer sammeln würden.

In der mittelalterlichen Welt steht ein Krieg bevor. Ein Krieg, der Halland an den Rand des Abgrunds bringen oder sogar zu seinem Ende führen könnte. Zu wenige Soldaten stehen der bedrohlichen Zusammenrottung der Orks entgegen.

So kann auch Hallands König Tomke zwei und zwei zusammenzählen und baut auf ein probates Mittel. Durch die Ehe zweier Königskinder geht er ein Bündnis mit dem benachbarten südlichen Königreich Xanda ein. Der dortige Despot, König Gad, herrscht über sein Reich im Süden, das neben mehreren aktiven Vulkanen auch malerische Küsten aufweist. Bodenschätze aus Halland gegen Soldaten aus Xanda, so der Mitgiftvertrag.

Die Hochzeitsnacht wird im Beisein von Zeugen vollzogen


Prinz Cato traut seinen Augen nicht: Seine neue Braut ist ein Mann...

Um das ganze möglichst zügig unter Dach und Fach zu bringen, wird die Ehe im jeweiligen Heimatland mit Stellvertretern geschlossen. Erst im Anschluss macht sich Arel, Kind des Gad aus Xanda, auf nach Halland, um mit Cato auf der Burg seines Vaters zu leben. Der muskulöse und großgewachsene blonde Cato findet sich neben einem besoffenen Herold wieder, der als Stellvertreter bei der Eheschließung fungiert. Groß ist seine Überraschung, als er feststellt, dass das schmale zarte Wesen keine Braut, sondern ein Bräutigam namens Arel ist.

Beide jungen Männer begehren auf, aber da die Ehe im Namen der fünf Götter und der fünf heiligen Elemente geschlossen wurde, kann sie niemals aufgelöst werden, außer durch den Tod. Schnell stellt sich heraus, dass König Gad von Xanda wohl genau wusste, was er tat, als er seinen ungeliebten Sohn recht gewinnbringend in diesem Handel verschacherte. So bleibt beiden nichts anderes übrig, als sich mit der Homo-Ehe zu arrangieren. Gads hundsgemeines Wesen tritt noch deutlicher zutage, als er einerseits darauf besteht, dass die Hochzeitsnacht, der Tradition gemäß, in Anwesenheit von Zeugen vollzogen werden muss, und Cato großzügig gestattet, Arel zu besteigen. Nachdem in ebenfalls schöner Tradition anschließend das blutige Bettlaken präsentiert wurde, bleibt das Brautpaar allein zurück.

Sandra Buschs Geschichte liest sich zügig weg. Beide Männer versuchen, mit der Situation klarzukommen, wobei es natürlich an allen Ecken und Enden Probleme gibt. Cato befiehlt, Arel hält sich nicht dran, will auch Mann sein und nicht Prinzessin. Nur mit einer List kommen irgendwann auch die versprochenen Soldaten, der Krieg findet statt, Arel geht (natürlich gegen den Befehl Catos) mit kämpfen.

In diesem Buch bekommt die Homo-Ehe mal einen ganz anderen Touch. Hier werden zwei Heten-Männer miteinander zwangsverheiratet, doch im Laufe der Zeit scheinen sie offensichtlich Geschmack aneinander zu bekommen.

Altbekannte Motive mit einem queeren Anstrich versehen


Sandra Busch, Jahrgang 1971, hat bereits elf Gay-Fantasy-Romane veröffentlicht

Die Autorin Sandra Busch hat altbekannte Motive mit einem queeren Anstrich versehen und das Ganze mit einigen deutlichen Beschreibungen aufgepeppt. Bei dem 235 Seiten starken, broschierten Buch handelt es sich um einen Gay-Fantasy-Roman. Wobei Fantasy hier etwas hoch gegriffen scheint, zumindest an einigen Stellen hat sich Busch sehr von anderen Werken wie etwa "Herr der Ringe" oder jedem x-beliebigen Historiendrama inspirieren lassen.

Doch die Geschichte hat durchaus ihren Reiz. An einigen Stellen vermittelt sie ein klares Bild davon, was in den Köpfen der beiden jungen Männer und auch der Personen in ihrem Umfeld vor sich geht. Allerdings wird der Roman der Komplexität der Konstellation nicht wirklich gerecht. Häufig bleibt die Geschichte an der Oberfläche und bietet mehr eine Zusammenfassung der Geschehnisse als wirkliche Tiefgründigkeit. Schnell, viel zu schnell peitscht die Autorin den Leser durch ihre Erzählung, um ihn am Schluss durchaus mit einer Sehnsucht nach mehr zurückzulassen. Aber diese Sehnsucht richtet sich nicht nach vorn im Sinne von "Ich möchte mehr von den beiden lesen", sondern vielmehr in die Vergangenheit: "Ich hätte gern ausführlicher gelesen". Wir kennen alle das Gefühl, ein tolles Buch gelesen zu haben und dann vom Kinofilm enttäuscht in die Nacht zu gehen. Der Nachhall dieses Buches ist ähnlich.

Dennoch: "The Bride – Das Bündnis von Halland" enttäuscht nicht. Die Geschichte wird schlüssig erzählt und bietet sich einem förmlich an, sobald man das Buch zur Hand nimmt. Schnell ist man jedes Mal wieder im Geschehen. Für die 235 Seiten ist der Preis von 12,95 Euro im verlagseigenen Gefüge sicherlich ein logischer Schritt. Dieser Preis muss sich jedoch auch mit anderen Veröffentlichungen im gleichen Genre messen lassen. Dafür kann man an anderer Stelle schon durchaus 400 bis 500 Seiten dichter Geschichte bekommen. Aber der dead soft Verlag hält ja auch die Ebook-Variante für 6,99 Euro bereit.

Freunde historischer und kurzweiliger Ablenkung sollten dieses Buch auf jeden Fall zur Hand nehmen. Und wer es gern liest, wenn der starke Held seinem zierlichen Prinzen mit seinem stattlichen Gerät den Weg zur Lust zeigt, der wird an diesem Buch seine besondere Freude haben!

Infos zum Buch

Sandra Busch: The Bride – Das Bündnis von Halland. Gay-Fantasy-Roman. Broschiert. 236 Seiten Dead Soft Verlag. Mettingen 2013. 12,95 €. ISBN-13: 978-3943678635


#1 Alte TunteAnonym
  • 04.08.2013, 06:40h
  • "Für die 235 Seiten ist der Preis von 12,95 Euro im verlagseigenen Gefüge sicherlich ein logischer Schritt. Dieser Preis muss sich jedoch auch mit anderen Veröffentlichungen im gleichen Genre messen lassen. Dafür kann man an anderer Stelle schon durchaus 400 bis 500 Seiten dichter Geschichte bekommen."

    Völlig richtig: Man sollte kein Buch kaufen, bei dem man weniger als 500 Gramm für 6,99 Euro bekommt! Und Achtung: Nicht daß das literarische Gewicht am Ende noch mit einer ungeeichten Waage gemessen wird!
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#2 ColinAnonym
#3 MeineFresseAnonym
  • 04.08.2013, 10:09h
  • Die Geschichte ist seicht aber ganz nett und lesbar geschrieben. Die Autorin hat sich schon merklich Mühe gegeben und die verschiedenen charaktere ganz sympathisch geschrieben.
    Zudem achtet sie auf "altertümliche" Formulierung.
    Alles sehr "harmlos", auch die Sexszenen ein bisschen wie ein schwules Märchenbuch oder Herr der Ringe.

    Viele schwule Literatur wird eigentlich für Frauen geschrieben und mehrheitlich gelesen, dieses Buch gehört da vermutlich auch zu.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Männer gibt die mit diesem Romantik-Genre etwas anfangen können.

    Der femininere Hauptcharakter wird übrigens feminisiert durch Behandlung und Bezeichungen wie "Prinzessin".
    Ich mag sowas eher nicht wenn es so eine starke maskulin/feminin Unterteilung gibt wie im Yaoi.
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 userer
  • 05.08.2013, 10:10h
  • "Der muskulöse und großgewachsene blonde Cato ..."

    Hedwig Courths-Mahler für Schwuppen also.
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#6 Stein
  • 05.08.2013, 15:49h
  • ach lasst doch den frauen den spass, ich les auch lieber liebesromane wenn die hauptprotagonisten 2 typen sind. :D ist doch nichts bei (da es leider keine guten geschichten mit 2 ladies in der hauptrolle gibt)
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#7 KMBonnProfil
  • 06.08.2013, 15:56hBonn
  • Es ist anscheinend wie mit der Bildzeitung. Jeder kennt sie und weiß was drinsteht, aber niemand liest sie offiziell, weil er sich dafür im Grunde genommen schämt.

    Ich oute mich jetzt einfach mal, ich habe das Buch von Sandra Busch gelesen. Habe es ganz normal über meinen örtlichen Buchladen geordert und die Zeit damit angenehm verbracht. Ob das nun anspruchsvolle, Literatur-Nobelpreis würdige Literatur ist, ist mir sch... egal. Darum geht es auch gar nicht.
    Sandra Busch hat ein Buch geschrieben, das sich angenehm und flüssig liest und mit einer netten Geschichte aufwartet.

    Keine moralinsaure Aussage, keine Geschichte um eine drogensüchtige Mutter, die ein Verhältnis mit dem Hamster ihres vom DDR-Briefmarken sammelnden und dem Alkohol verfallenen impotenten Mann hat, was die Pubertät ihrer frühreifen 11jährigen Tochter ruiniert hat. Keine Feuchtgebiete oder sonstigen ekligen Geschichten.

    Einfach nur eine nette kleine Geschichte. Und dafür habe ich die 12.95 EURO gern ausgegeben. Ach ja, ich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung einzuwenden.
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