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  • 13.08.2013           70      Teilen:   |

Bericht der Antidiskriminierungsstelle

In Deutschland wird fleißig diskriminiert

Artikelbild
Gerade Schüler leiden oft an Diskriminierung - hier sollten die Landesregierung mehr tun, fordert die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Bild: John Steven Fernandez / flickr / cc by 2.0)

Im Job und im Bildungsbereich sind Minderheiten weiterhin Diskriminierungen ausgesetzt, beklagt die Antidiskriminierungsstelle in ihrem neuen Bericht – sexuelle Minderheiten werden etwa an Schulen und von Kirchen benachteiligt.

Von Dennis Klein

Schon von Kindesbeinen an sind Menschen in Deutschland vor Mobbing und Diskriminierung nicht sicher: Das ist das Ergebnis des zweiten Berichts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Das 450-seitige Werk listet auf, wie in der Bildungs- und Arbeitswelt Menschen wegen bestimmter Merkmale benachteiligt werden. Diese Ungleichbehandlungen, so beklagt die Bundesbehörde, ist schlecht für die Leistungsfähigkeit und die Arbeitsmotivation und daher ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Insgesamt verzeichnete die Bundesstelle zwischen 2010 und 2012 für den Bereich "sexuelle Identität" 356 Beschwerden. Das entspricht rund sechs Prozent aller Anfragen. Am meisten Anfragen gab es in den Bereichen Behinderung und ethnische Herkunft, die je ein Viertel aller Beschwerden ausmachen. An dritter und vierter Stelle liegen Alter und Geschäft mit jeweils rund 20 Prozent. Am seltensten gibt es Beschwerden für das Merkmal "Religion/Weltanschauung". Hier liegt der Anteil bei fünf Prozent.

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Homosexualität als Abweichung von der Norm

Die Studie wird alle vier Jahre veröffentlicht
Die Studie wird alle vier Jahre veröffentlicht

In Schulen ist die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten verbreiteter als später im Berufsleben: So beklagt die Antidiskriminierungsstelle, dass in den meisten Schulbüchern Homo- und Bisexualität zur "Abweichung von der Norm" erklärt wird. "Einige neuere Studien, aber auch die Gespräche mit den Experten zeigen, dass Schulen teilweise nicht tolerant gegenüber Jugendlichen mit nonnormativen sexuellen Orientierungen sind", heißt es unter der Überschrift "Heterosexismus".

Lesbische, bisexuelle, schwule und Trans-Lebensweisen seien "noch immer ein Tabuthema, das Berührungsängste auslösen kann und nur am Rande angesprochen wird". Kinder aus Regenbogenfamilien oder Jugendliche, die selbst LGBT sind, würden so keine Unterstützung erfahren, sondern würden nicht von Mitschülern, sondern oft auch von Lehrern diskriminiert.

Aber auch homosexuelle Lehrer spürten den Druck, nicht von der Norm abzuweichen. Daher sei es immer noch schwierig, "die sexuelle Orientierung offenzulegen"

Arbeitgeber "offen feindselig"

Auch am Arbeitsplatz setzt sich die Diskriminierungswut fort. So bezeichnet die Antidiskriminierungsstelle etwa den Umgang mit transsexuellen Mitarbeitern in vielen Fällen als "offen feindselig". Auch seien LGBT in Führungspositionen "deutlich unterrepräsentiert".

Problematisch sei, dass eine Diskriminierung oft schwer nachzuweisen ist. Nicht alle Arbeitgeber führen die sexuelle Orientierung als Grund dafür an, einen Bewerber nicht einzustellen. Oft geschieht das nur durch Zufall: So dokumentiert der Bericht einen Bewerber, der als Familienstand "eingetragene Lebenspartnerschaft" angegeben und sich damit als schwul geoutet hatte. Als ihm die Firma eine Ablehnung samt seiner Bewerbungsunterlagen zuschickte, war sein Familienstand farbig markiert – ein klares Indiz für eine Ungleichbehandlung. Die Antidiskriminierungsstelle berichtet auch von Auswahlgesprächen, in denen Kandidaten "explizit nach ihrer sexuellen Identität gefragt" wurden.

Zugleich bieten viele Firmen Kurse im "Diversity Management" an, versuchen also ihre Mitarbeiter für Unterschiede zu sensibilisieren. Allerdings liege hier das Hauptaugenmerk auf den Merkmalen Geschlecht, gefolgt von Alter, Herkunft und Behinderung. "Den Dimensionen Religion und sexuelle Orientierung wird dagegen deutlich seltener Aufmerksamkeit geschenkt", wird beklagt.

Kirchen haben Sonder-Diskriminierungsrecht

Die christlichen Glaubensgemeinschaften, immerhin mit 1,3 Millionen Angestellten der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst, tauchen wiederholt in dem Bericht auf, meist im Zusammenhang mit Geschlechterdiskriminierung, Diskriminierung von Andersgläubigen und der Benachteiligung von Schwulen und Lesben. Die Kirchen können wegen einer Ausnahmeregelung im Gleichbehandlungsgesetz völlig legal diskriminieren, weil ihnen erlaubt ist, ein "loyales und aufrichtiges Verhalten im Sinne ihres jeweiligen Selbstverständnisses" von ihrem Angestellten zu verlangen.

"Insbesondere die katholische Kirche nutzt diese Ausnahmevorschrift, um weitgehende Anforderungen an die sexuelle Orientierung der eigenen Mitarbeiter zu stellen. So lehnt die katholische Kirche die Beschäftigung von homosexuellen Mitarbeitern ab, die ihre sexuelle Orientierung ausleben", heißt es in dem Bericht. Es bleibe aber abzuwarten, ob dieses legale Diskriminierung einer EU-Antidiskriminierungsrichtlinie entspricht. Das wurde bislang weder von der deutschen Justiz noch dem Europäischen Gerichtshof entschieden.

Der Bericht wird am Dienstag dem Deutschen Bundestag vorgelegt. Die Antidiskriminierungsstelle schlägt insbesondere vor, im Bereich der Schule und Hochschule mehr zu tun, etwa unabhängige Landes-Beschwerdestellen für Opfer von Diskriminierung zu schaffen. Deutschland könne es sich schlicht nicht leisten, "ganze Gruppen von Schülerinnen und Schülern am Bildungserfolg nicht chancengerecht teilhaben zu lassen", sagte Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle.

Links zum Thema:
» Die gesamte Studie herunterladen (PDF)
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Tags: antidiskriminierungsstelle, gleichbehandlungsgesetz, mobbing, diskriminierung
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 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
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Reaktionen zu "In Deutschland wird fleißig diskriminiert"


 70 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.08.2013
12:01:15


(+2, 6 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Da darf Mann am Donnerstag sehr auf die Reaktionen gespannt sein, obwohl Mann jetzt schon wissen kann, das die Regierungskoalition wieder alles schön reden wird..


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#2
13.08.2013
12:04:16


(+7, 9 Votes)

Von Luca


Kann doch gar nicht sein...

Die FDP lehnt doch immer wieder jegliche Anti-Diskriminierungs-Gesetze mit dem Verweis ab, das würde alles der Markt regeln...

Und es kann doch wohl nicht wahr sein, was der FDP nicht ins zusammenphantasierte Weltbild passt...


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#3
13.08.2013
12:10:01


(+6, 8 Votes)

Von Fennek
Antwort zu Kommentar #2 von Luca


Die FDP ist halt ganz groß darin, die Augen vor der Realität zu verschließen.

Die können ja gerne bis zu einem gewissen Grad an ihre radikale Markt-Ideologie glauben. Aber irgendwann muss man doch auch mal die Realität anerkennen und zugeben, dass es offenbar doch nicht so funktioniert, wie man sich das in der Theorie mal erhofft hatte.

Und dann muss man als Politiker eben auch mal was unternehmen. Aber eine Partei, die absolut regierungsunfähig ist, kann dann halt nicht gestalten, sondern nur die Vorlagen des großen Koalitionspartners CDU/CSU durchwinken...


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#4
13.08.2013
12:15:59


(+10, 12 Votes)

Von Sebi


Es wird höchste Zeit, dass Deutschland endlich (wie auch andere zivilisierte Staaten) ein umfassendes Anti-Diskriminierungs-Gesetz bekommt, dass seinen Namen auch verdient.

Es ist z.B. eine Pervertierung der ursprünglichen Idee eines solchen Gesetzes, wenn man manchen Personen oder Organisationen (z.B. der katholischen Kirche) explizit Diskriminierung erlaubt! Ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz, das manche Formen von Diskriminierung erlaubt, hat den Namen nicht verdient...

Auch diese gefährlichen Gehirnwäsche-Therapien religiöser Fundamentalisten gehören endlich verboten!

Ebenso wie Hassrede, Diskriminierung am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Uni, durch Vermieter, durch Hoteliers, etc.


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#5
13.08.2013
12:17:20
Via Handy


(+7, 9 Votes)

Von Nicolas


Eben, Homosexualität kann oft kaschiert werden, Migrationshintergrund und Behinderungen nicht.
Einerseits ist es natürlich schlimmer sich gar nicht verstecken zu können und in der Schule offenen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Es wird sich in diesem Zusammenhang auch zeigen was die Inklusion bringt, ob eine gemischte Klasse mit Behinderten und nichtbehinderten Schülern zu einem offeneren Umgang mit dem Thema Behinderung führt und Mobbing abbaut.

Homosexuelle haben es wie gesagt einerseits leichter weil sie sich nicht outen müssen, auf der anderen Seite kann ein nicht- Outing zu verkorksten und Seelen führen...wenn man nie das leben darf was man ist.


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#6
13.08.2013
12:18:20


(+8, 8 Votes)

Von Yannick


Auch nicht-schwule Medien (Tagesschau, Spiegel, etc.) berichten heute von diesem Bericht.

Hoffentlich wird endlich mal die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, wie alltäglich Diskriminierung in Deutschland ist. Und hoffentlich führt das zu einem breiten gesellschaftlichen Diskurs, der hoffentlich bald in ein umfassendes Antidiskriminierungs-Gesetz ohne Ausnahmen mündet!


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#7
13.08.2013
12:22:44


(+4, 6 Votes)

Von Petter
Antwort zu Kommentar #3 von Fennek


Die FDP behauptet ja immer wieder, dass solche Gesetze der Wirtschaft schaden würden und sie die deshalb ablehnt.

1.
Der Mensch sollte ja wohl immer noch an erster Stelle stehen und keine Profite. Der Mensch muss immer über allem anderen stehen und höchste Priorität haben.

2.
Unternehmen, die nicht diskriminieren, haben gar nichts zu befürchten. Und die anderen werden dann zu recht bestraft, weil sie sich menschenverachtend und undemokratisch verhalten.

3.
In anderen Staaten schaden solche Gesetze auch nicht der Wirtschaft. Wieso soll das ausgerechnet in Deutschland anders sein?!

4.
Können deutsche Unternehmen nur erfolgreich sein wenn sie diskriminieren dürfen?

Fazit:
Wie immer bei der FDP: die labern einfach mal irgendwas nach, was ihnen irgendeine Lobby diktiert und merken gar nicht, wie sachlich falsch und logisch inkonsistent das ist.


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#8
13.08.2013
12:30:08


(+2, 6 Votes)

Von Robin
Antwort zu Kommentar #5 von Nicolas


"Eben, Homosexualität kann oft kaschiert werden"

Was für eine zynische Aussage...

Wieso soll man das überhaupt kaschieren müssen? Ich will nicht eine Identität vorspielen, die mit mir nichts zu tun hat.

Und mal ganz abgesehen davon hat so ein Schmierentheater, wo man sich immer verstellen muss, immer aufpassen muss was man sagt und tut und wo man immer Angst hat sich vielleicht doch zu verraten auch massive Auswirkungen auf die Psyche.

So eine Selbstverleugnung hat oft schwere psychische Schäden zur Folge!

-----------------------------------------------

"Homosexuelle haben es wie gesagt einerseits leichter weil sie sich nicht outen müssen"

Nein, da ist gar nichts leichter. Weil wir uns eben oft auch nicht outen können / dürfen, selbst wenn wir es wollten...

Das ist so ein bisschen wie die Leute, die einen auf tolerant machen, aber eigentlich extrem intolerant sind und dann so Sachen sagen wie "Ich habe ja nichts gegen Schwule, solange die das zuhause im stillen Kämmerlein machen und das nicht öffentlich zeigen."

NEIN, wir sind keine Menschen 2. Klasse und haben genauso das Recht unsere Gefühle und Identität nicht leugnen zu müssen, wie alle anderen Menschen auch!

Wir dürfen uns nicht mehr in irgendeine Rolle drängen lassen, dass wir irgendwie minderwertig seien und uns verstecken müssen. Nur wenn wir selbst offen damit umgehen, werden es auch andere. Und nur dann sehen Gesellschaft und Politik auch, wie viele wir sind und wie vielfältig wir sind...


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#9
13.08.2013
12:30:13


(-6, 10 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #5 von Nicolas


Traurig zudem, das besonders schwule deutsche Männer, sich rassistisch gerieren. Umgekehrt sind es benachteiligte Migranten, die verstärkt an Homophobie leiden. Gut, dass einige Menschen daran arbeiten, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Die sich mit plumpen Kommentaren artikulierende Leserschaft von Queer.de und auch Zeitschriften wie Männer gehören leider nicht dazu. Ich nenne das Alltags-Faschismus, der von Populisten und durch wirtschaftliche Zwänge befeuert wird.


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#10
13.08.2013
12:33:12


(+6, 10 Votes)

Von XDAS
Antwort zu Kommentar #9 von reiserobby


"Traurig zudem, das besonders schwule deutsche Männer, sich rassistisch gerieren."

Genauso wie es auch Migranten gibt, die homophob sind und auch mobben, beleidigen, gewalttätig sind, etc.

Beides ist gleichermaßen verachtenswert. Aber glücklicherweise ist es in beiden Fällen auch nur eine Minderheit der Manager bzw. der Migranten...


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