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  • 03.10.2013           2      Teilen:   |

Exotik ohne Palmen

Heiß auf Eis in Island

Artikelbild
Reiseführer Adalsteinn Birgisson führt Island-Touristen sicher über die Gletscher (Bild: Robert Niedermeier)

Die Wikinger-Insel im Hohen Norden bietet Abenteuer und raue Romantik. Eine Reise zum Sölheimajökull-Gletscher.

Von Robert Niedermeier

Sein blondes, halblanges Haar weht im Wind, dazu breite Schultern, ein kerngesunder Teint, die stahlblauen Augen und das zum Dahinschmelzen charmante Lächeln: Der knapp 30-jährige Adalsteinn Birgisson erscheint einer Wikinger-Erotikschnulze entsprungen zu sein: "Sehr gerne", antwortet der Naturbursche mit sonorer Stimme, spreizt bereitwillig seine trainierten Beine und stampft kräftig zum sicheren Halt mit dem rechten Fuß auf den glatten Boden. Die glänzenden Edelstahl-Spikes seiner klobigen Schneeschuhe dringen in das transparente Eis des Sölheimajökull-Gletschers ein, dann posiert der attraktive Tour-Guide wie ein Profi-Model.

Dass die Fotos als Lockmittel für schwule Männer dienen sollen, nimmt Adalsteinn Birgisson geschmeichelt als Kompliment auf. Schließlich kennt er auch die lesbisch-schwule Crew von Pink Iceland Tours sehr gut: "Wir sind Freunde", erzählt der heldenhaft anmutende Hüne über seine Verbindung zu den emsigen Touristikern und plaudert aus, dass er seinen Samstagnacht-Wodka gerne in einem der queeren Lokale von Reykjavík trinke, der lebendigen und internationalen Hauptstadt Islands (siehe unseren Reisebericht "Reykjavik – die 'coolste' Hauptstadt der Welt").

Doch jetzt, hier am Rande des mächtigen Gletscher-Massivs, ist die Zivilisation weit weg. Stattdessen ist Vorsicht geboten. Tiefe Gletscherspalten lauern nahezu unsichtbar unter der blau schimmernden eisigen Oberfläche. Selbst ein Sturz am schlichten Abhang könnte tödlich enden. Weshalb dem fitten Abenteuer-Sportler keine Zeit zum Flirten bleibt. Er widmet sich pflichtbewusst der Instruktion seiner Touristen-Gruppe, die ihm voll und ganz vertraut. Er bringt ihr sogar bei, wie man auf Wasser läuft. "Das kann sonst nur Jesus", lacht der Tour-Guide, umfasst die Taille eines Teilnehmers sanft, um zu zeigen, wie man auf den Stiefel-Spitzen sicher über das auf ewig zu Eis gefrorenem Nass schreitet.

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Ein mystisch anmutende Landschaft

Faszinierende Landschaft: Sandkegel auf dem Sólheimajökull - Quelle: Wiki Commons / Patagonier / CC-BY-SA-3.0
Faszinierende Landschaft: Sandkegel auf dem Sólheimajökull (Bild: Wiki Commons / Patagonier / CC-BY-SA-3.0)

Oben auf dem Berg sichten die begeisterten Touristen schieres Eis, der Blick ins Tal schweift über schwarze Aschefelder und in der Ferne stürzt ein Wasserfall in die Tiefe. Aufgrund der mystisch anmutenden Landschaft würde es kaum verwundern, wenn im nächsten Moment Feuer speiende Drachen am stahlblauen Himmel vorüber flögen und Kobolde zwischen Vulkangestein und Gletscherzungen hin und her sprängen. Zwei Kontinente prallen auf dem von Sagen umwobenen Eiland aufeinander, Lava durchdringt ihr Inneres und außen tosen die kalten Atlantikwellen von Amerika und Skandinavien herüber auf schroffe Küsten. Island bietet Exotik pur, das Ganze halt ohne Palmen.

Romantisch ist es trotzdem, wenn sich ein Regenbogen am Fuße des seit 2010 weltberühmten Vulkans Eyjafjallajökull im Spiel aus Nieselregen und Sonne über das grüne Tal spannt. Romantik macht sich auch breit, wenn unweit der sagenhaften Paradieshöhle entlang der südlichen Landstraße zwischen Hvolsvöllur und Skógar der Wasserfall Seljalandsfoss von einer Hochebene hinab 66 Meter in die Tiefe stürzt. Der Faszination kann sich niemand entziehen.

Der schwule Berliner Schriftsteller, Musiker und Island-Experte Wolfgang Müller (Die tödliche Doris) ist ebenfalls ein Fan der Insel, befasst sich in seinen Arbeiten auch mit den Mythen der Insel und scheut sich nicht, immer wieder zu erwähnen, dass Elfen die 103.000 Quadratkilometer große Insel im Nordatlantik bewohnten. "Stundenlang habe ich mit ihm darüber gestritten, bis wir schließlich beide ganz fest daran glaubten", berichtet Schriftsteller und Icelandair-Mitarbeiter Arthúr Bollason auf der Hinfahrt zum Gletscher über die Besuche des Avantgarde-Artisten: "Sagenhaft auch, wie viel wir dabei getrunken haben", lächelt der bekannte Isländer mit Zweitwohnsitz im deutschen Frankfurt.

Schwule Romantik beim herbstlichen Schafabtrieb

Abenteuer-Tour auf Island: Abstieg in die Gletscherspalte
Abenteuer-Tour auf Island: Abstieg in die Gletscherspalte (Bild: Robert Niedermeier)

Viel zu trinken, das ist in der Tat eine typische Eigenschaft der Isländer. Doch darf man den Geschichten Glauben schenken, dass sich Jahr zu Jahr zum herbstlichen Schafabtrieb romantische Szenen à la "Brokeback Mountain" unter wärmenden Wolldecken in den südlichen Berghängen abspielten? "Sie meinen den Film?", antwortet Arthúr Bollason mit einer rhetorischen Gegenfrage, um dann ins Detail zu gehen. "Das ist keine reine Fantasie", klärt der graumelierte Herr überraschend nüchtern auf: "Die Männer sind wochenlang in freier Wildbahn unterwegs, wenn die Chemie stimmt, kann einiges passieren, um sich aufzuwärmen." Empörung oder gar Abscheu ist im Gesicht des eingefleischten Heteros nicht zu erkennen.

Wie der verheiratete mehrfache Vater Bollason, sind die allermeisten Isländer locker, tolerant und wahrlich nicht prüde. Die Politik ist traditionell liberal, selbst Politik-Promis trifft man nackt in der Dampf-Sauna und die Kirche hält sich diskret zurück. "Die sind froh, dass wir keine Heiden mehr sind", grinst Bollason und berichtet nicht ohne Stolz von der ersten lesbischen Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir, die bis Mai 2013 den Inselstaat regierte. Dann schweift er ab, zählt unzählige starke Frauen auf, welche die seit dem 9. Jahrhundert schriftlich erfasste Geschichte der ersten Demokratie des postantiken Europas prägten. Abenteuerlich waren sie allesamt: Schließlich ist es auch ohne Dramen um Macht, Eifersucht, Clan-Fehden und zuletzt der Bankenkrise spannend genug.

Eisige Winterstürme, Vulkanausbrüche, Ascheregen und durch plötzliche Gletscherschmelzen verursachte Fluten sind die weniger spaßigen Seiten. Doch – nach einer Stunde auf dem im Sonnenlicht glitzernden eisglatten Sölheimajökull-Gletscher – macht der hübsche Adalsteinn auf die Abenteuer aufmerksam, die jenseits der für isländische Verhältnisse dicht bevölkerten Region von Reykjavík auf abenteuerlustige Touristen warten: "Im Sommer bin ich selbst auch als Wildwasser-Rafting-Guide auf dem Fluss Hvítá unterwegs", macht er Lust auf mehr und zählt auf, was sonst noch geht: Motorisierte Snow-Mobile- oder Quad-Ausflüge, naturnahes Reiten auf den echten Island-Ponys in der Region von Höfuðborgarsvæðið.

Ebenso stehen Wanderungen durch das Tal von Reykjadalur und um den Vulkan Hengill, wo zahlreiche heiße Quellen zum Nacktbaden warten , auf Addalstein To-Do-Liste. "Aber da lasse ich mich nicht breitbeinig fotografieren", grinst der toughe Tourguide spitzbübisch.

  Anreise
Für eine Reise nach Island empfehlen wir Icelandair. Die Fluggesellschaft unterstützt nicht nur seit vielen Jahren schwul-lesbische Events wie den Reykjavik Pride, sondern gilt mit ihrer strikten Antidiskriminierungspolitik als einer der LGBT-freundlichsten Gesellschaften der Branche. Islands internationaler Flughafen Keflavik wird aus Deutschland direkt von Frankfurt und München sowie im Sommer auch ab Hamburg, Zürich und Genf angeflogen. Bei Flügen nach Nordamerika kann ein kostenloses Stopover auf Island eingelegt werden.
Links zum Thema:
» Island-Touren von Pink Iceland
» Homepage von Icelandair
» Festival Rainbow Reykjavik vom 30.1.-2.2.2014
» Reykjavik Pride im August 2014
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Tags: island, reykjavik
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Reaktionen zu "Heiß auf Eis in Island"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.10.2013
09:57:15


(0, 4 Votes)
 
#2
03.10.2013
15:10:08


(-2, 4 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #1 von andersson


Dieser reaktionäre Ausraster renkt sich wieder ein...


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 Ort: Sölheimajökull


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