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  • 20.08.2013           51      Teilen:   |

Olympische Spiele in Sotschi

DOSB: Verbot von "Demonstration und Propaganda" unumgänglich

Artikelbild
In der Dachorganisation DOSB sind ein Drittel der deutschen Bevölkerung engagiert: Rund 28 Millionen Menschen sind Mitglieder in 91.000 Turn- und Sportvereinen.

Der Deutsche Olympische Sportbund tut sich schwer mit dem Thema Homosexualität: Der Verband will sich nicht gemein machen mit der russischen Homophobie, verharmlost aber das Gesetz zu Homo-"Propaganda".

Von Dennis Klein

Am Montag veröffentlichte der "Spiegel" einen eigenartigen Vergleich von DOSB-Sprecher Christian Klaue. Wenn Athleten abseits der Wettkämpfe für die Rechte Homosexueller einträten, seien die Gesetze des Landes zu achten. Das sei "wie bei Trunkenheit am Steuer: Manchmal ist bei 0,8 Promille die Grenze, manchmal bei 0,0". Just am selben Tag machte eine Nachricht die Runde, in der der russische Jugend- und Sportminister Homosexuelle mit Alkoholikern vergleicht (queer.de berichtete).

Gegenüber queer.de erklärte Klaue nun, er vergleiche nicht Homosexualität mit Alkoholmissbrauch: "Gegen diese Unterstellung verwahre ich mich aufs Schärfste", so der DOSB-Sprecher energisch. "Als Beispiel für unterschiedliche Gesetzgebung habe ich die Grenzwerte bei Trunkenheit am Steuer gewählt. Ich hätte aber auch die Straßenverkehrsordnung wählen können, um deutlich zu machen, dass sich Gäste eines Landes unabhängig von ihren daheim geltenden Rechtsnormen an die Gesetzgebung ihn ihrem Gastland halten müssen", sagte Klaue.

Doch paradoxerweise bedeutet das seiner Ansicht nach nicht, dass sich Sportler an das russische Maulkorbgesetz gegen Homo-"Propaganda" halten müssen: "Jeder Sportler hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Jeder darf seine Meinung zum Beispiel in Interviews frei äußern". Das russische Gesetz sagt jedoch deutlich, dass jede öffentliche "Werbung" für eine nicht-traditionelle sexuelle Orientierung verboten ist – und bei Ausländern zu einer Ausweisung und gar Inhaftierung führen kann.

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Bunte Fingernägel sind "demonstrative Geste"

Bei der WM und auch bei der Olympiade sind bunte Finger verboten
Bei der WM und auch bei der Olympiade sind bunte Finger verboten

Wegen der Kontroverse, die bei der Leichtathletik-WM in Moskau ausgebrochen ist, hat der DOSB auf seiner Website am Montag den Artikel "Fragen und Antworten zum russischen Homosexuellen-Gesetz" veröffentlicht. Darin betont die Dachorganisation mit 28 Millionen Mitgliedern zwar, dass "Diskriminierung jeglicher Art" verboten und Sport ein Menschenrecht sei. Gleichzeitig beharrt der DOSB aber auf weltanschauliche Neutralität.

Dieser Balanceakt führt zu seltsamen Resultaten: Die russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa durfte bei einer offiziellen Pressekonferenz der Leichtathletik-WM ungestraft Schwule und Lesben als abnormal bezeichnen (queer.de berichtete). Aber der winzige Protest der schwedischen Sportlerin Emma Green Tregaro, die ihre Fingernägel in Regenbogenfarben anmalte, ist nach Ansicht von DOSB-Sprecher Klaue bereits eine "demonstrative Geste" und daher verboten.

Dieses grundsätzliche Verbot von "Demonstration und Propaganda" ist laut Klaue "unumgänglich, weil diese mit ihrer medialen Aufmerksamkeit sonst schnell zur Bühne für jegliche Art von politischen Demonstrationen würden, die vom Recht der Meinungsfreiheit gedeckt werden – eben auch für jene Themen, die nicht dem westlichen Wertekanon entsprechen." Sprich: Nach Homo-Demonstrationen könnten Islamisten oder andere Extremisten die Spiele als Werbeplattform für sich nutzen. "Es macht keinen Unterschied, ob jemand gegen Diskriminierung oder für ein Menschenrecht demonstriert oder ob sich jemand mit einer Kriegspartei solidarisch erklärt", erläutert Klaue. Das Internationale Olympische Komitee sei keine "Weltregierung", die ihre eigenen gesellschaftlichen Werte verbreiten wolle.

Petition für Regenbogen-Pins

Jelena Issinbajewa erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Russland "Propaganda" von Schwulen und Lesben nicht dulden dürfe – nach heftiger Kritik ruderte sie einen Tag später zurück
Jelena Issinbajewa erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Russland "Propaganda" von Schwulen und Lesben nicht dulden dürfe – nach heftiger Kritik ruderte sie einen Tag später zurück

Schwul-lesbische Aktivisten fordern dagegen, dass der deutsche Sport aktiver in dieser Frage wird: Er solle sich genauso gegen die Diskriminierung von homosexuellen Athleten oder Besuchern von Sportevents engagieren, wie er gegen Rassismus vorgeht. Daher gibt es eine Petition an den DOSB, in der gefordert wird, dass deutsche Sportler bei der Olympiade im Februar in Sotschi bei öffentlichen Veranstaltungen außerhalb des Wettkampfs Regenbogen-Pins tragen sollen.

Einen Boykott oder eine Verlegung der Spiele wegen der homofeindlichen Gesetzgebung in Russland lehnt der DOSB übrigens grundsätzlich ab. Boykotte seien "niemals eine Option", eine Verlegung beispielsweise ins kanadische Vancouver sei "schon aus organisatorischen Gründen absolut unmöglich".

Damit müssen Sportler oder Besucher der Olympischen Winterspiele in Sotschi damit rechnen, dass sie jederzeit verhaftet werden können, wenn sie sich über Homosexualität äußern. Jugend- und Sportminister Witali Mutko hat erst vor wenigen Wochen klargestellt, dass bei der Olympiade "Athleten mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung" die Festnahme droht, wenn sie diese Orientierung "auf der Straße propagieren" (queer.de berichtete). Bei der Leichathletik-WM hat sich die russische Staatsmacht zwar noch zurückgehalten.

Ob sie das im Februar in Sotschi tun wird, ist aber keineswegs sicher. In Erinnerung ist da noch der Eurovision Song Contest 2009in Moskau, der nicht verhindern konnte, dass Teilnehmer eines CSDs am gleichen Tag verhaftet wurden. Für Sotschi haben LGBT-Aktivisten inzwischen einen Pride angeplant.

  Anstehende Proteste zu Russland
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Tags: dosb, sport, olympiade, russland, sotschi
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Reaktionen zu "DOSB: Verbot von "Demonstration und Propaganda" unumgänglich"


 51 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
20.08.2013
12:01:00


(-1, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Herr Klaue hat rein GAR NICHTS verstanden! Eiert herum wie ein Brummkreisel mit Schlagseite!


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#2
20.08.2013
12:01:33


(+9, 9 Votes)

Von Zeitfenster


Und wer ist Generaldirektor beim DOSB ?
Der grüne Politiker Michael Vesper, früher Minister in NRW.
Hahaha....


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#3
20.08.2013
12:10:03


(+7, 7 Votes)

Von stephan
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Feiges Rumlavieren!

Wer auch nur daran denkt, solch ein Knebelgesetz einzuhalten oder andere nötig es zu tun, ist keinen Pfifferling wert!

Wenn es unumgänglich ist, diese Gesetz einzuhalten, dann ist die Absage der Spiele unumgänglich - alles andere heißt, sich mit Verbrechern gemein zu machen.


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#4
20.08.2013
12:18:31


(+7, 7 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


Na, da hat sich der DOSB aber kräftig das Gehirn waschen lassen von den Russen. Die reiben sich die Hände, dass das so einfach war. Glauben Leute wie Klaue ernsthaft, dass man noch einen Funken Achtung für sie empfindet?


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#5
20.08.2013
12:19:33


(+9, 9 Votes)

Von Steve G


Der Klaue muss wohl ziemlich tief ins Glas geschaut haben um so einen gequirlten Quark von sich zu geben und sexuelle Orientierungen mit Alkoholmissbrauch zu vergleichen. Solche Leute gehören für mich weder in einen Vorstand noch sonst wo hin wer gegen Menschenrechte rudert und das tut diese Person trotz Rausrederei muss sich arbeitslos melden oder nach Russland auswandern. Übrigens ist dieser Herr bei Facebook vertreten falls ihr euch auslassen wollt


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#6
20.08.2013
12:22:15


(+5, 7 Votes)

Von Stephen
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Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Wie soll das dann aussehen? Ein heterosexueller Athlet darf seinen Partner/in bei einem Sieg, vor Kameras, umarmen und küssen aber ein Schwuler oder Lesbischer Athlet der seinen Partner/in umarmt und küsst gilt als Demonstrant und wird ausgeschlossen und eingebuchtet?!?!


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#7
20.08.2013
12:32:03


(+6, 6 Votes)

Von Stephen
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Ups, mein Kommentar sollte keine Antwort auf deinen Kommentar sein FoXXXyness, hab nur falsch geklickt!


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#8
20.08.2013
12:32:05


(+5, 5 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Das fällt wohl auch unter "Neusprech".


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#9
20.08.2013
12:49:45


(+10, 10 Votes)

Von sperling


>"Es macht keinen Unterschied, ob jemand gegen Diskriminierung oder für ein Menschenrecht demonstriert oder ob sich jemand mit einer Kriegspartei solidarisch erklärt"

doch, irgendwie schon.

>"Das Internationale Olympische Komitee sei keine "Weltregierung", die ihre eigenen gesellschaftlichen Werte verbreiten wolle."

weshalb steht dann ein diskriminierungsverbot in der charta? weshalb gibt es diese charta überhaupt noch, wenn sie von den funktionären ganz offiziell verneint wird?

aber vermutlich hat er recht: das olympische komitee ist kein akteur im bereich der ethik - wie es mal gedacht war. es ist vor allem ein wirtschaftsunternehmen mit einem milliardenumsatz, den es sich abschminken könnte, wenn es den sponsoren statt aktualisierter riefenstahl-ästhetik unschöne bilder wie verhaftungen von sportler_innen oder statt medaillenjubel kritische debatten über menschenrechtsverletzungen liefern würde.

mir war bisher nicht klar, was für ein moralischer sumpf das ganze ist. sicher bin ich nicht der einzige. das immerhin hat die debatte schon gebracht...


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#10
20.08.2013
12:57:30


(+7, 7 Votes)

Von chilland


Der Typ vom "DOSB" lebt vermutlich hinterm Mond. Große Sportveranstaltungen waren schon immer politisch. Die Amis und die Russen incl. Gefolge, jeh nach Sichtweise haben sich 1980 und 1984 gegenseitig boykottiert, wegen der aktuellen Politik damals. Und immer dort, wo Flaggen hochgezogen werden zu einer Hymne und es eine Länderwertung und einen Medallienspiegel gibt, ist das immer Politik. Selbst wenn auf dem Trikot, neben dem Länderemblem, noch Müsli.- Gummibärchen.-oder Autowerbung ist. Das ist Politik.


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