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"Klänge des Verschweigens"

Der schwule Onkel saß im KZ


Vor der Hinrichtung des Häftlings Hans Bonarewitz im KZ Mauthausen spielt eine Häftlingskapelle; in der Mitte Willi Heckmann mit kleinem Akkordeon (Bild: Wiki Commons / Michelop / CC-BY-SA-2.0)

Für seine Doku "Klänge des Verschweigens" recherchierte Klaus Stanjek zehn Jahre lang. Die Familie versuchte das Schicksal seines Onkels Wilhelm Heckmann zu verheimlichen.

Ab 26. September wird der Film "Klänge des Verschweigens" in Berliner Kinos gezeigt. Es handelt sich um ein historisches Dokumentarprojekt zur Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt steht die Biografie des Sängers und Pianisten Wilhelm Heckmann. Er war ausgebildeter Konzertsänger und trat seit 1923 bis in die 1960er Jahre hin in ganz Deutschland und der Schweiz auf.

Ausgebildet als Konzertsänger und Pianist hatte Heckmann ein breites Repertoire anspruchsvoller Arien, Chansons und romantischer Lieder bis hin zur Unterhaltungsmusik aus den UFA-Filmen und populären Schlagern. Seine Homosexualität wurde ihm zum Verhängnis. Nach Denunziation und Verhaftung wurde er 1937 ins Konzentrationslager Dachau deportiert, später von da ins Konzentrationslager Mauthausen.

Als Mitglied der Häftlingskapelle das KZ überlebt


Werbepostkarte von Willi Heckmann aus dem Jahr 1936 (Bild: Carl Linke (Privateigentum Klaus Stanjek))

Trotz der extrem harten Umstände konnte Willi Heckmann bis zum Kriegsende und der Befreiung überleben. Vermutlich hat seine besondere Musikalität sein Leben gerettet, als Musiker eines Lagertrios und späterer Mitwirkender des Gefangenenorchesters wurde er als Funktionshäftling behandelt und hat leichtere Aufgaben übertragen bekommen.

Der Initiator des Projektes und Autor des Dokumentarfilms, Klaus Stanjek, ist der Neffe von Wilhelm Heckmann. In seiner Familie regierte das Gesetz des Schweigens. Eine Reihe von Umständen verhinderte bis zu Heckmanns 90. Geburtstag das offene Gespräch über sein Schicksal – unter anderem wegen der (lange verborgenen) Parteinahme der Mutter für die Nationalsozialisten. Insgesamt zehn Jahre dauerten die Recherchen und die Herstellung dieses Films.

"Wegen der aufgeladenen Familientabus war die Geschichte dieses Mannes nie offen zugänglich", erklärt Stanjek zu seinem mühsamen Projekt "Entsprechend basiert das Material des Films vor allem auf sekundären Quellen wie Erzählungen von Verwandten und Augenzeugen, meinen eigenen Erinnerungen, aufgespürten Dokumenten und auf vielen Fotos." Seine Spurensuche führt den Zuschauer in die belastete, widersprüchliche Vergangenheit der deutschen Geschichte – und macht die Dynamiken des Verdrängens und Verdrehens der Wahrheit emotional nachvollziehbar. (cw/pm)

Youtube | Trailer zum Film
Infos zum Film

"Klänge des Verschweigens" wird ab Donnerstag, den 26. September 2013 in folgenden vier Berliner Kinos gezeigt: Hackesche Höfe Kino, Moviemento, Eva-Lichtspiele und Filmkunst 66. Am Samstag, den 28. September 2013 um 19.00 Uhr findet eine Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion im Moviemento statt. Das Podium ist mit Klaus Stanjek und Dr. Alexander Zinn, Mitglied im Internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, besetzt.


#1 timpa354Ehemaliges Profil
  • 25.09.2013, 16:20h
  • Ich hoffe , dass ich diese Dokumentation auch als Nicht Berliner zu sehen bekomme, denn die Geschichte klingt sehr interessant.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 25.09.2013, 18:50h
  • Entrechtung und Vergessen über '45 hinaus.

    Vera Lengsfeld (CDU) begründet ivor dem Bundestag hre Ablehnung für ein Mahnmal für unsere Verfolgung:

    "Aber warum soll unsere Geschichte allein im Schatten der nationalsozialistischen Vernichtungslager gesehen werden? Wenn wir über Denkmale für weitere Opfergruppen im Gefolge des Nationalsozialismus sprechen, ist zu fragen: Wann wird ein zentrales Mahnmal für die Opfer des terroristischen Bombenkrieges errichtet? Wann erhalten wir eine Gedenkstätte für die Millionen Opfer der Vertreibung? Wann gibt es eine Ehrenpension für die Opfer des SED-Staates?

    Vizepräsident Dr. Norbert Lammert:

    Frau Kollegin, Sie denken bitte an Ihre Zeit.

    Vera Lengsfeld (CDU/CSU):

    Ich sage noch einmal: Geschichte ist unteilbar.

    Wir glauben an das freie und verantwortliche Individuum. Wir wissen um den Unterschied zwischen individueller und unabweisbarer politischer Schuld sowie der daraus erwachsenden Verantwortung. Aber wir werden uns das Vertrauen in die freiheitlichen Traditionen Deutschlands nicht nehmen lassen. Erinnerungskultur ist ein heikles Unterfangen. Stabile und freiheitliche Formen politischer Ordnung lassen sich nicht auf ein kollektives Schuld- oder Schandebewusstsein begründen."

    Wir sehen an diesem Beispiel und an Reiche u. Co.: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Nach dem Motto: Sollen sie doch in Tel Aviv ein Mahnmal für deutsche Volksschädlinge errichten.
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#4 SmileyEhemaliges Profil
  • 26.09.2013, 17:12h
  • Guter Grund für einen Besuch in B-Stadt.

    Es zeigt auch, wie sehr die sogenannte Nachkriegszeit noch Nazizeit war, die Biedermännerei der Brandstifter und Mitläufer.

    Wär's nicht auch ein guter Versuch mal dem so gern bemühten Bildungsauftrag nachzukommen, für die gebührenbezuschussten unter den werbefinanzierten Rundfunk Anstalten, diese Dokumentation zu senden?
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#5 antos
  • 26.09.2013, 19:38h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • "Erinnerungskultur ist ein heikles Unterfangen. Stabile und freiheitliche Formen politischer Ordnung lassen sich nicht auf ein kollektives Schuld- oder Schandebewusstsein begründen."

    Immer wieder gibt Lengsfeld unglaubliche Dummheiten von sich; dieser Fauxpas [in unserer zivilisierten Debattenkultur haut ihr dafür ja zum Glück niemand eine rein] wäre doch ein schöner Anlass für sie, fortan den Mund zu halten und still 'freiheitliche Formen politischer Ordnung' zu erforschen. Ach nein, Moment, muss sie nicht, sie kennt sie ja alle!
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 26.09.2013, 23:20h
  • Antwort auf #5 von antos
  • Nette Debattenkultur.

    'Bombenterror' ist übrigens Originalton 'Doitsche Wochenschau'.

    Das Widerlichste an völlig schamlosen Gestalten wie Lengsfeld ist ja, dass Sie nicht nur nicht schweigen, sondern noch andere über die westliche Demokratie und ihre Werte belehren wollen.

    Auf dass Lincoln und Roosevelt und Harvey Milk im Jenseits rotieren mögen...
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#7 SmileyEhemaliges Profil
#8 goddamn liberalAnonym
  • 27.09.2013, 08:02h
  • Antwort auf #7 von Smiley
  • Da saß mancher im Bunker, der hoffte, dass er von der braunen Pest befreit wird, bevor er getötet wird - so oder so.

    Für Lengsfeld aber lebt die doitsche Volksgemeinschaft weiter, aus der wir und viele andere ausgestoßen waren.

    Deshalb muss für sie die Erinnerung an die Opfer ausradiert werden.
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#9 SmileyEhemaliges Profil
  • 27.09.2013, 12:08h
  • Antwort auf #8 von goddamn liberal
  • Manchen war der Luftschutzraum verwehrt.

    Victor Klemperer Tagebücher 2. Band 1942-1945, die Schilderung der Tage vom 12. bis 19. Februar '45. (Seiten 656-677; Aufbau-Verlag, 3. Auflage, 1995)

    Lengsfeld lebt ihre Erinnerung an eigenes Verfolgtsein als Chauvinismus aus. Sie macht die Arbeit an der Rampe. Sie selektiert die für sie erträglichen wertkonservativ vereinnahmbaren Opfer von den ihr ritualuntauglich erscheinenden. Sie benutzt das sogennante Gedenken, die wohlbekannten und -feilen Sonntagsreden, zur Umgestaltung dieses Gedenkens im Sinne ihrer politischen Interessen - und noch mehr zur Selbstbeweihräucherung.
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#10 -hw-Anonym
  • 27.09.2013, 12:46h
  • Antwort auf #8 von goddamn liberal
  • Oder so. Meiner Mutter sehe ich an, dass es wieder geschah. Diesen Gesichtsausdruck hat sie, wenn sie mich aufgeregt besucht, nachdem ihr Lebensgefährte zum Rauchen mal wieder auf der Terrasse stand und in die Wohngegend schrie "Drecks-Soze!", "Drecks-Türkenpack". Den ehemaligen Universitätsangestellten, CDU-Mitglied, gibt es überhaupt nur, weil die zum Katholizismus konvertierte jüdische Familie aus einer pfälzischen Kleinstadt während des Krieges auf dem Land in Lothringen versteckt wurde. Sie hatten nur Erfahrungen mit dem Lärm der Bomber-Staffeln am Himmel , aber nicht mit dem Wummern von Bombenteppichen in städtischen Gebieten und dem Geruch von Napalm.

    "Da saß mancher im Bunker, der hoffte, dass er von der braunen Pest befreit wird, bevor er getötet wird - so oder so." Das hätte für meinen jüdischen und "halb-jüdischen" Teil der Familie gegolten, wenn meine "jüdisch-bolschewistische" Uroma nicht beschlossen hätte, nicht in die Bunker zu gehen. Sie befürchtete ein Absaufen (Leitungsbrüche) durch fluten der Keller. Das war dann bei zwei zentralen Großbunkern auch so.
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