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Vor der Duma protestierten am Donnerstag von der Polizei ungestört fünf Homo-Aktivisten und forderten eine Einweisung der Abgeordneten Elena Misulina in eine geschlossene Anstalt. Drinnen sprach diese sich gegen ein neues homofeindliches Gesetz aus.

Parlament stimmt aber noch über den Entzug des Sorgerechts ab. Derweil kann Selena Gomez nicht in Moskau singen, ein Filmprojekt keine Förderung bekommen.

Ein neues russisches Gesetz, das Elterteilen bei angeblicher Homosexualität das Kind nehmen könnte, scheint zu scheitern. Ein entsprechender Entwurf war vor zwei Wochen von Alexej Schurawlew, einem Abgeordneten von Putins Regierungspartei, ins Parlament eingebracht worden (queer.de berichtete).

Neben Alkoholismus, Drogenmissbrauch oder einer Geisteskrankheit benennt es Homosexualität als Grund, einem Elternteil das Sorgerecht zu entziehen. Gibt es keinen weiteren Erziehungsberechtigten, soll das Kind in ein staatliches Erziehungsheim eingewiesen werden. Bereits damals hatte es Kritik auch aus den eigenen Reihen gegeben: Ein Beweis einer Homosexualität sei schwierig, auch könnte das Gesetz zu Missbrauch durch falsche Beschuldigungen führen.

Im Familienausschuss der Duma sagte die Vorsitzende Elena Misulina am Donnerstag, die Chancen, das Gesetz zu verabschieden, stünden bei null Prozent. Allerdings wird die Vorlage dem Parlament zur Verabschiedung vorgelegt. Misulina, die für das landesweite Homo-"Propaganda"-Gesetz verantwortlich ist und immer wieder gegen Schwule und Lesben hetzt, nannte die Pläne "undurchführbar" und "frivol".

Kein Auftritt von Selena Gomez in Russland


Selena Gomez singt nicht in St. Petersburg und Moskau, dafür in Minsk.

Derweil gab es in der deutschen Presse einige Aufregung über die amerikanische Sängerin Selena Gomez. Die habe wegen des "Propaganda"-Gesetzes oder ihres Einsatzes für Homosexuelle kein Visum für zwei Konzerte in Russland in der nächsten Woche bekommen, meldeten einige Medien, andere gar, die Künstlerin habe die Konzerte deswegen abgesagt.

Die Sache ist komplizierter: Künstler benötigen seit einigen Wochen, wie in einigen anderen Ländern üblich, ein Arbeitsvisum zur Anreise, mit höheren bürokratischen Hürden als zuvor. Nach den Auftritten von Madonna und Lady Gaga, die sich auf der Bühne für LGBT-Rechte einsetzten, hatte der St. Petersburger Abgeordnete und regionale "Propaganda"-Gesetz-Einbringer Witalij Milonow nicht nur gescheiterte Klagen gegen die Künstler angestrengt, sondern auch die Regierung mit Anfragen zu der lockeren Visa-Vergabe genervt.

Aufgrund der neuen bürokratischen Hürden hatte der Konzertveranstalter nun die Auftritte von Gomez in St. Petersburg und Moskau absagen müssen. Russische Medien kritisierten, Jewgeni Finkelschtejn hätte sich nicht früh genug um ein Visum bemüht, die Konzerte aber schon seit sechs Monaten beworben. Finkelschtejn selbst hatte noch im August gegenüber Medien gemeint, der Staat habe sich bislang nicht in die Auswahl der Künstler eingemischt und werde das wohl auch in Zukunft nicht machen.

Denn die Absage prominenter Stars dürfte, wie insgesamt eher kritische Medienberichte belegen, bei der Bevölkerung nicht gut ankommen. Vielleicht gab es eine Petition an Gomez, sich bei den Konzerten für LGBT-Rechte auszusprechen, auch nicht zufällig: So wichtig scheinen der Künstlerin Menschenrechte auch nicht zu sein.

So tritt sie an diesem Donnerstag Abend in Minsk auf, in der letzten Diktatur Europas. Dort werden Teilnehmer eines verbotenen CSDs übrigens gleich für mehrere Tage verhaftet, statt für ein paar Stunden wie in Moskau. Und von der Uni geworfen (queer.de berichtete). Neuerdings braucht man in Weißrussland selbst für LGBT-Fahrradtouren oder ähnliche Veranstaltungen eine Genehmigung, die dann nicht erteilt wird. Holt man keine Genehmigung ein, wird man auch bestraft. Der nächste Stop der Künstlerin: Kiew.

Keine Staatsmittel für Tschaikowsky-Film

Eine andere Geschichte aus Russland vom Donnerstag wurde hingegen in deutschen Medien korrekt berichtet: Das russische Kultusministerium will tatsächlich keinen Film über das Leben von Peter Tschaikowsky unterstützen, wenn darin die Homosexualität des Komponisten vorkommt. Regisseur Kirill Serebrennikow gab die Fördergelder in Höhe von 30 Millionen Rubel (rd. 70.000 Euro) zurück und will diese nun aus dem Ausland eintreiben.

Am Donnerstag hatte zudem die Moskauer Stadtverwaltung einen für die nächste Woche geplanten Protest von Homo-Aktivisten vor dem Büro der Organisatoren der Olympischen Winterspiele in Sotschi verboten. Die Aktivisten wollen trotzdem in der nächsten Woche demonstrieren, wenn IOC-Mitglieder sich über die Vorbereitungen informieren und eine Pressekonferenz geben wollen. (nb)



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.09.2013, 23:59h
  • Daß das Gesetz scheitert, ist Wunschdenken. Frau Misulina lügt, wenn sie den Mund aufmacht und ist absolut unglaubwürdig!
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#2 Harry1972Profil
  • 20.09.2013, 00:11hBad Oeynhausen
  • "Denn die Absage prominenter Stars dürfte, wie insgesamt eher kritische Medienberichte belegen, bei der Bevölkerung nicht gut ankommen."

    Na also...da sage noch einer, ein Boykott bringe nix. Leute wie Elton John sind einfach geldgeil und geben sich nur einen Aktivisten-Anstrich, um ihre restlichen "Kunden" nicht zu verprellen.

    ...und die 70.000 Euro für den Film über Peter Tschaikowsky sollten ja wohl spielend und mindestens zehnfach im Ausland aufzutreiben sein.
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#3 DOROTHYAnonym
#4 Martin28a
  • 20.09.2013, 01:27h
  • So ein Gesetz ist lächerlich und kann aus mehreren Gründen garnicht in Kraft treten :

    Zum einen würde es die universellen Menschenrechte verletzen, zum anderen würde es ja auch Homosexualität als Krankheit definieren, was aber alle int. Wissenschaftler mittlerweile bestreiten

    Beweisen kann man so was einfach nicht.
    Es gibt sicher noch eine ganze Reihe anderer Gründe
    Mit so einem Gesetz würde sich Russland endgültig nicht nur gegen int. Recht stellen, sondern auch gegen die EMRK...
    Ich frage mich langsam wohin eig dieses Land noch steurt ??
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 TimonAnonym
  • 20.09.2013, 10:39h
  • "Das russische Kultusministerium will tatsächlich keinen Film über das Leben von Peter Tschaikowsky unterstützen, wenn darin die Homosexualität des Komponisten vorkommt."

    Wenn jetzt sogar schon historische Fakten zensiert werden sollen, wird es echt immer lächerlicher (aber auch immer dramatischer)...

    "Regisseur Kirill Serebrennikow gab die Fördergelder in Höhe von 30 Millionen Rubel (rd. 70.000) Euro zurück und will diese nun aus dem Ausland eintreiben."

    Richtig so!

    Ein Mann mit Rückgrat!
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#7 god save queensAnonym
#8 RobbyEhemaliges Profil
#10 DOROTHYAnonym