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  • 18.08.2013           4      Teilen:   |

"Leben im Käfig"

Junger Schwuler mit Angststörung

Artikelbild
Andreas hat Angstattacken, Panikzustände und traut sich nicht vor die Tür

Der 20-Jährige Andreas traut sich nicht aus dem Haus, zusammen mit seinem Freund Sascha kämpft er gegen die Agoraphobie an. In seinem Roman "Leben im Käfig" hat Raik Thorstad ein Tabu-Thema aufgegriffen.

Von Frank Hebenstreit

Der Incubus Verlag aus Dortmund legt mit "Leben im Käfig" das zweite Buch von Autor Raik Thorstad vor. Die Besonderheit: Es ist eigentlich gar nicht das zweite, sondern das erste – und das hat einen Grund, wie Verlagsinhaberin Kira Wolf-Marz erklärt: "'Zenjanischer Lotus' war das zweite Buch von Raik Thorstad, aber sein erstes bei uns. Als nächstes Buch sollte in unserem Verlag sein drittes Buch, die Fortsetzung von 'Leben im Käfig' erscheinen mit dem Titel 'Nach der Hölle links'. Es bestand allerdings die Gefahr, dass wir die Fortsetzung auf den Markt bringen und 'Leben im Käfig' als erstes Buch vielleicht gar nicht mehr zu kaufen gewesen wäre. Um das auf jeden Fall zu vermeiden haben wir uns diese Rechte gesichert und veröffentlichen daher jetzt erst dieses Buch neu."

Auch bei diesem Roman merkt man, dass der Incubus Verlag klar an einem eigenen Profil arbeitet. Nun wird das Genre Jugend-Drama – oder besser: Psycho-Drama – anvisiert. Einfach geht in den Geschichten offensichtlich gar nichts. Aber gerade das macht ihren Reiz aus.

Fortsetzung nach Anzeige


Lebenslustiger Dorbewohner trifft verschanzten Städter

Der Incubus Verlag nennt das Buch eine "Romanze mit psychologischem Hintergrund"
Der Incubus Verlag nennt das Buch eine "Romanze mit psychologischem Hintergrund"

Die Story: Sascha ist in Hessen aufgewachsen, auf dem Dorf, und hatte noch ein Jahr bis zum Abitur. Da seine Eltern ihn aber mit einem Jungen knutschend auf dem heimischen Sofa erwischten, ging die lange und gut gehütete Bombe hoch und der Familienfrieden war dahin. Aber wie soll man als schwuler Jugendlicher auch friedlich leben, wenn der Mutter das, was die Nachbarn denken könnten, wichtiger ist als das eigene Kind…

Also hat Sascha seine Sachen gepackt und ist zu Tanja, der Schwester seiner Mutter, und ihrer Familie nach Hamburg gezogen. Kurz nach dem Einzug passiert es: Ein Spiel mit dem kleinen Cousin, ein fehlgeleiteter Baseball und ein Klirren. Dadurch lernt Sascha dann Andreas von Winterfeld kennen, den komischen 20-jährigen Nachbarssohn, der die herrschaftliche Villa seiner Eltern schon seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Eine ungewöhnliche Begegnung an der Tür und das Interesse der beiden jungen Männer aneinander ist geweckt. Wenn da nur nicht Andreas' Krankheit wäre.

Andreas hat Angstattacken, Panikzustände und traut sich nicht vor die Tür. Der Versuch, an einem heißen Tag einfach mal im Pool im Garten schwimmen zu gehen, endet in einer Katastrophe. Ihm ist nicht wirklich klar, dass es für seine psychische Erkrankung einen Namen und auch Hilfen gibt. "Kein von Winterfeld hat einen an der Waffel. Der Junge ist nur ein wenig exzentrisch, das wächst sich aus", so die Diagnose und die Hilfe der Familie. Kein Wunder also, dass Andreas mit seinen Dämonen kämpft, einen Hauslehrer hat, den er nur nach Gusto frequentiert, und mit seinen 20 Jahren immer noch weit vom Abi entfernt ist.

Das eigentlich Unvorstellbare passiert: Der lebenslustige junge Mann vom Land kommt dem verschanzt lebenden Städter näher. Sie gewinnen einander für sich und merken bald, dass sie mehr verbindet als nur Freundschaft oder Geilheit. Und so begibt sich Sascha freiwillig in den Käfig, um seinem Andreas Gesellschaft zu leisten und mit ihm den Kampf gegen die Dämonen aufzunehmen. Es kommt, wie es kommen muss: Plötzlich geht alles Schlag auf Schlag bis zu einem wirklich spektakulären Ende, das nur so nach Fortsetzung brüllt.

Das Coming-out ist nur ein Bestandteil der vielschichtigen Emotionen

Versteht sich als Bi-Gender: Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund
Versteht sich als Bi-Gender: Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund (Bild: Incubus Verlag)

Als Leser braucht man eine Zeit, bis man bei den Familien Orientierung gewinnt. Das ist jedoch ein perfekt gewähltes Stilmittel, um den jungen Sascha bei seiner Orientierung in Hamburg zu begleiten, mit ihm zu fühlen. Der Leser ist in dieser Geschichte zeitweise genauso desorientiert wie der Protagonist selbst.

Hart und unbarmherzig schildert Thorstad die psychischen Auseinandersetzungen in beiden Familien. Er schont den Leser nicht und gibt ihm an einigen Stellen einfach keine Verschnaufpause – wie im echten Leben. Er bringt seine beiden Jungs auf ungewöhnlichem Weg zusammen und das Coming-out voreinander ist nur ein Bestandteil der vielschichtigen Emotionen. Er lässt sie Dinge teilen, mit denen manch gestandener Erwachsener noch nie in seinem Leben konfrontiert war. Aber anstatt schreiend wegzulaufen nehmen beide ihren Part an und sind dem Anderen genau das, was er in diesem Moment braucht.

Deutlich und klar erfährt man als Leser, wie die psychische Erkrankung mit dem Betroffenen umspringt. Wann sie einsetzt, ihn fertig macht und das bisschen Selbstwertgefühl, das vielleicht noch da ist, mit einer endgültigen Offensive zerstören will. Hier wird offenbar, dass ein psychisch kranker Mensch wohl wesentlich mehr Mut und Beherztheit braucht, um gegen seine Erkrankung vorzugehen. Einfach nur mal zum Arzt gehen und ein Rezept holen, reicht da nicht aus.

Raik Thorstad zaubert beschwingte und zarte Bilder auf seine Seiten, Bilder einer zerbrechlichen Romanze, die tagtäglich auf Messers Schneide steht und mit jedem Schwanken deren Unbeschwertheit kurz danach Lügen straft. Zwar merkt man, dass man es hier wohl mit einem frühen Buch des Autors zu tun hat, erkennt aber die Schreibe schnell wieder und lässt sich gern abholen.

"Leben im Käfig" ist mit 12,95 Euro für 680 Taschenbuchseiten seinen Preis auf jeden Fall wert. Ich habe dem Band bereits einen Platz unter den schwulen Klassikern in meinem Bücherregal freigemacht und stelle es direkt neben "Zenjanischer Lotus". Und daneben lasse ich auf jeden Fall einen Platz für "Nach der Hölle links". Denn das muss ich nach diesem Auftakt unbedingt lesen.

  Infos zum Buch
Raik Thorstad: Leben im Käfig. Roman. 680 Seiten. Incubus Verlag. Dortmund 2013. 12,95 €. ISBN: 978-3-9815948-2-9
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Raik Thorstads Blog
Mehr zum Thema:
» Rezension von Thorstads Roman "Zenjanischer Lotus": Ein schwuler Kämpfer auf Droge (25.12.2012)
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Tags: raik thorstad, angststörung, agoraphobie, incubus verlag
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Reaktionen zu "Junger Schwuler mit Angststörung"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.08.2013
16:31:06


(+2, 2 Votes)

Von Sveni Mausi


Was bitte schön soll denn "die Schreibe" sein??
Meint Ihr den Schreibstil?
Dann schreib das auch!

Interessant wäre auch mal etwas mehr über den Autoren zu erfahren. Seine beiden hier vorgestellten Bücher stehen ja im Zeichen Psychischer Erkrankungen. Ist er selbst Psychotherapeut oder hat er selbst als Patient längere Zeit in psychischen Einrichtungen verbracht?
Es ist ja schon recht spezifische Themen, die angesprochen werden.


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#2
18.08.2013
17:49:49


(+2, 2 Votes)

Von Leseratte


Ein wirklich sehr berührendes und packendes Buch. Ich konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen und habe richtig gehend mitgefiebert und mitgelitten.
Ich habe mir damals noch die alte Version gekauft und bin froh, dass sie eine Neuauflage davon gemacht haben.


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#3
18.08.2013
20:25:17


(-1, 1 Vote)

Von Stein
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ich hab auf fanfiction.de die entstehung des buches verfolgt. und ich kann jedem nur raten lest das buch es ist wirklich gut!

hier kann man eine leseprobe lesen

Link zu www.fanfiktion.de

ich hab die entstehung mit erlebt und jede woche sehnsüchtig auf das nächste kapitel gewartet


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#4
20.08.2013
20:15:07


(+2, 2 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wenn ich diese Literatur-Rubrik kurz für eine Empfehlung missbrauchen darf? - Virginia Woolf! Bisher wusste ich gar nicht - und fast ist mir das ein bisschen peinlich - wie großartig ihre Texte sind. Harter Sarkasmus, freundliche Ironie, spannende, avancierte literarische Formen und ein Blick von einer solchen Klarheit - man möchte kaum glauben, dass diese bewundernswerte Künstlerin ihre Werke schon vor fast 100 Jahren produziert hat.

"Orlando", die Geschichte eines Menschen, der mehr als 300 Jahre lebt und dabei vom Mann zur Frau wird, gibt's hier als - Empfehlung! - Hörspiel:

Link zu www.br-online.de


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