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Erste Bilanz nach Ehe-Öffnung in Frankreich

Paris: 12 Prozent der Ehen von Homo-Paaren geschlossen


Geneviève Lesage (88) und Monique Iltis (70) sind seit 43 Jahren ein Paar. Am 6. Juli 2013 konnten sie in Cahors heiraten (Bild: Philippe Ramond)

In der französischen Hauptstadt haben seit Juni 2013 über 500 lesbische und schwule Paare geheiratet. Unterdessen ziehen Gleichstellungsgegner erneut vor Gericht.

Von Ulrich Würdemann

510 Paare des gleichen Geschlechts haben sich seit Juni 2013, seit Inkrafttreten der "Ehe für alle" (mariage pour tous) in Frankreich, allein in Paris das Ja-Wort gegeben. Dies berichtet das Magazin "Têtu". Damit haben gleichgeschlechtliche Ehen einen Anteil von 12 Prozent an allen Eheschließungen (4.240) in der Hauptstadt.

Prozentualer Spitzenreiter bei den gleichgeschlechtlichen Eheschließungen ist das 4. Arrondissement. Es ist eines der ältesten der Stadt – und umfasst mit einem Teil des Marais (der andere liegt im 3. Arr.) auch einen bedeutenden Teil der schwul-lesbischen Szene von Paris. Bürgermeister Christophe Girard (Sozialisten) konnte in den vergangenen drei Monaten bereits 33 Homo-Paare trauen – was in diesem Zeitraum über 40 Prozent aller Eheschließungen in seinem Arrondissement ausmachte, darunter sieben Frauen-Paare und 26 Männer-Paare. Girard selbst war am 15. Juni der erste gewählte offen schwule Politiker, der nach dem neuen Recht heiratete.

Konservative Bürgermeister fordern Verweigerungsrecht

Der Bürgermeister "fühle sich geehrt und sei sehr berührt" vom großen Interesse der Bürger, von ihm selbst getraut zu werden, erklärte ein Sprecher der Verwaltung gegenüber der Tageszeitung "Figaro". "Er betrachte es als unvertretbar und nicht hinnehmbar, dass einige gewählte Volksvertreter das geltende Recht nicht respektieren wollen."

Damit spielt der Bürgermeister auf eine Petition der konservativen Opposition an, die von 20.000 Bürgermeistern und stellvertretenden Bürgermeistern Frankreichs unterzeichnet wurde. Diese fordern das Recht, aus Gewissens- und religiösen Gründen die Eheschließung lesbischer und schwuler Paare verweigern zu dürfen. Sie berufen sich dabei auf die Europäische Menschenrechts-Konvention sowie die Verfassung Frankreichs von 1946. Damit wird sich das französische Verfassungsgericht erneut mit der Ehe-Öffnung befassen müssen.

Nichtsdestotrotz sind französische Lesben und Schwule gerade in der Hauptstadt Paris sehr an der Eheschließung interessiert. Spitzenreiter in Paris in absoluten Zahlen ist das 6. Arrondissement (Luxembourg), in dem seit Juni 2013 15 Frauen- und 39 Männer-Paare getraut wurden.

Außerhalb der Hauptstadt ist das Interesse deutlich geringer: In den 50 größten Städten Frankreichs (außer Paris) wurden im gleichen Zeitraum nach Angaben von "Figaro" nur 596 Ehen zwischen Personen des gleichen Geschlechts geschlossen. Dies entspricht einem Anteil von einem Prozent an allen Eheschließungen.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 Martin28a
  • 06.10.2013, 15:05h

  • Ich glaube kaum das man so was aus Gewissensgründen ablehnen kann
    Schon garnicht in einem säkularem Land wie Frankreich
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#3 Aus Bad HomburgAnonym
  • 06.10.2013, 15:11h
  • Mich überrascht immer wieder mit welcher Kraft (manchmal auch Wut) die Franzosen über reine Formalitäten disskutieren können: in Paris ist die Homo-Ehe sogar für viele in der konservativen UMP kein Problem (so unterstützten Francois Fillon und Rashad Dati während des Wahlkampfs die Initiative einer feierlichen Zeremonie für die Paare, auch gleichgeschlechtliche, beim Eingehen von PACS im Rathaus, während Nathalie Kosziuszko-Morriset, die Kandidatin der Partei für den Pariser Bürgermeister bei den Wahlen im nächsten Jahr, auch die Ehe-Öffnung befürwortet), und da die Homo-Ehe in der fr. Provinz sogar im Jahr der Legalisierung eine große Seltenheit bleibt (ab jetzt werden die Zahlen nur in eine Richtung, und zwar - nach unten gehen, weil der Großteil von Frischvermählten darauf jahrelang gewartet hat), geht es bei Forderungen nach "clause de conscience" eher um reine Symbolik. Zeugt aber eben so eine Vorliebe für die Symbole etwa nicht nochmal vom trotz allem sehr katholischen Charakter der "ältesten Tochter der Kirche" ?
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#4 älteste tochterAnonym
#5 RobinAnonym
  • 06.10.2013, 17:53h
  • Wenn 12 % aller Hochzeiten von Schwulen und Lesben geschlossen werden, zeigt das nicht nur, dass wir einen hohen Anteil an der Bevölkerung haben und dass viele von uns diese Gleichstellung wollen. Sondern es zeigt auch, dass wir Werte leben.
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#6 FelixAnonym
  • 06.10.2013, 18:05h
  • "Konservative Bürgermeister fordern Verweigerungsrecht"

    Was ist das denn für ein sonderbares und zynisches Rechtsverständnis.

    In einem Rechtsstaat hat man sich an demokratisch beschlossene Gesetze zu halten. Punkt. Und wenn man das nicht will, muss man halt die Konsequenzen tragen.

    Und Bürgermeister, Standesbeamte, Verwaltungsleute, etc. die sich als Vertreter eines Staates nicht an dessen Gesetze halten wollen, müssen halt ihren Job verlassen. Auf solche Leute ist auch später nie mehr als Vertreter des Staates Verlass.
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#7 JoonasAnonym
  • 06.10.2013, 18:19h
  • "Diese fordern das Recht, aus Gewissens- und religiösen Gründen die Eheschließung lesbischer und schwuler Paare verweigern zu dürfen."

    Würden die auch das Recht fordern, Eheschließunge zwischen Paaren verschiedener Hautfarbe ablehnen zu dürfen?

    Es ist wirklich erschreckend, wie Vertreter eines Staates ernsthaft für sich fordern, die Gesetze dieses Staates missachten zu dürfen.

    Und dann wollen sie das auch noch mit Menschenrechten begründen, die jedoch gerade dem Recht und nicht des Hasses dienen.
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#8 FinnAnonym
  • 06.10.2013, 18:35h
  • Dass der Anteil der schwul-lesbischen Eheschließungen in den Städten, allen voran natürlich Paris, deutlich höher als auf dem Land ist, wundert mich nicht.

    Da das Klima in den Städten oft deutlich homofreundlicher als in Dörfern ist und es dort auch mehr kulturelle und Ausgeh-Angebote gibt, zieht es viele Schwule und Lesben vom Land in die Städte. Das ist ja auch in anderen Staaten ähnlich.

    Und die Schwulen und Lesben, die weiterhin in eher ländlichen Gegenden wohnen, nehmen ihre Rechte leider oft nicht wahr, selbst wenn sie es eigentlich wollen.

    Deswegen ist der niedrige Anteil auf dem Land nicht relevant. Das was zählt, ist der Anteil in den Städten. Und der zeigt ja, dass die Homoehe gewollt und nötig ist.
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#9 TheDadProfil
  • 06.10.2013, 19:04hHannover
  • Antwort auf #2 von Martin28a
  • 20.000 Unterschriften von Bürgermeistern und ihren Stellvertretern sprechen eine deutliche Sprache..

    Entweder haben die alle kein Gewissen, und zudem keine Ahnung von ihrer Verfassung die seit mehr als 200 Jahren Gleichheit festschreibt, oder sie alle so religiös verschwurbelt das die Säkularität Frankreichs, wie die aller anderer Staaten auch, angezweifelt werden muß..

    Ganz gleich..
    Ich zweifle ncht daran das die Ehe-Öffnung in Frankreich trotz dieses Aufbegehrens gewählter Bürgervertreter Bestand haben wird..

    Und die Zahlen der Eheschließungen werden zunehmen..
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#10 TimonAnonym
  • 06.10.2013, 20:26h
  • Dieses lesbische Paar auf dem Foto mit seinen 70 und 88 Jahren ist ja echt süß.

    Herzlichen Glückwunsch denen und allen anderen schwulen und lesbischen Paaren.

    Hier in Deutschland wird die Eheöffnung leider für manche Paare zu spät kommen, weil wir jetzt wieder mal 4 Jahre Merkels Schreckensherrschaft haben werden.

    Ich hoffe, dass noch viel mehr Paare die Ehe eingehen werden und dass die Homohasser auch mit ihren neuen Ideen wieder scheitern werden...

    Dass sich Homohasser nie mit den Fakten gesellschaftlicher Veränderung abfinden können...
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