Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 25.08.2013           34      Teilen:   |

"Occupy"-Selbstjustiz

Russland: Keine Anklage gegen Neonazis

Artikelbild
Philip Razinsky (r.) bei der Vorführung eines seiner Opfer. Die Behörden sehen darin keine Straftat.

Gegen Jugendliche, die einen Zwölfjährigen öffentlich als schwul vorführten, wird nicht länger ermittelt. Ein Freibrief für weitere Demütigungen?

Von Norbert Blech

Die Staatsanwaltschaft der russischen Region Tambow hat Ermittlungen gegen Jugendliche eingestellt, die in Videos junge Schwule vorführten. Medienberichten zufolge fanden die Beamten in den Aktionen von "Occupy Gerontophilia" keine Straftat.

Anlass der Ermittlungen war ein Video, in dem ein Zwölfjähriger öffentlich gedemütigt wurde. Es ist eines von zahlreichen, in sozialen Netzwerken wie wild verbreiteten Videos, in denen zumeist jugendliche Männer von der Gruppe per Online-Kontakt in eine Falle gelockt worden sind. In den Filmen werden sie zu einem öffentlichen Coming-out gezwungen, oft werden per Handy Eltern oder Freunde des Opfers benachrichtigt.

Anführer von "Occupy Gerontophilia" ist der erst 16-Jährige Nationalist Philip Razinsky, der sich selbst den Nachnamen Dönitz (nach Karl Dönitz) gegeben hat und von einem Kampf gegen "jugendliche Stricher" spricht. Während das soziale Netzwerk VKontakte immer wieder versucht, die Videos zu löschen, ist sein Profil dort seit Monaten unbehelligt.

Die Gruppe macht derweil weiter, ein neues Video von Razinsky zeigt einen mit Farbe übergossenen Mann. Die Filme enden meist damit, dass Razinsky seine Opfer fragt, wie sie für ihre Taten zu büßen gedenken. Sein Vater sagte einem Fernsehsender, er halte die Aktionen für eine "noble Sache". Er ist Leiter der Rechtsabteilung der regionalen Verwaltung, Razinskys Mutter eine einflussreiche Richterin.

Fortsetzung nach Anzeige


Ermittlungen in Kamensk gehen weiter

Gegen Mitglieder von "Occupy Pedophilia" aus Kamensk-Uralski wird weiter ermittelt
Gegen Mitglieder von "Occupy Pedophilia" aus Kamensk-Uralski wird weiter ermittelt

Die Gruppe ist nur eine von einem guten Dutzend, die in ganz Russland aktiv sind. Sie alle basieren auf der Aktion "Occupy Pedophilia" des Neonazis Maxim Martsinkewisch; er war zuvor schon mit viral verbreiteten Videos von Attacken auf Immigranten unter seiner Anführerschaft bekannt geworden. Offiziell richtet sich sein Kampf gegen Pädophile, doch zumeist treffen die Aktionen der "Occupy"-Gruppen schwule Männer und Jugendliche, die völlig legale Kontakte verabreden.

In Interviews sagt Martsinkewisch offen, er sehe keinen Unterschied zwischen Schwulen und Pädophilen. Inwieweit er noch Kontrolle über all die Gruppen hat, die sich inzwischen in seinem Namen gegründet haben, ist unklar. Von den Behörden behelligt wurde er bislang nicht; selbst in Fernsehsendungen konnte er sich mit den Aktionen, die schon seit über einem Jahr laufen, brüsten.

Besondere Aufmerksamkeit erreichte in den letzten Monaten eine "Occupy Pedophilia"-Gruppe aus der Stadt Kamensk-Uralski, die mit großer Brutalität gegen Schwule vorging. Auf Videos wurden Schläge und Tritte dokumentiert; Opfer wurden mit Farbe übergossen und mussten mit Dildos posieren. LGBT-Aktivisten sprechen klar von Folter.

Zuletzt hatte die Gruppe für Kritik von Kirche und Medien gesorgt, nachdem ein Opfer auf einen Friedhof geführt wurde. Der junge Mann musste dort mit einem offenbar von einem Grab geklauten orthodoxen Kreuz durch die Gegend laufen. Das solle ihm eine Warnung sein, hieß es von der Gruppe, ein anderes ihrer Opfer habe Selbstmord begangen.

Journalisten von lenta.ru haben inzwischen recherchiert, dass es diesen Selbstmord, mit dem sich die Gruppe mehrfach brüstete, nicht gegeben hat. Auch eine (angebliche) Aussage von "Occupy Pedophilia" gegenüber einem leicht beeindruckbaren Gegenaktivisten, ein Folteropfer sei verstorben, ist offensichtlich Fantasie und Desinformationen. Eine entsprechende Meldung wurde weltweit von einigen LGBT-Seiten aufgegriffen, nachdem eine fragwürdige US-Menschenrechtsorganisation sie als wahr dargestellt hatte (queer.de berichtete; jene "Spectrum Human Rights Alliance", die alle neuen "Occupy"-Videos unzensiert auf Youtube hochlädt, behauptet inzwischen auch die nicht haltbare Aussage, russische LGBT-Aktivisten gäben unter Zwang regimetreue Statements ab, weswegen man sich besser an sie wenden sollte).

Im Falle der "Occupy"-Gruppe aus Kamensk-Uralski ermitteln die Behörden noch. Sie hatten – nach dem Aufschrei über die Friedhofsaktion – unter anderem eine Razzia bei den Männern durchgeführt und dabei Waffen gefunden. Auch identifizierten sie elf mögliche Opfer, vier wollen angeblich gegen ihre Peiniger vor Gericht aussagen. Eine Anklage wegen Körperverletzung steht im Raum, auch der schwerer wiegende Vorwurf des Zwanges zu ungewollten sexuellen Handlungen: Einige Opfer mussten sich ausziehen und sexuelle Handlungen simulieren.

Selbstjustiz breitet sich aus

Philip Razinsky mit seinem Vorbild Maxim Martsinkewisch
Philip Razinsky mit seinem Vorbild Maxim Martsinkewisch

In anderen Städten gegen die Aktionen der Occupy-Gruppen indessen ungestört weiter, auch Ableger von "Occupy Gerontophilia" gibt es inzwischen. In einem neuen Video aus Irkutsk wird ein 18-Jähriger vorgeführt, der einen 16-Jährigen treffen wollte. Der Mann, der zum Zeigen seines Ausweises gezwungen wird, erhält aus der Gruppe von sieben Jugendlichen heraus zahlreiche Schläge und einen Tritt ins Gesicht, das Wort "Pädophiler" wird auf den Rücken seines T-Shirts geschrieben. Ein anders Video zeigt die Demütigung eines Jungen, der vielleicht mal 14 Jahre alt ist. Die Reaktion der Behörden: Bislang keine.

Russische Medien berichten, auch in Weißrussland, der Ukraine und Moldawien gebe es mittlerweile entsprechende Gruppen. Ausgerechnet in Minsk, in LGBT- und Demokratiefragen noch grenzwertiger als Russland, wurden in der letzten Woche zwei Männer zu mehrmonatigem Hausarrest verurteilt, nachdem sie einen Mann, der einen 16-Jährigen treffen wollte, in einem öffentlichen Video vorgeführt hatten. Straftatbestände: Beleidigung und das Verbreiten persönlicher Daten.

Zurück in Russland greift die Selbstjustiz stattdessen immer weiter um sich. Eine neue Gruppe von Jugendlichen jagdt etwa statt Schwule junge Drogendealer, führt diese vor und verprügelt sie, um dann die Polizei zu rufen, die nur die Kleinkriminellen festnimmt.

Die Behörden stehen unter Druck: In der Öffentlichkeit heißt es, sie täten zu wenig gegen eine um sich greifende Kriminalität. Daher genießen die Selbstjustiz-Gruppen durchaus Anerkennung und wohl auch Nachsicht der Behörden. "Früher haben mich die Leute als Skinhead angesehen, der Hitler unterstützt. Nun, wo ich gegen Pädophile ankämpfe, ist alles in Ordnung", sagte Martsinkewisch kürzlich.

Mehr zum Thema:
» Russland: Schwule Teenager öffentlich vorgeführt (26.07.2013)
» Russland: Angeblicher Foltertod durch Nazis wahrscheinlich eine Falschmeldung (07.08.2013)
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 34 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 377             6     
Service: | pdf | mailen
Tags: russland, occupy, neonazis
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Russland: Keine Anklage gegen Neonazis"


 34 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
25.08.2013
13:37:31


(+8, 12 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Ben Ivory "Russians" (Cover, Sting) from ENOUGH is ENOUGH! - Berlin-Demo on Vimeo.

Link:
vimeo.com/enough2014/ben-ivory


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
25.08.2013
13:44:05


(+10, 14 Votes)

Von potemkin


"Früher haben mich die Leute als Skinhead angesehen, der Hitler unterstützt. Nun, wo ich gegen Pädophile ankämpfe, ist alles in Ordnung", sagte Martsinkewisch kürzlich."

Paradigmenwechsel: Jugendkultur für Zar Putin

Link zu www.queer.de

"Als Unternehmen mit russischen Wurzeln, europäischer Ausrichtung und deutschem Firmensitz sehen wir uns gefragt, den interkulturellen Dialog zwischen den Menschen und Nationen aktiv zu unterstützen. Wir agieren an der Nahtstelle zwischen Russland und Deutschland und setzen uns dafür ein, dass aus der russisch-deutschen Beziehung neue Energien entstehen.

Durch eine Vielzahl von Projekten im sozial-kulturellen Bereich bieten wir diesem Austausch eine Plattform, um das gegenseitige Verständnis der Kulturen füreinander und die Verbindungen der Menschen untereinander zu stärken.

Link zu www.gazprom-germania.de

Die Russische Filmwoche in Berlin wird von der russischen Generaldirektion für internationale Filmfeste Interfest in Kooperation mit der Berliner Agentur Interkultura Kommunikation und mit freundlicher Unterstützung des Kulturministeriums der Russischen Föderation und des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin veranstaltet.
Das Festival steht unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, und des Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafters der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, Vladimir M. Grinin.

Auch in diesem Jahr ist Hauptförderer die GAZPROM Germania GmbH, die dem Festival seit seinen Anfängen ein zuverlässiger Partner ist.

Link zu www.russische-filmwoche.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
25.08.2013
13:57:04


(+8, 12 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby


Die Bilder sind schon grausam aber wie ist es für einen 12-jährigen, der am Anfang seiner Pubertät so übel erniedrigt wird. So banal und dümmlich die Hetze der Putin-Treuen sind, so grausam sind die Übergriffe auf die Jugendlichen. Was braucht es an Dummheit und Grausamkeit einen 12-jährigen zu mißhandeln und das als Kampf gegen Pädophilie zu rechtfertigen. Wenn Haß und Dummheit zusammen kommen wird es gefährlich. Also bitte, kommt nächsten Samstag zur Demo nach Berlin. Mehr Infos unter:
Link zu www.enough-is-enough.eu

Zumindest ein kleines Zeichen setzen!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
25.08.2013
14:07:24


(+12, 14 Votes)

Von Zerhackstücken
Antwort zu Kommentar #2 von potemkin


Da kann man schätzen, wieviel russische Mafia-Kohle in der Hauptstadt Berlin unterwegs ist.

Völlig ungestört können dort, unter Mithilfe deutscher Kultur-, Polit- und Wirtschaftseliten, offizielle und offiziöse Agenten aus Zar Putins Reich satuiert die situierte Nummer einer culture class mit sophisticated people abziehen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
25.08.2013
14:08:50


(-6, 12 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #2 von potemkin


Soll das Schleichwerbung für Gazprom sein oder was? Ich finde diesen Post zynisch, denn er hat weder Relevanz für - noch eine Verbindung zu den grausamen Bildern die in dem Bericht gezeigt werden. Finde ich echt daneben.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
25.08.2013
14:19:38


(+6, 10 Votes)
 
#7
25.08.2013
14:28:59


(+4, 10 Votes)

Von Demonstrieren
Antwort zu Kommentar #5 von Monster_Baby


wollen ohne die knallharten materiellen Interessen offenzulegen, die sich hinter dem aktuell in Russland verfolgten Herrschafts- und Ausbeutungsmodell der Ton angebenden Kapitale im globalen Szenario verschärfter Konkurrenz um Weltmarktanteile verbergen?

Geht es zynischer, irrelevanter und mehr daneben?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
25.08.2013
14:29:46


(+7, 11 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #5 von Monster_Baby


Am 10. April 1973 nimmt Bundespräsident Gustav Heinemann den südvietnamesischen Staatschef Van Thieu mit einem Minimum diplomatischer Aufmerksamkeit in Empfang und verweigert u.a. das Händeschütteln.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
25.08.2013
14:58:17


(+1, 5 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #6 von bote


Aus den Andeutungen kann ich deine Botschaft nicht erkennen. Manchmal hilft Klartext. Andere Menschen - andere Gedankengänge und Bilder, ein wenig Entgegenkommen hilft.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
25.08.2013
15:05:32


(+2, 6 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #7 von Demonstrieren


na ja, Andeutungen oder kryptischen Botschaften versteht nicht jede/r. Es gibt ein Leben außerhalb deines Kopfes.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  1234  vor »


 POLITIK - EUROPA

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Drei Barkeeper in Berlin homophob beleidigt Mit "Regenbogenfahne im Herzen": Werner Graf neuer Chef der Berliner Grünen "Homoheiler"-Verein droht wieder freier Träger der Jugendhilfe zu werden Volker Beck: "Ich bin noch lange nicht weg"
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt