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Transparent bei Deutschlands erster Homosexuellen-Demo am 29. April 1972 in Münster (Bild: Archiv Rosa Geschichten Münster)

Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter analysieren in ihrem Buch "Queer und (Anti-)Kapitalismus" die Akteure der schwul-lesbischen Szene.

Von Ulrike Kümel

"Queer" ist für viele Schwule einfach Lifestyle. Wie sich "Queer" zum Kapitalismus verhält, dafür bieten die Autoren des Bandes "Queer und (Anti-)Kapitalismus" einen vielschichtigen Zugang. Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter untersuchen leicht lesbar und dennoch auf hohem wissenschaftlichen Niveau aktuelle queere Forderungen und ihre Stellung in der allgemeinen Politik. Dabei spielt Rassismus eine große Rolle.

Ausgehend von Straßenkämpfen 1966 in San Francisco und den legendären Kämpfen in der New Yorker Christopher Street drei Jahre später, erläutern die beiden Autoren die historischen Ausgangspunkte queeren Widerstands. Dabei arbeiten sie heraus, dass gerade die wichtigsten AktivistInnen der Kämpfe aus dem kollektiven schwul-lesbischen Erinnern ausgelöscht sind: Nicht-weiße Transgender und Drag Queens of Color, obdachlose Jugendliche, gerade aus der Arbeiterklasse, waren etwa in der Auseinandersetzung mit der Polizei in der ersten Reihe. Namentlich Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson werden vorgestellt. Rivera wurde trotz ihres Einsatzes bereits beim CSD 1973 von Schwulen und Lesben als Trans*-Person beschimpft und sogar geschlagen.

"Verschiedenheit" als Voraussetzung für Unterdrückung


Das Sachbuch ist Ende August im Stuttgarter Schmetterling Verlag erschienen

Ausgegangen wird in dem Sachbuch davon, dass Geschlecht konstruiert ist. Das bedeutet: Es ist von der Gesellschaftsform und vorherrschenden Ideologie abhängig, wie Männer/Frauen und Sexualitäten unterschiedlich dargestellt und bewertet werden und wie daraus Heteronormativität versus Homosexualität entstehen kann. Die Autoren arbeiten heraus, wie unser weltweites kapitalistisches System fortwährend Menschen als "verschieden" und stets als "besser/schlechter" konstruiert, um Unterdrückung und Ausbeutung aufrechtzuerhalten. Dies mag theoretisch klingen, kann aber z.B. erklären, warum heutzutage der CSD ein kommerzielles Schwulen-Rambazamba geworden ist, das die einstigen VorkämpferInnen oftmals diskriminiert und ausschließt.

Aus der geschichtlich-politischen Perspektive zeigen die Autoren auf, wie für die Industrialisierung des globalen Nordens Kolonien für die Rohstoffe und Arbeitskraft-Ausbeutung beansprucht wurden und wie dafür "Rasse" erfunden wurde. Dies war und ist immer mit Geschlecht und Sexualität verbunden. So wurde damals "der Orientale" als feminisiert, mit wenig ausgeprägten primären Geschlechtsmerkmalen und zur gleichgeschlechtlichen Liebe tendierend bezeichnet. Das ist für uns aufschlussreich, denn virulente rassistische Vorurteile grassieren auch heute unreflektiert in der Szene – nur dass sich als "Türken" bezeichnete Männer, die auf Männer stehen, öfter so behandelt fühlen, als seien sie "unzivilisiert" und als werde von ihnen erwartet, dass sie im Bett "animalische Wilde" sind.

Aber Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter geben sich nicht damit zufrieden, dieses alles mit einer großen Fülle an Unterthemen zu unterlegen, wie beispielsweise Unterschiede zwischen BRD und DDR sowie die Darstellung der Dynamik sozialer Ungleichheiten. Vielmehr betrachten sie unparteiisch und schonungslos sämtliche Akteure der queeren Szene. Sie stellen für die aktivistischen Kontexte und die akademische Wissensproduktion heraus, wie die Arbeiten und Kämpfe von People of Color angeeignet werden. "Ihren" Marx kritisieren sie für seinen schiefen Blick auf den Kolonialismus.

Seit Werner Hinzpeters Schöne schwule Welt (1997) und Eike Stedefeldts Schwule Macht (1998) hat niemand mehr so konkret die Akteure der schwul-lesbischen Szene – wie etwa LSVD und Queer Nations – analysiert und kritisiert. Man darf gespannt sein, ob als Reaktion wieder nur beleidigte Abwehr kommt oder – man soll die Hoffnung nie aufgeben – ein Umdenken erfolgt. Das wird sehr spannend.

Infos zum Buch

Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus. 180 Seiten. Kartoniert. Schmetterling Verlag. 2013. 12,80 €. ISBN 3-89657-061-7


#1 GeorggAnonym
  • 19.09.2013, 18:17h
  • Den ersten "CSD" in Deutschland gab es also im katholisch-bürgerlichen Münster, nicht in Berlin oder Frankfurt!
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#2 draganProfil
#3 -hw-Anonym
#4 Timm JohannesAnonym
  • 19.09.2013, 18:58h
  • Das Buch werde ich wohl lesen und schauen, was da drin steht.

    Zu befürchten ist, das da linkes Geschwurbel und Gefasel sich über Seiten erstreckt...aber warten wir es ab: erstmal werde ich es lesen.
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#5 ZeitfensterAnonym
#6 WolfgangProfil
  • 19.09.2013, 23:09hBielefeld
  • @Timm Johannes

    Dumme und ungebildete Menschen bezeichen kackfrech immer alles, was sie nicht verstehen, weil sie dazu zu blöd sind, als Geschwurbel und Geschwafel!
    Sie, Allerwertester, haben sich immer und immer wieder als eben jener schwule Spießer, Sesselpupser und horizontarmer Wicht erwiesen, der im erwähnten Buch beschrieben wird: kommerz- und funoriertiert, etzt bereits nach der Rente hechelnd und vom schwulen Eia-Popeialand träumend zwischen den Daunen des Sofakissens und statt mit dem röhrenden Hirsch an der Wand, irgendeine schwule Wuchtbrumme aus den Schlagersendungen von RTL.
    - Manchmal kann ich Ihre banalen Wiederholungen einfach nicht mehr aushalten! Dann muß ich verbal auf den Tisch hauen!- Und gehen Sie am Sonntag nach dem Abendmahl bei Frau Brunne bloß FDP wählen; Fipsi wird sich nicht einkriegen vor Freude und Ihnen bestimmt pesönlich danken; was ja auch bei den wenigen FDP-Wählern nicht schwer fällt.
    Und Mutti wird sich auch bei Ihnen bedanken mit Dududu, liebes brügerliches Schwulenmännchen!
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#7 sperlingAnonym
  • 19.09.2013, 23:16h
  • Antwort auf #1 von Georgg
  • ja, das ist richtig.
    die ersten paraden, die auch wirklich "CSD"s hießen, weil sie sich von dem streng politischen konzept lösten und das eher lustbetonte konzept aus den usa übernahmen, gab es dann 1979. in bremen nannte man es damals "schwuler karneval".
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#8 sperlingAnonym
  • 19.09.2013, 23:28h
  • ich glaube, das hier ist die erste buchbesprechung auf queer.de, die mich animiert, das buch zu kaufen (sonst wird ja hier meist nur der komplette inhalt nacherzählt und dann erklärt, weshalb das besprochene buch scheiße ist). danke also an die autorin.

    natürlich wird's bei meiner örtlichen buchladen-kooperative gekauft. wär ja ziemlich ironisch, diesen titel bei den ausbeuter_innen-säuen_ebern von amazon zu bestellen, nicht wahr?
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