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Regierung fürchtet um Sicherheit der Teilnehmer

CSD in Belgrad erneut verboten


CSD in Belgrad 2010

Zu Update springen: Parade in der Nacht abgehalten

Die für Samstag geplante Demonstration wurde wie alle Gegendemonstrationen in letzter Sekunde nicht genehmigt.

Der serbische Sicherheitsrat hat am Freitag ein Verbot der für Samstag geplanten CSD-Demonstration in Belgrad beschlossen. Mit der Entscheidung in letzter Sekunde wurden aus angeblichen Sicherheitsgründen auch alle geplanten Gegenproteste verboten.

Ivica Dacic, der sozialistische Ministerpräsident des Landes, sagte den Medien, niemand solle daran zweifeln, dass "verfassungsrechtlich verbriefte Rechte bewahrt" würden. Allerdings habe man bei dem Event Bedenken aus Gründen der Sicherheit. Dies sei "keine Kapitulation vor Hooligans", betonte er. Zugleich kritisierte er die CSD-Veranstalter für ein unnötiges "Spektakel" kurz vor Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen.

Der CSD war bereits 2009, 2011 und 2012 verboten worden – im letzten Jahr feierten Schwule und Lesben dann hinter den verschlossenen Türen eines Medienzentrums (queer.de berichtete). Dacic sagte damals, 80 Prozent der Bevölkerung seien gegen einen CSD. Hätte die Parade stattgefunden, hätte es ein "Blutbad" gegeben.

Während das serbische Fernsehen an jenem Oktobertag vor einem Jahr den Publikumserfolg "Parada" über einen CSD in Belgrad ausstrahlte, erinnerte die Regierung an den CSD 2010, der in Gewalt endete.

Damals wurden nach Ausschreitungen mit Nationalisten rund 80 Polizisten verletzt. Die Gegendemonstranten hatten mit Steinen und Brandbomben auf die CSD-Teilnehmer geworfen. Drei Busse wurden in Flammen gesetzt, der Empfangsbereich des Senders RTS wurde verwüstet. Einen Sturm aufs Parlament und mehrere Botschaften konnte die Polizei verhindern (queer.de berichtete). Bereits 2001 hatte es bei einem ersten CSD Krawalle gegeben.

Die Polizei hatte in diesem Jahr angekündigt, mit 6.500 Polizisten für den größten Einsatz ihrer Geschichte bereitzustehen. Die Gewerkschaft der Polizei hatte die Regierung kritisiert, die Entscheidung über eine Genehmigung zu verzögern, und erklärt, den CSD und alle Teilnehmer schützen zu wollen. Sie kritisierte auch Dacic, der Teilnehmer des CSD "abnormal" genannt hatte.

Die Parade hätte den Abschluss einer CSD-Kulturwoche sein sollen, die ohne Probleme ablief. "Serbien hat gezeigt, dass es grundlegende Menschenrechte nicht respektiert", kritisierte Goran Miletic von den CSD-Veranstaltern. Bis auf die Nationalisten habe ganz Serbien verloren, weil das Verbot auch die Gespräche mit der EU belaste.

Brian Sheehan von der Organisation ILGA-Europe kritisierte am Abend das Verbot: "Wie in vorherigen Jahren wurden Drohungen von Gegendemonstranten genutzt, um eine friedliche Pride-Demonstration zu verbieten. Eine solche Manipulation ist nicht länger akzeptabel." Sollte Serbien den gewünschten EU-Beitritt ernst nehmen, müsse es "fundamentale demokratische Freiheiten" gewährleisten. (nb)

Youtube | Video vom CSD 2010

Der nächtliche Ersatz-CSD (Bild: ParaDA!)

 Update  29.9.h: Parade in der Nacht
Rund 200 Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender haben die Parade des Belgrader CSD in der Nacht abgehalten. Die spontane Demo war per SMS organisiert worden.

Die Teilnehmer marschierten vom Sitz der Regierung zum Parlament. Die Polizei schützte die Veranstaltung und sperrte für sie zeitweilig zum Verkehr. Es kam zu ein paar homophoben Äußerungen, aber zu keiner Gewalt. Gegner des CSD hatten zu spät von ihm erfahren. (nb)

Youtube | Die Ersatz-Parade 2013


#1 David77Anonym
#2 PolizistAnonym
  • 27.09.2013, 21:35h
  • "Die Gewerkschaft der Polizei hatte die Regierung kritisiert, die Entscheidung über eine Genehmigung zu verzögern, und erklärt, den CSD und alle Teilnehmer schützen zu wollen.

    Sie kritisierte auch Dacic, der Teilnehmer des CSD "abnormal" genannt hatte."
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#3 MeineFresseAnonym
  • 27.09.2013, 22:13h
  • Wieso darf ein Land in dem Es wegen eines CSDs ein Blutbad gibt oder geben könnte zu einer EU-Beitrittsverhandlung?

    Und davon ab, wieso holt man ständig kulturell und sozial so "anders-seiende" Länder in die EU? Was will man damit bezwecken?

    Die EU fliegt jetzt schon fast auseinander, der Euro ist am arsch. Es hilft einem armen Land nachweislich nicht weiter, in der EU zu sein, ganz im Gegenteil. Was soll das?

    Wenn Serbien auch noch reinkommt, haben die homophoben Länder langsam Übergewicht.

    Ich kapiere es nicht. Nicht nur wegen der Homophobie, auch sonst sind die "Werte" und Maßstäbe usw. einfach völlig andere. Wieso will man solch unterschiedliche Länder zwanghaft in einen topf werfen obwohl es überhaupt keine Einigkeit gibt?

    In leichtem Stil erinnert mich das an die Kolonialzeit in Afrika wo man Grenzen mit dem Lineal gezogen und verfeindete Völker miteinander "eingepfercht" hat was bis heute andauernde Bürgerkriege bedeutet hat.
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 RobinAnonym
  • 27.09.2013, 23:15h
  • Serbien beweist wieder mal, dass es nicht in die EU gehört!

    Sollte die EU weiter über einen Beitritt Serbiens verhandeln, wäre das das Ende der EU!

    Dass die EU schon mehrfach denselben Fehler gemacht hat, hat sie erst in die Lage gebracht, dass aus einer Europa-Euphorie der Bürger nur noch Skepsis oder gar Hass auf die EU geworden ist.

    Und wenn sie sich einfach weigern aus ihren Fehlern zu lernen und immer und immer wieder dieselben Fehler machen, dann wird einer davon der letzte gewesen sein.
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#6 GiorgioAnonym
#7 gggastAnonym
  • 28.09.2013, 09:19h
  • Natürlich beweist Serbien damit, dass es in der EU nichts verloren hat.

    Aber die EU ist eben leider kein Hort der Menschenrechte, sondern nach wie vor primär ein Marktinstrument, bei der es um Sicherung von Absatzmärkten und billigen Arbeitskräften für die kräftigen Industrieländer geht.

    Wenn Menschenrechte da zufällig ins Bild passen, dann wird das gern genommen, aber die Markterweiterung wird daran keiner scheitern lassen.
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#8 vulkansturmAnonym
  • 28.09.2013, 10:21h
  • Wer hier gleich wieder gegen EU-Beitrittsverhandlungen wettert, der tut den homophoben Nationalisten, die keinen EU-Beitritt wollen, einen Gefallen und schadet den Homosexuellen in Serbien, die von Beitrittsverhandlungen profitieren würden.
    Wie kann man so primitiv und geistig beschränkt sein. Manche Kommentare scheinen rein rassistisch motiviert zu sein. Jedenfalls geht es Euch nicht um die Rechte und Freiheiten von Homosexuellen in Serbien.
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#9 vulkanstrumAnonym
  • 28.09.2013, 10:46h
  • Antwort auf #3 von MeineFresse
  • Wenn Sie sich hier hochnäsig über "sozial und kulturell andersseiende Kulturen" herziehen, dann sollten Sie sich bewußt machen, dass es erst ein paar Jahrzehnte her ist, dass in Deutschland Homosexuelle in Konzentrationslagern ermordet wurden
    Übrigens wurde in vielen Ländern durch EU-Beitrittsverhandllungen die Situation Homosexueller verbessert.
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#10 MeineFresseAnonym
  • 28.09.2013, 12:26h
  • Antwort auf #9 von vulkanstrum
  • " Sie sich bewußt machen, dass es erst ein paar Jahrzehnte her ist, dass in Deutschland Homosexuelle in Konzentrationslagern ermordet wurden"

    Und was interessiert mich das in der Gegenwart? Mit der Begründung könnte man auch Saudi Arabien in die Eu holen. Weil wir haben das ja schliesslich auch mal gemacht.

    Dann soll Serbien selbstständig denselben Weg wie Deutschland gehen und wenn sie das geschafft haben nochmal anfragen. Falls es die Eu dann noch gibt.

    Ob sich die Situation (ausser auf dem Papier) gebessert hat, da bin ich nicht sicher. Die Reaktionen auf CSDs und die Aussagen von Geistlichen und Politikern sprechen da eine andere Sprache.
    Da sind halt ein paar Augenwischereigesetze verabschiedet worden auf massiven Druck hin und das war es.
    Die Frage ist doch, ob das in der Bevölkerung auch so angekommen ist.

    Hast du den Film Parada nicht gesehen?

    ich bin auch aus nicht Homophobie-Gründen gegen weitere Beitritte von vergleichsweise wirtschaftlich schwachen Ländern. Das Beispiel Griechenland sollte doch Warnung genug sein. und den Griechen geht es auch nicht besser seit dem Beitritt, sondern schlechter. Und nicht nur denen.
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