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Gegen Homophobie in Russland

Berlin: Tausende bei Demo "Enough is Enough"


Regenbogenflaggen und russische Fahnen mit Trauerflor: Fast vier Stunden dauerte der Marsch von der City West in die City Ost (Bild: rbb)

Gelungener Protest: In der Hauptstadt wurde am Samstag friedlich und phantasievoll gegen das russische Verbot von Homo-"Propaganda" demonstriert.

Mit 300 Menschen hatten die Veranstalter gerechnet, 2.000 Teilnehmer waren vorsorglich bei den Behörden angemeldet – gekommen waren nach Polizeiangaben jedoch sogar über 5.000. Unter dem Motto "Enough is Enough! – Open your Mouth!" (Genug ist Genug! – Mach Deinen Mund auf!) wurde am Samstag in Berlin friedlich und phantasievoll gegen das russische Gesetz gegen Homo-"Propaganda" demonstriert. Die Teilnehmer forderten von der Bundesregierung und den Sponsoren der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi mehr als deutliche Worte gegenüber der russischen Regierung.

Der bunte und friedliche Zug startete am Samstagmittag am Kurfürstendamm und führte durch das Szeneviertel am Nollendorfplatz, vorbei am Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus im Tiergarten bis zur Russischen Botschaft Unter den Linden. Im Zug wurden Regenbogenfahnen und russische Fahnen mit Trauerflor geschwenkt, auf Transparenten und Plakaten hieß es "Putin go homo", "Putin down" oder "Against Putin". Der russische Präsident mit rosa Lippen und rotem Rouge war dabei das beliebteste Motiv. Daran, dass auch andere Staaten der Welt Homosexualität kriminalisieren, erinnerte im Zug ein riesengroßer Fahnenteppich mit allen Ländern, die die Menschenrechte von Lesben und Schwulen verletzen.

Renate Künast und Rosa von Praunheim marschierten mit

Auch Szenepromis und Politiker zeigten in Berlin Flagge. Neben Filmemacher Rosa von Praunheim, Schauspieler Georg Uecker und Comedian Thomas Herrmanns nahmen u.a. auch die grüne Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast, Berlins Linkspartei-Chef Klaus Lederer, der CDU-Abgeordnete Stefan Evers und der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), an der Demonstration teil.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich aus Termingründen entschuldigt, jedoch bereits am Freitag in einem Brief an seinen Moskauer Amtskollegen Sergej Sobjanin das russische Gesetz gegen Homo-"Propaganda" kritisiert. Mit ihm werde eine Atmosphäre geschaffen, die Angst schüre, anstatt sie abzubauen, kritisierte Wowereit (queer.de berichtete).

Alfonso Pantisano, der zusammen mit sechs Freunden die Demo in Privatinitiative organisiert hatte, zeigte sich vom Ergebnis mehr als zufrieden. "Wir wissen, dass viele Menschen in Russland genau beobachten, was hier heute in Berlin passiert", sagte Pantisano am Samstag. Von Berlin gehe eine Botschaft aus, die da sage: "Ihr seid nicht allein mit eurer Angst und eurer Wut." (cw)

Youtube | Der komplette Demozug in der Höhe des Reichstags
Youtube | Mitschnitt der Abschlusskundgebung
Nächster Protest

Weltweiter Aktionstag am 8.9. mit Aktionen u.a. in Berlin, Bonn, Hamburg, Frankfurt, Mainz, München und Stuttgart


#1 yomenAnonym
  • 01.09.2013, 15:17h

  • Das war wirklich großartig gestern!

    Die Abschlussrede hab ich leider verpasst. Wer war der Redner? Auf dem Video wirkt er sehr überzeugend.
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#2 Sven89Anonym
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 01.09.2013, 15:54h
  • Sehr gut, daß viele Menschen an der Protestdemo in Berlin teilgenommen haben und ihr damit den Vorzug gegenüber Pink Lake gaben! Hier geht es um Wichtiges: weg mit Diktator Putin und seinen menschenverachtenden Homopropagandagesetzen!
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#4 girlvivaProfil
  • 01.09.2013, 17:18hBerlin
  • Prekrasno! Könnt ihr die wichtigsten Inhalte auch auf russisch oder transkribiert kommunzieren? Dann kommt es direkter bei der Zielgruppe an... Holt doch mal eure Russischnkennnisse zum getreuen Bruderland raus... auch das Foto vom sich vor den Patriarchen niederknienden Putin müsste mehr promoted werden vor russischen Wölbungsbauten...
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#5 retneug2107
#6 Aus Bad HomburgAnonym
  • 01.09.2013, 19:00h
  • Warum wenden sich all die Protestierenden vor den russischen Botschaften ständig an die komplett falsche Adresse ? Dort sitzen doch sowieso nur ex-sowjetische Funktionäre, die überhaupt keine Ahnung über die Ethik oder den Anstand haben. In fast allen Ostblock-Ländern wie Rußland ist nicht der Staat, sondern die Kirche für die öffentliche Moral und andere ethischen Fragen wie die Menschenrechte zuständig - weil der dortige staatliche Apparat damals nach der Wende gar keine Menschen hatte, die in diesen Fragen kompetent genug wären, und deshalb die Kirche(n) um die Hilfe bat. In diesem Fall also die russisch-orthodoxe. Das Problem dabei: die Etappe der Selbstaufklärung liegt wohl noch vor ihr, während die katholische oder die evangelische Kirchen das schon längst hinter sich haben. Möchte aber jemand den russischen Schwulen in der jetzigen Lage wirklich helfen, sollte besser nach dem direkten Gespräch mit den Vertretern des Moskauer Patriarchats hier in Deutschland oder in Rußland suchen, am besten mit Seiner Heiligkeit Patriarchen Kirill von Moskau in Person: würde er seine Ansichten am Ende doch noch ändern oder zumindest etwas mildern, dann ist alles gut, wenn aber nicht, dann nicht - eine Alternative gibt es im Moment nicht. Es wird noch eine Weile dauern, bis in Rußland eine neue politische Elite entsteht, die profesionell und unabhängig genug sein wird, um auch in solchen ethischen Themen wie die Homosexualität ihre eigene Meinung zu haben.
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#7 LucaAnonym
  • 01.09.2013, 19:28h
  • Toll, dass so viele Leute teilgenommen haben.

    Ich hoffe, dass die auch alle (und noch viel mehr Leute) auch die Olympischen Spiele boykottieren. Denn nur das zerstört diesem Regime die gewünschten bunten Bilder, die von den Zuständen in Russland ablenken sollen.
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#8 RobinAnonym
  • 01.09.2013, 19:55h
  • Und wo waren Guido Westerwelle & Co?

    Achja, im Gegensatz zu Grünen und Linkspartei labern die nur gerne auf Wahlveranstaltungen und tun ansonsten gar nichts.
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#9 Meleg29Profil
  • 01.09.2013, 21:08hCelle
  • Es war alles sehr gut organisiert, und schon am Treffpunkt sonnige-föhliche Stimmung. Ernüchternd, dass es mit ner Stunde Verzögerung erst losgehen konnte (eine andere Demo musste noch über den Ku'damm vorbei, bevor wir starten konnten). Fiedlich, mutig, bestärkend, verbindend und mit dem nötigen Ernst (Bitte um Schweigen am Mahnmahl). Toll: Regenbogenfahnen über Regenbogenfahnen vorm Brandenburger Tor, und dann Trauerkerzen vor der großzügig abgesperrten Botschaft. Leider war der Kundgebungslautsprecher nicht immer zu verstehen, aber wenn wir mehr als doppelt so viele waren als geplant....wen wundert's...Tolle Gespräche während der Demo, kluge Spruchplakate, immer wieder n Promi und eine engagierte Gemeinschaft (trotz Ladenöffnung und gutem Wetter - dennoch: Just bei Ankunft an der russ. Botschaft regnete es).
    Und nette (bzw. hübsche !) Polizistinnen und Polizisten, die uns 'begleiteten'.
    DANKE!
    und es geht weiter: open-yur-mouth!
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#10 Meleg29Profil