Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?20081

CDU und FDP distanzieren sich öffentlich von "Therapie"-Angeboten für Homosexuelle. Aber richtig ernst scheinen sie das Thema auch nicht zu nehmen.

In einer Liste von vermeintlichen Verboten durch die Grünen taucht ein entsprechender Gesetzentwurf unter dem Punkt "besonders skurriles" auf.

Von Norbert Blech

Die CDU in Hessen nimmt offenbar das Problem von Therapieangeboten zur Homosexualität nicht ernst. Im Wahlkampf mokierte sich jetzt die Partei über einen Gesetzentwurf der Grünen, der Homo-"Heilung" verbieten sollte.

Per Twitter schrieb die CDU am 9. September: "Sobald Rot-Grün in Regierungsverant. kommt, wird verboten, wo immer es geht." Verlinkt ist eine von der Partei erstellte Liste über eine vermeintliche "Grüne Verbots- und Gängelungskultur", die eine ganze Reihe von angeblich durchgesetzten oder geplanten "Verboten" benennt, darunter natürlich den Dauerbrenner "Veggie-Day".

Der findet sich in der Rubrik "Besonders skurriles", neben einem "Verbot von Weichmachern in Sexspielzeug" – dabei wäre das durchaus sinnvoll. Auch in der "skurrilen" Aufzählung gelistet: das "Verbot von Therapien für Homosexuelle".

Schwarz-Gelb lehnte "Heilungs"-Verbot ab


Die CDU amüsierte sich über Verbote, die die Grünen angeblich oder tatsächlich wollten, darunter auch das der Homo-"Heilung"

Im Frühjahr hatte die grüne Bundestagsfraktion einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebacht, der "Therapien mit dem Ziel der Änderung der sexuellen Orientierung bei Minderjährigen" mit Geldstrafen belegt hätte. "Zahlreiche Gutachten belegen, dass diese Therapien nicht nur wirkungslos, sondern sogar gefährlich für die Betroffenen sind", sagte dazu der Grünenpolitiker Volker Beck (queer.de berichtete).

Allerdings zeigte sich die Bundesregierung davon unbeeindruckt. So gab der FDP-Politiker Jörg van Essen zu Protokoll, dass Konversionstherapien zwar "zu negativen und schädlichen Effekten führen" könnten; es reiche aber aus, "entsprechenden Angeboten mit Aufklärung und Hilfe entgegenzutreten" (queer.de berichtete).

Nun ist davon allerdings wenig zu spüren. Zwar stellte die Bundesregierung im Jahr 2008 fest, dass Homosexualität weder "einer Therapie bedarf" noch "einer Therapie zugänglich" sei und entsprechende Angebote den Leuten vor allem schadeten.

Doch Angela Merkel würdigte in diesem Jahr mit Grußwort und Besuch evangelikale Verbände, die eine "Heilung" offiziell befürworten und mit entsprechenden Dienstleistern teils gut verbandelt sind – und sprach das Thema Homo-"Heilung" nicht an. Dabei widmeten die Apis, die Merkel vor wenigen Wochen besuchte, dem Thema gar ein ganzes an Jugendliche gerichtetes Heft – Homo-"Heiler" von Wüstenstrom und Weißem Kreuz steuerten die Artikel bei (queer.de berichtete).

Die Christen-Partei und die Christl


Aus einem Flyer des DIJG: "Die Schlüssel zur Veränderung sind Motivation, Ausdauer und die Bereitschaft, den bewussten und unbewussten Konfl ikten , die zur Homosexualität geführt haben, auf den Grund zu gehen"

Auch im schwarz-gelb regierten Hessen spielt das Thema eine Rolle: Dort hat die Offensive Junger Christen (OJC) mit dem angeschlossenen "Institut für Jugend und Gesellschaft" (DIJG) unter der Leitung von Christl Vonholdt ihren Sitz. Die Organisation vetritt offen die "Heilung" von Homosexualität, und das mit Worten und Argumenten, die kreuz.net Konkurrenz machen würde, wäre die Seite nicht aufgrund öffentlicher Empörung eingestellt.

Das Land Hessen hatte hingegen zusammen mit dem Bund die OJC durch Mittel zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr gefördert, bis Februar 2013 nahmen 57 junge Leute an dem Programm teil. Pro Person und Monat gab das Land rund 50 Euro aus, der Bund steuerte allein im Laufe von zwei Jahren mindestens 13.000 Euro bei. Nach einer Aufstellung des Sozialministeriums wurden FSJler neben hauswirtschaftlichen und ähnlichen Tätigkeiten auch zur "Redaktion" und zur "Planung, Vorbereitung und Durchführung verschiedener Projekte bei Kirchentagen, Jugendkirchentagen und anderen kirchlichen Konferenzen" eingesetzt. Derzeit prüft man die Förderung, allerdings stehen OJC und DIJG unter dem Dach der Evangelischen Kirche.

Der LSVD hatte die CDU Hessen im Rahmen seiner Wahlprüfsteine zur Landtagswahl an diesem Sonntag befragt, ob man gegen "Therapie"-Angebote für Homosexuelle vorgehen werde. Die Partei ließ antworten, dass Homosexualität keine Krankheit sei und keiner Therapien bedürfe. "Die CDU Hessen lehnt daher die Zusammenarbeit mit Verbänden und Vereinigungen, die derartige Positionen vertreten, ab."

"Das sind leere Worte", findet Markus Ulrich fom LSVD. "Das interne Papier zeigt, die CDU Hessen hat ein Herz für Umpoler: Sie kämpft mit den christlichen Fundamentalisten gegen das Verbot der pseudowissenschaftlichen und menschenfeindlichen 'Therapien' an Jugendlichen. Sie hat keinerlei Problembewusstsein und kein Gefühl für die Nöte junger Menschen, die im Coming-out stecken und in einem homophoben Umfeld aufwachsen."

Vonholdt war übrigens in den letzten Jahren auf Einladung der Union als Expertin zur Diskussion über die Lebenspartnerschaft in den Rechtsausschuss des Bundestages eingeladen worden, auf zwei Anfragen der hessischen CDU schrieb sie Stellungnahmen für das Landes-Pendant. Vielleicht hat sie damit dazu beigetragen, dass die Union Schwulen und Lesben noch immer das Adoptionsrecht verbietet.



#1 KlärchenAnonym
  • 19.09.2013, 16:57h
  • "In einem Gespräch mit Diakonie-Präsident Johannes Stockmeyer erklärten Vertreter der Offensive Junger Christen OJC, dass sie Homosexualität nicht als psychische Erkrankung bewerten und somit auch nicht als therapiebedürftig betrachten. Daraufhin erklärte das zuständige Diakonische Werk der EKD die Vorwürfe für ausgeräumt. Es sei Konsens des Gespräches gewesen, dass jede Form der Diskriminierung einer sexuellen Orientierung sowohl aus theologischen als auch aus medizinischen Gründen abzulehnen sei."

    Wikipedia
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Infamie auchAnonym
#4 JoonasAnonym
  • 19.09.2013, 17:45h
  • Aha, wenn man Leute vor fundamentalistischer Gehirnwäsche, die bis in den Selbstmord treiben kann, beschützen will, ist das für die CDU lächerlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SebiAnonym
  • 19.09.2013, 17:51h
  • Am Sonntag ist ja nicht nur Bundestagswahl, sondern auch Landtagswahl in Hessen.

    Da können die Wähler ja der CDU zeigen, wer wirklich lächerlich und skurril ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 MarekAnonym
  • 19.09.2013, 17:54h
  • In anderen Ländern ist so ein Gehirnwäsche-Verbot längst beschlossen oder in der Diskussion.

    Nur die CDU lebt weiterhin geistig im Mittelalter.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 NormalverdienerAnonym
#8 Simon HAnonym
  • 19.09.2013, 18:03h
  • Das zeigt nur wieder mal, welches menschenverachtende und zynische Weltbild die Union hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 goddamn liberalAnonym
#10 FennekAnonym
  • 19.09.2013, 19:14h
  • Man kann ja verschiedener Meinung über Homosexualität lustig machen.

    Aber wenn die in den Selbstmord getrieben werden, geht es nicht mehr um Gleichstellung, sondern um Menschenleben!!! Das ist eine ganz andere Sache.

    Wer sich darüber lustig macht, ist echt unterste Schublade...

    Pfui CDU!
  • Antworten » | Direktlink »