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  • 25.08.2013           5      Teilen:   |

Coming-out-Literatur

Homo-Austreibung durch sexuellen Missbrauch

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: "Elchtest. Liebe ohne Grenzen" erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem 18- und einem 16-Jährigen

A. Bauer beschreibt in seinem Roman "Elchtest. Liebe ohne Grenzen" die Höhen und Tiefen zweier Jungs, die ihre sexuelle Identität und ihre Liebe zueinander suchen.

Von Angelo Algieri

Benny ist 14 Jahre alt, als sein Vater bei einem Unfall stirbt. Als er allein auf dem Spielplatz trauert, lernt er den zwei Jahre jüngeren und verschüchterten Lucas kennen. Der hat sein Stofftier dabei und überlässt es Benny. Der Grundstein für eine intensive Freundschaft ist gelegt. Nur eine Freundschaft – oder steckt mehr dahinter?

So beginnt der Roman "Elchtest" von A. Bauer, der in der Reihe "Junge Liebe" des Hamburger Himmelstürmer Verlags erschienen ist.

Zeitsprung: Vier Jahre später. Benny macht sein Abitur und hat bereits herausgefunden, dass er nicht nur schwul ist, sondern auf seinen nun besten Freund Lucas steht. Er druckst zunächst herum, gesteht es ihm schließlich. Lucas reagiert gelassen, gleichzeitig aber auch verständnislos, warum er sich nicht früher geoutet hat.

Lucas mag Benny zwar, aber dass er auch schwul sei, kam ihn nicht in den Sinn. Aber er möchte Geborgenheit und schon landen sie im Bett; allerdings wird nur gekuschelt. Am darauffolgenden Tag beschließt Benny, auf Abstand zu gehen. Denn bald ist er weg vom Dorf, wo er wohnt. Und was Lucas nicht weiß: Er wird in Stockholm studieren.

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Ein letzter gemeinsamer Sommer mit Gewissensbissen

In A. Bauers Roman geht es nicht nur um Coming-out und das Erwachsenwerden, sondern auch um  Homophobie innerhalb der Familie und im Fußballverein
In A. Bauers Roman geht es nicht nur um Coming-out und das Erwachsenwerden, sondern auch um Homophobie innerhalb der Familie und im Fußballverein

Doch zuvor genießen die Beiden zusammen die Sommerferien. Sie gehen baden, grillen oder radeln zusammen durch die Gegend. Benny plagen immer wieder Gewissensbisse, dass er so abrupt von Lucas trennen wird. Am Vorabend der Abreise schreibt er ihm schließlich einen Brief, indem er erklärt, dass er Abstand bräuchte und Platz machen müsse in seinem Herzen. Die Anschrift und eine neue Telefonnummer würde er erst zuschicken, wenn er bereit sei. Allerdings wird Lucas diesen Brief nie bekommen. Denn in dessen Familie liegt einiges im Argen.

Sein arbeitsloser Vater trinkt und schlägt seinen Sohn regelmäßig grün und blau. Er bezeichnet ihn als Schwuchtel. Seinen eigenen Dad anzeigen, will Lucas nicht, weil er dann vom Dorf weg müsste und auch seine kleinere Schwester nicht mehr sehen würde. Die Mutter arbeitet unter der Woche weit weg, so dass sie nur an den Wochenenden zu Hause ist. Darum war Lucas bisher immer froh, wenn er Benny hatte. Als sein bester Freund einfach verschwindet, bricht für Lucas eine Welt zusammen. Zusätzlich hat sein Vater damit begonnen, seinen eigenen Sohn sexuell zu missbrauchen, um ihn auf diese Weise von seinem Schwulsein zu heilen. Harte, explizite Szenen werden da beschrieben.

Schafft es Lucas, sich gegen seinen Aggro-Vater zu wehren? Werden sich Benny und Lucas doch noch wiedersehen? Wird es Lucas schaffen, seine Liebe zu Benny einzugestehen? Und erhält Lucas den heißersehnten Fußballvertrag bei einer Bundesligamannschaft?

Zugegeben: A. Bauer beschreibt in seinem Coming-out- und Coming-of-Age-Roman die Höhen und Tiefen zweier Jungs, die ihre sexuelle Identität und ihre Liebe zueinander suchen. Dabei herrscht nicht nur eitel Sonnenschein, die beiden sind auch mit Homophobie innerhalb der Familie und im Fußballverein konfrontiert. Bauer weist darauf hin, dass Schwulenfeindlichkeit nicht nur in der Unterschicht vorkommt, versinnbildlicht durch den familiären Background von Lucas, sondern auch in der Mittelschicht existiert, dargestellt durch Bennys Familie.

Die Dialoge erinnern leider an schlechte Soaps

Bereits im vergangenen Jahr erschien von A. Bauer in derselben Reihe des Himmelstürmer Verlags der Roman "Glückskekse"
Bereits im vergangenen Jahr erschien von A. Bauer in derselben Reihe des Himmelstürmer Verlags der Roman "Glückskekse"

"Elchtest. Liebe ohne Grenzen" hätte – trotz Themenüberfrachtung – eine gute Story für Teenager und junge Erwachsene sein können. Doch hat der Roman leider einige grobe Schnitzer.

Zunächst wird die Story jeweils von den Protagonisten Benny und Lucas erzählt. Das Manko: Sie sind erschreckend unglaubwürdig als Jugendliche und junge Erwachsene. Zu reflektiert, zu altklug, zu künstlich. Vor allem die Dialoge erinnern an schlechte Soaps.

Des Weiteren stören unlogische Schnitzer den Lesegenuss, verursacht durch ein offensichtlich nicht vorhandenes Lektorat. Gleich zu Beginn wird Benny mit Benedikt Weber vorgestellt, in der Folgezeit wird Benjamin Weber daraus. An einer Stelle radelt Lucas zum Training mit dem Rad, doch nach dem Training lässt er sich mit dem Auto nach Hause fahren, ohne an sein Fahrrad gedacht zu haben. Und dass, obwohl im Roman sonst alles haarklein erklärt wird… Ebenso peinlich, wenn plötzlich ein Absatz eingeschoben ist, in dem die Erzählebene von Ich-Perspektive auf Allwissenden Erzähler wechselt. Stellenweise erinnert der Roman an eine schlechtgemachte Parodie.

Doch der schlimmste Patzer ist auf Seite 95 nachzulesen. In dem sonst sehr ausgewogenen und bedachten Roman, bei dem man manchmal glaubt, der LSVD hätte ihn geschrieben, ist der folgende Satz unentschuldbar: "… dass ich gerade das Thema mit Benny in der letzten Woche fast bis zur Vergasung geübt habe." Auch wenn die Redensart "bis zur Vergasung" kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstand, so ist sie im vorliegenden Fall aufgrund der unmenschlichen Gräueltaten der Nazis auch an schwulen Männern inakzeptabel! Dieser Faux-pas, auch wenn er vom Autor unbeabsichtigt war, hätte im Verlag auffallen müssen!

Fazit: Die angesprochenen Themen in diesem Roman sind allesamt richtig und wichtig, doch hat er zu viele formale Schwächen. Der Handlungsablauf ist zwar spannend konzipiert, jedoch hätte dem Buch eine Kürzung und Straffung gut getan. Kurzum: Der Roman hat den Erzähl-Elchtest nicht bestanden!

  Infos zum Buch
A. Bauer: Elchtest. Liebe ohne Grenzen. Junge Liebe, Band 55. Himmelstürmer Verlag. Hamburg 2013. 229 Seiten. 14,90 €. ISBN: 9-783863-611668.
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Tags: a. bauer. junge liebe, himmelstürmer, coming-out-roman, coming of age, sexueller missbrauch
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Reaktionen zu "Homo-Austreibung durch sexuellen Missbrauch"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
25.08.2013
08:43:10


(-1, 5 Votes)

Von DizDiz


... und warum zum Teufel haben schwule Romane immer solche GRAUENHAFTEN Cover???


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#2
25.08.2013
11:57:47


(0, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Elchtest: war da nicht mal was mit der A-Klasse eines bekannten Automobilherstellers?


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#3
25.08.2013
14:20:21


(+2, 4 Votes)

Von Non-stereotyp
Antwort zu Kommentar #1 von DizDiz


wäre zu sehr Homo-Propaganda!


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#4
25.08.2013
14:26:49


(+3, 3 Votes)

Von Eric_T
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Antwort zu Kommentar #1 von DizDiz


Stimmt, natürlich ist was Anderes... :D


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#5
25.08.2013
15:13:27


(+1, 3 Votes)

Von durchschnitt
Antwort zu Kommentar #3 von Non-stereotyp


vielleicht noch ein regenbogen dazu?

Bild-Link:
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Link zu www.spiegel.de


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