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Einzelkommentar zu:
Volker Becks erstes Skandälchen


#9 CommanderVimesProfil
  • 22.09.2013, 17:22hHamburg
  • Sehr guter und differenzierter Artikel. Mit viel Nachsicht kann man Volker Beck zugute halten, dass ihm selbst sein Originaltext nicht mehr vorlag. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr man sich manchmal über die eigenen Worte wundern kann, wenn man sie viele Jahre später liest. Die Erinnerung kann trügen. Zudem kann durchaus eine Überschrift und eine Zwischenüberschrift einen subtilen aber dennoch deutlichen Unterschied in der Bewertung und Interpretation des nachfolgenden Textes ausmachen - zumindest in der subjektiven Wahrnehmung.
    Dennoch muss man feststellen, dass bei objektiver Betrachtung die Veränderungen des Textes wirklich nur leicht redaktioneller Natur sind und man definitiv nicht soweit gehen kann, dem Herausgeber zu unterstellen, er hätte hier sinnentfremdend verfälscht.

    Einen Skandal kann ich dennoch wirklich nicht erkennen. DIe Grünen haben niemals gefordert, Kindesmissbrauch straffrei zu stellen. Tatsächlich wären wohl ca. 99% aller Fälle, die zu Verurteilungen führen, auch aus Sicht der Grünen in den 80ern zu bestrafen. DIe Grünen (oder ein Teil von ihnen) haben stattdessen die These vertreten, dass es auch Sex zwischen Erwachsenen und Kindern geben könnte, der eben KEIN Missbrauch wäre.
    Aus heutiger Sicht ist diese Ansicht nicht nur falsch, sondern geradezu absurd, bzw. würde ein entsprechendes Gesetz erhebliche Gefahren verursachen. Im historischen Kontext gesehen ist es aber nur natürlich, dass in einem Land, das nur ein paar Jahre zuvor noch Homosexuelle ins Gefängnis steckte, damit Existenzen zerstörte udn nicht wenige in den Selbstmord trieb, in dem Ehebruch und Kuppelei strafbar waren, sämtliche Verbote, die komplette Sexualmoral mit entsprechenden Strafbewehrungen, auf den Prüfstand kamen und einfach alles hinterfragt werden musste. Sicherlich ist man dabei über das Ziel hinaus geschossen. Nur wurde genau das auch behauptet, als die Strafbarkeit von schwulem Sex abgeschafft wurde (was genau genommen erst 1994 erfolgte).

    Heute, mehr als 30 Jahre später, ist man schaluer, kann die Dinge in einem klareren Licht sehen. Was bleibt, sind aus heutiger SIcht nicht mehr ganz nachvollziehbare politische Positionen. Nur warum muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man mittlerweile davon abgerückt ist? Völlig aberwitzig empfinde ich die Gleichsetzung von den damaligen politischen Thesen mit tatsächlich durchgeführtem Kindesmissbrauch. Ein Parteiprogramm, so fragwürdig es auch sein mag, kann nur dann zu Opfern führen, wenn es auch umgesetzt wird. Das ist nicht passiert.
    Die Grünen haben sich seit Ewigkeiten von diesen Ansichten distanziert. Diese Thesen waren nicht mehr als ein Papiertiger, ein solches Gesetz ist nie verabschiedet worden.
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