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  • 15.09.2013           6      Teilen:   |

"Wir wollen nicht als Kriminelle gelten"

Singapur: Ein schwules Paar klagt gegen das Sex-Verbot

Artikelbild
Gary Lim (44) und Kenneth Chee (37) wollen das Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht kippen (Bild: Pink Dot Singapore)

Der Paragraf 377A des Singapurer Strafgesetzbuchs verbietet "grobe Unzucht" zwischen erwachsenen Männern. Gary Lim und Kenneth Chee halten ihn für verfassungswidrig. Ein Interview.

Von Martin Aldrovandi

Weshalb habt ihr euch entschieden, vor dem Verfassungsgericht gegen das Gesetz zu klagen?

Kenneth Chee: Viele Menschen in Singapur leiden unter dem Paragrafen 377A. Wir finden, dass sich eigentlich noch mehr Menschen der Gay Community gegen dieses Gesetz zur Wehr setzen sollten. Es gab keinen Schlüsselmoment oder ein besonderes Erlebnis, das uns dazu bewogen hat. Wir wollten eigentlich schon immer etwas für die Community tun und für unsere Rechte kämpfen. Die Klage gegen das Gesetz ist eine gute Gelegenheit dazu.

Habt ihr eure Entscheidung je bereut?

Kenneth Chee: Nein, weil wir wissen, dass es das Richtige ist und wir jetzt auch den Mut aufbringen müssen, es durchzuziehen. Manchmal ist die Aufmerksamkeit, die wir nun erfahren, überwältigend, aber wir müssen uns dieser Herausforderung stellen. Zum Glück haben wir viele Unterstützer; solche die uns übers Internet unterstützen und andere, die sich bei uns persönlich bedanken und uns motivieren, weiterzumachen.

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Die Regierung stellt sich auf den Punkt, dass sie das Gesetz ohnehin nicht mehr pro-aktiv anwendet…

Kenneth Chee: Nun, es gibt immer noch Fälle, wo Männer nach dem Paragraf 377A angeklagt worden sind. Also nachdem die Regierung dies bereits gesagt hat. Abgesehen davon: Allein die Tatsache, dass dieses Gesetz existiert, bedeutet doch, dass es jederzeit und an jedem Ort angewendet werden kann und wir somit in Singapur als Kriminelle gelten.

Von Befürwortern des Status Quo hört man, dass die Gesellschaft in Singapur nicht bereit ist, Geschlechtsverkehr zwischen Männern zu erlauben.

Kenneth Chee: Wir glauben dagegen, dass die Gesellschaft in Singapur bereit ist, der gesamten LGBT-Community ein Leben in Freiheit zu ermöglichen – ohne Angst vor Strafen bis hin zu Gefängnisstrafen. Es ist eigentlich nur eine kleine, jedoch sehr laute Interessengruppe [vor allem christliche Gruppen – A. d. Red.], die hier sehr starke Vorbehalte hat.

Gary Lim: Wir glauben, dass die überwältigende Mehrheit der Singapurer nicht glauben, dass zwei Männer eingesperrt werden sollen, nur aufgrund dessen was sie zu Hause hinter verschlossenen Türen tun. Vielen ist dies auch einfach egal.

Die beiden Aktivisten sind seit 15 Jahren ein Paar
Die beiden Aktivisten sind seit 15 Jahren ein Paar (Bild: Pink Dot Singapore)

Hat sich die Haltung der Singapurer gegenüber Schwulen und Lesben in den vergangenen Jahren bereits verändert?

Kenneth Chee: Singapur ist eine tolle Stadt, das Leben ist sehr sicher, und Singapur ist auch offener, als man allgemein annimmt. Es gibt zum Beispiel kaum Vorfälle von Übergriffen gegen Schwule, Lesben, Bi- oder Transsexuelle. Die LGBT-Community in Singapur muss keine Angst vor Gewalt haben.

Gary Lim: Es sind auch immer mehr Schwule und Lesben bereit, sich zu outen. Dass sieht man zum Beispiel an der Teilnehmerzahl der Pink-Dot-Kundgebung, die in den vergangenen Jahren geradezu explodiert ist. Vor fünf Jahren waren es noch 2.500, und dieses Jahr nahmen bereits 21.000 Menschen teil. [siehe unser Bild des Tages vom 30.06.2013 – A. d. Red.]

Wie sehen eure Familien und Freunde eure Beziehung?

Gary Lim: Wir haben zum Glück einen Freundeskreis, der uns sehr unterstützt. Viele schwule und lesbische Paare trauen sich dagegen nicht, ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit zu zeigen oder sie fürchten sich davor, dass die Familienmitglieder, Freunde oder Arbeitskollegen davon erfahren.

Kenneth Chee: Ich nehme an Garys Familienfesten teil, an Geburtstagen seines Vaters oder der Mutter, da bin ich immer dabei. Das chinesische Neujahrsfest verbringen wir ebenfalls zusammen und auch sonstige Familienzusammenkünfte. Meine Familie feiert zwar wenig Feste, meine Mutter hat Gary aber auch schon oft gesehen. Als mein Vater starb, war Gary an meiner Seite, er hat mich mit der ganzen Organisation der Beerdigung unterstützt.

In immer mehr Ländern der Welt wird die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet, ihr seid seit 15 Jahren ein Paar. Habt ihr selbst Pläne, einmal zu heiraten?

Kenneth Chee: Die Ehe ist nicht etwas, über das wir uns zu diesem Zeitpunkt Gedanken machen.

  Hintergrund
Der Paragraf 377A im Singapurer Strafgesetzbuch verbietet "grobe Unzucht" zwischen erwachsenen Männern. Diese kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Das Gesetz ist ein Überbleibsel aus der britischen Kolonialzeit. Singapurs Regierung hat versichert, man werde den Paragrafen 377A nicht mehr aktiv anwenden. Singapurs Premierminister sagte unlängst, man solle das Gesetz einfach so lassen wie es sei.
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Tags: singapur, singapore, gary lim, kenneth chee, paragraf 377a
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Reaktionen zu "Singapur: Ein schwules Paar klagt gegen das Sex-Verbot"


 6 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
15.09.2013
13:44:05
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(-2, 6 Votes)

Von Reiserobby Unterwegs


Das Verbot gilt auch im eigenen Hotelzimmer oder in privaten Schlagzimmern, dagegen ist Russland ausgesprochen liberal. (Habe mich aber trotzdem nicht vom Vögeln abhalten lassen)


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#2
15.09.2013
15:04:08


(+6, 8 Votes)

Von vulkansturm
Antwort zu Kommentar #1 von Reiserobby Unterwegs


Wenn Sie das Interview genau lesen, dann erkennen Sie ,dass Russland sicher nicht liberaler ist, auch wenn es dort keine strafrechtlichen Bestimmungen gegen Homosexualität an sich gibt.
Während Homosexuelle in Russland gewalttätige Übergriffe fürchten müssen, gibt es in Singapur keine derartigen Übergriffe. Das russische Gesetz, nach dem man eigentlich nur noch negativ über Homosexuelle schreiben oder reden darf, verpestet das gesellschaftliche Klima viel nachhaltiger, als strafrechtliche Bestimmungen, die praktisch nicht mehr angewandt werden.
Übrigens, was sind "Schlagzimmer"? Spezielle Unterkünfte für SM-Fans?


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#3
15.09.2013
15:31:25
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von LedErich
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Auch beim Paragraph 175 hat man mal so argumentiert.


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#4
15.09.2013
16:26:07


(+6, 6 Votes)

Von VolumePro
Aus Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.06.2008


Ich wünsche beiden viel Glück und Erfolg vor dem Verfassungsgericht. Es wäre schön, wenn Singapur von der Liste der Länder mit Homo-Sexverbot gestrichen werden kann.


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#5
15.09.2013
21:15:12


(+3, 3 Votes)

Von Hugo


"...jedoch sehr laute Interessengruppe [vor allem christliche Gruppen A. d. Red.], die hier sehr starke Vorbehalte hat."

Ihr könnt ruhig schreiben welche christlichen: die katoliban und vorallem die verbrecherischen evangelikalen.


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#6
15.09.2013
23:49:06


(+2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Beiden passen gut zusammen und ich drücke ihnen die Daumen, daß sie erfolgreich sind!


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