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  • 16.09.2013           2      Teilen:   |

Manga meets Superman

Gutbestückte Superhelden

Artikelbild
Mit sehr viel Liebe und einer gehörigen Portion Lust gezeichnet: "Zwischen Licht und Schatten"

Edward Winokans schwuler Comic "Kinder der Dämmerung, Band 1: Zwischen Licht und Schatten" ist in einer exklusiven Auflage von nur 100 Exemplaren erschienen.

Von Frank Hebenstreit

Endlich neue Superhelden-Mode. Bei Superman wandert der Slip unsichtbar unter das Kostüm, Asmodis lässt ihn keck unter dem bis zur Hüfte geschlitzten Männerrock hervorblitzen und bietet auch sonst den ein oder anderen Augenschmaus geradezu auf einem Tablett dar. Aber wer ist Asmodis?

Wikipedia sagt dazu: "Als Aeshma-Daeva stammt der Name des Asmodis aus dem Avestischen, wo Aeshma den Dämon des Zorns verkörpert." Das passt aber nicht zum Titelbild des Comics "Zwischen Licht und Schatten", den ersten Band der "Kinder der Dämmerung" von Edward Winokan aus dem THENEXTART Verlag. Dieses zeigt zwar einen durchaus gutgebauten und langhaarigen jungen Mann in einem recht mangaähnlichen Umfeld, ich würde allein davon aber schon drauf schließen, nein, weder Gott noch Zorn.

Dennoch: Neugierig blättere ich den Comic auf und bin zügig in einer fulminant bebilderten Schlacht zwischen Gut und Böse. Meine Herren, was hier an gut gebauten, durchtrainierten und offensichtlich stark ausgeprägt behängten Männern miteinander kämpft, das macht ziemlich schnell klar, hier muss ein Zeichner mit sehr viel Liebe und einer gehörigen Portion Lust gearbeitet haben. Aber auch die Darstellungen der weiblichen Körper lassen nichts zu wünschen übrig. Aus berufener, weil heterosexueller Quelle habe ich mir sagen lassen, dass auch die Damen aus diesen Bildern die ein oder andere Fantasie wert sind.

Fortsetzung nach Anzeige


Ein Grafik-Designer wird als Magier wiedergeboren

Das Grundgerüst zum Comic entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Technischen Kunsthochschule in Berlin
Das Grundgerüst zum Comic entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Technischen Kunsthochschule in Berlin

Der Hauptcharakter Alexander ist ein schwuler 24-jähriger Grafik-Designer aus Berlin, der zusammen mit seinem Lebensgefährten wohnt. Als ein Schicksalsschlag sein Leben aus der Bahn wirft, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen. Das gelingt ihm aber nicht, stattdessen wird er als Magier wiedergeboren. In seinen neuen Körper hat Alexander Asmodis mit aufgenommen. So wurden ihm auch über die Menschen in seinem Umfeld die Augen geöffnet, er ist nicht der Einzige, der über magische Kräfte oder Gegenstände verfügt.

Seine Freunde werden am Ende des Heftes noch mit all ihren Besonderheiten einzeln vorgestellt. Sie allesamt bilden in bester Superheldenmanier eine Front gegen das Böse.

Der Kampf Gut gegen Böse

Das Böse ist hier die üppig bebuste, mit Krallen benippelte und auch sonst sehr ansehnliche Ariley. Gemeinsam mit ihren fiesen kleinen Freunden will sie die Erde in Schutt und Asche legen. Dazu hat sie aber auch extrem leckere Kerle als Reisebegleitung, die mehr vermuten lassen, als sie hinter den durchaus knappen Stoffen verstecken können. Ruchlos und mit fiesen Tricks verfolgt Ariley ihr Ziel und schreckt dabei, wie sollte es auch anders sein, vor Mord nicht zurück.

Erst ein paar Wochen ist Alexander ein Superheld und soll dann schon im Kampf gegen die bösen Mächte auf der Strecke geblieben sein? Ziel verfehlt? In diesem Comic wird aus einer Schlacht heraus Alexander/Asmodis vorgestellt, seine Geschichte erzählt. Danach kehrt man in die Schlacht zurück und wird mit atemberaubender Opulenz Zeuge der wechselnden Kampfgeschicke.

"Kinder der Dämmerung, Band 1: Zwischen Licht und Schatten" endet dann, erwartungsgemäß, in einer Situation, die wohl erst in der Fortsetzung ihre Auflösung finden wird.

Dekadente Farben, fulminante Bilder

Edward Winokan studierte Grafik-Design in Berlin
Edward Winokan studierte Grafik-Design in Berlin (Bild: privat)

Edward Winokan schwule Comic-Mischung ist außergewöhnlich und keinesfalls angepasst. Er mischt Einflüsse aus dem Mangabereich mit dem klassischen Superheldencomic. Dabei bleibt er in seiner Strichführung aber nicht so grob, sondern arbeitet Feinheiten geradezu liebevoll heraus, um an entscheidenden Punkten auch mal gekonnt undeutlich zu bleiben. Sein gesamtes Werk stattet er stilsicher aus einer breiten Farbpalette aus. Mit der Dekadenz der Farben und der absoluten Opulenz und Fulminanz seiner Bilder, können Winokans Texte zwar nicht ganz mithalten, aber das tut dem Gesamterlebnis keinen Abbruch. Beim Comic stehen die Bilder im Vordergrund und die können sich wirklich sehen lassen.

Da wundert es auch nicht, dass der THENEXTART Verlag nur mit einer exklusiven kleinen Erstauflage startet. Offensichtlich hat man sich hier entschlossen, Qualität vor Quantität zu setzen. Und das ist auch gut so. Hier heißt es wahrlich schnell sein, um sich eines der verbliebenen Hefte aus der gerade mal 100 Exemplare umfassenden Erstauflage zu sichern.

Mit nur 12,95 Euro bei 68 Seiten liegt dieses Erstausgabe-Juwel im ganz normalen Preisgefüge. Bei der Begabung des Zeichners und dem passenden Konzept werden wir aus der Serie "Kinder der Dämmerung" hoffentlich noch so einiges von Herrn Winokan bestaunen dürfen.

  Infos zum Buch
Edward Winokan: Zwischen Licht und Schatten. Band 1: Kinder der Dämmerung. 68 Seiten vollfarbig. A4 Paperback. Klebebindung. THENEXTART Verlag. Chemnitz 2013. 12,95 €. ISBN 978-3-939400-50-9
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Tags: edward winokan, kinder der dämmerung, gay comic, thenextart verlag
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Reaktionen zu "Gutbestückte Superhelden"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
17.09.2013
13:59:30


(-3, 5 Votes)

Von cleme


Dass die Auflage so klein ist, hat wohl weniger etwas mit Exklusivität zu tun... Ich verstehe nicht, wieso hier jeder Mist mit schwulem Inhalt in den Himmel gelobt wird. Das hat meiner Meinung nach wenig mit Queerness und seriösem Journalismus zu tun, es ist eher Werbung für Schrott...


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#2
17.09.2013
14:09:55
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von jarjar


Du hast es also gelesen? Oder woher willst du wissen ob es schrott ist?
Die auflage ist so klein da die comicszene in deutschland nicht groß ist und die schwule comicszene noch viel kleiner. Als mitte 20 jähriger einen eigenen titel auf den markt zu bringen ist da meist ein finanzielles risiko, nicht nur für den verlag meist auch für den autor der das ding mit sicherheit selbst finanziert hat und sich damit bestimmt einen traum erfüllt. Ich schaue immer gerne wenn queer.de so etwas vorstellt und hab auch bei der romeo/paninicomics aktion anfang des jahres mitgemacht.


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